Ausgabe 
6.1.1917
 
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ri W - Nr. 2

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Samstag. Sen b. Januar.

Königsträume.

Roman von Karl Busse.

(Nachvruck verboten.)

(Fortsetzung.)

An fernem Gesicht standen die Flecken. Ein jäher Sttah vrmh aus seinen Augen. Man hörte den Atem und die Stille Blutrot, zitternd, hatte sich auch Hanna van Graßnick er- yaoen. Sie war zitternd ein paar Schritte zurückgetreten Mit der 5)and stutzte sie sich auf den Tisch.

Das habe ich Ihrem Vater gesagt." begann er nacl «ner Paii)e schwer von neuem. ..Und er hat mir geantwortet datz er nichts dawider haben wolle, wenn Sie das Ja sagten Hanna! wenn ich noch lange reden müßte, daß ich Sie der riebe lieb habe, die den Menschen wie ein Sturm pack) und nicht loslaßt, dann wäre es schlimm für mich. Das weis jedes Weib, und die Leidenschaftsschauer, die uns durchschüt- teln, schlagen auch hinüber, werden auch empfunden von dem «Leibe, das wir begehren."

s.ühlte, tmu er recht hatte, fühlte, wie es durch sie Sie wollte ihm sagen, daß er schweigen, daß er Nicht weiterreden solle, aber sie brachte kaum ein abwehren­desNein!" über die Lippen.

Ms er nähertrat, wich sie noch einen Schritt zurück.

Man sagt von uns Polen," redete er mit verhaltener Mut weiter, daß wir leidenschaftlicher sind als die Deut- schen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur. daß Sie mein Weib werden sollen, Hanna, daß Sie mir das Jawort geben müssen. Ich war ein Narr, der in Paris vor schönen Frauen das Kme bog und unglücklich war, als er in die Heimat

fär» ^ , tn ber HEat fand ich Sie, die schöner

ist als alle ha draußen. Wenn Sie mich fortschicken, ich weiß nicht, was ich tue. Ern einziges Wort nur, und mein Leben hat nur noch einen Zweck: Sie glücklich zu machen. Sprechen Sie das Wort aus, geben Sie mir die .Hand, sagen Sie, baß En Hai^ bald eine junge Herrin haben soll, vertrauen Sie Ihr Glück uiid Leben einem Menschen an, der es fest und

Sie denn^so?"^^^' 9Barum reben Sie nicht? Warum zittern

Er brach kurz ab. Mer er breitete wild die Arme aus- Hanna I"

f ä ^>ar ein Aufschrei. Und wie ein feuriger Mantel um- sie der jähe Ausbruch seiner Leidenschaft. Wäre er jetzt

gab . .. 7 . ,_

Sugefprungen, sie hätte sich nicht viel wehren könnem Ms hatte er sie niedergerungen, fühlte " wankten, wie es heiß über sie hinlief.

lte sie, wie ihre Knie

Liebte sie ihn denn? War's nur die suggestive Kraft, die von seiner Leidenschaft ausging, die auch ihr das Blut schneller durch die Adern trieb? Riß der Sturm auch sie mit? Und immer von neuem: Liebte sie ihn denn? Noch immer tte er die Arme ausgebveitet, die wild uiid wartend sich ^en. als wollten sie sie umllammern und nicht mehr

Ms müsse sie einen Schutz haben, hatte sie sich immer fester an den Tisch gedrängt.

Ich will nicht," stieß sie hervor,ich will nicht, daß Sie so reden!"

Ich liebe Sie, Hanna!"

Der keuchende Menuwar wieder allein im Gemach. Dann sanken seine Arme. Wie eine Ermüdung kam es über ihn.

Und nun geben Sie mir Ihre Antwort f"*

©3 war, als ob bei dem stilleren und matteren Klang dieser Worte ein lähmender Bann von ihr wiche. Sie rich­tete sich hoher auf: sie zitterte nicht mehr. Bluttot blieb aber ihr Gesicht.

Ich kann Ihnen keine Antwort geben!" sprach sie leise.

Und warum nichts

Weil ich ja auf das alles nicht gefaßt war!"

"O," er schüttelte das HauptSie müßten kern Weib lern, wenn Sie nicht längst gewußt hätten, wie es steht. lL>re mußten kein Weib sein, wenn Sie yalb unbewußt sich nicht schon mit dem Gedanken beschäftigt hätten: Was Sie antworten werden, wenn diese Frage einst an Sie gerichtet wird."

_ Ein leises Zucken Hanna von Graßnick hatte an den L.ag gedacht, als Versen und sie allein vor dem gedeckten Frühstückstisch gestanden Und mit einem Male war es ihr. als stünde neben dem Grafen ein anderer: kerzengerade, ein preußischer Offizier, uird sehe sie ernst und totenblaß an. Einer, der nie so von wilder Leidenschaft gerüttell und ge­schüttelt sein mochte: Versen!

Während der Werbung des Grafen ward Hannas Auge groß uiid äng>tlich. Sie hörte wieder die herben Worte Ver- sens, in denen die Angst, in denen tiefe Scheu zitterte. Wie lauteten sie gleich? Ob sie um eines Polen willen, der reich, vornehm, interessant sei, alles opfern könnte, ihre Nationall. tät, ihre Muttersprache; ob sie sich ganz lösen könne uiid wolle aus dem Volke, dem ihre Familie seit Jahrhunderten angehöre?

Und wie hatte sie diese Frage beantwortet?

Ich glaube nicht!" hatte sie gesagt.

Ms stände Versen vor ihr, als wartete er noch einmal aui dieselbe Entgegiinng, sah sie an dem Grafen vorbei. Und als spräche es ihr jemand vor, und sie brauchte es nur nachzuredeu, begann sie zögernd erst, dann fester:Ich branche Ihnen nicht zu versichern, Herr Gras, daß ich ganz 1)6« Umfang Ihrer Worte empfinde und sie zu schätzen weiß. Ich möchte wohl, daß Sie mir das glauben. Und daß ich Sie ganz davon überzeugen könnte, wie gern wir Sie )ier sehen. Was ich sonst sagen kann, es ist wirklich ttotz allem so überraschend, und ich bitte Sie: erlassen Sie mir )te Antwort! Ich konnte heute weder Ja noch Nein sagen. Das müssen Sie dock) verstehen: man ist doch verwirrt. Lttel- ! eicht kann ich Ihnen später eine bestimmte Antwort geben. Es ist doch der größte Entschluß des Lebens Und gerade in diesem Halle. da iit das dovvelt frfiroerf"