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Vermischtes.
* T ie Getreidefei me als Fett quelle. Tie Be-
mütungm, alle Wtenntcn Verfahren der Fettgewinmmg für den Großbetrieb auszubauen, damit D«ttschimtt> nach Möglickstett seine in irgend einer 3orm vorl>andcnen Fettvvrräbc <xud;i tvirklichi int die Volksernährung flüssig machen fomi, l-aben die Aufmerksam- feil der mit dieser Aufgabe betrauten Kreise, in diesem Fall des .^kriegsausfclusses für Oele und Fette," Mts vhte bisher lau in beamtete Fettquelle, den Getreidekeim, gelenkt. Bisl-e.r siel dieser in seiner Zusammensetzung und dtädrkraft fleischähnliche Bestmidteil des-Getreidekeimes mit der Meie ab und wurde so der mensch!reden Ernährung mtzogen. während doch mtt verhältnismäßig einfachen. Müteln die Absckerdung der Keime in den Mühlen zu erreichen wäre. Damit wären aber zwei überaus wül>tige Nährstoffe mit einem Sckckage der planmäßigen Gewimnnrg zugänglich gemacht, tzetr und Eiweiß. Ein bloßes Lagern der Keime ist nickt angängig, weil die reichlich rwrhandenen Fermente ^rmr Teil die eben> falls ausgiebig vorhandenen settäbnlickcn Stoffe so zu tpalten. vermögen. daß ein unangenehmer bitterer Geschanack mit ber Zell auftritt. .Löst man dagegen.die Fette, die bei Roggen y. B. mit 12 'Prozent veranschlagt iverden dürfen, Mls d«r isolierten Keimen heraus, so konnnt man dem erwähnten Priest ziwor und hat die 35 Prozent EiN'eißstvffe in einer für die Ernährung einwandfreien Weise getvomien. Das Fett läßt sich industriell verwenden oder nach Raffinierrmgsprozessen auch als Speiseöl gebrauchen. Da. wie Prof. H. Boruttan in der „Umschau" mlt- teilt, der Keim beim Weizen z. B. 2—3 Gewichtsprozent aus- nmcht, darf bei einer praktischen Ausberlle von nur 1—1,5 Prozent - selbst nur -/» der deutschen Getreideernte mit embezogen —, nod immer auf 100 -150 Tausend Tonnen Keime gerechnet werden, die H—10000 Tonnen Oel sich, entziehen taffen. Tre großen Mengen Keimmehl konnten »mschsver ivetten Bevölkerung^ schichten billig jur Verfügung gestellt werden. B.
* Londoner Einkan fs f r e nd en. Tie folgenden Szenen, aus denen mir aller Deutlichkeit die unpatriotische Praxis der Kausleule in England hervorgcht, veröffentlicht der Ebrvnicle": In efnem Kolonialwarenladen. Kiurdrn: ,,^ch möchte ein Piund Zucker, bitte." Verkäufer: „Ja, und was außerdem ? Kundin: „sonst brauche ich nichts." Verkänfer: „Das tut nnr lew. gnädige Frau, aber »vir könnet nicht Zucker allein verkauft»». Üe^rhaupt verk-ruftn wir Zucker nur an ständige Kunden. k,\i Kundin: „Aber das brn ich doch." Ter Verkäuftr: „Ganz recht, aber dann müssen Sie noch andere Waren um 5 Schilling kaufeil. Die .Kundin' „Das ist ja einfach lächerlich" Der Verkäufer: „Wir leben im Kriege, gllädige Frau." Die Klrndin: ,.^a, mll De.itscklaud, aber nicht mit den englischen Hausfrauen. ' ?>tt Verkäufer . „Nelunen Sie doch ZmLr und Gurken." ^»e Mmdm:
Aber ich brauch? kerne Gurken." Ter Verkäufer: „Dam» ist mchts zu mache« Adieu " Tie Tmne geht wütend fort und kauft in einem anderen Laden IM Briefbogeu und Kuverts, um sick- bei den zuständigen amtlichen Stellen und mindestens einem Dutzend Parlamentsmitgliedern *u beschwere. — In einem M öden ge- 'ckmit- „Bitte, haben Sie schwarzen TM?" ,Za, gnädige Frau. Mir Tüll lvird Winterstoff, Seide oder ein Dutzend Phantanekragen verkmift." „Wie bitte, ich verstehe Sie nickst recht." ,La sehen Sie. Tüll allein können »vir unmöglich verkaufen. Mtt jeder Ernzel- ware, die wir verkaufen, muß noch eine mrdere genommen »oerden. Bei Tüll muffen Sie unter Winterstoff. Seide und Phantasiekragen wählen " „Aber warum soll ich diese Tinge nehmen, die rch gar nickt bemühe?" „$m Interesse der nationalen Sparsamkeit." „Doch das ist nicht Sporsainkeit, sondenr Verschlvendnng." „Ach uern, das v^rhuitt die Jagd nach einzelnen Artikeln rmd den daraus entstehenden Mangel. Es ist lurr in Ihren! eigenen Interesse." „Aber wenn ich Tüll befomwc, will ich ohnedies nvch eine Bluse dazu kaufen." „Gerne, mit Amen gehen lichtundurchlassige ZeppeffnvprhSnge, Wollwareir oder ." „Ich will aber mir Tüll und eine Bluse." „Sie werden sehen, daß die anderen Artikel auch sehr nützlich sind." „Nml. dann geben Sie mir in Gottes Namen auch- noch ein Paar Schuhe." „Bitte sehr, mtt schuhen müssen Sie nur drei Paar Strünrvft kaufen " ,Lch habe zwölf Paar zu Hause?" „Tut mir leid, SÄche ,md -Strümpfe förtuen mt nicht trennen " „Das ist eine Ulrverschämtheit. Tann kaufe ich überhaupt nichts. Sie können mich nicht zwingen, bei Ihnen einzukaufen." „Noch nicht — aber bald?" In einer Heu- und Korirhandlung: „Was kostet eine Tonne Heu?" „Die eine Sorte 7 Pfund 10, die andere Sorte 8 Pffind 5." „Dann geben Sie mtt zwei Tonnen der zuzeiten Sorte." „Und daru zwei Tonnen der ersten Sorte, nicht wahr?" „Die brauche ich nicht." „Wir verkaufen oie eine ohne die sichere nickst." „Warum nicht?" „Wegen der Kriegs^ ,'t." „Was hat das mit dem Krieg zu tun?" „Ter große Verbrauch des Heeres macht es notwendig', jedem Käufer zweimal ,'o viel zu geben, als er verlangt, damit kerne Not eintritt " „Diese Logik ist mir ^unverständlich." „Geschäflsprinzip, mein Herr' Wenn Sie einen Sack Hafer nehmen wollen, müssen: Sie auch einen (Bei Weizen uehmen. Wenn sie ein Pferd haben »vollen, misssen S"-e auch einen Wagen kaufen, wenn Sie einen Wagen taufm wollen, müssen Sie auch Zaumzeug nehmen, tvenn Äe Zaum-eug kaufen, müssen Sie auch Kubiutter und Hundekuche n
Dchnstleckuag: Fr. R. Zenz. — Zwillingsrunddruck und Verlag der B.
nehmen. Hundekuchen wird aber imr verkauft, tvenn Sie auch einen Hund nehmen, mit einem Hund hiimüederum . . „Und »vanu itimmt dies ein Ende?" „Niemals, inein Herr. Wenn Sie einmal Käufer sind, niüssen Sie auch Muser bleiben, bis an Ihr Lebensende — oder zumindest bis zum Friedensschlutz! . .
* Der Ursprungdes Marzipans. So weit verbreitet auch die Beliebtheit des besonders zu Weihnachten vielbegelnteus Marzipans ist, so wenig ist doch der Ursprung dieses in der Haupt' fache aus Mandeln und Zucker hevge stellten Gebäcks und die Art. wie es seinen Namen erhielt, bekannt. Hierüber gibt eine alte Chrv^ nik der Stadt Lübeck Auskunft, in »velckser sich, nach der Zeitschrift: Nickersachseu, die folgende Erklärnng ffndet: „1407 war ein so kalter Somnier, daß alle Früchte verdarben und eine so großst Hungersnot entstand, daß die Vöenschen Gras und Heu essen Mußten und >der Bissen Brot, wie eine wälsche Miß groß, drei Pfennigs kostete. Tiefe kleinen Brote namrte,nan Markusbrötchen. Man buk sie znm Andenken der ln'tri'kibtcn Zeit in der Folge ain Markustage, wo sie dann, reich gttvittzt, den Namen Marzipan erhielten." Das Wort Marzivan selbst stanunt Mis dem Lateinischen „nrarci pmiis", auf Deutsch Markusbrot. Weim es auch noch melirere andere Deu^ tunaen ftr das Wort Marzipan gibt, so dürfte doch diese deni meisten Anspruch auf Wahrheit mack-en.
vachertisch.
— Die Stimme von Helgoland. Roman von Zdeuko von Kraft. Geheftet Mk. 3,50, gebnnden Mk. 5,—. Verlag Greth- lein & Co^ G. m b. Leipzig. — Es ist ein stilles, gehaltvolles
Buch voll feinstem Siinnnnnqszauber, das uns Zdenko von Kraft in seinem neuesten Werk .Die Stinnne von Helgoland" geschenkt hat. Von jener Zeit atlsgeheud, da Helgoland aus der englischeu Herrschaft in deutschen Besitz übergegangen ist, erzählt das Buch in seinem ersten Teil in lebendiger und reizvoller Weise von den ffinfundzmanzig Jahren Helgolands deutscher Vergangenheit. Der zwecke Teil hingegen wurzelt ganz in den Ereignissen unserer Tage. Lösend und verbindend, allgewaltig und machtvoll, ivandelt der Krieg Leben und Schicksal. Der ganze Roman, lebensecht »md reich an Motiven und feinem Erleben, dürste zu jeneu Werken gehören, die auf den Leser nachhaltigen Eindrclck machen.
— Dora BarnaS: DaS Buch der Spiegel. Tenieu- Berlag. Leipzig. Preis 2 Mk. — Ein märchenhaftes Raunen geht durch dieses Buch, dessen Gestalten schattenhaft, beinahe nur in Konturen vorüberziehen. Hinter allem steht als Spinbol der Spiegel der Lebenserkcnntnis, alles zergliedernd und einem jeden Parttkelchen höhere Leuchtkraft und vertieftes Erkennen gebend. Von der realen Rokoko-Liebeslegende über da-z Phantastische hinaus ^ bis zunr Ausklang, dein graziöser» Porzellau-Vlärchen in» Menuettschritt, ist alles in weicher Harmonie zu einen, »vohlklingenden Ganzen oer»voben.
— Goethes Lili, der Frankfurter Patriziertvchtcr Lili Schönemann, ist ein klemes, sehr hübfch ausgestattetes Buck ge-- wckmet, das aus der Feder von Franz «Servaes als neuester Band der bekannten Samnllung „Frauenseben" (Verlag von Vellage,» & Klasing m Bielefeld »md Leipzig) ' soeben erschienen ist. Zu oen ^Frauen, die aus eigener Li'raft sich die Unsterblichkeit erlangten, gehört die Heldin dieser Blätter nicht. Sic ivälie, »iml so viele ihrer Schwestern, der Vergessenheit anhiüm gefallen, tvenn sie nicht das Glück gelßibt hätte, einem Goethe zu begegnen nndi von seffrer Liebe begnadet su werden. Das BerMtnis beider! Zueinander 'macht es unvcrnieidlrch, st>aß diese einer Frau ge-^ mibfte Monographie sich fanist wie ein Beittag zu einer Goethe^ biographie ansnim'mt, was dein Büchlein jedoch nicht im mm- besten zur Unzierde gereicht.
— Eine gründliche und klare Darstell»mg der allgeineinen Grundlagen und politischen Vora»»ssetn»ngen der italienischen Krieg- ßchrung geben die Heste lOo und 106 der bekannten VerLssentlichnng »Der Völkerkrieg". (Herausgegeben von Dr. E. H. Baer, Verlag von Julius Hofsmann, Stuttgart.
Arilhmoqriph.
13 3 4 »vird einen Fluß dir nennen In fremdem Land, man sagt auch ^fern im Süd^. Nach 3 4 2 1 alle Danren brennen,
Wenn es n»odern, chic, elegant und ^pschütt" ;
Die Män»»er halten nichts von solchem Schiminer. 4 2 1 3 ist bei dein Spiel beliebt,
Weil eS »nit de»n gekrönten Haupte i,nmer An zwanzig oder vierzig »Gute- gibt.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auslösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Gamuel - Toqo - Eftoc — Piccofo — Harmonium — Efuo Vationalconvent — AchiapacellL — Objektiv — Stephenson, Loco»notive.
u,c Unw<:rsttätS-Buch- Und Steindruckecei. R. Lange, Gießen«


