Ausgabe 
3.1.1917
 
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ich hätte Dir m gern Dein Stückcl-en Zucker mitgebracht, aber die Znckerknapvheit zwingt michi und Saccharin ist doch nichts für Dich, wie?"

Hans suchte ungläubig nach meiner Hund. Schließlich sah er mich mit feinen großen Kindevcmgen enttäuscht und gekränkt an. Wir alle müssen heute sparen," redete ich ihm zu und ging Er schüttelte unbehaglich die Mähne.

^ .. begreift nicht, daß es nicht einmal ein kleines

Stück Zucker für ihn geben soll, und mit traurigem Blick schaut er nur nach. l

Aber jeden Morgen, wenn er mich kommen hört, wendet er den Kdps 'und spitzt die Ohrent. Er hofft und hofft, daß ich ihm doch wieder seur Stück Zucker bringen werde . . .

Ter Tanzsaal.

Der Herr Bürgermeister hatte Kartoffeln hcreinschaffen lassen, viele Eisenbahnwagen voll brauner Kartoffeln, die an die Bürger der Ltadt verteilt werden sollten.

Es! ta ein lgewaltiger Sogen der trefflichen, nahrhaften! Knollenfrucht, der plötzlich über die Stadt hereinbrach. Ueber den Segen durfte der Bürgermeister sich freudig die Hände reibeii, aber der der Frage der augenblicklichen Unterbringung begann er sich doch hinter den Ohren zu kratzen. W!er hätte auch gleich einen Keller, der für die ganze Gemein/de langte, zur Stellt gehabt?

Also mußte als Notbehelf ein leerer Tanzsaal zum Kartoffel­seller avanciere!?, mußte die Mengen fassen, bis die Verteilung vor !tch ging und ieder Bürgerkeller das Seine bekam Ein Tanzsaal!

Der Tanzsaal lag draußen vor der Stadt. Das junge Volk war Esonntags hin.au sgeschlendert in fröhlichen bunten Gruppen, lachend und verliebt, die Alten gravitätiisch mit den Nachbarn im

^ lauen Sommernächte hätte die Tanzmusik ihre rhhth- nuschen Wersen gedübelt, die Alton hätten beim Kaffee oder Bier gesessen, die Jungen drehten sich im Wirbel der klingenden tau- nielnden Lust.

war es geworden, als die Kriegstrommel .har. Und unerbittlich die elogisch-e Tanzmusik verstummen machte.

Und nun hausten sich Berge von Kartoffeln dort, Kartoffeln, die notwendigste Nahrung der Gemeinde n '

vb»«us. Jvnge und' Alte, den bekannten l&L* 1 rW? 1 buMe Gruppen: mit Körben und

uf/fr'r r, 11U ®% l 9 efc! > e,t kam rin sic. Aber sie waren ernst. Kinn aravntatischeS Stolzieren, es war ein stilles s'ck> gedrckdig am Eingang des Tanz- scheuer'Ergebenheit." UmeS 6(mtlcccn wkr, und warteten mit

U, ^ f, ^ Kftf or lria * en Ehr in sich gekehrt, ihre Lider gesenkt. Und binaulverlorm sich telie zdMliig über die Menge mnauf, und da sahen ffe, daß über dem) ^Eingang des ehemaligen sb'^ 7 ^ orn buntes Etwas hing, ein Gewirr von bunten Fähn- (I>n: und verblaßten Papiergirlanden ein PavierschiW das! buchstabeu^ Auskehr vergessen hatte, mit großen Schnörkel-

. Heute großer Ertraball.

Schönheitskonkurreiiz.

, . Feenhaftes Brillantfeuerwerk.

Schonheltskoiiknrrenz' Brill an tfeuerwerk- Und die es sahen, lächelten stlll über sich hinaus.

S o n n t a g w a r es'. . .

Säimtag war es, die Glocken sangen ihr Morgengebet Sie saßen auf der Bank vor dem Hause, Großvater, Groß­mutter und der feldgraue Eiikel. ^

Hnn fcLjfi ^Ete von draußen, von Taten Uiid Abenteuern,

^Listen Tagen und harten Nächten, Stürmen und Schlachten Sa ^r 0 ' 1 hn Sr tA,u ^rnem grausig spannenden Theaterstück,

aas EtÄa" 1 »»

--^^olchater paffte äus der langen Pfeife und lauschte den Ev- Ueber fernem Gesicht lag ein eigenes, ein kacheln, als höre er nicht nur die Wprte des Soldaten, ?ß cr o!ud L ln An eilt. In seinen Angen glomm eilt

f cIia £.f l " cnt - Berges, enes Nfflrde zu blutwarmem Erleben Er lächelte Und Nickte.

Llk'rat wie Siebzig!"

n, A'/einen Wbrteu nickte gleichfalls ein Eisenkrenzlein, das sich Großvater frcditc angesteckt hatte, das Kreuz pon Siebzig hir aber sah schwergcud und nachdenklich hinaus über

die Landstraße in die blauen Bcrawälder drüben. Wurden in ihrem

sänken nach'?!°^ E'' Bllder wach, oder hing sie kigeneit

Einmal sagte sie:

Schau, da kommt die Lene!"

Großvater schieil es zu überhören, aber der junge Krieger stockte

erhob er sich» ungeschickt und ging dem Mädchen einige Sckmtte entgegen

*» fZj* 1 ]'* li- gegenüber, der Soldat Und das junge Mädel.

Eie legten zUm Gniß die Hände ineinander und blickten einander

in die Augen, mit einem längen, hin gebend scheuen Blick. Ei' ige Herzschläge venoeilten sie so.

Großvater sach auf, passte uut nickte.

,,*ii rat wie Siebzig!"uud griff nach Großmutters welker Hand. Großmutter lächelte versonnen.

Tlie Glocken sangen ihr Mdrgengebet ....

Krauz-IosephAnekSoten.

innige Liebe und Verehrung, die dem Heimgegangenen greisen Kaiser Franz Joseph von allen Stämmen seines Volkes entgegengebracht lwnrde und die in frohen und in trüben Stunden ein festes Baud um Fürst und Untertanen schlang, tvird sein Bild für immer welterleben lassen als das eines Herrschers von felteuex Herzensgute, als eines Menschen, der mit dem Siiiii für frischeii Humor außerordentlich viel Zartgefühl verband. Nichts hat dem Kaiser gleich nach seiner Thronbesteigung so die Liebe seines Volkes getvonnen, ivie die furchtlose Haltung und treue Fürsorge, die er bei der Choleraepidemie m Wien bewies. Wile er für feine Person mtT vie Ansteckinigsgefähr nicht achtete, so riet er auch einmal einem der Familienvater war, das Cholcrahospital zu vttreten. Alo dieser Herr aber den Kaiser daran erinnerte, daß er tcj) ab Vater von Millionen noch viel mehr vor Gefahren hüten Mse, erwiderte der Kaiser ernst:Ich bin Landesvater für Ge­sunde und Kraiike, drum zrehts mich zu meinen kraukeu Kindern wen» Ihre Kinder im Spital iveilten, würde ich Sie auch nicht hindern sie zu besuchen." Das Uliterschreiben bon Todesur- ty} iPJf . l m J f ? a ^ er Fwnz Joseph ebenso schrecklich wie dem alten Kaiser Wilhelm. Lange saß er eines Tages schweigend vor emem ihm vorgelegten Urteil, endlich ergriff er die Feder, aber beim ersten Namenszuge fiel eine Träne ans die Schrift urid ^^^dlchte. sie. Da faltete der Kaiser das Papier zusammen und ? B^?bm Sekretär mit den Worten zurück: ..Tränen löschen ?^d aus. m kann das Urteil nicht unterschreiben. Sehen ^s Leben!"!^ame ist verwischt, ich schenke dem Verurteilten

Besonders reizvolle Geschichten sind im Volke von Kaiser Franz Josephs ^zagdleben im Umlaufe, gab er sich doch imStei- ^er Gewandl am ungezwungensten und verkehrte mit seinen Aelplern m einem besonders leutseligen Ton? So hatte er eines Tages m den Trantaler Alpen einen hervorragend schönen Gems- bock mx .^trecke gebracht und bückte sich gerade über das Tier, als ein Treiber fuchswild hervorschoß.Kamst me zu Recht, du," schrie er den Miser anDer Bock tvar'n Kaiser vermeint und nit ! l ; f "Iamt dir W gleich.sem, wer den Bock schiaßt, nit?" war die c Ä^nde AnUvort des Verkannten.A beilei, so a Prachtkerl mit solche Krickerln gehört nur für unfern gnädigsten Herrn!"Na alsdann, lachte der Kaiser,da hänge ich mir die Krickerln in memer Villa am Jsckster Sainzenberg auf." Die verlegen gestotterte Entschuldigung des Treibers bemitwortete Franz Joseph mit einem gütigen:Du darfst dir das doppelte Schußgeld holen'" In seinem Schloßpark ertappte der Kaiser einmal zwei junge ^.iute beim Wildern und führte sie eigenhändig ab. Daun erklärte L den beidei,. schreckensbleichen Sündern:Ich brauche zwei ^aodaufseher. Ich> nehme euch; denn keiner kann sachkundiger sein als ihr! Die beiden toaren von dieser unverdienten Gnade so er- grissen, daß von da ab die Jadggründe des Kaisers nienials treuere Luter gehabt haben. Keckem Jugendübernlute brachte der Kaistr stetv wolilwollendes Verständnis entgegen. So raufte eines Tages er* ukarakademie ein Schüler aus dem vor ihm liegeuden

Federhute des Kaisers eine Feder nach der anderen aus, bis der Lnt plötzlich fortrntschte und den Arm des Monarchen traf.Was wollten Ne den mit diesen Federn mein Lieber?" fragte der Kaiser.Em Aildenren, Maiestät." stammelte der unglücklich Schüler. Genügte da nicht eme Feder ?"Nein, Majestät" 'PoP äutwort,meine Kameraden wollen doch auch jeder eine'" ,,^ttui, daun muß ich Ihnen Wohl den ganzen Busch lassen," lächelte Franz Josepy und rvandte sich au den Pwsessor, in dessen Stunde er gekommen war:Herr Hauptmann, Sie haben uw hl die Güte nlir mde^. Ihre Kappe zu leihen!" Und mit der fremden Haupt' Wannvkappe ging der.Kaiser weiter. Wenn jemand durch die Gegenwart des Kaisers in Verlegenheit geriet, so fand Franz Zosepl) wohl imnier das erlösende Wort, um die Unbehaglichkeit W vertreiben Bei einer Ausstellung in Budapest hatte der den Kaffer führende Herr die einzelnen Aussteller dem Kaiser vorzn- stellen.Ir war so verwirrch daß er bei jedem Herren sagte:Herr X - ~ Seine Mawstat. Herr Y. Seine Majestät. Herr 2.

Seme Malestat. Der Kaiser hörte auch ganz geduldig zu; als aber die Reih an den vierten kommen sollte, da sagte er Iw njelno;Juni id) glaube, die übrigen Herren dürften mich jetzt schon kennen! >>n ähnlich humorvoller Weise griff der Kaiser ailtu selbst em, als die Zeremonie des kirchlichen .Äöwlngsaktes in Budapest emgeübt wurde und durch die Verlegenheit des Bischofs der Kalserm ins Stocken geriet. Der Bischof war so verwirrt, Chi y er om Augenblick vergaß, in dem er die Kaiserin zum Altar zu geleiten hatte. Es entstand eine peinliche Pause. Da ging c>r Kaffer felbst auf den vor Erregung zitternden Krrchcnsürüeu zu. drehte ihn mit einem sanften Ruck nach der Kaiserin uni und sagte freimdlich anfmnnternd;Also schauen S'. dorten ist s'. die Kai serm. Jetzt gehens S' hin, nehmens s' und bringen Sie s' der ' Damit war der Bann gebrochen und die Generalproh zu der schweren Zeremonie konnte weitergehen.