2
gonzes Dutzend holder Jungfräulichkeiten herumlckusen hat. Mer ich habe nur die eine. Na, nichts für ungut, ich wollte damit nur sagen, daß Sie sich nicht wundern sollen, wenn ich keine Jubelarien singe."
„Aber, »nein Gott," unterbrach, ihn Rutkowski etwas geärgert, „Sie können doch unmöglich verlangen, daß Fräulein Hanna deswegen nicht heiratet!"
„Bomben und Granaten, !vcr tut denn das? Ich etwa? Fällt mir nicht ein! Die Weiber fiiib zum Heiraten da! Aber es braucht doch nicht gleich zu sein! Glauben Sie etwa, daß ich gerade viel Sehnsucht habe, Großvater zu werden? Wenn's drauf und dran kommt und mir das Mädel wirklich wegeskainotiert wird, heirate ich schließlich noch selber! Basta! ''
„Ja, und im übrigen steht es leider einmal fest, daß Sie einen Antrag gemacht haben. Was sollte ich gegen ,Sie haben? Gar nichts! Jeder andere, wenn Sie das trösten kann, wäre mir wahrscheinlich noch weniger angenehm, wem: er mir mein Mädel partout wegnehmen will. Wie gesagt, lieber Graf, ich schätze Sie ganz aufrichtig. Aber daß es gerade die Hanna sein muß! Dafür ist man nun Vater! Und um auf Ihre Angelegenheit zurückzukoinmen: es ist sehr vornehm von Ihnen, zuerst zu nur zu kommen. Mer da Sie mich doch nicht heiraten »vollen, so hat hier Hanna und niemand anders das letzte Wort zu sprechen. Will das Mädel Sie haben, so ist die Sache erledigt. Dann hat sie ihr Glück oder Unglück sich selbst zu verdanken. Ich habe nur darauf zu sehen, daß sie keinem Schurken in die Hände fällt, sondern einem anständigen Kerl. Und ist er anständig, so mag er meinetwegen sogar bürgerlich sein, ob mir das Herz auch dabei bluten möchte. Doch so habe ich mir's vorgenommen, und schließlich gebe ich ja nicht meinen alten, guten Namen weg, sondern sie. Das ist meine Meinung. Ach will mit den Weibergeschichten nichts zu tun haben. Und, der langen Rede kurzer Sinn: Wenn der Himmel Sie also zu meinem Schwiegersohn bestimmt hat, so mag's
§ ut fern, denn ich kenne Sie und achte Sie. Mehr kann ich ihnen nicht antworten. Das andere, die Hauptsache, müssen Sre mit meinen: Mädel schon selbst ausmachen. Ich schicke Sre Jbnen herein, und dann legen Sie in Gottes Namen von Liebe und ähnlichem Zeug los. Zch gehe derweilen erneu Kognak trinken. Wenn Sie serng sind, dann lassen Sie's mich gütigst wissen. Amen!"
Hans Albert stapfte nach der Tür und verschwaiid. Man Ihn rufen. Der Ruf durchdröhnte das ganze Schloß. Kopfschüttelnd hatte Napoleon Rutkowski ihm nachgesehen. Das nannte sich nun Brautwerbung. Eigentlich hatte er sich die Sache doch anders vorgestellt! Dieser deutsche Baron war wirklich zum Heulen! Da bekam er einen netten Schwie- aervater Ein etwas ironisches Lächeln flog um seinen Mund. Treppe" ^ ^ ^^nblicke hörte er leichte Schritte auf der
„Rufst du mich?" fragte Hannas Stimme.
„Aufzuwarten!" bruinmte der Vater. „Geh' mal in Mein Zimmer!" J
„Wci, und?"
„Ist deine Sache! Mach', was du willst'"
Gleich darauf öffnete sich die Tür. Neugierig und vcr wundert trat Hanna ein. J
„Ah!" entfuhr es ihr, als sie den Grafen bemerkte. Sie W.tesofvrt, was er wollte. Eine dunkle Röte flog über ihr V^rbeugt^ber m ' ild fomTte f ie nicht mehr. Er hatte sich tief
„Herr Graf?" sagte sic seltsam.
„ n"^rer, Gnädigste!" Und als er ihr die Hand
gerußt. ,,^ch wollte mich nach dem Befinden erkundigen aber ein einziger Blick sagt mir, wie überflüssig das iftr Hastig griff sie die Worte auf.
. ..Ich bin ja gottlob niemars krank. Das habe ich von Vater. Ich neig gar nicht —"
2Bie suchend sah sie nach der Tür.
, c*''~ ei nr^nron hat nur einige Anordnungen zu " L Es freut mich von Herzen, daß >nir dadurch ^ ?^ben wird, m,t Ihnen zu pla.idern. Wenn man
LVu'K'LfuiLiV" ivnhrlich
sich gesetzt und schweigend auf einen Stuhl ge- U'cht an und zupfte unablässig an einer Troddel des Sessels, in dem sie Platz genommen
„Ich sollte merneu," erwiderte sie. daü bei der -viiss- von Arbeit, die doch mit der Bewirtschaftung zweier großer
verkiiüpst ist, die Einsamkeit weniger empsniiden
Güter wird/'
.Arbeit füllt den Menschen wohl nie ganz aus. Oder sind Sie anderer Meinung?"
Sie zuckte die Achseln: „Wie könnte ich das sagen?"
_ „O, ich bitte sehr: Die Jugend wird die Frage am richtigsten beaiitlvorten."
„Weil sie die wenigste Erfahrung hat, .Herr Graf^' „Nein, weit sie die größte Sehnsucht hat."
Einen Augenblick schlug sie die Augeii auf. „Ich verstehe Sre lucht ganz."
„Soll ich das wirklich glaiibeu, Giiädigste? So lveuig keimen Sie die Sehnsucht? Diese Sehnsucht, die uns eben iininer von iieuenl sagt, daß Arbeit ein Leben doch nicht ganz ansfüllen, ein .Herz doch nicht gaiM befriedige,: kann? Man nennt die Deutschen sonst gerade bas Volk der Sehnsucht!"
Sie zögerte etwas. „Sehnsucht eiitsteht nur da, wo fählt. Wenn ich alles, was ich mir wünsche, besitze, wo soll da die Sehnsucht Herkommen?"
„Dar:,: sind Sie sehr glüchtichl vdevsehri unglücklich." „Waruui gleich so extrem, Herr Gras? Nennen Sie es zufrieden!"
.Das können Sie nicht sein!"
Ah!" Mit halbem Lächeln lehnte sie sich zurück. „Wissen Sie das- so gut?"
Mit den halb geschlossenen Augen sah er sie au. „Viet- lcicht, denn wie kann ein Mensch zufrieden sein, vor dem das Höchste, was das Leben bieten kann, noch unerreicht liegt? ^ch glaube Ihnen nicht, gnädiges Fräulein, daß Sie hier ganz zufrieden sind. Ich glaube nicht, daß Sie hiugehcjn einen Tag wie alle Tage ohne die große Sehnsucht ::ach etwas Neuem, nach einem heißeren nnb schöneren Leben. Ich glaube nicht, daß Jugend ohne Sehnsucht nach Jugend ist'" r. ^lne Worte selbst waren heiß gefärbt. Ueber die Gestalt dev Mädchens lief ein leichtes Zittern. Sie blieb stumm und hatte die Hände iit den Schoß gelegt.
. Da lachte der Graf plötzlich halb für sich, ein kurzes, unsicheres, lerses Lachen.
„Da müheii wir uns ab, Worte z:l machen und Schaum ru schlagen, wie man es sonst auch tut. Und trotzdem hat mich wahrlich heute etwas anderes nach Nasgora geführt. Wissen Sre das nicht, was es ist?"
Er stand auf. Die schmale Rechte spannte sich um die Lehne des Stuhles.
,^Jch habe eben Jhreui Herrn Vater gesagt, Fräulein Hanna, daß ich die große und wilde Sehnsucht habe, daß ich Tag und Nacht nur au eins denke, und das sind Sie daß ich unt meiner großen Liebe nur hergekommeu bin und hier vor Ihnen stehe, um mein Urteil zu erwarte::."
(Fortsetzung folgt.)
3m voriibergeheri.
Mon Paul Alexander Schettler.
(Nachdruck verboten.)
H ans.
Jeden Morgen steht er am Bürgersteig m:d wartet auf mich- wahrend seine Gebieteriil mit Blechkcnine und Schövfmaß in die Hauser geht, um die frische Morgeiimilch zum KNegskaffee zu verschenken, stcht Haus, der Karrengaul, geduldig, ein Philosoph, und schaut ins Leere.
f Aber, ist auch sein Geist vielleicht in unfruchtbare Gedanken- igange venrrt, er kemrt meiucsi Sck«t und wendet den Köpf wenn w mich kommen hört. Das Schicksal hat es gefügt, daß ihn iust fern Geschäft in meine Straße führt, wenn ich ins Bureau gehe. Das geschieht leben Morgen Schlag V 2 8 Uhr, pünktlich Tenn w:e Bureaumenschen muffen auch Milch karren gä ule die Tugend der Kviiige zlu der ihrigen machen.
. .. Hans weiß, daß ich ihm den guten Morgen, den wir uns wünschen durch em vom Käffoe abgespartes Zuckerstück verschöne, bas sch ihm! in das sanrNvierche Mlalul stecke, uiid aus den: er mit kindlichem Gemeßertum kiiabbert, bis ich um die Ecke bin ^.^en Morgen ist bis so gegangen. Im Winter wie im S.Emer^ Ter Kneg \imb bie nweilige politische Lage änderten Vichts an unserem stillschweigenden Abkommen. <£& sei denn dal: i^^n.uus beiden hätte in den Krieg müssen. Aber das Vatei> bliebt bal alt? 0 bi § ffU llTtg * lln ^ r N'eundschastliches Verhältnis
flnes Tages geschah etwäs Unerwartetes. Das übliche l£wl ei £ U( * ueben nieMem Morgenkaffee fehlte — :md Hans schnup-
Meine ha^wa/l-er'"^ ^ * ,S id} "" if » n °»r«berkE
„Der Zitcker ist misgegangen, Haris!" sagte ick) uud ktovite meinem Freunde den Hals. „Der Krieg, lieber Hans! Siehst Du,


