Mittwoch, den 27. Dezember

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Königsträume.

Roman von Karl Busse.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Nein, Herr Graf!"

Erstaunt hob er beu Kopf.Alle Wetter!" brachte er nur hervor.

Der Fremde blieb gelassen.

Ich bin weder Feldmesser, noch heiße ich Ladislaus Pyrka. Ich sehe, daß ich mit offenen Karten spielen muß. Gut denn, ich komme zu Ihnen im Aufträge der National-' regierni'g zu Warschau. Wenn Sie den Ausweis zu sehen wünschen, hier ist er!"

Die Augen des Grafen waren immer größer geivorden. Das ist ja sehr interessant," sagte er langsam und nahm die Karte. (£hi leises, etwas spöttisches Lächeln glitt um seine Lippen.

Und was verschafft gerade mir die Ehre?"

Der Fremde steckte die Karte ein.Wenn Sie erlauben, setze ich mich. Das.Gespräch könnte lauge dauern. Vorher gestatten Sie, daß.ich meinen rechten Namen neune, man will doch wissen, wen man vor sich hat. Und ich habe die Erfahrung gemacht, daß rücksichtslose Offenheit unter Umständen am lveiteften führt. Ich heiße Kasimir Rzonka."

Napoleon zuckle zusammen. Ueber das Gesicht des Sprechers glitt ein nervöses Lächeln.

Sie scheinen mich zu kennen, Herr Graf. Umso besser, das erspart nur langes Reden. Man sagt mir nach, ich sei die treibende Kraft des Aufstandes und der Nationalregierung. Man tut mir zu viel Ehre damit an. Wie dem auch sei, die preußische Regierung gäbe was darum, wenn sie wüßte, daß ich in ihrem Machtbereich bin. Seit dieser Herr von Bismarck in Berlin am Ruder ist, toeht ein höllisch scharfer Wind, nach Osten. Und man erweist mir so viel Aufmerksamkeit) daß ich das Vergnügen, Sie zu sprechen, durch die Opferung meines Bartes und natürlich durch falsche Legitimation er­kaufen mußte. Ohne den Umweg über Oesterreich wäre ich vielleicht trotzdem nicht hier. Sie sehen, daß mir au diesep Unterredung liegt. Es war ein schöner Bart, Gott habe ihn selig! Ich verzeihe ihn dem Herrn von Bismarck mein Leb­tag nicht. Damit wäre der erste Punkt erledigt. Sie wissen, wer ich bin, und im Augenblick, wo Sie mich von Ihren Leu­ten festhatten lassen und den preußischen Behörden auslie­fern, ist Ihnen der Dank von Berlin sicher. Es würde, glaube ich, Herrn von Bismarck selbst auf einen hohen Orden nicht ankommen."

Kasimir Rzonka schwieg; als interessiere ihn die Sache wenig, sah er sich im Zimmer um. Es mochte ihm doch keine Bewegung des Grafen entgehen. Das spöttische Lächeln war aus dem Gesicht Napoleons verschwunden. Er halte Mühe, das maßlose Staunen, das ihn immer inehr ergriff, zu ver­bergen. Langsam nahm er den Brieföffner vom Tisch, den

er aus Paris einst mitgebracht, und betrachtete den leicht ge­neigten Frauenkopf, der den Griff bildete.

Warum sagen Sie mir das alles? Weshalb geben Sie sich so in meine Hand? Wollen Sie mich durch diese Offen­heit verblüffen?"

Das Gesicht seines Gegenübers blieb unbeweglich.

Wenn der Graf Rutkowski sich so leicht verblüffen läßt, ist meine Mission überflüssig. Doch habe ich ein größeres Zutrauen zu seinen Fähigkeiten."

Unwillkürlich hob Napoleon beu Kopf etwas. Die sichere Art, in der das ausgesprochen wurde, tat ihm wohl. Etwas weniger zurückhaltend erwiderte er:

Wenn ich Ihre Argumentation also anerkenne: Was bringen Sie mir? Was wünschen Sie? Ich kann es mir zwar denken, ich soll zu Kontributionen herangezogen wer­den uird soll Geld hergeben, nicht?"

Kasimir Rzonka zuckte die Achseln.Das hätte jeder an­dere auch bestellen können. Wenn es das lväre, hätte ich meinen Bart noch und säße in Warschau. Nein, Herr Graf, ich bin gekommen, Ihnen eineil Antrag zu machell. Vorerst nur dies: Sie wissen, wie es mit dem Aufstand steht. Er ist uns etwas zu früh allsgebrochen. Es ist trotzdem an dem Siege nicht zu zweifeln, wenn es gelingt, die ganze Nation aufzurufen. Aber leider halten sich zwei Klassen noch zurück: Das Landvolk und der höhere Adel. Es finb Maßnahmen ge­troffen, das Landvolk durch große Vergünstigungen zu ge­winnen. Bleibt rwch der Adel. Er hat uns ja früher unter­stützt und zog sich erst zurück, als sich die Demokraten der Leitung bemächtigten. Seitdem blieb der Zuzug der Kämpfer ans Galizien und vornehmlich ans Posen aus. Mühsam hal teil sich die paar Tausende, die drüben stehen, gegen die Uebermacht. Aendert sich das Bild nicht nächstens, so ist wiederum vergeblich Blut geflossen. Die Nationalregierung verschließt sich dem llicht. Und in der Ueberzeugung, daß wir erst Polen und dann Republikaner sind, hat sie beu Beschluß gefaßt, sich zum Besten des genleinsameil Vaterlandes den Weißen zu nähern und das demokratische Programm fallen zu lassen."

Noch immer drehte Napoleon Rutkowski den Brieföff­ner in der Hand. Als Kasimir Rzonka schwieg, ließ er ihn ruhen.

Und was weiter, mein Herr? Ich weiß noch immer nicht, weshalb Sie diese an sich wohl sehr wichtige Mittei­lung gerade mir machen!" Und etwas sarkastisch:Deshalb konnte der Bart noch immer stehen bleiben!"

Gewiß, Herr Graf, aber diese Einleitung war notwen­dig. Ich komme nun zum zweiten Punkte. Als die Nativ- nalrcgierung diesen Entschluß gefaßt hatte, hieß es vor allem: sich nach dem Manne umzusehen, der in der aristokratischen Partei oie Führerrolle spielte oder spielen konnte, und mit ihm zu unterhandeln. Nach langen Debatten einigte man sich. Man beehrte mich mit dem Aufträge, die Unterhandlung zu leiten, und hier ftclje ich vor dem Manne, an den ich als bevollmächtigter Abgesandter gewiesen worden bin."