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Alte weihnachtsspiele.

Neuerdings sucht nran toieder die alten Weihnachtsspiele lebeii- big zu machen, die früher jahrhundertelang im 1 Volksleben um die Weihnachtszeit weit verbreitet ivaven. Heute sind diese Spiele fast nur noch in entfernten Tälern und in abgelegenen Gegenden- an-utreffen, in der mittelalterlichen Zeit aber lvaren sie überall bekamrt. Besjvnders in Deutschland haben sie sehr viel zur volks- tümlichen Gestaltung des Weihnachtsfestes beigetragen, aber auch in allen anderen christlichen Länden: hatten sie eine große Aus­breitung gefunden. Zunächst gingen diese Spiele wohl fast iinnrer in bejj Kirchen vor sich, und erst als dabei zu viel Unfug verübt wurde, kamen Beslimnuingeu heraus, die sie in den Kirchen verboten. Schon Jinnocenz III. hatte sie im Jahre 1210 unter­sagt, doch scheint dies Verbot nicht streng durchgeführt worden zu sein, weil die Weihnachtsspiele auch später noch unter Mithilfe von Geistlichen abgehalten wurden. In Preußen wurde ihre Aufführung in den Kirchen erst unter Friedrich dem Großen ver­boten, weil allzu vieleMfanzereyen" vorgekommen waren.

Dem Auffassungsveruwgen der großen Masse der Bevölkerung angepaßt nick) in ihrer Mundart geschrieben, umrbett diese Spiele vielfach z-u richtigen Volkskomödien, in denen volkstümlicher Humor, bäuerliche Schlauheit, grobe Possenstreiche, derbe Lebenslust, Ver­spottungssucht und Schadens:'ende zum Ausdruck kamen. Die Hauptpersonen waren ivohl immer Maria, Josef, das Wunder­findlein, Engel und Teufel, aber es wurden auch Spottverse und Andeutungen hinein verflochten, die auf gewisse Vorkommnisse der nächsten Umgebung und der Gegenwart hindeuteten, und je mehr die Mitspielenden solche leicht verständlichen Sticheleien ins Spiel hineinbrachten, desto größer ivar der Beifall, den sie erzielten. Den Teufeln ging es dabei immer noch schlecht, sie bekamen gehörig Prügel und ivaren stets die Geprellten. Vielleicht ist das Wort vomdummen Teufel" bei diesen Weihnachtsspielen entstanden. Aber auch Josef und die Engel kainen nicht immer gut weg, und si-q mußten sich so ntanchcn Spottvers gefallen lassen. Josef wurde meist als ein etwas schwerfälliger uud einfältiger Mann darge- stellt, mit dem man sich! schon einen derben Witz erlauben könne, Nrid die Engel erschienen oft als recht materialistisch veranlagte« ßWesen, «die auch einmal euren guten Bissen oder Trunk nicht verschmähen. Darauf spekuliert auch der Teufel, tvenn er in einem Tiroler Weihnachtsspiel den Engel, der von Gott ausgeschickt ist, >um oen Hirten die Geburt Christi zu verkünden, mit den Worten anspricht:

Engel, kehr ein I koch dir ein Wein Mit Zucker und Zimmt Wie ihn 's Dimcheln nintmt/

Tanzt 's bis an die Frua Mit ihrem Bua;

Engerl, kulnm, kumm Sei nit gar so sehr frumM>

Laß die Hirten im Garten s

Äuf die Botschaft lei warten- Hast ja Zeit gium Bis in die Frua.

Engerl kehr ein Sei fein!

In einem anderen Weihnachtsspiel tvill ein HerbergsWirt Maria und Josef keine Unterkunft gewähren, imb es entsvinnt sich Öl ^ a UU k ^ en1 Herbergswirt folgendes Zloiegespräch.

Ich Hab' aber eine böse Frau,

. Darum ich mich vor ihr nicht trau.

Maria antwortete darauf: *

Sie wird dock) nicht von Eisen sein.

Wenn sie anschaut niein Kindelem Wie es an seinem zarten Leib Erzittert; sie ist doch ein Weib.

Die Frau läßt aber das heilige Paar doch nicht ein, und es er« geht :hr dafür sehr schlecht.

Selbst das Christkindlein erscheint in den alten Weihnachts­spielen sogleich mit recht derben Bedürfnissen. So wenn ein Eirgel die Geburt Christi verkündet mit der Aufforderung:

An Butter nehmt's und Kübel Schmalz,

A weißes Mehl und saures Salz,

An Haufn Woll, an Kübel Milch,

An Leintuch von der kluagn Zwilch,

A Kianholz zu en Feuer mach'n.

k)n »nanchen Weihnacküsspielen bringen die Hirten für das Christa frndlem sogar einige Maß Bier oder ein Füßchen Mein, Ö.

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War im Kröigf all' passiere kann.

r Do hott'r in Owerhesse e Bauer sei ahle Gaul verkaast; de I hott den Bauer nett nrieh gefalle, awer gesresse hott er nock »waa. roas nrer'n auch aagesehe hott. Tlber der Bauer hott »out Herz gehott, und hott zu seiner Fraa gesuhlt, der Gaul svl »rett armer fremde Leu' kuimne uud tvidder abgerackert wern. aick ' an en GänlsMetzker, do hott der Gaul sei Rouh se

" ! - Un er hott n verkauft vn ci Gcftüsmetzker für zwaa

Knnertuirdachtzig Moark.Aber des sahn aich dr," seggt deck Bauer Mm Gaulsmetzker,dou mußt'n glei schloachte, dou Haft en billig gekauft, un nor unner der Bedingliliig kriegsten."Morje vormiittag werd' der Gaul aeschlacht; verloß dich druff," seggt der Gaulsmetzker und zog, met dem Gaul am Berinel, oab. Der Bauer e ? oar nix vml sei'm Gaul gehiert urrd hott an den Gaulsmetzker geschriewe, er sollt en doch schreiwe, ob der Gaul aach geschloacht worde sei:Er es geschloacht," hott der Gäuls- Mbtzver geschirrewe, der Barcer könnt' sich sogar no eRumbschtek- lelche hole, wenn er in die Schtoadt kumme tat.Des kennt wer aigentlich onwal druff aa lasse kumme," seggt der Bauer zu seiner Frau;übermorje hol aich mer den Broan." Oam anneres Xoag kimmt der Nachbar Schorsch uff de Hoop un seggt:Hannes, arch denk, dou host bei Gäulche schwächte losse, aich loß mer abber mm Sauschtall abbrenne, wenn aich das Gäulche heit net in der ^chtadt för em Wa'n gesehn hätt."Dou seist wuohl narrig, a:ch hunns schwarz uff weiß, der Gaul is geschloacht, mausetut." S :s nett wuohr, de: Gäulche zeeht noch oam Wa'n, aich war doch de: Gäulche, das als sei Nos über nie: Schbakier geschtekkt Hot, norl) kenne." Dem Bauer ließ die Sach' kaa Rouh; am a:r- uern Morje macht er sich uff de Socke der Hannes hot en aach gesaat, wäi der naue Besitzer des Gäulchens sich schreiwe tat, wou er wohnt und kimmt gerade rocht, iväi sei Gaul ufßn Hoop in der Lochtoadt aagescherrt loerd. Woahrhaft'g, das tvoar sei Ga:il un kaa annerer. Wou hott Ihr beu Gaul gekaaft und wäi viel hott Ihr dafür bezoahlt?" sregt er den neue Besitzer:Ei, von den: Gaulsmetzker do imd do, er kost 1300 Moark und drei Moark Halftergeld."Hm," brummt der BauerDo hott Ihr jo e ga:tt Geschäft gemoacht, aich hunin en för zwaähonnertachtzig Moark ver­kauft, und Ihr hott dem Gaulsmetzker boave dausig Märkercher rn die Ribbe geworfe. Ter kann sich, freue, nett nor über die tausig ' MAkercher, aach über den Prozeß, den aich'n uft He Buckel häng:. Hadschee."

*

An em annere Ort, aich glaub s' woar aach in Owerhesse, hott sich, e Berger e Sau gekaaft, um se den gesetzliche Bestim- munge gemäß sechs Woche ze niäste, und hernoch mit Erlaub­nis des Kommunal-Verbandes, des Kreisanits und der Borje- maasterei zu schlachte. Däi Sau woar wohlfeil, und hatte schon wäi er se kies, so ihr zwaahomiertsuffzg Pund uft de Buckel. Gesresse hott se aach för zwaa und is in dene sechs Wock-e uff- gequellt wäi e Fassenachtskreppel. Das hott dem Berger iradierlich Schpaß gemoackch, noch mieh abber seiner Fraa, die sie jede Tag e poar mal mit freudige Aage betracht hott un sich über den statt­liche Bauch gefreut hott, der jede Taag dicker geworde is uud die bestniöglich,ste Aussicht uff 'Fett, Schbeck m:d Wurscht bot, und unuer Brüdern ihre 950 Pund weihe müßt. Kaa Wunner, das gute Futter und die Rouh, wem: doas nix batt, dcuill müßt des kaa echt Schbecksau gewese sei. Kdrz m:d gut, däi Sau is, als se inoach> der Aasicht ihrer Besitzer lang ßertug ihre beschauliche Leben swanuel fortgesetzt hatte, geschloacht woarn. Wäi se fei oabgebrieht gewese is, am Krappe gehängt hott und von hiiine nach: vorn uffgeschnitte worn is, hott uff a moal der Metzker grüße Aage gemacht, denn es is em kloar geworde, daß er mehr wäi aa Sau geschloacht hott; er hott die ganz Bescheering sich betracht u::d gezehlt: aans, zwaa, drei, vair, simf, sechs, siewe, bis er bei verzeh am Enn woar, weiter gings nett, verzeeh schee Färkelcher läge vor ihm und kaans hott sich gemuckst. Der Säu- zichter abber war baff.Sechs Woche h-mr arch die Sau gefüttert, ün hun e trächtig Muck geschloacht, alles is für die Katz."Sechs Wocke" seggt der Metzker, also warsch ne Wöchnerin. Bahl glaub aichs <ch l" E '

Wer sich> e Säuche niäste macht.

Prüf' ganz genau erst doas Geschlecht 11n kaaf' ün Sack jo nett die Katz'

Aa Sau hoaßt Muck, die annere Watz.

Er schad't sich wid dein Batterlaird

Fehlt ihm der nöt'ge Sauverschtaiid. ^

vüchertisch.

Ludwig Thoma: Heilige Nacht. Eine Weihnachts- legende. Mit vielen Bildern von Wilhelm Schulz. Preis in vor­nehmem Pappband 4 Mk. Verlag von Albert Langen in München. Ludwig Thoma erzählt hier nichts als die uns seit den Kinder­tagen wohlbekannte Geschichte der heiligen Nacht: wie Maria und Joseph von Nazareth nach Betlehen: wanderii, wie sie dort Unter- kunst suchen und von den Neichen überall abgewiesen werden, wie sie dann ein Armer in seinen Stall aujnimntt und ihnen dort der Sohn geboren wird, der ausersehen ist, der Heiland der Welt z:i werden. Nach gutem Brauch unserer alten Meister bringt unS der Dichter diese Geschichte auS dem sonnigen Palästina dadurch so recht nahe, baß er sie in deiltscheS Land und »lnter deutsche Leute verlegt. Mit dieser Dichtuna tu volkstümlich oberbayrischeu Versen ist Thoma bei aller Schlichtheit ein ganz großer künstlerischer Wurf gelungen. Und Wtlheln: Schulz hat Zeichnungen dazu geinacht, die an Schönheit und gefühlter Innerlichkeit dem Text illcht in: gettllgsten nachstehen. Auch sie sind kraftvoll und schlicht zugleich, naiv und meisierllch, gekühlt und gekonnt. Der Verlag hat aus die Wiedergabe dieser Zeichnungen und den Druck des Buches die