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lkag kommen würde, wo nach seinem Märchen der Bettler die wunderschöne Königstochter, die im Schlosse wohnte, küssen würde. Noch sieghafter, größer, bestimmter war dieser Glaube nun. Er faßte sich an den Kopf. WaS hatte sie ge­sprochen nnü was ihm gesagt? Er wußte es kaum; es war so gleichgültig, von Kascha Kaczmarek hatte er gehört. Was war Kascha Kaczmarek, wenn er in diese Augen sah?

Er sollte freundlich zn ihr sein, warum nicht, die Königs­tochter wünschte es. Und schöner als je war sie heute gewesen. Er schloß die Augen. Ihm war, der Duft wilder Abend­nelken schwimme durch die Luft, und er ircge wieder im Walde und bisse in toller Sehnsucht, in Lachen und Weinen in die Gräser, und ein Mund neigte sich auf seinen, und die leuchtende Schönheit nehme ihn, den armen, elenden Krüp­pel, in die Arme und hielte ihn wie Maria das Kindlein.,

Heda, Joses Laskowicz!" rief plötzlich eine wohlbe­kannte Stimme,sieh' dir das Bild der heiligen Jungfrau nur an! Sie verdient, daß man sich chrer erbarmt!"

Erschrocken chatte der Krüppel sich umgedreht.Ihr seid es, Pan Wachtmeister," sagte er verlegen.

Peter Wroblewski lockerte den Gewehrriemen. Kopf­schüttelnd trat er näher heran.Der Gottseibeiuns soll mich lebendig bratenz, wie siehst du aus, Juschu? Hat mein Freund Michael Laskowicz, dein Vater, sein Fläschchen stehen lassen? Ein guter Tropfen, aber jeder verträgt ihn nicht."

Ihr irrt Euch, Pan, ich habe nichts getrunken."

Dann hast du ein gesegnetes Fell, mein Lieber. Ein anderer erfriert die Finger, und du hast einen heißen Kopf, als wär's im August, und stehst zu deinem Vergnügen auf der Landstraße. Gott schütze dich. Ach, die Jugend, die Jugend!"

Weißt du, Juscha," fuhr er fort,wenn ick so hier vor­beikomme, habe ich niir schon immer gedacht: Ich muß mal mit dir reden. Sieh' dir die heilige Jungfrau an, es ist ein Jammern. Gin Arm ,sehlt, und !ro& noch dal ist, starrt tz>or Staub und Schmutz. Man muß sich schämen, wenn man von andern Dörfern nach Nasgora kommt. Was meinst du, du bist ein geschickter Mensch und hast Uebung. Wenn du die heilige Jungfrau ausbesserst oder gar eine neue schnitzest, freuen sich die Engel im Himmel."

Der Krüppel hatte ihm zugehört. Er sah enrpor zur heili­gen Jungfrau. Sie war nun wirklich anders, als er sie vor­hin gesehen, ganz so, wie Peter Wrobleivski sie schilderte. Es konnte einen jammern darum! Und plötzlich erfüllte ihn ein einziger Gedanke, der wie eine Offenbarung kam und« ihn erleuchtete. Maria selbst hatte es verfügt, daß er gerade hier vor ihrem Bildnis der leuchtenden Schönheit teilhaftig ward und ihr ins Auge sah. Maria selbst hatte es so gefügt, daß er hier vor ihrem Bilde ins Knie sank, daß ihre Mge verklärt und leuchtend wurden, daß sie in eines flössen mit den Zügen des irdischen Weibes, das seine Träume erfüllte. Und Maria fügte es weiter, daß ihm nun durch den Mund des Pan Wroblewski kund ward, wie er ihr danken sollte. Eine zitternde, heiße Sck-affensfrercke, wie er si-e nie gefühlt, überkam ihn.

Pan Wroblewski!" sagte er und preßte die Finger um seinen Arm,Euch hat die heilige Jungfrau selber geschickt. Ja, ick will's tun, ich will arbeiten, ich sehe sie schon vor) mir! Wißt Ihr, wie schön sie ist? Und ihre Augen sind groß und leuchten, und [te beugt sich halb über das Kindlein, das sie eben geküßt hat!"

Schwärmerisch leuchten seine Blicke; als müßte er nach dem Stechzeug fassen, hatte er die Hand ausaestreckt, wäh­rend die arckere noch immer den Arin des Fußgendarmls umklammerte.

(Fortsetzung folgt.)

Sei gesegnet!"

Eine indische Legerrde von Henrik S ien kewi t sch. Deutsch von M. Beßmertny.

In einer hellen Mondnacht sah der große und weise Krischna kn tiefe Gedanken versunken; endlich rief er mrs:Ich glaräste. der Mensch sei die herrlichste Schöpfung der Erde, doch ich irrte mich! Dort sehe ich die Lotosblume, vom leichten Abendwind bewegt. O, um wieviel schöner ist sie als andere lebende Wesen! Kaum, daß ihre Blütenblätter sich vor dein strahlenden Morgen- glanz« entfalten und dennoch kann ich den Blick von ihr nicht abwenden . , Nein, die Menfckicn haben nichts Aehnliches aufkuiveisen!"

Nach einem Augenblick sagte er jedoch sinneird:Sollte mir, »inem Gott, nicht das Zanbenvort &u Gebote stehen, um ein

Wesen zu schaffen, daS unter den Menschen VaS wäre, waS die Lotosblume unter den Pflanzen? Ja, so sei eS, zur Freud« der Erde Und der Menschen! Lotos, verwandle dich m ctrt lUnges Mädchen und stehe vor mir!"

Leicht kräuselte sich die Welle, wie von einem Schwalbenflüge! berührt; die Nacht wurde Heller, der Mond schien noch leuchtendes am Himmel, lauter sangen die Nachtdrosseln, dann verstummten sie.

Der Zauber vollzog sich: Bor dem Gotte Krischna stand die Lotosblume in menschlicher Gestalt.

Der Gott mußte sie staunend bewundern.

Du warst die Blume des Sees," sprach er,sei von nun an die Bin me der rufen Meeres gedanken und meiner eigenen Wortes

Und das Mädchen begann zu flüstern, so leise wie die weihen Lotosblätter flüstern, wenn der sommerliche Zephir sie küßt:Du Weiser, du Venvairdeltest mich in ein lebeirdes Wesen; wo, be­fiehlst du, daß ich wohne? Denke daran, erhabener Gott, daß ich als Blume meine Blätter schließen mxb zusammenschauern mußte, wenn der leichteste Windstoß sich nahte. Ich fürchtete mich vor dem strömenden Regen und dem Sturm, ich zitterte vor dem Donner und Blitz mrd auch vor den glühenden Strahlen dev Sonne. Du gebotest, daß ich eine verkörperte Lotosblume werde, dainm verschwand meine frühere Natur, aber jetzt fürchte ich mich vor der Erde fuick vor allem, was auf ihr lebt. Wo wünschest du, daß ich ivohnen soll?"

Die Augen mit weitem Blick zu den Sternen erhoben, dacht« Krischna nach mrd sagte:Willst du auf den Bergeshöhen wohnen?"

Dort ist Schnee und Kälte zu Hause; ich fürchte mich."

Nun, oder auf dem Grunde des Sees, ich will dir dort eine« Palast ans Krishill erbauen?"

,,Jn der Tiefe des Wassers lebt die Schlange rmd anderes Gewürm: ich fürchte mich/'

Willst du die unendliche Steppe erwählen?"

O, Weiser, die Windsbraut und der Sturm jagen über die Steppe, ioie wilde Horden."

Was fang' ich denn mit dir an, mein verkörpertes Lotos­blümchen? Ach, in den Felsgrotten von Ellora wohnen dis heiligen Einsiedler . . . Willst du mit ihnen fern vom Ge­räusch der Welt leben?"

Dort ist's dunkel: ich fürchte mich."

( Krischna setzte sich auf den Stein und senkte sein Haupt in die Hand. Voll Zagen und Zittern stand das MKchen vor ihm.

Inzwischen begann der Hinnnel im Osten sich rosig zu färben. Die Morgenröte vergoldete den Strudel des Sees, die Palmen und den Bambus. Die Fischreiher, die blauen Kraniche und weißen Schwäne, die Pfauen und die Tiger im Walde stimmten einen Chor an. Laut erschallte das Echo einer menschlichen) Stimme, begleitet von den Tönen der Satten, die über eine große Perlmuschel gespannt waren.

Krischna stand auf und sagte:Das ist der Dichter Balmikß er begrüßt den Sonnenaufgang."

Purpurne Fäckier, von Lianen umschlungen, teilten sich über dem See, und an dein Ufer erschien Balnnki.

Plötzlich erblickte er die verkörperte Lotosblume, da hörte er aus zu singen, schlaff sank die Perlmuschel ans seiner Hand zur Erde, seine Arme fielen willenlos an den Hüften herab und feine Zunge war gelähmt. Wie versteinert stand er da, als hätte chn Krischna in einen Baum anr Seegestade verwandelt.

Mit Freuden bemerkte der Gott, welch' eine verÄüffende Be­wunderung sein Werk heruorzubrrngen vermochte.

Ermanne dich, Valmiki, und sprich!" sagte er.

Ich. liebe", stammelte der Dichter ganz leise. Auf das eine Wort nur kvnnte er sich wieder besinnen, und dies allein brachte er mühsam hervor.

Krischnas Götterantlitz strahlte vor Vergnügen.

Ent^ückeirdes Mädchen ich habe eine würdige Heimstätte für bttf; 1 gefunden: du soffst inr Herzen des Dichters Leben!"

Ich lrebe!" .... wiederholte Valmiki zum zweiten Male. So drängte der Wille Krischnas, der Wille der Gottheit, daS Mädchen irr das Herz des Dichters. Sein Herz aber machte der Gott so klar und durchiichtig wie Kristall.

Sanft wie ein Sonrnierlüftchen, ruhig wie eine Welle des Ganges betrat das Mädchen den ihm bestimmten Zufluchtsort. Kaum blickte es ttefer in Valmikis Herz, als sein Anllitz erbleichte rmd ein Schrecken es wie ein kalter Wind umhüllte. . . .

Krischna bermruhigte sich und sagte:Fürästest du denn auch das Tickiterherz, mein verwandeltes Blümchen?"

O, du Weiser," entgegnete sie,wo beliebte es dir, mich zu be­herbergen? Hier in diesen: Herzen entdecke ich schneeige Berg­gipfel und Abgründe, von den immdersamsten Wesen belebt. Um> wiederum fürchte ich mich» so, gnädiger Gott!"

Darauf aber sprach der gute und weise Krischna:Sei

richig, mein verwandeltes Blümchen! Wenn inr Herzen BaimikrS noch kalter Schnee liegt, so sei du der nxrrine FrEingshaiuh, vor dem er schmilzt, ist dort ein YVtlgrnnd. so sei du die Perle m der Diese, breiten sich öde Stepipan arO. so f je auf ihnen div Blume des GlücKi; sind dort düstere Felsenkläfte, so sei du chr

erleuchterrder Sonnenstrahl."

Und sei gesegnet!" fügte Balmüki hinzu, der wieder sein« Sprache erlangt hatte.