Kömgstraume.
Roman von Karl Busse.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Der Mas tour sofort der liebenswürdige Gesellschafter. „Gewiß," sagte er verbindlich, ,/andere Völker, andere Sitten. -Herrn von Berkens Adelsprogramm ist bei unseren Verhältnissen undenkbar. Ebenso wahrscheinlich das meine in Preußen. Wer will da sagen, dies ist recht und jenes falsch'?'
„Und außerdem," sagte Versen, „vergesse:: wir heute zunl zweitenmal, daß das gnädige Fräulein ein gutes Recht aus eine andere Art der Unterhaltung hat. Ich bitte recht sehr nur Entschuldigung."
Ein dankbarer Blick Hannas kraf ihn. „Ja," sagte sie und atmete auf, „so schlimm wie heute tvar's wirklich noch nie." Und lachend: „Ra, Ende gut, alles gut! Man lernt ja mich immer."
„Und welche Stange halten Sie, Gnädigste?" fragte der Graf.
„Ich werde mich hüten, das zu verraten. -Dann geht der Tanz noch einmal los."
„Aber wenn wi.r versprechen, schlveigend das Urteil zu empfangen?"
„Es würde mich auch interessieren," warf Versen hin und sah sie groß an.
Sie zögerte und blickte von einein zum andern. Dann wurde sie leicht rot.
„Ich bin nicht Ihrer Meinung, Herr Graf."
Rutkowski hatte eit: nervöses Zucken un: die Mundwinkel, tvie es ihm eigen war. Und jäh traten auf seinem schmalen, blassen Gesicht die beiden roten Flecke hervor. Es war ei,: böser Blick, der einen Moment Den Leutnant traf. Dann sagte er völlig ruhig: „Wenn sich eine so liebenswürdige Dame gegeti mich erklärt, strecke ich die Waffen."
„Und ich erkläre feierlich den Frieden," lachte Hanna. Ernst August und der alte Baron, die sich bisher mit dem Roilvein beschäftigt und leise über ei:: paar persönliche Fragen diskutiert hatten, mischten sich ins Gespräch. Aber Halls Albert sollte mit seiner Ansicht, daß es heute noch ein scharfes Zechen geben würde, unrecht behalten In ganz konventionellen Grenzen quälte sich die Unterhaltung hin. Und wider Erwarten erhob sich Gras Rutkowski nach einer halben Stunde, um sich zu empfehlen. Man nötigte nicht allz:: ernstlich, und es hätte auch schwerlich viel genützt. Denn hatte Napoltzoi: Rutkowski mal einen Entschluß gefaßt, blieb er fest.
Als er sich zun: Kusse aus Hannas Hand niederbeugte, ging ein leises Zittern durch seinen Körper. Ei:: seltsam heißer Blick traf sie. to» sie halb verlegen sich abwandte. Mit herzlichem Händedruck nahm er Mschied von Hans Albert und Ernst Anglist. Dann wandte er sich zu Bersen.
„Herr Leutnant — 5"
„Herr Graf —!"
„Ich hoffe, daß wir uns nicht das letztemal gegenüber- getreten sind."
„Ich hoffe dasselbe."
Eine nochmalige kühle Verbeuguna. Einen Moment trafen sich die Blicke. Wie zwei Dolche, die sich kreuzen.
Der Schlitten stand in: Hofe bereit. „Nach Hanse!" befahl der Graf. Und kräftig griffen die Gäule aus.
6. Kapitel.
In Decken gehüllt, den Pelzkrage:: hock-geschlagen, saß er mit finstern: Gesicht da. Sein Atem ging rasch: eine Trotzfalte hatte sich in seine Stirn gegraben. Dumpf vor sich hinbrütend starrte er ins Weite, über die verschneiten Felder, in die sternige, kalte Winternacht. Er fuhr erst auf, als der Schlitten beim Abbiegen von der Chaussee ziemlich heftig her::::: ge schleudert ward. Ein breiter Weg, den er selbst hatte aulegen lassen, führte gleich hinter Nasgora in fast gerader Linie nach Muchocin und Skydlewo, den von Vorwerke:: umlagerten Hauptgütern der gräflichen Familie.
„Euer Gnaden befehlen?" fragte der Kutscher und wandte sich.
„Nichts? Fahr' zu!"
Gehorsam hieb der Mann auf die Pferde ein. Doch, hätte er drauf schwören mögen, daß sein Herr etwas ge- sprochen hatte. Und so tvar's auch. Als müßte er sich den Klang für immer einvrägen, hatte der Graf Bersens Namen genannt. Seine Hände ballten sich. Was war denn dieser Versen? Ein lumpiger Leutnant, eil: Nichts, ein Maulheld! Ein Mensch, (dessen Leben darri: aüfging, Rekruten zu drillen: ein'Herr von Habenichts, der sich frech in feine Kreise drängte, der sich vielleicht nicht einmal scheute, die Augen zu Hanna von Graßnick zu erheben! Unverschämt und lächerlich gleichzeitig.
Wie eir: Wölkchen ward sein Atem in der kalten Nacht sichtbar. Er strich den Schnurrbart, in den sich Eiskristalle gesetzt hatten, und griff instinktiv in die Tasche des Pelzes. Dort steckte der geladene Revolver. Seine Hand umspannte de:: Schaft der Waffe. O, dieser Leutnant hatte seine letzten Worte wohl verstände::! Noch einmal lvollten sie sich aege:v- übertreten, beide hofften es, qber anders! Statt der spitzen Worte sollten die ^>äbel kreisen oder die Pistolen sprechen.
Wein: es erst loäre!
Er nickte. Dann ließ er die Waffe los. War es nicht närrisch, sich über Lappalien aufzuregen? Was ging ihn im Grunde der Offizier an? Und was wußte der von ihm? Seil: Leben zog an ihm vorbei. An Pracht, Glanz und Reichtum war er gewöhnt, so lange er denken konnte. Aus dem un- glücklichen Freiheitskampf von 1830 war sein Vater knapp drei Jahre zurück: da ward er geboren. Kampf- und Frei heitSlieder, schwermütige Volksweisen tönten über seine Wiege. Bartek Zychod, der treue Diener, der Urpfer an der Seite seines Herrn gekämpft, raunte sie dem Knäblein ins


