Ausgabe 
4.12.1916
 
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Königsträume.

Roman von Kurl Busse.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Juschu beinerkte sie erst -etwas später. Sein Gesicht ver­änderte sich in keiner Miene. Man sah, wie gleichgültig ihn die Begegnung ließ. Mit dem üblichenGuten Tag, Pani" wollte er an ihr vorüber. Aber sie hielt ihn auf. Sie gab den Gruß zurück und setzte rasch, während ihre Wangen sich höher färbten, hinzu:Man trifft sich selten, so klein das Dorf ijt."

Dabei kam eine mädcheuha.fte Verwirrung über sie. Sie senkte die Augen- ihr Atem ward beklommen; die junge Brust spannte sich und zitterte auf und nieder. In der zit­ternden Demut staub sie so einen Augenblick vor ihm das Weib, das sich ganz und mit gebunbenen Härchen dem Ge­liebten aus liefert.

Gr sah es kaum.

,^Feder hat seine Arbeit, Pani," nickte er freundlich, ich muß meine Körbe flechten, und Ihr habt anderes zu tun.'"

Sie zuckte zusammen. Schnrerz-lich und trotzig zugleich sah sie ihn an. Die holde Berwirrurrg wich diesem Trotze.

Es war früher anders."

Als wir noch Kinder waren, Pani. Die Zeit vergeht. Und nun müßt Ihr mich entschuldigen.- die Glocke hat schon geläutet!"

Sie hörte nicht darauf. Ihre Augen brannten.Warrrm bist du so anders, Joses Laskowicz?" sprach sie halblaut. Warum redest du ju mir wie zu eiuer Fremden? Hast früher dochdu" gesagt! Und wenn man zusammen aus­gewachsen ist"

O Kascha Kaezmarek," erwiderte er etwas verlegen, .ich dachte, es paßt sich nicht. Jedoch, wenn Ihr, wenn du Meinst!"

Sie lachte halb.Es waren schöne Jahre damals, kein Fleckchen, wo wir nicht spielteu Eriirnerst du dich des großen Astes noch, den wir beide schleiften? Ich trat daraus, aber du zogst rasch, und ich fiel hin. Juschu, wie du damals gelacht hast!"

Er überlogtc, schüttelte der: Kopf. ,^Jch weiß nichts mehr. Das muß lauge her sein. Nun, und war es schön, so ist eS oben im Schloß wohl schöner. Doch hat es Mittag geläutet ^ du wirst Schelte kriegen."

Ihr Gesicht war ernst, fast finster geworden. Alles, alles aus der Kinderbett hatte er vergessen! Sie biß die gähne zusamnreu.Dre Gnädige schimpft nicht," sagte sie. Zu mir ist sie so gut wie jetzt... jetzt keiner mehr."

Da leuchteten seine Augen auf.Sehr gut ist sie," nickte er halb für sich.Wie keiner mehr," fügte er hinzu.

Woher weißt du das, Josef Laskowicz?" fragte das Mädchen Herd.

Cr -ögerte, skottarts. er! «wußte e-A doch am besten!

,,Man spricht ja davon," antwortete er. Eine leichte Rät« war tn sein Gesicht gestiegen.

Dir hat die Gnädige doch nichts Gutes getan!" Gin Blick streifte sein lahmes Bein.

Da hätte Juschu Laskowicz am liebsten hinausschreien mögen:Das Beste Hab' ich von ihr, das Schönste in meinem Leben gibt sie mir!" Aber er bezwang sich.Nun ja, ja. Ihr denkt so, Pani, und jener so. Es freut mich, daß Ihr eS gut habt auf dem Schlosse, und daß die Gnädige für Euch ge­sorgt hat."

Er merkte es nicht, daß er nicht mehr ,chu" zu ihr sagte. Kascha Kaezmarek aber merkte es gut. Es gab ihr einen Ruck. Die preßte die Hände zusamm-en, daß die Fingernägel rnS Fleisch schnitten.

Ich will Euch nicht aufhalten," rief sie höhnisch.

Und während er sie verwundert ansah, schritt sie davon. Ihr Haar wehte. ES war schwarz.

Die Königstochter, dachte Juschu, der Krüppel, hat brau­nes Haar mit einem Goldschimmer. Er wandte sich nicht mehr nach Kascha um. Die aber ging rasch in Trotz und schmerzen­der Leidenschaft vorwärts. Zweinral drehte sie den Z^ps. Juschu blickte nicht zurück. Da kam wilde Wut und Bev- zweislung über sie. Sie lief mehr, als sie ging. Bor dem Schulzenamt hätte sie beinahe Peter Wroblewski umgerannt, den Fußgendarm, der eben auf die Straße trat.

,,Maria und Josef," fluchte er,was fällt Euch ein? Natürlich Kascha Kaezmarek, die Wildkatz!"

Und halb lachend schon:Habt die Güte und stoßt ein zweitesmal einen andern an."

DaS Mädchen hatte sich umgedreht.Schweigt!" rief sie gell und wild, daß Peter Wroblewski ordentlich zusammen- zucktc. All ihre Wut und Leidenschaft lag in dem einen Worte.

Noch lange sah der Gendarm ihr kopfschüttelnd und ver­dutzt nach. Dann kraute er sich das Haar und murmelte vor sich hin:

Armer Spatz, du hast eine heftige Spätzin,"" sagt Michael Le "owicz, mein Freund. Maria und Josef, waS wird dann erst anS dieser da werden! Wenn meine Jadwiga eine Spätzin ist, so ist diese Kascha Kaezmarek eine heftige, heftige" Droben krächzte es.Eine heftige Krähe," brummte Peter Wroblewski. Dock) der Vergleich schien ihm nicht passeird. Er überlegte ein Weilchen.

So etwas gibt es im Tierreich nicht," dachte er dann resigniert.Uud Gott weiß, warum er's nicht erschaffen hat." Wobei der Fußgendarm schwer seufzte und langsam von dannen trollte.

G

5. Kapitel.

Kascha Kaezmarek hörte nicht eher zu kaufen auf, als bis sie in ihrem Stübchen war. Dort kauerte sie sich, wie es ihre Art war, neben den Ofen hin, stützte die Ellbogen auf die Knie und daS Gesicht in die Hände. So saß sic schweigend.