Die ttriegslost und die jungen Mütter.
Don Schwester LotteMüller, Leiterin der MUtterhilse. Berlin.
Es ist nicht 'nur von Interesse, sondern anch von Wichtigkeit, die Einwirkung der Kriegskost auf unser Volksganzes festznstellen. Mit unseren I^eranwachsender Kindern in gleicher Linie stehen unsere jungen Mütter. Für sie ist, dank der Lebensmittelkartenregc!im*T, die Mich dein Kinde vonr Tage der Geburt das volle, den Erwachsenen ungeteilte Maß gewähren konnte, gilt vorgesorgt. Ich» habe in meiner Arbeit, als Leiterin eines Hcimvs für junge werdende und gewordene Mütter viel Gelegenheit, die Einwirkung und den Einfluß der Kriegs Lost auf diese zu beobachten. Meine Schüblinge gehören Zu 85 Prozent der arbeitenden Volksschicht an, wenn auch über M Prozent von diesen nicht direkt Arbeiterinnen, sondern in Stellung waren und demnach beköstigt wurden und in der Regel besser genährt wurden, als eine Arbeiterin sich nährt. Immerhin fühle ich mich berechtigt, hieraus und aus meinen sonstigen Beobachtungen einen Schluß auf die Allgemeinheit zu ziehen.
Im ersten Kriegsjahre habe ichj eine Veränderung durch die damals entstandene:! Ernährnngswechsel überhaupt nicht bemerkt. Gesundheitszustand von Mutter und Kind blieben gleichmäßig günstig wie in Friedensjahr-en, die Mütter konrmen in gleicher Kräftezustand d^w Vorjahre von den Entbiirdnngsanstalten, meistens 5—7 Tage nach der Entbindung, zu mir, in unser. Heim. Tamals konnte aud) die von mir als zweckmäßig erkannte und eingeführte Heimkost fast unverändert gegeben locrden. Sie ist aus .bestimmten Nahrungsmitteln, die besonders ciwKß und fettreich sind und somit fiir junge Mütter und ihre von ilmen genälfrteu Kleinen die notwendigen auflraucndcu Stoffe entlialten, zusammengesetzt.
Ich denke in einem anderen Aufsatz darüber Nälteres zu berichten.
Im zivcitcn Kriegsjahre brachten wirtschaftliche Veränderungen auf dem Arbeitsmarktc eine größere Zahl Arbeiterinnanmutter zu Uns. Be- ilxuur konnte ich vielfach eine Unterernährung dnrck) Mangel guter Voreruährnng .feststellen. und zivar in den tr^itaus meisten Fällen durch nnziveckinäßige Ernährung.
Unlerernährte Mütter blieben in der Regel 6 10 Tage in der
Klinik und waren anch nach dem Wochenlrette anfälliger, als ich das onst bcvbach et 7?abe. Jedoch war ihre Pflege eine besonders dank- lmre Arbeit, di sie und ihre Marder vorzüglich gedielten, trotzdem unsere Kost sich, deu Berlstilmissen enrspreck>end, noch ocrcinfacht l^tke. Fleisch und Fisch gab es für uns nur wenig, Butter. Fett, Milch und Brot für jede die ihr und ihren: Kändck>en zur Verfügung stehende Menge. Auch Mütter, die besonders starke Esser tuarcn, rcickten damit und fühlten sich bald gekräftigt und wieder arbettS- jälig und arbcitsfrendig.
Eine Mn ahme der Stillsälngkeit lxlbe ick. nicht beobachtet. Es icklten 100 Prozent nach wie vor. davon 75 Prozent ausschließlich 25 Prozent mit Zugabe von Flaschennab/rung Tie Be.'back- ttingszeit sckyrankt je nach dem Heimaufentlialt z irischen 8 Wockeir bis zu 3 Monaten.
Tie (^eu'ickitsZunahme der Mütter l>etrug dnrchsckmitrtich t bis 6 Pfund im ersten Monat und hielt iich auch bei tveitcrcm Nähren «Ulf gleicher Höl>e, die Gewichtszunahme des Kindes ivar den der Friedensjahre gleich, 500 700 Gramm im Monat bei Brnst- kindern.
Es ist zu cttvarten, daß das Ergebnis in Mittel- und Kleinstädten und besonders in Landbezirken noch günstiger ist als in der Großstadt und zu wünschen, daß innge Mütter sich vor allein der ^erantirwrtnng beivnßt werden, die ihnen iwnr Staate zugcwiescue Merlgc von Lelrensniitteln ganz besonders Mich in der Zeit, für sich allein zu verwenden und nicht Familienmitgliedern zuznwenden.
Geschlecht und verusswahl.
Bon W. I. Ruttmann.*)
Während des Krieges ist die Frau in einem nie für möglich gehaltenen Umfange in Berufe eingedrimgen, die bisher als vorzugsweise männlickre galten. Und ans diesen Bernsen wird sie auch nach de'itt.Kriege Nicht so ohne »veiberes und so lxrld verdrängM sein Für die Berufswahl des Mannes einerseits und der Frau andercr- seits wird in viel größerein Maße als bislser niefit nur das KcS- komnren, sondern vor allem die phpsiologisckre und pslickwlogische Eignung der verschiedeinm GesckileckKer ansschlaggelumd werden» wessen.
Tie Unterschiede in der Begabungsairlage der Heiden Geschlechter greifen ans Gebiete über, die für unser bisheriges Wissen und Tenken ivenig Zusammenhang mit der Gesckstecktsbesckmsfenl^it »n l-aben schieneki. Wenn beispielsweise Farbenblindheit bei Man-
*) Diese interessanten Mrsführungen entnehmen wir der so. eben erschienener Schrift W. I. Ruttmanns: Berufswahl. Begabunc und Arbeit öle isttnig in ihren gegenseitigen Beziebnngx'n (Simm lung AuS Natur und Geisteswelt Bd. 522, Verlag von B G Teurer. Lerpzm und Berlin, Geh. Mk. 1—, geh. M. 1.25, in der der Verfasser dre für Voraussage und Beratung bei Berufswahl und Bernfsiveckuscl und für das Fortbmrmen im Beruf nnck ttgen aNgemernen Fragen und Prüfnngsmettwden sonne prak tischen Gesichtspunkte beliandelt.
nern sechsmal so oft ge inn den nürd wie bei Frauen, so kann hie« zunächst kein Zusammenhang weder mit primären noch mit sekundären Geschlechtsmerkmalen gesehen werden Dennoch ist es dre Gesamtheit der sekundären Merkmale, welche- sich in Körper und Geilt des Menschen ausprägen, welche die Grundlage für die spezifische Begabung der Geschlechter bildet.
Eine Anzahl von Unterschieden der Geschlechter ist für die rede Arbeitswahl von BcdeuUrng. Aus den Matrikeln der Hilst .! ulen ist ersichtlich, daß eine wesentlich geringere Zahl von .'Je äscheu Hilfsschulbildung benötigt, als dies bei den Kiraben der Fall ist. Dies kann darin begründet liegen, daß bei den Mädchen der Schwachsinn sÄteuer ist, oder daß sic, trotzdem und obschon eine höhere Fortentwicklung ausgeschlossen ist. ihr Fortkomme.l finden. Der Zöglingsbestand in preußischen Fürsorgcanstaltcn weist in allen Jugendstufen die doppelte Anzahl Knaben gegenüber best Mädchen ans. Nach eingehenden Untersuchungen bleibt das sozra! höherstehende Mädchen körperlich und geistig über denk sozial tieser- stjehendcrr gleichaltrigen Knaben. Klls richitig darf angesehen, werden, das; das Mädchen weniger Fürsorge benötigt, um im Durchschnitt sozial lebensfähig zu roerden, als der Knabe. Hier ergeben sich für die künftige Forschung wichtige Fragen: Ist es eine lwsondere Begabung des n eiblichen Geschlechts, die ihnr die Erfüllung sozialer Pflichten leichter tmackit? Sind es vielleicht, mir die kultureUerr Faktoren, die einen uralteir Zwang ausüben, aber dennoch) anch mit dem Selbsterhaltungstrieb des Menschengeschlechts Zusammenhängen?
Anch bei den einzelnen seelischen Erscheinungen und Funktionen zeigen die Gesell echter wesentliche Unterschiede. Die Sinnesleistung ist deutlich verschieden. Für die Praxis des Lebens erscheint besonders bcackstenslvert die feinere Hantempsindnng der Frauen gegenüber den Männern. Tie geringere Schmcrzempsindlichkeit der Frau ist eine altgenrcine Erfahrung. Saure nrrd bittere Ge- schmücke erkennt das weibliche Geschlecht besser als das männlickv. Farben werden von der Frau rascher und genauer erkannt als vom Manne. Die Schärfe der Formunterschsidnng ist beim Manne besser. Eine bereits unübersehbare Fülle von Gcsckstechtsunter- schieden, denen allen eine größere oder geringere Bedeutung für die Arbeitsir-ahl anerkannt werden muß. ist durch zahlreiche Unter snck.nttgen an Schulkinder.! für das hölierc Seelenleben scstgestellt. Der reine Dorstellnngsschrtz scheint nickt sowohl durck das Geschleckt als vielmehr durch die llnnmlt bedingt zu sein. Assoziationen knüpft das wciblicke Geschlecht rascher als das männliche. Beim letzteren liegen sic in der Linie der Llehnlichkeit, wonrit vielt ei ckrt die Witzigkeit des Mannes bedingt ist, beim weiblichen mehr i,h der Linie der mehr 'Fülligen Berührung, womit sich die Um ständlich'eit !:nd Weitscknveifigk.it des weiblickxn Tcnkens erklären läßt. ES sei hier schließlich daran sestgehalten, daß die Frau eine Snnime von Eigenheiten besitzt, welche sich sozirfogisch besonders einordnet.
hütiehutten.
rie Pflicht, alle verfügbaren Rohstoffe für die Ernährung der Bevölkerung gebührend auszrinutzen, lveist uns auch aus die jH-eranziehung säintlich-er nildwachsender Pflanzen und Frücküe hin. Schon haben mir im Laufe -sveier Kriegsjahre manch? von ihiren schätzen gelernt, deren Veüvendnng in der Küche uns bisdw ferngelegcn liatte Aber l.och immer sind aus diesem Gebiete neue Werte zu heben oder schon gehobene ) Veite reu Kreisen bekannt zu nwaren. Zn den. wenigßeirs in Norddeutsch!and. nicht nach Ge bühr geschätzten Früchten, die der Herbst beschert, gehört die
Mengen wiD wächst als Frucht des Wildrosenürauckres lcuckuet ste uns im Ott ober tanscndsach ans Hecken rurd Büschen an Wald >ern jund Eiscnbabudämmen^entgegen — fleißig gesammelt werden. NM sie zu. Supf>cn, Saucen, Marmeladen Kvmpott. Mus. Pasten, Likör. Wein und Tee zu verarbeiten. Der letztere. U'elcber einen angenehmen Vanillegeschnrack auflvcist und als Er satz. für chinesischen .Tcc dienen kann, wird durch zlveiftnudigeS Kochen ans den getrockneten Kernen der Hagebutte gewonnen die Ihü der Verwertung der Früchte entfernt und nach svoisälti n r ueinignng getrocknet anchenahrt ivurden. Für die Zubereitting >er Früchte in Zucker und Wasser, auch in Weinesstg. rinden sich die verschiedensten Kockivorschnsten in unseren Kochbüchern. Auch als Mannöladen und Mus leisten si' i i h u igee Z-it. di^ ictnn
wohlsclaneckenden Brotaufstrich) besonders
gute
MWWMW»»rentte. zu-
ilnal mau sie in Anbetracht der Zuckerknapp beit ohne diese Zutat cinttxlien Und sterilisieren. sc>dann erst zun Gebranck mir Sirup oder Kunsthonig nachsüszen kann. Eine andere leicküe Kou'.n. viernngsmethode ist das Trockne,, i>er reifen Hug.bulleutcuckte Sie dürfen dazu glicht allzu reif, leiuesn^gs tveick sein. Tanp kaiui mau sie von Stielen, Kappen und Keinen entblösi auf Hürden l*ei schuackhinn Feuer z>der anch an der Sonne trocknen und io eine n^rtvolle Winttrwürze für Suppen, Srnren und Ke.umnre gelvinnen. Dü' Vc'rN»endnng tx'r Hagelmtle in großen Mengen.
B. in der »Konservenindustne. hat mit der Sckrnnigkeit zu wckmen. daß die virlcu verschiedenen Roseuarten Früchte außmäsen. die an Gestalt und Züsanunensetzung erheblich vonein.mde! ab-


