Der KMum-Vulkim.
Notttan von St. E. White und S. H. Adams.
Autorisierte Übersetzung. — Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Unsere dlbsicht war gewesen, uns hinter die Tiere zu schleichen und die Herde aus der Höhle zu treiben, aber dazu war die Höhle zu eng und die Tiere zu dicht zusammen- edrängt. Nach und nach gewöhnten sich unsere Augen ent as Halbdunkel und bald konnten lvir die Gestalten der einzelnen Seehunde unterscheiden, die in einer einzigen ungeheuren Masse die Höhle füllten und in ihrer Angst einen furchtbaren Lärm machten. Zwischen uns und den Seehunden lag, wie eine Heute Insel, ein Fels block, auf den Perdosa "sprang, um besseren Ueberblick zu haben. Haudy Salomon fuchtelte mü den Armen in der Lust, aus die Herde deutend, und schrie irgend etwas, aber es war unmöglich, ihn in dent Getöse zu verstehen -
Wir alle schrien. Aber teiner hörte den audertl.
Perdosas Gesicht verzerrte sich vor Wut. Da stürzte sich eitt riesengroßer männlicher Seehund vorwärts, um an uns vorbei ztt' entfliehen, und die ganze Herde setzte sich in Bewegung, ihm zu folgen. Hätten nur ihn vorbeigelassen, so hätte sich'die ganze Herde blindlings hinter ihm hergewälzt, und nicht:? hätte dem Anprall der schweren Körper standhallen lönnen.
Thrackles schlug das gewaltige Tier nieder, und die Herde lvich brüllend zurück.
Da kamen Pttlz und der Neger, die des Wartens milde geworden waren und ihre Posten verlassen hatten. Pulz und Handy Dalonton versuchtet!, sich dttrch Zeichen zu ver- fdändigeu, aber es gelang ihnen offenbar nicht. Unentschlossen standen wir da. Perdosa, auf seinetu Felsblock, rollte sich eine Zigarette und zündete sie umständlich an. Thrackles stützte sich auf seine Keule und starrte auf die Seehunde. Der Neger war eitt wenig zurückgeblieben. Nun schrill Thrackles auf Pulz und Salomon zu und schrie irgend etwas, wurde aber nicht verstanden. Daun bückte er sich, hob einen Stein auf aus dem Geröll und schleuderte ihn in die dichtgedrängte schwarze Masse. Sofort verstanden iyil die anderen. Ein Hagel von Steinen prasselte auf die Tiere nieder, die noch lauter und noch ängstlicher brüllten, es aber nicht wagten, sich atts ihre Peiniger zu stürzen. Nur ein einziger Seehund stürzte vorwärts und wurde durch Keuleuschläge getötet, aber keines der anderen Tiere wagte sich hervor, obgleich die Männer Steine schleuderten, so wuchtig und so schnell sie nur konnten.
Plötzlich duckte sich Handy Salotuon und sprang mit einem Gebrüll, das das ungeheure Tosen übertönte, mitten in die Herde. Ich sah, wie die Tiere sich noch enger, noch ängstlicher zusammendrückten hn ihrer Furcht — sah, wie feilte Keule fortwährend empor fuhr und immer wieder
niedersaufte — und dann kam auf einmal ein Wogen in die schwarze Atasse. Sie bewegte sich vorwärts. Sie stürzte auf uns zu.
Es wurde ein Kampf unts Leben.
Jeder vott uns wußte, daß der Mann verloren war, der uiedergerissen wurde, penn kämpfen Seehunde auch nicht gern, so besitzen sie dock) eine furchtbare Waffe in ihrem starken Gebiß, llnb die Tiere waren toll vor Furcht. Wir waren mitten in der tobenden, vorwärtsdrängenden Masse. Es blieb utls nichts übrig, als blindlings unsere Keulen rechts und links niedersausen zu lassen, mit der Wucht, der Schnelligkeit, der fast übermenschlichen Kraft, wie sie nttr der Kampf atts Leben oder Tod einem Mann verleiht.
Wie ein böser Traum war es.
Wie ein Kämpfen mit einem grauenhaften, hydra- köpfigen Untier — denn die Seehunde schienen nnverwund bar. Wir wußten nicht, ob unsere furchtbaren Hiebe»trafen, ob sie verletztet!, ob sie töteten, weil immer neue Köpfe um uns austauchten und innner neue Massen nachdrüngten. Fortwährend waren wir in Gefahr, niedergerissen zu werden. Wir stolperten. Wir wichen zurück.
Ich weiß nicht, wie lange der Kantpf dauerte.
Ich weiß nur, daß es tnir schien, als seien Stunden vergangen. Die Arme waren ntir schwer wie Blei: der Schweiß rann mir von der Stirne in die Augen; mein Atem fruit und ging mühsam in keuchenden Stößen: ein scharfer, stechender Schmerz im Knie ließ mich anfschreien, und beinahe wäre ich zusammengesnnken. Aber ich tnußte auf den Füßen bleiben, koste es was es wolle, denn die drängende, stoßende Masse da unten ivar der Tod. Da fiel mir plötzlich ein, daß ich eilte Säiußwasse im Gürtel trug —
Ich riß den schweren 45kalibrigen Kolt hervor und feuerte alle Schüsse mitten in das Gedränge.
Und ans einmal wich die Herde zurück. Ich weiß nicht, ob das Ausflanrmen und Krachen der Schüsse es war, das die Tiere ängstigte oder ob sie vor Perdosa zuntckwichen, der von' der Seite aus, innner noch auf seinem Felsblock stehend, ans sie einhieb, oder ob der mitten im Gang sich auftürmende Wall von Seehundsleichen sie im Vordringen behinderte — wir hatten plötzlich Lust.
Schwer atmend sah ich mich um. Pulz, Thrackles und der Neger standen ganz in meiner Nähe, etwas weiter zurück. Perdosa kauerte ans dem Felsblock. Handy Salotuon, der der Herde am nächsten gewesen war, lehnte sich keuchend gegen die Felswand. Er war mit Blut bedeckt, und seine Kleider hingen in Fetzen an ihm herunter. Uns anderen ging es nicht besser. Aber niemand war schwer verletzt.
So standen wir starrend, regungslos da, zehn Sekunden lang vielleicht.
Dann kletterten die Männer, brüllend vor Wut, über die toten Seehunde hinweg und griffen die Herde an. So verängstigt waren die Tiere, daß sie sich nicht länger wehrten, und was nun kam, war kein Kampf mehr, sondern ein Hinschlachten: das feigste und brutalste Morden hilfloser


