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Eine besondere Neugier, deren Grund ich garnicht nachforchte, verarüaßte mich, an seiner Seite einen Gang durch die noch roten Brandreste «dtreten. Da loderte es von zehrender Flammenglut, hier standen schwarte Mauern, in denen die letzte Hitze des Feuers glühte, lind es knackte und prasselte in dem einsturznahen Mauer- gefüge. Irgendwo im Rust hockte der Brionnemüller. Seine plötzliche Erscheinung überraschte mich nicht, als hätte ich sie erwartet. Während er mit stieren Äugen auf uns säh, ließ er sich den Aschenstaub verkohlten Holzes durch die Finger rinnen, wie ein Kind im Sande spielt._
vermischte».
* Das anglisierte Rone n. Während die Franzosen einen Besuch im bundesbrüderlichen England nur unter den grössten Schwierigkeiten und in verhältnismäßig seltenen Ausnahmesällcn durchiühren können, da die Engländer die strengsten Vorschristen bezüglich der Ausnahme selbst verbündeter Ausländer aufrecht erhalten, haben die Briten selbst sich auf Frankreichs Boden mit der bei ihnen üblichen Nachdrücklichkeit niedergelassen, und zwar derart, dag die französischen Städte, in denen englische Regimenter zu Gaste sind, heute bereits vollkonnnen anglisiert sind. Wie weit diese Verdrängung des französischen Wesens und die Betonung des Engländertmns in Frankreich gediehen ist, geht aus der folgenden, im „Journal des Döbats“ veröffentlichten Schilderung des anglisierten Rouen heroor: „Sosort, wenn der Reisende den Bahnhof verlassen hat, spürt er den Geruch des englischen Virginia-Tabaks, der ihn während seines ganzen Aufenthalts in Rouen nicht mehr verläfft. Dieser sowohl in den Lokalen wie auch im Freien merkliche Tabakrauch stanunt von den Pfeifen der Tonnnies, die man überall in so großer Zahl erblickt, daß man sich fragt, ob eS überhaupt noch Franzosen in Rouen gibt. Besonders in den Abendstunden sind die Straßen voller Eogländer, die um diese Zeit spazieren gehen. Auf den Schildern der Konditoreien, die bei den Engländern sehr beliebt sind, erblickt man nur noch englische Aufschriften, wie „lunch“ und „five o’clock tea“. In den Gasthäusern findet der Zivilist kaum Platz, da fast jeder Tisch von englischen Stammgästen in Anspruch genonnnen wird. Die englische Sprache ist etwas so Allgemeines und Selbstverständliches geworden, daß auch die Bediensteten sich nur noch ihrer bedienen. So erwiderte mir der Kellner aus meine französisch gegebene Bestellung: „Ich nicht französisch sprechet Auf den Obstwagcn au den Flußufern sind alle mit Kreide geschriebenen Preise engliich, wie „one traue“, und auch die Verkäuferinnen rufen mit offenbarem Stolz immer wieder diefes englische „One“ ails. Um den Abend angenehm zu verbringen, gehl inan in ein Variets, das aber in Rouen scholl läiigst „Music Hall“ heißt. Hier sieht man äußerst elegant angezogene Fraueil zwischen den „gentlemen“, deren finstere und scharfe Gesichter vielfach Aehnlichkeit mit Polizeibeaulten bei der Arbeit haben. Im übrigeil trageil fast alle auiveseudcn Mälmer die englische Khakillilifornl. Um 11 Uhr abends bevölkern die leeren Straßen sich voil iieuein. Alles dräng: entä den Kinos und andercil Vergilügungslokalen. Auch jetzt siild die Franzoseil erstaunlich in der Minderzahl. Meist sieht inail ivieder To>ilinies, die mit den langeil Armen fchleukeril, Pfeifen rauchen und Varietäwalzer singen. Allch Koloilialsotdaten, z. B. Australier, sind darunter."
* Die Wissenschaft v o m Kahlkopf. Früh zeigt sich, was ein Kahlkopf lverden will! Man sehe sich den Kopf des neilgeborenen Kindes genau ail. Zeigt er bei sonst glltcnl Haarwuchfe eiile kahle Stelle, so kailn man sicher sein, daß dieses Kiiid als Er- ,vachfeiler mit einer „Platte" herumlaufeil wird, und zivar >vird die unbehaarte Stelle gerade denselben Teil des Kopfes einilehnlen ivie iil frühester Kindheit. Diese Kahlköpfigkeit ganz fIciner Kiirder zeigt sich bedeuteild öfter bei Knaben als bei Mädchen, ivas ja and) mit der Tatsache übereinstimmt, daß Frauen viel seltener eine Glatze haben als Männer. Ueber das Problem der menschlichen Kahlköpfigkeit hat eine wiffenschafllich vorgebildete Frau, Dorolhy Osboril, in dem „Journal of Heredity" intereffante Atirteilungen über ihre Untersuchungen auf diesem Gebiete geiilacht. Die Gelehrte hält es für erwiesen, daß sich die Kahlkövsigkeit iil ga».z bestimmter Weise vererbt, und sie stellt dabei folgende Regelil auf:
1. Eine Frail wird niemals kahl fein, wenn nicht ihre beideil Ellern kahl geivesen sind. 2 Ei>l Manil, desseil Mutter kahl gewesen ist, wird ganz bestimmt auch kahl lverden, und iveiln nur sein Vater kahlköpfig war u,ld seine Mutter eineil reicheil Haarivllchs hatte, so ivird er das Uebel doch von seinem Vater erbeil. Die Frau ist also nach diesen Erbgesetzen durchaus besser gestellt. Doch bildet sie, falls von kahlköpfigen Eltern abstanlnlcnd, eine Gefahr für ihre Nachkommenschaft, da sie selbst zwar der Kohlheit entgeht, sie da- sür aber ihren Söhnen vererbt. Die Töchter von kahlköpfigeil Müttern werden dagegen mir kahl werden, wenn ihr Vater ebenfalls eine Glatze gehabt hat.
* Die fprecheilde Glühlampe. Wenn elektrische Glüh- lainveil, die, ivie es ja neuerdings fast ausschließlich der Fall ist, Metalldrähte als Leuchtfäden besitzen, mit Wechselstrom gebrannt werdeil, so kann unter vielen, vielen Lampeil ein Exemplar auf- treten, das die eigentümliche Eigenschaft besitzt, beim Brennen zu „summen". Vor einigen Jahren wurden, durch die Sonderlinge unter den Tantal- und Wolfcamlampen angeregt, sogar die Be
dingungen ausgestellt, unter benen Metallglühlampen von be- stimmten Abmessungen Stromstärkeveränderungen so fein in ihrem „Tönen" zlMl Ausdruck bringen, daß sie als Telephon gelten können. Trotz dieser fortgeschritteuen Behandlung des ganzen Vorganges ist eine praktische Verwendung noch nicht zustande ae- kommcu. Es wäre aber ziveiiellos reizvoll zu denken, daß die Schreibtischglühlampe mir zugleich zum Uebermittler fremder Gedanken werden könnte, daß das Licht zu mir spräche mit dem Stimmkhang meines Freundes! Neue theoretische Untersuchungen über das Tönen stromdurchfioffener sreihängeuder Drähte, über die Ingenieur Schwarzenstein dem „Prometheus“ Mitteilung macht, werden uns vielleicht diesem Ziele näher bringen, da sie unS schon von der speziellen Form der Lampe, unabhängig machen und ganz ans den stromdurchflossenen Draht'als die einzige Ursache Hinweisen. Wird ein 1,50 Meter langer Platin - Jriditum- draht auf der frei herabhängenden Seite mit etwa 200 Gramm belastet, bei 400 Volt mit 6—7 Ampere Stromstärke zum Glühen gebracht, so sind im womöglich sonst verdunkelten Raum deutliche Schwingungen wahrzunehmen, die zugleich ein Tönen erzeugen, das bei resonanzbodenarlig wirkenden Aufhängevorrichtungen deS Drahtes noch verstärkt wird. Tie gewöhnliche physikalische Regel, nach der die Schivingungszahl, d. h. die Tonhöhe bei einem in Schwingung versetzten Draht, von der Länge und der Belastung abhängt, hat hier sond rbarerweise keine Geltung. Die einzige Folge solcher Veränderungen ist ein Schwanken in der TonstäÄe; die Tonhöhe wird dagegen von der Frequenz des Wechselstroms bestinnnt, die ja keine Veränderung erleidet. Man muß wohl annehmen, daß die Schwingungen durch abwechselnde Längenänderung infolge der periodisck) aufeinander folgenden Erhitzung und Abkühlung zustande kommen.
Gietzener Hausfrarren-Berein.
W o ch e n - K ü ch c n z c t t e l.
Sonntag: Gerstensuppe, Schmorbraten, Spinat von Rote- Rübenblättern *), Salzkartoffeln, gedämpfe Aepfel.
Montag: Quittensuppe**), überbackener Blumenkohl, Kartoffelschnee.
Dienstag: Kartoffelsuppe, Hefenklöße, gekochte Birnen.
Mittwoch: Maismehlsuppe mit Sellerie, gedämpftes Kraut, Kartoffelbrei.
Donnerstag: Zwiebelsuppe, überkrustete***) Kartoffeln, Endiviensalat.
Freitag: Haferflockensuppe, gebackener Schellfischf), Salz- kartofieln.
Samstag: Gemüsesuppe, Aepfelauflcmf.
*) Spinat von R o t e - R üben b l ä t t e rn. Die Blätter werden von den harten Nippen abgestveilft und ivie Spinat zU-f bereitet.
**) Quittensuppe. Quitten werden auf dem Reibeisens roh gerieben, mit Wasser, etwas Apfelwein und Zucker gekocht und mit Mehl oder geriebenem Brot gedickt.
f***) lieft'er fr u [tc t e Kartoffeln. Die geschälten Kartoffeln werden mit kaltem Wasser aufs Feuer gebracht. Sobald das Wasser zu kochen beginnt, gießt man es ab, erneuert es durch kochendes Wasser und fügt erst jetzt das nötige Salz dazu. Gar gekocht und erkaltet werden die Kartoffeln in Scherben geschnitten!« Mehl wird ohne Fett braun geröstet, mit Wasser glatt gerührt, iettvas Milch dazu, dann gewürzt mit Lorbeer, geriebener Zwiebel, Maggi oder Pilzen und Salz. Sämig gekocht, wird die Tunke über die in eine Auflausform eingelegten Kartofselscheiben gegossen und im Brutofen 3 /* Stunden schön braun gebacken.
fl Gebackener Schellfisch. In Ermangelung von Fett überstreicht inan den Fisch während des Backens mit in Milch aufgelöstem Maggi, dann wird er schön gelb gebraten.
Silbenrätsel.
ar, bc, eben, di, des, e, fen, s»cn 9 got, hei, holz, mer, ni, o, pi. rü, 11, t.in, na.
AuS vorstehendeuSilben und Buchstaben sollen sechs Wörter gebildet und derart untereinander gefetzt lverden, daß die AnfcmgS- bnchstadeu von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen den Namen eines Komponisten und den Titel siner Oper desselben bezeichnen. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:
1. Eine Gattung Hirsche in Nordamerika.
2. Bekannten Geschichtsschreiber.
3. Deutsche Universitätsstadt.
4. Francnname aus der griechischen Sage.
6. Türkischen Titel.
6, Eine Rheinweillsorte.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Vexierrätsels in voriger Nummer r Orgelbauer ('/, Apfelsine oder Orange — Dt; die Farbe dieser Frucht — gelb; das Licht: Gasglühlicht von Auer).
Scbriitleitung: Fr. R. Zenz. — Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'scken UniversitätS-Buck-und Steindruckerei.. R. Lange. Gietzeiu


