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stellt der gußeiserne Pfahl mit der Tafel und Aufschrift:Fron- ttöre".

. Hier überschreiten wir die Grenze alle paar Tage, so oft wrr zur Beobachtung müssen. Von unserem Standquartier zieht es sich schon ein gutes Stück Wegs bis zur Mühle. Uitb noch eine halbe Stunde ists, ehe inan m der kahlen, vielbeschossenen Höhe gelangt, daraus der Jnfanteriestützpunkt als zweite Verteidigung^ Iiitte und die Artilleriebeobachtung mit guten Unterständen ein- gebaut sind.

Nun eines Abends im Herbst, während die frühe Dämmerung mit Nebelschwaden übers Land gefallen ist, mache ich den ge-, Nivhnteu Weg und biege vor der Mühle vom Pfad ab, um.herunter- zuschauen in den Talkessel. Dort steht eine Haubitzbatterie, mit iT)rfm künstlichen, die Geschütze maskierenden Gestrüpp zeichnet sie einen dunkleren Streifen ins Grau der Sichtweite: wahrend! nnks davon aus Baumgruppen, in die der Herbst seine gelben, Flammen geworfen hat, die Seitenwand der Mühle reichlich vor- schunmcrt.

. /ehe ich einen alten Münflr vor mir, eine groteske, toie tnt Hinstarren versteinerte.Gestalt, deren unbeweglicher Blick nach der Mühle geht. Und ein Erinnern kommt mir wieder.^ Ebenso überraschte ich ihn das erstemal, vor drei oder vier Wochen, m eurer Mondnacht. Tantals war es noch ganz sommerlich^ U7ld die Erinnerung an unser Gespräch blieb mir im Gehirn so! unwahrschemlrch, wie die Phantasie einer lauen Nacht, wenn man in träger Mattigkeit den Gedanken freien Lauf gibt, die alle seltsam wirr hervorschießen . . . Und der Mond spukt darein mit sonder­baren Einfällen.

«r> .'T-? er n^ a ' Tm ? t) * wir war der ehemalige Besitzer der Brionne-« Muhle. Allein die Haltung erkannte ich wieder, ohne das Gesicht noch zu sehen. Was ich von ihm schon wußte, war ein trauriges Stuck von einem Menschenschicksal. Der Alte war vor mehr als zwanzig Jahren von kerndcnckschem Boden ins Reichsland über­gesiedelt. Vielleicht war es ihm daheim schlecht ergangen, vielleicht hatte irgend eine alte Schuld ihn fortgetrieben, daß er anderswo sem Leben führen wollte. Jedenfalls war es ihm geglückt, durch . Arbeit der langen Jahre aus der alten Mühle an der Grenze: ein schönes Anwesen zu schaffen. Stück auf Stück ließ er dem ehemaligen Bau anfügen, Stall und Scheune. Nur eine lieber-, lieserung, daß man noch von Mühle sprach: der im Sommer vertrocknende Bach hätte dem fleißigen Mann nicht genügt, eine! Hilfskraft für sem rühriges Schaffen zu leisten. Längst stand die Bestellung des saatlandes im Bordergruird, die Frucht, die er erst dem zähen lothringischen Boden abznringen recht verstand. Nebenher grng^eine kleine Zucht vvil Schlachtvieh und Milch-, ruhen, im nahen Ilm kreis war der Brionne-Baner schließlich einer der Begütertsten. In dieses Glück schlug der Krieg, und der Wirbel der ersteir Geschehnisse an der Grenze verwisckste zunächst jede Spur von dem Schicksal des Besitzers der Mühle. Sein Sohn,

;a, der chm zu Fei eben sz eiten bei allen Unternehmungen so treu zur Hand ging, der war als Reservist einberufen und kämpfte schon irgendwo gegen die Russen in Polen oder Ostpreußen.

Einige Tage waren die Franzosen Herren der Mühle. Bor dem Herannahen der deutschen Truppen zogen sie nach kleinem Geplänkel über die Grenze ab. Das geplünderte Gebäude ließen |ie zuruck, das Vieh Hattert sie mitgeschleppt oder geschlachtet * flttt der sauberen Diele fanden sich die Spuren, wo sie ihre Pferde untergestellt hatten, zertretener Mist und zerstanlpftes, feuchtes Stroh.

ixutsckm, ReitcrpatroEen schwärmten über di- Grenze. Täglich sah dre Muhle Nene! Bewohner. Tann bezog eine Kompagnie ^ager, Landtvehrleute vom Rhein, das Standquartier, als der - gegenüber der starken Feste Doul ins Stocken kam und

krieg einnistetAbstellungen der Gegner sich zum Stellungs-

Ueber des Besitzers Schicksal gingen in der Mühle Page Ge- um, weil wan nichts bestimmtes wußte, spann nmn Sagenkreis dem Menschen, den man nickst kannte« ums Haupt Tie ernen erzählten, er sei mit dem Feind abgezogen, oder aber lungere im Liande herufm als französischer Spion« zollten gehört haben, die Franzosen hätten ihn in den Uemen Teich getoorfen wo der Mühlbach sich staut, urid seine

daüer als Äü ^^efischt worden. Erst nachher erfuhr ich genau, daß er als Gast beim Lehrer in E ... lebte, zwei Stunden hinter

5rbet ?° n bm behaglichen Haus nrit den Rebenranken, Kanonendonner nur herhallte wie serndrohende Gefahr rhn, Mit Angst, zu sehen, ob die Mühle noch stand!

SJ 1 . beren Ausbau ferne Lebensarbeit ihm sichtbar erfüllt sckm '^,7

Monaten klaffte ein Granatloch im Dach der Scheune, viel KrifüI-iipK 1 ar $> verfehlten Schuß, der nach der Haubitze worden m * ^ bie Mühle nicht mehr beschossen

bk Wr faaä ^beides

£. ÄlÄÄJEÄ Gclnlfe am Werk ge.

t p 1 V vT* 7 siM-iu/iuiH ein guter VäJeiyüfe am Werk

N il rt Ä

^ Tetwen »rttfetttagcit nmßte er sich bei fremden halten lassen. Tre Frucht der Arbeit blieb ihm ^??mmernng schlich er her und sah nach der Mühle, .nach ferner Mühle, mrt verdüstertem Sinn. . . .

* nb es ebensv-w^amals, daß er sich wie ein

Spion vor mir ins Gestrüpp verkriechen wollte, als ob ich ihn bei erner Missetat ertappt hätte. Und damals hatte ich ihn doch

y&jSS nJf nnett/ üie W fein Vertrauen gewann

er sprach mit der Offenheit von einem, der sein Herz erleichtert Oft am .Abend stände er so . . . Bis in die Michle getrE ^//H .nl-cht, weü er von allen Soldaten fürchtete, daß'sie ge-, wurden, sobald sie zu vielen beieinander seien. Die Franzosen hatten ihn nämlich mit Kolbenstößen vom Hofe gejagt.

^ der, Kumrmr chn heute mehr drückt als ^ **** um die Stirn

® zu machen sagte ich, die Mühle steht doch iwch. ml f ne r 3 KmÄört, tst schnell wieder ausgebaut. Me Zeit

muß eben chirchgehalten werden, bis es Frieden gibt. Dann >chrd auch der Staat mrthelfen für die Besitzer an der Grenz«.

ctf Mich an mit Katzenaugen, seine Stimme klingt dumpf

°und er sagt:Tie Mühle steht nicht vernichte? Msammengeschossen . . . alles verbrannt und

Nach deni Sohn frage ich.

^ dab' ihn nicht mehr Da sehen bekommen, .. . ÄS wo er verscharrt ist. Nim Wetzen sie mir noch die ich gelebt 'st Ees aus. Mes umsonst. Dafür Hab'

lind er ging.

das rechte Mart zu findm, Mrrte ich hinterdrein. Ter Blick, den ich noch aufsing, war feindlich, wieder mutzte ich chrttei, wie von erner Katze, einer mißhandelten, falsch gewordenen,

übers Gestrüpp und mit der Straße sah ich im dw Umrisse der, gebeugten Gestalt. Das dürre, fahle Gesicht nirt dem weißen L>ck,nurrbart und den großen stieren. Äugen brannte mir noch im GediWnis.

Gedaiiken über ihn, von denen ich nicht loskam, be- Ät bis zur Beobachtung. Tort oben

erst, rpsen mich einige hart bet imr vorbeiherrlende Granaten nach dem Stutzpunkt gezielt, aus dem Bersvniiensein und mit

eckigem Futz trachtete ich in Heu gedeckteii Loiifgraben.--

hpr ^vcht wuchs das Licht eines wunderbaren Herbsttages,

der bunt und voll breimender, Farben war, sobald die Sonne einmal die Morgennebel verschlungen hatte. Es wurde warm nL> die Blaue am Himmel gemahnte an Somwertachen. Durchs Sckreren-

ItiSafi*' ICl fK l ^5 0 R >c - r welche Schönheit des Fern-

: 'f// 111 schloß, in üppigem Park verborgen, dunkles Grl'm.

sick d^eiu^ <Ö ^uadersbeuw: gelbe Sprenkeln mischen, ftch darein. Das zerschossene Douf, noch weiter links, wo braune, gedorrte Blatter aus kahl werdenden Resten kleben, müde fffl;; , em Ausch flammt feuerrot zwischen den Ruinen schwarz ?/^^vannter Verwüstung. Tre Banmreihe auf der Straße die schnurgerade ^erlauft, wechselt sonderbar gleichmäßig mit rot Und gelb rn den Farbentönen des Hcrbstlaubes.

^ cinb I idj J Artillerie bleibt nickst müßig. Wieder hetcken! Granaten nach dem Stützpunkt urid bersten aus inck lvülckend schlvarzem brandigem,Qualm. Andere smisen über unsere Kövie weg, der Aufschlag klatscht gedänipft aus der Entfernung

ü nb c' munt es m den FernsprechkästenBrionne- muhle wird beschossen . . . Tie Schüsse liegen zu tveit ail der

"Äs - ? m ^Vesser im Wirtschaftsgebäude Ein

Teck der Scheune nngestürzt. ..." " ''

w b \- ^?n, der lmrernde Blick. Wie körper-t

w m r ' wollen.fte Mich anstieren aus der Holzverschalung. AtterÄ^^ ^cke des ewig halbfinsteren Unterftandes. . . Armer

ar Sorge ums HeimatgUt schon krankhaft übersteigert die spur einer Verwirrung, die der Krieg in deinen! armen GebirU angerichtet hatte . . Daß dein alter Kopf, kindisch gewm'den ffstelzeug^^^ sanken festhängte, wie ein Kind ans Zieblings-

Und l>eiß durchs Blut floß mir Mitleid: Es wird ihn zer­brechen, das herbe Kriegsgeschehen. ... 9 1

Armer Alter . eine Welt voll Behaglichkeit und Arbeits- ^ F^chrcksal gebracht hat! Oder warst du ewig Kt! 1 1 5BeCt bed°ckst. aus dem- Arbeit K

- v bem ö^uiweg in der frühen Dämmerung leuchtete vor

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Blindgänger m den Schlamm des Mühlbaches spritzte

./f an V!r r il e tcb t tnm mir wohlbekannten Unteroffizier ebe- ^^ck^meraden und Kriegsfreiwilligen. 'Ich fand ihn

^üble einmrickte^^ Kanttne, .die sich die Kompagnie in der snt- hatte, durch einen imer verblüffenden Zufälle,

umn rnl Kneg eben alte Freunde lviÄrerftndet.