Der Ksdium--Vulkan.
Nom an von St. E. White und S. H. Adams, Autorisierte Uebersetzung. — Nachdruck verboten, (Fortsetzung.)
Und ich verscheuchte mir die schweren Gedanken und gab mir redlich Mühe, die Mannschaft der „Laughing Laß" für die Seehundsjagd zu interessieren, denn beschäftigt mußten die Leute werden. Ich gab ihnen das Beispiel — so, wie man störrische Kinder verlockt, die einen Befehl nicht vertragen können. Ich kletterte in den Klippen umher, immer von einem oder zwei der Leute gefolgt, als Wache. Schließlich kamen auch die anderen mit und endlich vergaß ich über dem sonderbaren Seehundsvolk meinen eigentlichen Zweck und freute mich nur über die Jagd.
Die Tiere waren sehr scheu geworden.
Ein leichtes Knirschen, der Fall eines Kiesels, ja selbst Töne, die wir selbst gar nicht gehört hatten, genügten, um sie ins Wasser zu scheuchen. Dann tauchten ihre glatten, nassen Köpfe mit den sanften Augen, die unverwandt zu uns herüberblickten, erst jenseits der Brandung wieder auf. Sie im Wasser zu schießen, hatte keinen Zweck. Sie sanken sofort unter. Gelang es uns aber, wirklich eine günstige Stellung zu erreichen, so mußten wir trotzdem mit äußerster Genauigkeit zielen. Nur ein Schuß in der: .Hinterkopf tötete die Tiere augenblicklich; jeder sonstige Treffer war nutzlos. Denn der Instinkt schien ihnen noch im Sterben genug Kraft zu geben, um sich mit einem letzten Aufbäumen ins Wasser zu schnellen. Dort aber waren sie für uns verloren.
Jede Seehundsfamilie bestand aus einem starken, ausgewachsenen Männchen, dem Führer, mehreren kleineren Männchen, seinen direkten Nachkonrmen, den Weibchen und den Jungen. Das Oberhaupt hielt seine Stellung mit Gewalt aufrecht. Zuweilen kamen fremde, ledige Männchen herbeigeschwommen und ließen angesichts der Niederlassung einen eigenartigen Ruf, wie eine Herausforderung, ertönen, die von dem eingesessenen Kämpen niemals abgelehnt wurde. Er stürzte sich dann sofort ins Wasser und in den Kampf. Siegte er, so ging der Fremde seiner Wege; unterlag er, so ließ er sein Heim im Stich und suchte das Weite. Der New ankönnnling schwamm dann herber und schickte sich sofort an, den Jüngeren gegenüber seine Rechte zu behaupten. Manchen erbitterten Kamps, bei dem es nicht an tiefen Wunden fehlte, habe ich in dem blauen Wasser beobachtet.
Meine Kenntnisse Liber Seehunde wurden in jenen Tagen durch merkwürdige Beobachtungen bereichert. Die Jagd an sich sagte mir nicht sonderlich zu, weil ich es für unrecht hielt, der kleinen Ausberrte wegen ein so großes! Tier zu töten. Doch war es ein Mittel mehr für meine Zwecke, und ich gestehe gern, daß nur das Herumstreisen und Liegen auf dem sonnenwarmen Grase, tief unter mir die schämnende Brandung, über mir der klare, blaue Him
mel, außerordentlich behagte. Wahrend wir auf das Au^ tauchen des Seehundmännchens warteten, hatten wir oft Gelegenheit, die andern Tiere in ihrem täglichen Leben und Treiben zu beobachten, und selbst der rohe gefühllose Thrack- les war von den Anzeichen ihrer fast menschlichen Jntellb- genz betroffen.
Wissen Sie zum Beispiel, daß Seehunde sich küssen und wirkliche Tranen weinen, wenn sie betrübt sind?
Oft sprachen die Leute unter sich von der engen verborgenen Höhle, in der die Tiere wie in einer Falle saßen, und wo man sie massenhaft töten konnte. Nur die Unmöglichkeit, bei der absoluten Finsternis zwischen Männchen und Weibchen zu unterscheiden, hielt sie von dieser Massen- ijagd ab.
So schwanden Tage, Wochen und Monate.
Für mich nutzlos. Denn noch immer war es mir nicht geglückt, die Art der Experimente, die Doktor Schermerhorn unb sein Assistent dort oben anstellten, zu ergründen, und es sah ganz so aus, als sollte mir dies auch künftig nicht gelingen, da die Absperrungsmaßregeln mir ebenso galten wie den andern. Doch damit nicht genug: jeder Versuch einer Nachforschung wäre von den Leuten total falsch und zu meinen! Nachteil ausgelegt worden.
Ebensogut hätte ich in London sitzen können!
Nun baute ich auf einen andern Plan. Ich beschloß, auf der Heimreise Percy Darrow reinen Wein einzuschenken und mich ihm auf Gnade oder Ungnade anzuvertrauen. Dann würden die Resultate verinutUch doch schon für dir Oeffentlichkeit reis sein und ich sah keinen Grund ein, weshalb ich nicht als erster die Sahne von der Milch abschöpfen sollte.
Von nun an spielte sich mein ganzes Tun und Treiben an Land ab. Nochmals zur „Laughing Laß" hinüberzurudern, wurde mir nicht gestattet. Kapitän Selover sah ich zweimal, aber nur von ferne; und beide Male machte er auf mich den Eindruck, als sei er unschlüssig, was er tun solle. Von den Leuten schien das jedoch niemand zu bemerken. So verging ein Tag nach derst andern, und ich versank allinählich in einen Dämmerzustand, in dem man ein Traumleben führt, das weder Anfang noch Ende zu haben scheint.
Mir war, als müßte es so fein, daß wir auf Seehund« Jagd machten, angelten, zur Zeit der Ebbe auf den Kuppen Austern und Muscheln sammelten. Daß wir Feuer machten, plauderten, daß ich zwischen Arawohn und Vertrauen hin und her schwankte, bald Meuterer, bald einen jähen Wähw. sinnsausoruck der Leute fürchtete — unb daß dieser Kreis!» lauf kein Enoe nahm.
9. Kapitel.
Selovers Ende.
Die Männer hatten seit dem frichen Morgen daran gearbeitet, aus den übelriechenden, verwesenden Seehunds- wpfen die wertvollen Barthaare zu sammeln. Mißmutia — mit gesuchter Langsamkeit und manchem drohenden Blia auf mim.


