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5er Einbruch.
Bon Mfred Bratt.
Es war eine dunlle, sternenlose Nacht. Eine Nacht, in deren Undurchdringlichen Schatten alles Gegenständliche verschwand, verdeckt von dem! geheimnisreichen Schwarz, das kein Lichtschein! durchbrach.
Herbstregen rieselte durch diese Nacht. Fern fuhr der Wind raschelnd durch, halb entlaubte Baumkronen.
Tie Villen kolonie am Südende der Stadt lag um diese Zeit verlassen Und öde. Nichts schien sich zu regen. Es war, als habe sich ewiges, geheimnisvolles Schweigen auf all die hinter Gärten ragenden, schlafenden Dächer gesenkt.
Doch, ein einsamer Wanderer schritt lautlos durch die Mlee. Er ging vorsichtig, den Kopf horchend vorgestreckt, dicht an den! Sehnten entlang.
Vor dem reichver^ierteit, schmiedeeisernett Gitter eines mächtigen Parktores machte der Frenide halt. Er grifffin die Brusttasche fernes eng zugeknöpften Rockes, zog einen langeir schmälert Gegenstand hervor mtd machte sich damit an dem Schloß zu schaffen!.. Ein unendlich leises KUirschen — wie ivenn Metall an Metall sich reibt —, ein klagender Ton in rostigen Angeln — dann ging das Tor langsam aus.
Ter Unbekannte, der sich auf diesem in guter Gesellschast nicht gerade gebräuchlichen Wege Einlaß verschafft hatte, schlich flink durch das Gemurr der verschlungenen Par kl oe ge und langte ohne Aufenthalt an der schloßartigelt Billa au. Eilten Augenblick blieb er aufatmend stehen — nichts regte sich, kein lebendes Wesen schien in der Nähe —, dann erkletterte er die an der Ecke des G<>- bäudes laufende Regenrinne. Irr der Höhe des zweiten Stockwerks war das der Rinne zunächst befindliche Fenster nur angclehnt. Ter schweigsame Kletterer lächelte angenehm überrascht und war Mit einem Satz über das Fensterbrett in das Zimmer gesprungen.
Hier tastete der Besucher die Wände ab, danit ließ er den dünnen, zitterigen Schein einer Blendlaterne durch den Raum irren, bis der Lichtstreif auf der blinkenden Vorderseite eines Geldschrankes Ruhe fand.
Eine Minute später hatte der unternehm ettde junge Mann eine Anzahl merkwürdiger Instrumente auf dem Teppich vor dem Schrank ansgebreitet. Er war mit Eifer und Sachkenntnis beschäftigt, die Geheimnisse des Geldschrankschlosses näher zu ergründen, als tappende. Schritte hörbar wurden. Noch bevor der Einbrecher hinter einent Vorhang hatte Schutz suchen költnen, erstrahlte das ZiMntcr in der .Helligkeit eines elektrischen Kronleuchters. > Nebelt dem Lichterhalter aber stand ein Herr, den Revolver in der ausgestreckten Rechten.
,,Hände hoch!"
Ter Einbrecher gehorchte, bleich und schlotternd.
Ter Herr schritt an den Schreibtisch — den Revolver immer schußbereit vor sich haltend, und legte die Hufe Hand auf den Hörer des Tischtelephsns.
„Sie können sich setzen, bis die Schutzleute kommen!" sagte er und wollte den Hörer abheben.
Ta stürzte der Einbrecher vor dem Hausherrn nieder Mtd flehte um Erbarmen. Er sei in äußerster Not, dem Hungertods prnsgegeben . . . ein Unglücklicher, zum ersten Mäle vom Wege des Rechts ab gewichen.
Ter Herr schien von einer Regung des Mitleids ergriffen. Er ließ das Telephon loß und blickte eine Weile in Gedanken versunken vor sich hin. Tann sagte er:
' „Ich will Jhrett Worten Glauben schenken. Gut detin. Sie sollen Gelegenheit haben, dies eine Mal noch der gerechte Strafe zu entgehet!. Im übrigen kann ich Ihnen verraten, daß Ihre Mühe vergebltch gewesen wäre. Tas Schloß, er wies auf den Geldschrank, „ist ein amerikattisck)es Patetll. Käin Tietrich vermag es aufzuschließen."
„Verzeihen Sie, wein Herr"", entgeqnete der Einbrecher, einigermaßen von der mtvermuteten Ueberraschung erholt. Aber —, es gibt kein Schloß, das mit diesen Instrumenten nicht zu öffnen ftäre." *
„Was! Wollen Sie behaupten, daß Sie imstande gewesen, wären, den Schrank zu öffnen?"
„Ich bin überzeugt davon", erwiderte der Einbrecher mit un- wtllkürltchem beruflichen Stolz. „Wenn Sie nicht vorzeitig dazwischen gekommen wären . . ."
„Aber das wäre ja entsetzlich", meinte der Herr. Ich habe in mernem Büreau amerikanische Schlösser anbringen lassen, und die Firma garantiert für ihre Festigkeit!"
Ter Einbrecher schüttelte stumm, aber entschieden den Kopf. ,Tas muß ich erproben!" rief der Herr aus. Hören Sre: ich Ihnen fünf Minuten Zeit. Wenn es Ihnen innerhalb dieser gelingt den Geldschrank aufzubekommen, sollen Sie straffiei ausgehen. Gelingt es Ihnen nicht, so lasse ich Sie telephonisch verhaften.
^ ^ JPJ? seine goldene Taschenuhr, legte sie auf die Platte des
Schretbtrsches und zündete sich dann kaltbllttig eine Zigarette an.
^^^^reckier zögerw ^nicht. Er ergriff seine Instrumente und Mächte sich in fliegender Hast an die Arbeit. Tie Schweiß-
tropsen standen ihm auf der Stirn, und von Zeit zu Zeit wart er einen ängstlichen Blick auf das Zifferblatt der Uhr.
Ter Herr hatte die Hand wieder auf den Telephonapparat gelegt und blickte durch die Rauchwolken seiner Zigarette gespannt cuts dte Hände des Verbrechers, die flink imd geschickt am Werk waren.
l£tnbred)er versuchte die verschiedensten Handgriffe und stöhnte vor Erregung und Anstrenguttg. Aber das Schloß schien verhext . . . Alle Versuche blieben erfolglos.
„Noch dreißig Sekundett", sagte der Herr ltmd warf die Zigarette rn etnen Aschenbecher.
Ter Einbrecher feilte und sägte. Sein Atem ging laut, rucklveise und keuchend.
„Zehn Sekunden!" ließ sich weiter die Stimme des Herrn vernehmen.
Tn — ein Klirren! Ter Verschluß sprang zurück. Eiu Griff — der Geldschrank stand offen. — — —
„TonnerWetter!" stieß der Herr verblüfft hervor. Alle Achtung. Ich halte mein Wort: Sie sind fiei."
Ter Einbrecher ließ sich das nicht zweimal gesagt sein. Er sprang zum Fenster und war im nächsten Augenblick im Tunkel der Nacht verschwunden. —
Ter Herr startd kopffchüttelnd und wortlos vor dem Schrank. Tann nahm er die Geldkörbe lierans. Er schichtete die Scheine sorglich zu Hansen und steckte sie in seine Brieftasche. Ms der Schrank völlig geleert war, drehte der Herr das Licht aus.
In diesem Augenblicke kam der Mond hinter Wolken hervor, Und sein silberner Schimmer erhellte das Fenster. Vor dent Fenster aber tauchte die Gestalt des Herrn auf. Er schwang sich ans das Fensterbrett, und während nun auch er sich die Regenrinne hinab- gleiten ließ, murmelte er zwischen den Zähnen:
„Gott sei dank! . . . Drei Stunden habe ich mich vergeblich mit dem verdammten Schloß abgequält!".
vermischte».
* Von blonden und brünetten Frauen weiß Margarete vott Stein zu erzählen in einem mit Bildertt geschmückten Aufsatz, der in Nummer 1 des neuen (59.) Jahrgangs der illustrierten Zeitschrift „lieber Land uud Meer" (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart) erschienen ist. Wir lesen unter anderem dieses: In jedem Jahrhundert mtd bei jedem Volk bestand eine andere Vorliebe oder Abneigung gegen bloitde oder brünette Frauen. Bei den Serben gilt blondes Haar z. B. als Schönheitsfehler; bei den alten Römerinnen dagegen galt das Blond der Germanintten als besondere Schönheit. Die meisten blonden Frauen fand man im Altertunt in Venedig und Bologna, welche beiden Städte um ihrer rotblonden Schönheiten mitten berühmt waren. Die Mehrzahl der Römerinnen dagegen tvar dunkelhaarig. Haar- und Augensarbe sind typische Merkmale ganzer Völker. Unter den kaukasischen Völkern send die Germanen die blonden, die Romanen und die Griechen die schwarzhaarigen mttd die Slawen die braunhaarigen Stämme. Die diesen Völkern eigenen, aut meisten hervortretenden Charaktereigenschaften verbandett sich nach und nach in der Vorstellung der umwohnenden Nachbarvölker mit dent Begriff der äußeren Erscheinung der Nationen. Rotes Haar ist nirgends typisch, sondern gleichsam ein Eindringling, der in allen Ländern zu fhtden ist, besonders in Irland . . . Mond war Thusnelda, die unglückliche Gattin Hermanns des-Cheruskerfürsten — blond waren die größten Kurtisanen in der französischen Geschichte. Zwischen den ausgesprochen blonden tmd den charakteristisch brünetten Frauen gibt es allerlei Spielarten, die je nach dent helleren oder dunkleren Farbton der Haare und Augen bald mehr zu dieser, bald mehr zu jener Käte- 9 ,one zu. zählen sind. Zu blondem,' Haar gehört in typischer Weist ein blaues Augenpaar. Die Schwarz- und Braruthaarigen blicken aus dunklett Augen. Dunkeläugige Blondinen und blauäugige Brünetten getteu als ganz besondere Schönheiten. Ebenso die Schwarzhaarigen, deren Lockert und Fl echter t jenen bläulichen Schimmer trugen, der die Römerinnen der Campagna mtd die Nordirländerin auszeichnet. Eiu Farbton, den man früher viel in Italien fand, der aber immer mähr und mehr verschwirtdet, ist das sog. Tizianblond, jenes gold-rot-kupferfarbene Gemisch voit leuchtende,t Farbtönen. Wie schon gesagt, hat die Haarfarbe mit dem Charakter nicht das rniitdeste ziu tun; da aber die gegenteilige Ansicht die volks- ttkinltck? ist, lohnt es sich dockt, ihrer kurz Erwähnung zu tun. Blond galt als Farbe der Sanftmut, Rot als Zeichen der Bosheit und Hmterlist, dunkles Haar als Zeichen des Teutperaments. Es gab edle < 5 rauen nt Blond- und Braunhaar, und es gab große Sünde- rtmten in allen Farbtönen. Wer will beint Durchwandern von Trauengalerten noch Charakter mtd Kaarsttrbe als miteiusander, korrespondtercnd bezeichnen? Es würde diese Theorie zu den mt- geheuerltchsten Wrdcrjprüchett führen. Weit interessanter ist eine andere, allerdings viel neuere Theorie und Statistik. Diese weist nach, daß dte Rasse der Blondinen immer mehr ab-, die der Brü- inutter mehr zmtimmt. In Deutschland beträgt sie nur noch r-* 1UT ^ ^ tveiter südlich man kommt, desto weniger, 23
*2 Prozent. In Schottland rechnet man 16 Prozent, in Jta- Itccit 2 Prozent. Ms Grund für das Mtssterben der blond-u Rasse gtbt die Wffseusckwst verschiedene Gründe an. Es ergeht int all-


