Der Kadium-Vulkan.
Roinan von St. E. White und S. H. Adams.
Autorisierte Uebersetzung. — Nachdruck verboten.
'Fortsetzung.)
8. Kapitel.
Wie die M e u ter e i b e g an n.
Eine Woche hindurch setzten wir unsere Streiszüge in das Innere der Insel fort. Um meine Autorität nicht ernzu- bühen, veranstaltete ich -regelrechte Expeditionen unter meiner Oberleitung. Die Leute fügten sich. _
Wir fanden auf unseren Entdeckungsreisen einen Nist- platz für Seevögel — doch gab es in dieser vorgerückten Jahreszeit keine Eier mehr — und eine heiße Quelle in der Nähe unseres Lagers, die uns vielleicht nützlich sein konnte. Das n>ar aber auch alles. Außer verschiedenen Vogelarten waren die Schafe die einzigen Tiere auf der Insel, me aus teils nackten, teils mit fruchtbarer Erdkrume bedeckten Felsen bestand und iminer die gleiche Forniatron von Hügeln und Schluchten auswies. Wir bekamen das Auf- und Abklettern bald satt und wandten unsere Aufmerksamkeit der Küste zu, die wir bei mehreren Bootsfahrten mit Aus^ nähme von drei Stellen, unserm Strand-e, dein Lagerplatz der Seehunde und einem Streifen an der Südseite, ganz unzugänglich fanden. Wir landeten an jeder dieser drei Stellen. Während der Rückfahrt entdeckteii wir durch einen Zufall von der Wasserseite die Einfahrt zu einer vohle, die durch einen vorgelagerten Felsen teilweise verdeckt wurde.
Da es ruhiges Wetter war, wagten wir uiis hinein. Anfangs glaubte ich mich in einem Felsenkelter zu befinden, aber während ich nach der Rnckwand ausspahte, glitt unser Boot unter' einer Wölbung hindurch ui einen
^^Luerst^sahen unsere geblendeten Augen nur wenig, nachher gewöhnten sie sich aber mehr und ^hr, so daß wir schließlich bei dem von unten hereinfallenden Lichte durch das stille, klare Wasser den Meeresboden erkennen konnten. Nahe ain Eingang sahen wir Fische, Korallen und wunderbar gefärbte Seegewüchse, die sich langsam, wie im .-ufrzug bin und her bewegteii. Da von oben kern Licht einfallen konnte, war das Wasser, in dem sie schwammen, vollkommen unsichtbar. Das Boot schien in der Luft zu schweben. Nur die Kreise, die das eintauchende Ruder verursachten, verrieten das tragende Element. . „„ . .
Plötzlich brach um uns her ein tzchllenaufruhr los. Gelleiides Geschrei in den schrillsten Tönen milchte sich Mit seinem eiqeiren Echo zu einem andauerriden, ohren zerreißenden Lärm. Im Wasser plätscherte und spritzte es, u,rd 'unser Boot geriet in schaukelnde Bewegung.
Entsetzt fuhren wir zusammen. Ueberall glühten uns, wie feurige Kohlen, Hunderte von Augen entgegen.
Auf dem Grunde unter uns wimmelte es von schwarzen Gestalten, die wild durcheinander schossen. Sie verdunkelten die Korallen, den Sand und die leuchtenden ^eepslanzen. Wie betäubt starrten wir auf das dämonische Getriebe. Plötzlich lachte Thrackles laut auf.
„Seehunde !" trompetete er durch die hohle Hand. Mittlerweile batten sich unsere Augen völlig an das Zwielicht gewöhnt. Wir konnten die Wölbung des Raume», seine Vorsprünge, Höhlungen und Nischen unterscheiden, in denen Huilderte und Aberhunderte von Seehunden^lager- ten. Bellend und grunzend starrten uns alle an. sobald wir uns iiäherten, wälzten sie sich von ihren Platzen, tauchten unter und hafteten nach dem Ausgang.
Zehn Minuten lang- ruderten wir umher, dann wurde es totenstill. Irgendwo im Dunkeln tröpfelte es leise: Trip! Trip! Sonst kein Laut! Die Felsenkammer, in die wir nun vorsichtig hineinruderten, blieb gleichmäßig hoch, wenn auch
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nicht überall gleich breit, und war, wie alle vulkanischen Felsen der Insel, wundervoll gefärbt. Durch die leuchtenden
anschlagenden Wogen anscheinend immer gleich fern
Weiter unterhalb des Seehundreviers fuhren wir imrch eine Spalte in eine andere, mehr viereckige Höhle. Die Flut hatte jetzt ihren höchsten Stand erreicht; nach knapp zeh-n Faden verhiiiderte uns eine Senkung der inneren Decke am weiteren Vordringen. Diese Höhle bildete eine vollkommen geradlinige Fortsetzung der äußermr Felsenspalte; wie weit sie reichte, konnten wir nicht bestimmen, denn auch ste wimmelte von Seehunden, deren zornglühende Augen uns, nach- dein wir die Tiere etwa hundert Fuß zurüchgedrangt, schließlich doch vertrieben, denn es lag uns nichts daran, die Höhlenbewohner unnötig zu reizen.
Am nächsten Tage fuhr ich nach der „Laughing Laß" und holte eine Flinte. Der Kapitän lag schlafend m der Koje Ich störte ihn nicht. Nachmittags spurten Perdosa und ich mit unsäglicher Mühe die Schafe auf, von denen ich eins erlegte. Das Fleisch mundete uns vorzüglich. ®ie cwfa war schwierig, und das Wild wurde allmählich immer scheuer, doch fehlle es uns von da ab nicht mehr «m irischem Fleisch. Ferner entdeckten wir außerhalb des Riffs eine gute Angelstelle. Wir setzten ein Segel aus die Jolle und widmeten dem neuen Sport-einen großen Teil unserer Leit. Die erbeuteten Fische, deren Namen ich nicht kannte^ hatten ein Gewicht zwischen fünf bis fünfzig Pfund; doch mag es noch viel schwerere gegeben haben, was wir aber bei unferm schwachen Angelgerät, das bei schwereren Fischen versagte, nicht sestzustellen vermochten.
Nach Ablauf von ztvei auf diese Weise verlebten Wochen hielt ich es für an der Zeit, wieder an rmrklick^ Arbeit zu gehen. Ich rief Perdosa und befahl ihm, daS geborgene Kettenkabel zu ordnen und vom Rost zu reinigen Er


