Ausgabe 
4.10.1916
 
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allem auch mit Gemüse und Obst. Prüfe jeder, vor allem jede Hausfrau, aber auch jede Gemeinde, jeder Kommunal verband, bevor sie an das Einkochen, Dörren, Ein salzen, Einsäuern gehen, ob sie -auch die Garantie für guten Erfolg haben.

vermischte».

* DaS Kochbuch derAliierten. Die Alliierten fetzen nach wie vor Himmel und Hölle in Bewegung, um die Amerikaner SU Sympathiekundgebungen zu veranlassen, mit denen sie dann in anderen neutrale): Ländern für sich Reklame zu machen suchen. Natürlich gelingt ihnen dies auch manchmal; doch die mit so heißer Mühe erlangte»: Sympathiekundgebungen stehen in keinem rechten Verhältnis zu dem Jubelgeyeul, mit dem sie empfangen werden, und zn der angeblich hochwichtigen politischen Bedeutung, die man ihnen beizulegen sucht. Sehr merkwürdiger Art aber ist die neueste Sympathiekundgebung von amerikanischer Seite, über die das Journal des DSbats* voll unbändiger Freude ist.Die Liebe für die Alliierten," schreibt das Blatt,ist in Amerika so groß, daß man sich dort den originellsten Ideen hingibt, um dies Gefühl zu deutlichem Ausdruck zu bringen. So wird neuerdings zur Unter- stützm:g der aus Nordfrankreich vertriebenen Bauer«: in New Port unter dem TitelDas Kochbuch der Alliierten" ein Kochbuch herauS- gegeben, das sich ausschließlich aus echte«: e«:glische«:, französischen, italienischen, belgischen und russischen Kochrezepten zusamu:ensetzt. Das Buch ist künstlerisch a««sgestattet und zeigt auf dem Einband die Fahnen der Alliierten." Diese Meldur:g erscheint im ersten Augenblick nicht gerade sehr bedeutungsvoll, doch vei «:äherer Be­trachtung wird man auf eine Merkwürdigkeit al,fn:erksa«n. Man bemerkt >:än:lich, daß unter den angeführten Kochrezepten die ser­bischen und «nontenegrinischen vollkoininen fehlen. Die Frage ist nu«:, ob die Alliierte«: die Serben und Montenegriner nicht mehr recht als Bur:desbrüder betrachte«:, oder ob sie fürchten, daß ein Genuß von Speisen nach serbischer nndmontenegrinischer Art einen Stimmungsumschwung i«: Alnerika herbeizuführen vermag.

* E i n e z e i t g e «n ä ß e Erinnerung. In einer im August 1671 erschienene«: NovelleNiniche" von Ludovic Halövy findet sich die folgende Stelle:Papa Millionär! daß ich das er­lebe«: soll! Vorgestern sagte er zu »nir:Wenn wir das Glück haben, daß der Krieg noch sechs Monate dauert, ist «neine Millio«: voll!* Er hat nämlich die ausgezeichnete Idee gehabt, Armee­lieferant z«: werden, für Hafer, Getreide und Fourage aller Art. Paul liefert Waffen u«:d Nniforinen. Sie habe«: Verträge und be- stimlne«: die Preise. Papa versteht sich nuis Geschäft. Ein Spanier und ein Aiuerikaner sind seine Kompagnons. Uebrigens sagte er, daß es u«:ter alle«: Negieru«:gssorn:ei: iinmer ebenso gewesen ist." Diesen letzten Satz fügt der Dichter «vohl hinzu, u«n die nenge- backene Republik keine«: Vorwürfen auszusetze«:. Die Genfer Semaine Literaire, die diese zeitgeinäße Eri«n:erung auffrischt, meint, daß sieles aoavsanx riebes" beruhigen würde, jene scham­losen Kriegslieferanten, die in der Zeile«: Not sich die Taschen füllen. Solche gibt e§ ja leider nicht nur in Frankreich.

vüchertisch.

Ludwig Ganghofer. B e i den Heeres­gruppen Hin den bürg und Mackensen. Preis steif geh. Mk. 2.Stuttgart, Verlag von Adolf Bonz L Eoinp. - In einen: »neifterhaft schildernden und ergreifend zu lesenden Buche legt der Dichter, der dem deutschen Siegeszug im Osten folgte, seine Eindrücke von: Geschauten und Miterlebten nieder. Ein starker, aber auch mitleidvoller Mann hat es geschrieben, deffen Empfinden das erfahrene Grauen nicht absturnpfte, der es um: aber einmal nicht lasse«: kann, selbst unter solchen Verhältnissen noch mit dem Auge des Dichters zu schauen; das Gesehene hält er i«: einer Art künstlerischer Impressionen fest, i«:dem er uns außerordentlich wahre Augenblicksbilder vo«: den Karnpfstätten dieses Krieges entwirft. Der Erzähler hat deu Kriegsschrecken bei Gelegenheit seiner anstre«:gende>:, recht strapaziösen Frontreise aus unmittelbarer Wirklichkeit, «ncht bloß hinter der Feuerlinte stehend, kennen gelernt. In einer Anzahl vo«: Kapiteln, in: ganzen drei­zehn, schildert Ganghofer seine packenden Erlebnisse, welche den Leser auf polnisch-russische«:, serbischen, bulgarischen und zuletzt noch türkischen Kriegsschauplatz führen. Was sich alles zusan:mendrä'ngt in den verschiedenen Abschnitte«:. Einen: ei,:leitenden gemütlich- ernsten Zusammensein mit Feldmarschatt Hindenbnrg, das den be­rühmten Feldherr:: von der freundliche«:, >ne«:schlich gewinnenden Seite zeigt, folgt als nächstes die drainatisch belebte Darstellung des wilden Straßenkampfes in Grodno., I«: Tagebuchblättern, die a«:ch sein malende Sze«:erie>: der Natur' u«:d Landschaft enthalten, führt der Berichterstatter uns weiter nach Koivno, der wundervoll gelegenen Stadt, nach Insterburg. Eingestreute kleine Bilder vom friedlichen Treiben der Feldgrauen, dein Leben der Bevölkerung wirke«: als Oasen.

* Ein Wort an die unten u >: d d i e oben! Innerer Hader, trotziger Eigens:,::: oder', Mißgu«:st, Rechthaberei bis zur

Selbfverstörung haben im Gegensatz zu slawisch welcher Willen­losigkeit und roinanischem Herdensinn nur zu oft das deutsche Volk trotz großer Kraft und Tüchtigkeit um seine«: Erfolg betrogen. Soll auch heute in diesem allerschwersten Zeitpunkt unseres volksgeschicht- ltchen Daseins Zwietracht, Zerrissenheit, Selbstentäußerung oder unklare Schwärmerei die Wucht des gezückten Schwertes hemmen oder das Ziel verrücken? Diesem urdeutfchen Unheil strebt mit Macht zu wehrenEin Wort an die unten und die oben" von einem deutschen Sozialdemokraten (24 S. Groß-Oktav, Preis 30 Pfg. Stntthgrt, 1616, Franckh'fche Derlagshandlung), das klug und kräftig, klärend und «veifend das eine zeigt, daS not tut, und alle, alle, von unten und obe«:, von rechts und links sammeln will, in der Erkenntnis, daß sie den unerbittlichen und schlangenklugen Feind England nur dann niederringen können, wein: ein Wille, ein Tun sie alle beseelt und eint.

Die Kunst", Monatshefte für freie u«:d angewandte Kunst (F. Bruckmann A.-G. München, Preis vierteljährlich Mk. 6.), leitet ihren neuen, XVIII. Jahrgang (Oktober 1916 bis September 1917) mit ihrem eben erschie«:e«:en Oktoberheft ein, welches, was Gediegenheit deS Inhalts soivie Geschinack bei der Auswahl und Reichtum und technische Volle«:dung des Abbildungsmatertals be­trifft, den langjährigen Ruhmestitel der Zeitschrift, eine unserer schönsten und wertvollsten zu sein, aufs neue glänzend bestätigt. So unterrichtet uns über die in den letzten Jahren unter Leitung des Generaldirektors Dör«:höffer erfolgten Neuerwerbungen der Neuen Pinakothek in München ein vorzüglich illustrierter Aufsatz, dem ein reizvoller Farbendruck «:ach einer Landschaft Hans Thomas beigegeben ist. Die Radierkunst ist durch Arbeiten eines unserer ersten Künstler auf diesem Gebiete, HanS Meid, vertreten. Die Kunst Karl Albikers, der als einer der ersten in den Reihen der Plastiker genannt wird, führt uns ein weiterer Aufsatz ein­dringlich vor Augen. E«:dlich nennen wir ,:och eine un:sai:greich illustrierte Abhandlung über Bruiw Pauls Haus Hainerberg im TaunuS, eine der reifsten«:stlerische>: Leistu,:gen eines Architekten und Raumkünstlers allerersten Ranges.

Velhagen L Klasings Monatshefte haben so­eben ihren 31. Jahrgang begonnen. Seit drei Jahrzehnten ist diese Zeitschrift nun bereits der : «mer wieder gern gesehene Freund und Hausgenosse in vielen Tause«:den deutscher Fainilien. Kei«: Wunder, ist doch der Bilderschmuck dieser Hefte so geschnmckvoll ausgewählt und so mustergültig gedruckt, daß ihre Bezieher gewisser­maßen eine Bildergalerie in: kleinen ihr eigen ne«:ne«:, und sind doch eine ganze Reihe der berühintestei: Ron:ane unserer Zeit in ihren Blättern zuerst erschie«:en I Auch das neue Septemberhest steht ganz auf der Höhe, bringt es doch Erzählungen und Romane °von erste«: Autoren. Alan braucht nur die Raine«: Ernst Zahn, Harms vo«: Zobeltitz, Jakob Wassermain: und Emil Ertl zu nenne«:, so ist damit gerrug gesagt. Daneben enthält es aber iroch eine fast überreiche Zahl von gediegenen und wirklich iirteressanten Auf­sätzen. Reizvoll ist gleich die wohl zuerst i,:S Auge falleirde, mit bunte«: Bildern geschmückte Schilderung Willy Norberts über das entzückende Rokokoschlößchen Wilhelmstal bei Kassel, u«rd für jeden Kunstfreund anziehend ist auch die Studie vo«: Dr. Franz Servaes über den Frankfurter Maler Fritz Boehle, einen uiwerdient noch recht wenig bekannte«: Küirstler, der eine große Zukunft besitzt. Gern lese«: rvird man auch die Eriinrerungen von Josef Kainz, dre Ferdinand Gregori de«n verstorbene,: berühinte«: Freunde widn:et, und die Plaudereien aus den: Zähriirger Lairde, die der Freiburger- Max Bittrich aus dem Schwarzwaldi«r Hörweite des Weltkrieges" sendet. Der furchtbare Kampf, in den: «vir jetzt iminer noch stehen, drängt sich ja i«: alles hinein. Ihn: sind übrigens noch zivei be­sondere Aufsätze dieses Septeinberhestes gewidinet: Graf Karl Scapinelli zeichnet ein farbe«:satles Bild des Krieges in Tirol, und Prof. Dr. Otto Hoetzsch, der Berli«:er Historiker, schildert den Baralong"-Geist in der englischen Politik, der kalten Herze«:s durch Strön:e von Blut geht, wenn nur England ein Geschäft da­bei macht. Ganz besonders jcffelnb und gehaltreich sind außerden: noch zwei historische Abhandlungen dieses Heftes. Die eirre vo«: Prof. Dr. Otto Seeck über den rölnifche«: Kaiser Augustus und die andere von Pros. Dr. Max Le«:z, der das Zeitalter der französi­schen Revolution und ihre Weltkriege in: Vergleich zur Gegenwart zeichnet. Der wirklich reiche und interessante Inhalt des ersten Heftes läßt von den weiteren Beiträgen des neue«: Jahrganges von Velhagen & Klasings Monatsheften das allerbeste erwarten.

Logogriph.

Mit i hälts schwer, es zu erweichen. Mit r kann es kein Mensch erreichen. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Numn:er:

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Schriftlellung: Fr. R. Ze«:z. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindrucke:ei, R. Lange, Gießen.