476
steuern. Tn '£oruu uei'init.Srfi die Vorstellung, und Kapitän König schlägt vor. die Unterhaltung in sein Zimmer zu verlegen. „Erst muß er neilich noch so manche Begrüßung und so manchen Händedruck voll allerlei Personen, Offizieren, Damen, Direktoren, über sich ergehen lasse«, als er die verschiedenen Räume deS GasthofeS durchschreitet — aber endlich sind die drei doch in Kapitän Königs Zimmer angelangt, sitzen bei einer ruhigen Zigarre und können miteinander plaudern. Die Unterhaltung kam aus die Unmenge der Briefe, die König erhält. Sie gehen jetzt schon in die Zehntaufende. „Und ich lese nicht einen einzigen davon", sagt der Kapitän mit einem ltlsttgen, ganz treuherzigen Ernste. „Ich sehe sie nicht einmal, ich sehe sie bloß im Bureau. Ich muß Ihnen nämlich sagen, ich habe niemals gut Briefe beantworten könnet,. Wenn ich Briefe lese, so denke ich mich z«l sehr in sie hinein, und dann meine ich, es ist zu viel darin, woraus ich eingehen und antworten muß. Das habe ich nie richtig gekonnt und jetzt!" — er sah ganz ermüdet davon auS — „jetzt kann ja davon gar keine Rede sein. Ich habe den Leuten im Bureau bloß gesagt, wenn Briefe von meiner Familie oder von guten Bekannten kommen, so sollen sie eS inich wissen lassen." Aber dafür sah Professor Larfen auf dem Tische einen ganzen Stapel von Ansichtskarten liegen, auf die König Stück für Stück redlich seinen Rainen mit eigener Hand gesetzt hatte. Die wäre«, für nähere Bekannte bestimmt und auch der dänische Gast durfte sich eine solche Karte zum Andenken initnehmen. Es kam die Rede auf den eigentlichen Gegenstand des Besuches, auf die dänische 'Ausgabe des geplanten Buches. Professor Larsen wie- darauf hin. daß es sich empfehlen würde, für dänische Leser manche» etwas anders zu fassen, und er fand bei Kapitän König für seine Vorstellungen das vollste Verständnis. Auf den Inhalt des Buches selbst war freilich nicht gut einzugehen, da legte sich der Doktor als getreuer Eckart ins Mittel und meinte, darüber sei nicht Zeit zu reden, das komme eben alles „ins Buch", und inan dürfe dem doch nicht durch allerlei Ausplauderungen den Duft schon vorher rauben. Ja, aber ein Ding möchte er doch zu gern wissen, so bekannte Professor Larsen. Von der glänzenden Heimkehr hätten wir ja alle gehört und gelesen, aber wie war es mit der Ausfahrt k »Ja/ sagte Kapitän König mit einen, Lächeln, „das war bloß—", und er machte eine Beivegung so wie einer, der in ein Loch hinab- gleitet. „Es mußte ja auch sehr still vor sich gehen," fügte ergänz gedämpft hinzu. „Und die Ankunft in Amerika?* fiel Professor Larsen den, Doktor zum Trotze ein. „Ja," sagte König, ,es muß doch wohl schon etwas durchgesickert sein. Denn die allerersten Worte, die ich überhaupt in Amerika hörte, das war der amerikanische Lotse, der so breit, wie er nur konnte, sagte: „Damned, there ahe is“ — das bedeutete ungefähr: Satan, da ist er!"' Mehr konnte Professor Larsen von Kapitän König nicht erfahren. Aber nun verspricht er den Dänen, diesem alten Seemannsvolke, sein Buch, „den Bericht eines echten Seemanns und grundliebenswürdtgen Menschen über eine friedliche Heldentat."
Kriegsgedanken englischer Kinder. In der psychologischen Abteilung der augenblicklich tagenden British Association hat Dr. E. W. Kimmins einen Vortrag darüber gehalten, welche Gedanken Londoner Kinder über ihre Hilssarbeit im Kriege hatten. 1800 von Kindern geschriebene Arbeiten hat der Vortragende durchgesehen, aus denen Knaben und Mädchen im durchschnittliche,, Alter von 11'/, Jahren dein Wunsche Ausdruck gaben, ihren, Vaterlande helfen zu können. In den Schulen, in denen Knaben und Mädchen geineinfam unterrichtet werden und die Knaben Gelegenheit hatten, die Mädchen bei der Strickarbeit für die Truppen zu beobachten, erkannten die Knaben fast durchweg deren fleißige Arbeit an, nur ein besonders kritisch veranlagter Junge erklärte: „Ich sah auch ein paar gestrickte Sachen, die Lady Jellicoe zurückgeschickt hatte." Einige Mädchen dagegen blickten »nt einer gewissen Verachtung auf die Jungen, die nicht stricken können, herab, und eine Kleine erklärte neidvoll: „Obgleich die Jungen nicht stricken können, werden sie doch unter die Jugend- wehr ausgenommen!" Und eine andere bemerkt ein wenig giftig: „Jungen können nicht nähen, aber ihren Schwestern sagen, daß ihre Anzüge zerrissen sind, das können sie!" Für das, was den Soldaten geschickt werden muß, zeigten sich die Kinder außerordentlich besorgt und schrieben auf lange Listen alles, was sie für notwendig hielten, von, Luftkissen bis zum Bleistiftspitzer, und die kleii,eu Mädchen fügten mütterlich als unbedingt ivünschenSwert den We.hnachtspuddlng hinzu, während nicht ein einziger Knabe an diese Leckere, dachte. Als die Kinder ausgesordert wurden, sich über d,e Kriegsersparnisse zu äußern, bemerkte ein Junge: „Wenn eine Bombe auf die Bank von England fiele, dann würden all unsere Ersparmsse in Asche verwandelt werden l" Ueber die Kriegs- anleche herrschte große Unklarheit bei den Kindern. So erklärte em Knabe: „D,e Kriegsanleihe brach im Jahre 1915 aus!" Die meisten der kleinen Mädchen berichten genau die Summe der Ersparnisse, dre sie in der Schule gemacht haben, aber nicht ein einziger Knabe geht darauf ein. So zeigt sich vielfach bei der Aeuße- r,n,g der KriegSgedanken der Londoner Kinder ein auffallender Gegensatz zwischen den beiden Geschlechtern.
* Der e n g l i s ch e G e n e r a l a l» B a d e p o l i, i st. Da die zur nicht gerade großen Freude der Franzosen seit Jahr und Tag n, Boulogne stat,on,ertel, englischen Offiziere anscheinend nichts
wichtigeres zu tun haben, suchen sie sich die Zeit damit zu vertreiben, daß sie als echte moralische Briten die Sittenlosigkeit ihrer leichtblütigen Verbündeten einz,»dämmen suchen. Eine besonders eifrige Rolle spielt in dieser Beziehung der Kommandant der englischen Garnison von Boulogne, die erst jüngst alle Besitzer von BergnügungSunternehmungen in einem strengen Erlab ermahnte, sich in ihren Vorführungen auch der leisesten Zweideutigkeit zu enthalten, da man einem ehrenhaften Tommy derlei Versuchungen nicht zumuten dürfe. Run aber wandte sich der vom Moralsieber gepackte General auch gegen den Frieden des Badelebens, indem er verbot, daß die Damen am Badestrande in anderen Kostümen als in solchen, die ans Bluse und Rock bestehen, erscheinen. Im Fa^e des Zuwiderhandelns ist die Polizei beauftragt, die betreffende Missetätern, ohne weiteres im Namen des Gesetzes aus ihrer Kabine zu entfernen. Um so merkwürdiger erscheint es den dermaßen von den Briten geschulmeisterten Französinnen, daß die englischen Krankenpflegerinnen nach wie vor unbehelligt in einfachen, oft allzu einfachen Schwiinmtrikots den Badestrand bevölkern dürfen.
* Die Dien st Pflicht der russischen Landarbeiterinnen. Wir im „Rjetsch" zu lesen ist, hat in einem Dorfe des Gouvernements. T w e r eine neue behördliche Verordnung große Verwirrung hervorgernfen. In weitem Umkreis ertönt jetzt der Schreckensruf, „daß nun auch noch die Mädchen einberufen ivürden". Das rührt daher, daß Semstwo-Vorsteher und die Ortsschulzen ange»viesen worden sind, Mädchen als Feldarbeiterinnen anzuwerben und im Falle des Widerstandes zwangsweise zur Feldarbeit 31 t schicken. Frauen vom 15. bis zum 40. Lebensjahre sind für die Feldarbeit vorgesehen, und sofern sie sich energisch vor Uebernahme derselben weigern, verfallen sie einer Strafe von 3 Monaten Gefängnis oder 3000 Rubel. Kaum hat die Kunde sich verbreitet, so versuchten die Frauen ihre Töchter nach den Hauptstädten zu schicken. Dieses Unternehmen wurde jedoch vereitelt, indem die Polizei den Mädchen keine Pässe gab. Im ganzen vollzieht sich der Abschub der Mädchen zwangsweise, denn sie sollen für Fremde Erntearbeit leisten, während für ihre Angehörigen daheim keine Arbeitskräfte übrig bleiben. Im Dorfe gibt es jetzt viele Familien, in denen nur noch die alte Mutter oder Großmutter zurückgeblieben ist und das noch am Haiin stehende Getreide nicht zu mähen und zu bergen imstande sein wird. Die Bauern sind entrüstet und trösten sich nur in der unbestimmten Hoffnung, daß die Töchter und Frauen bis zur Ernte in Twer, die erst gegen Ende Oktober zu erfolgen pflegt, wieder zu Hause sein könnten.
* Massenspeisung vor hundert Jahren. Der Gedanke der Massenspeisungen, der heute eine so große Verwirklichung findet, ist in der Geschichte der deutschen Sozialfürsorge nicht unbekannt. Schon vor hundert Jahren, zur Zeit, da Napoleon Hunger und Not durch Europas Länder brachte, sah man sich in einzelnen Gegenden Deutschlands veranlaßt, größere Unternehmungen ins Leben zu rufen, die imstande waren, die notwendige Nahrung für größere Massen zu liefern. Wie dabei vorgegangen wurde, erhellt an§ einem im Jahre 1606 in Rostock erschienenen, jetzt nur noch in wenigen Exemplaren vorhandenen Büchlein, an das in der Zeitschrift „Niedersachsen" erinnert wird. Eine Gesellschaft von Patrioten fordert in der erwähnten Propagandaschrift aus, zusammenzutreten und den Grundstock zu einer Massenspeiseanstalt zu legen, die imstande wäre, nach einem rationellen Verfahren täglich größere Mengen absolut nahrhafter Speisen henuslellen, die nicht für die Armen im üblichen Sinne bestimmt sein sollen, sondern für alle, die Hunger haben und nur wenig Geld besäßen. Der Verfasser der Schrift, der im Namen der Gesellschaft von Patrioten spricht, fordert zur sofortigen Durchführung seines Vorschlages ans, den er noch durch folgende Aufstellung erhärtet: Für 100 Portionen, sagt er. genügen 9 Pfund Gerstengraupen, 18 Pfund Erbsen, 5 Pfund altes oder gedörrtes Roggenbrot, 1 7, Pfund Rindfleisch oder % Pfd. Speck, 1 Pfund Salz, 160—160 Pfund Wasser, dazu Zwiebeln und Pfeffer. Natürlich kann durch Beifügung verschiedener Gemüse für gelegentliche Abwechselung gesorgt werden. Auch die Schiverarbeiter werden in der Aufstellung der vorerwähnten Propagandaschrift besonder« berücksichtigt. Besondere Beachtung ist darauf zu legen, daß die großen Kochkessel schon um 5 Uhr morgens auf dem Feuer zu stehen haben, wenn auch die Verteilung erst um 11 Uhr beginnt. Aus anderen Berichten aus jener Zeit erfährt man, daß die von dieser Gesellschaft von Patrioten vorgeschlagenen Gründungen durchgeführt wurden, sehr vielen Anklang fanden und vielen Segen verbreiteten.
Rätsel.
Häusliche Neckerei.
.Solch' teuren Stoff zum Kleid ? — Kind, wolle mich verschonen - Ich muß gestehn: du hast recht noble Passionen." —
„Und du noch etwas mehr!" spricht sie in aller Ruh',
„Bei dir kommt obendrein ein kleines l dazu l"
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des üogogriphis in voriger Nmnnter.
Sumpf, Rumpf, Trumpf, Strumpf.
chri'tlettung: Ir. R. - Ro!<r«o»zdrttlk »,,d Verlas der Brühl'schen UniverfttSiz-Buch. und Sleindrurkerki, R. Laune. Gießen.


