Der Kadium-Vulkan.
Roman von St. Gr. White und S. H. Adams.
Autorisierte Uebersetzung. — Nachdruck verbaten.
(Fortsetzung.)
Ueber dieses Thenra erging sich Kapitän Setover nun des längeren und breiteren, zur stillen Freude der horchenden Stauer. Der Steuermann hielt eine Weile geduldig aus, aber eirdlich lies ihm die Galle über. Es kam zu heftiger Widerrede. Dann war die Prügelei da. Der Steuer- mann schlug Selo^dr mit der Faust ins Gesicht — worauf der Kapitän seinen Gegner — und der Steuermann war ein ungewöhnlich kräftiges Exernplar von Seemann — mit Verblüffender Einfachheit in seine Gorilla-Arme nahm, an die Bordwand trug utib auf die Landungsbrücke schleuderte, daß es nur so krachte!
Darauf raste der Kapitän 'nach unten und kam mit einer Kiste zurück, die er seinem Untergebenen auf demselben Wege hinterdrein beförderte und der durch eine Psortenöffnung noch eine Menge kleinerer Gegenstände folgten. Dann erschien der Kapitän mit Eimer und Bürste an Deck, rieb fieberhaft an dem bewußten störenden Fleck, trocknete ihn zuletzt mit demselben alten, roten Taschentuch auf und besah nun die Stelle wohlgefällig — woraus; sich sein Gesicht verklärte wie eine friedliche Landschaft im Mittagssonnenschein. Es war einfach zum Totlachen!
Der herausgeworfene Steuermann, um den sich nie- tucutb kümmerte, sammelte hinkend seinen Kram zusammen, wobei er furchtbar schimpfte, setzte die Kiste auf einen der abgehenden Lastwagen und zog los.
Ich wartete.
Kurz nach zwei Uhr hielt vor der Hinteren Laufplanke eine Droschke. Ihr entstiegen ein junger Mann und Doktor Schermerhorn. Während der junge Mann nur eine leichte Ledermappe trug, keuchte der Doktor unter der Last einer viereckigen, eisenbeschlagenen Kiste — eine seltsame Arbeitsteilung.
Einer der Dockarbeiter rannte, auf ein Trinkgeld spekulierend, herbei.
„Kann ich Ihnen nicht die Kiste tragen, Herr?" fragte er, nach den Griffen langend.
„Nein! Nein V rief der Doktor, wobei sich auf seinen: mageren Gesicht der Ausdruck entsetzter Abwehr ausprägte.
Oben auf der mühsam erklommenen Laufbrücke stieß der Doktor auf den Kapitän.
„Hallo, Herr Doktor! Da wären Sie ja!" quietschte Selover. „Wir sind noch mächtig bei der Arbeit. Warten Sie — ich werde Ihnen die Kiste abnehmen."
„Nein!"
„Na, dann lassen Sie mich wenigstens helfen!"
„Nein — nicht anfassen!" verbot der Gelehrte. „Wo ist meine Kabine?"
Während er mit seiner Last hinabstieg, blieb sein Begleiter oben und überwachte das Verstauen der wissenschaftlichen Utensilien und des persönlichen Gepäcks
Mittlerweile jagten sich in meinem Hirn die Gedanke:: in wildem Kreislauf. Ich entsann mich deutlich, daß der Doktor bei einer anderen Gelegenheit auf längere Zeit verschwunden, dann mit undurchdringlicher Miene irneder zum Vorschein gekommen war und kaum eine Woche später die Welt mit seinen Errungenschaften auf dem Gebiete der Astrophotographie verblüfft hatte. Wenn ich nun im gegenwärtigen Falle die Summe meiner Beobachtungen Hog: dieses verschwenderische Ausstreuen von Geld, die Art setner umfassenden Vorbereitungen, die Geheimhaltung der^ Expedition, die schon daraus hervorging, daß er das Schiff erst «am Tage vor der Reife charterte, der Umstand, daß ider hx Dingen des praktischen Lebens so unerfahrene Gelehrte, dem alles Geschäftliche ein Greuel war, es für notwendig hielt, die Angelegenheit persönlich in die Hand zu nehnren, anstatt andere damit zu beauftragen — da können Sie sich vorstellen, meine Herren, wie all' dies mein brennendstes Interesse aufstachelte! Ich faßte plötzlich einen kühnen Entschluß und näherte mich Kapitän Setover, der eben die Landungsbrücke herunterkam.
„Sie brauchen einen Steuermann?" redete ich ihn an.
„Vielleicht," gab er nach einen: musternden Blick zu. „Wissen Sie von einem?"
„Hier steht er," sagte ich.
Die kleinen Augen öffneten sich ein wenig weiter. Sonst gab der Kapitän kein Zeichen der Ueberraschung. Innerlich verwünschte ich meinen feiner: Anzug. ^
Zun: Glück konnte ich den: Kapitän mein Steuermanns-Zeugnis zeigen, das ich für vorkommende Fälle immer bei mir trage. Es enthielt zufällig einige Vermerke aus dem letzten Kriege.
„Sie glauben mir nicht," sagte ich, bevor ich es ihn: reichte, „weil meine Kleider zu gut sind, aber das ist auch alles, was ich habe. Es geht mir sehr schlecht, und ich überlegte eben, ob es für mich nicht am besten wäre, auch dieses noch zu verkneipen und dann-"
„Sie sehen wie ein Stutzer aus." quiekte er. „Auf welchem Schiff sind Sie gefahren?"
' Ich reichte ihm das Zeugnis. Die Unterschriften des Admirals Keays und des Kopitäns Arnold imponierten ihm sichtlich. Er sah mich prüfend an, dann wandelte sich der Ausdruck seines Gesichts in listige Verschlagenheit .
„Na, da wird wohl ein kleiner Haken bei sein, wie?" meinte er mit verschmitztem Lächeln
Da ich durch das Gespräch, das ich vorige eracht belauscht, über den Charakter seiner inoralischen Bedenken zur Genüge unterrichtet rvar, schwieg ich und setzte eine schuldbewußte Miene auf.
„Was war's denn?" murmelte er, „einfache Desertion oder 'was Schlimmeres?"
Ich ließ mich jedoch nicht »veiter dari:ber aus.


