Montag, den 11. September
Der Nadium-Vulkan.
Roman von St. E. White und S. H. Adams.
Autorisierte Ueb-ersttzung. — Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Die nächsten beiden Stunden, nachdem der Kapitän und Doktor Trendon sich entfernt hatten, ging es auf dem Achterdeck der „Wolverine" ziemlich laut zu. Als der Schiffsarzt zurückkehrte, sagte er einfach:
„Billy hatte recht!"
hat er aber nichts erzählt," schrie Jves, „hier hat er verraten."
„Da liegt ^brHaseim P sesfen^str^tc Trendon. „lind rn einer vrnsrcht/ fügte er mit einer an ihm ganz ungewöhnlichen Gesprächigkeit hinzu, „war Billys Rapport noch zutreffender, als er es vielleicht selbst ahnte."
„Danke bestens!" brummte der junge Mann. „Und worin denn, wenn man fragen darf?"
„Sie sagten doch: „Keine lebende Seele an Bord!" So lauteten Ihre eigenen Worte, nicht wahr?"
„Gewiß! Und wie steht's damit? Sie meinen damit doch nicht etwa, daß Sie Tote gefunden haben ?"
„Weder eine menschliche Seele an Bord noch eine andere," fuhr Trendon fort.
„Was heißt das?"
. „Um die Kombüse Speisereste verstreut; auf dem Tisch m der Messe Kimmen! Aber keine Schwaben! Hat je ein Mensch ein Holzschiff ohne Küchenschwaben gesehen? Und hat man schon von solch altem Kasten gehört, der nicht von Ratten wimmelte? — Wir fanden ein Dutzend tote Ratten, sonst loar aber auf der „Laughing Laß" von einem lebenden Wesen weder etwas zu hören noch zu sehen. Keine Ratte, keine Maus — nicht einmal eine ehrliche Wanze. Meine Herren — die „Langhing Laß" ist ein Totenschiff!"
„Kein Wunder, daß Billys zarte Nerven darunter ^lten!" spöttelte Jves, der das Sticheln nicht lassen konnte. „Wahrscheinlich spuken in dem alten Trog noch die Gespenster der verewigtenKüchenschwaben-"
„Er wird bald Gelegenheit haben, sich selbst davon zu überzeugen," warf Trendon ein; „der Kapitän beabsichtigt, ihm das Kommando zu übertragen."
„Aha, als Pflaster auf die Wunde. Sehr nett," murmelte Barnett. _
In dieseni Augenblick trat eine Ordonnanz vor:
„Kapitän Parkinson läßt Mr. Edwards zu sich bitten!"
„Glückliche Reise, Kapitän Billy!" rief Jves ihm nach. „Und schrei, wenn dich die Gespenster am Schlafittchen kriegen."
Eine Viertelstunde später trat Leutnant Edwards mit dem Bootsmann Timmins als Steuermannsmaat und einer klernen Besatzung sein erstes Kommando an.
Sein Auftrag lautete:
Mit dem Schoner in der Nähe des Kreuzers zu bleiben und genau aus die Signale des letzteren zu achten. Außerdem ? ei ^ nber fest vor, unter allen Umständen die eisenbeschlagene Kiste zu öffnen und ihr Geheimnis zu ergründen, selbst wenn sie Dynamit enthielte.
Als Edwards seinen Fuß an Bord des Schoners^setzte, konnten Barnett und Trendon, die den jungen Offizier in ihr Herz geschlossen hatten, sich einer trüben Vorahnung nid t erwehren.
„Wahrscheinlich ein giftiges Gas!" meinte Barnett.
„Und noch dazu von außerordentlich heftiger Wirkung! Die Sache gefällt mir ganz und gar nicht," stimmte Tren don bei.
4. Kapitel.
Die z w e i t e M a n n s ch a f t.
Das subtropische Klima des Stillen Ozeans bringt selten unerwartete Witterungsumschläge. Dennoch sollte der „Wob verme am 5. Juni etwas Derartiges beschieden sein. Noch E. -oereich der alles Gewölk vertreibenden Passatwinde kam pwvnch aus einem unerklärlichen Grunde dicker Nebel auf. Möglicherweise hatten Vulkanausbrüche, die durch elektrische und gashaltige Ausströmungen die normale Windrichtung ablenkten, ihn verursacht. Jedenfalls rückte er näher, wurde dichter und dichter, bis er einen undurchdringlichen Vorhang zwischen das Kriegsschiff und seinen Schützling gezogen hatte Der Wind schlief ein. Bis zum Einbruch der Nacht fuhr die „Wolverme" ganz langsam, während sie unablässig ihre Dampsfirene ertönen ließ.
Doch der Schoner antwortete nicht.
. d^ur einmal glaubten die Lauschenden in weiter Ferne einen Widerhall zu hören.
„Wahrscheinlich hat er gar kein Nebelhorn an Bord," gab Carter dem allgemeinen linbehagen Ausdruck
„Kein Journal, fein Nebelsignalapparat, verdrehter Kompaß — nette Segelet das, wahrhaftig! Weshalb hat Barnett nicht einfach Beseht erhalten, den verfluchten Kasten als eine Gefahr für die Hochseeschiffahrt in die Luft zu sprengeil?"
„Morgen früh tverden wir der Sack-e ans den Grund gehen," sagte Forsythe. „Der Nebel kann nicht ewig dauern."
Schneller noch, als nian geglaubt, trat der Umschlag im Wetter ein. Eine Stuiide vor Mitternacht prasselten ge'wal- tlge Regenschauer nieder. Als sie versiegten, überfiel eine rasende Bö den Kreuzer. Schwerfällig stampfte der große, tählerne Schiffskörper durch die aufgewühlten Wogen. Die um den Tisch der Offiziersmesse versammelte Gesellschaft war unter dem Druck der allgemeinen Verstimmung tiefernst. Kapitän Parkinson kam aus seiner Kabine nick) begab ich an Deck. Er hatte heute Nerven. Unklare uni ungewisse Situationen peinigten ihn in hohem Maße, wucklick^e Gefahren fanden ihn stets mutig und gerüstet. In diesem Augenblick war sein Gesicht ein Spiegelbild schlechtester Laune.


