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Anloq.
Ein Besuch des ersten Schlachtfeldes der 116er.
Von Ernst Muth.
(Nachdruck verboten.)
Ein Aarbläuer HimüMl wölkt sich über das badische Land. Vom wavMen Sonnenschein über gossen gliedern sich breit gähnte Dachflächen aneinander, im! Schniucke reifender, wogender Getreidefelder, frischdriftenden Heues, stolzer Wälder und rot-grün schimmernder Heidefläck^en, wo üppig wucherndes Farnckraut urrd vielfach mannshoher Muster um den Vorrang wetteifern, ohne dem Heidekraut einen Platz an der Sonne gönnen zu wollen. In drahtunt- zäunten Weideplätzen grasen schwarz-tveist-scheckige Kühe in Gesellschaft Meckenrder Gaise.
Ein Bild reinsten Friedens.
Urrd doch fährt es sich ffoum! zum zweiten Male, da furchtbare Schlachten sich über dieses Land wälzten.
Hier schon die Spuren. Links der Straße, int Ginstergestrüpp verborgen, erhebt sich ein weißes Holzkreuz mit dem Worte: „Franzosen". Rotbraun schillernde Gräser, Ginster sprossen ans dem Grab wie ringsum. Jetzt streckt sich auch rechts ein Kreuz aus der Heide und wieder eins und abermals eins. Sie nliehvm sich. Sogar im Walde, im Dome schweigender Tannen findet man die Toten stätten.
So zeigt sich einem heute das Schlachtfeld Von Anloy, wenn wchn sich von Süden her nähert.
. Wald lichtet sich schnell und rechterseits erschließt sich
der Blick auf die Gegend. Ter Höhenzug dacht sich hier sanft ab. Um! renseits wieder zu einer neuen Höhenkette anzuschivellen. Und drüben, mitten aus dem! dunklen Walde schimmert ein marmor- weißer Prachtbau, das Schloß Roumlont.
Diesseits aber, vom Waldsaunre an bis Munter ins weite Dal, leuchtet eine Unzahl weißer Kreuze, die fernliegenden nur als Punkto
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erkennbar. Auf diesem! Felde entdeckt man zuweilen verrostete Ge- / unförmige Patronenhülsen, halbfaule Tornisterfetzen,
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Schuhsohlen Und schriümelige Läerriemen. Eine Seltenheit war das langspitze, rostige Sprimgstück einer Feldgranate zur Seite eines Grabes.
Zur Straße zurückkehrend sehe ich bald Anloy in der Talmülde rM Baumgewirr versteckt liogen. Ta ftoßss ich auch beiderseits des Weges auf die ersten Gräber ,,von tapferen Kriegern des Infanterie- Regiments 116". Wie mir das durch die Seele zieht . . . alles Kleben dieser zweier Jahre durchzuckt blitzschnell das Gehirn und alle Gedanken venveilen in Erinnerung an jene ersten Kriegstage.
. ,Rechts, in einer von Hecken umreihten Wiese ki'tudet eineKäeuz- mschrift. daß hier HauptMann von Normann und drei Soldaten der I. Kompagnie 116 ruhen. Ein ausgeblühter Rosenstock, Ber glßmeurnicht und ein abgestorbener Kranz ehren die Stätte.
. . Gleich vielen Ardernnendörfern zieren auch Anloy die charakte- rrstrschen hochstämrnigen Eschen. Tannen und Rotbuchen.
Kleine, weiße Häuser schmiegen sich, wie geduckt, dicht beieün ander die Straße hinunter. Hier hat der Kämpf kerne merklichen Spuren hinterlassen, anders Mitten im Dorfe, wo lange Häuserfluchten dem Unheil zum Opfer! fielen. Kahle, groteske Mauerreste glotzen einem, loie gräßliche Berwurrdete mit stieren Au gm und ent- stelltm Zügen, entgegm, die in ihrer ergreifenden Traurigkeit ein beredtes Zeugnis von der Furchtbarkeit jenes blutigen Tages ab^- legm. Beinahe schon muten eiirem diese TrümMer rnrd Manerfetzen, auf deren Rärrdern Moos und Unkraut ein neues Leben treiben und rn deren Oede Sperlinge kreischen, wie die Ruinm stolzer Burgen aus längst vergessener Zeit an. > ,
, >Es ziehen muntere Mädchen vorüber, in dm landesbräuch-, lrchen hellkrassm Farben gekleidet und mit schneeweißm Schuhen angetan: fte treiben Kühe zur Weibe. Mm wähnt nicht in einem Dorfe von ungefähr 150 Seelen zu sein, denn in Deutschland hält ^ eröl ^9^ Kleidung mit dem Lande ftir unvereinbar Mtt einem, Männe der auf einem Klotze fitzend seine Smse dengelte, habe ich em Geispräch angesponnen. Im Nu horcht die ganze Nachbarschaft und nähert sich langsam, bis ein ganzer Rat versammelt ist. O, sie erzählen rächt gern von jmmt grausigeni Tag. Was gibt es da zu sagm? Soweit sie nicht im Verborgenen steckten sowie mit Ausnahme von ivenigen Alten und Kindern, cmi-. anx * . unttm im Dorfe zusammengetrieben uiid die jungen Männer in einem Häufe gesondert verwahrt worden. Sie erzahlm, daß insgesamt 33 Häuser zerstört wurden und 49 Einwohner umkamm.
M^tt UnterMtwtg tritt die FriedeiiSsehnsucht zutag«.
..... W tra^S-traung . . . Wird es nicht bald Frieden >ver- fe Mtt breimcnd-dr Augen fragt es die Mte. die
-n Jxtnn gclegericn Kirche heruwsühirt. Letz-
rj* W S. n ichiefergetafelter, innen mit reichein SchmUckwerk ver- sehmer Bau.
M® RuLstätte stir manchen 116« ge- Itiorben. Rechtz hinten befinden sich an einein! lauschigen Plätzchen
Leutnants Lardenbach und Jmmele. vereint lieaen 30 Soldaten gebettet, zum Opfer gefallene Einwohncr beerdigt, vevtreterre Gräber, die ein umgestürztes Nolzrrmz tragm, erregen mein Erstauiien.
.. /-.Die sind schsir sehr, sehr alt," bringt das Frauchen als Euch, scyuioignng vor.
Die Daus« Aulohs snrd in d« Hauptsache an zwei Straßen, ^lLnst die eine m d« Richtikng des TaleinschnittÄ« Westen, die zweite schvenkt mitten im Orte nach, Süden ab. Süolrch, parallel der erstgenannten Straße erstreckt sich fe b w Cl Pxi??S? nt r C HölMibuckel. Den hatten die Franzosm be-> ^r Straße, die nach Westen, dem Dorfe Maissin führte
L? Sn ^LK rjcm die nach Süden bergan geht, scheint dev
Känlpf seinm Anfang gefunden zu haben.
Straße »lohnende Frau erklärte, daß die Deutschen mtlang dem Wog hinter Maliern und Heckerr gedeckt lind
hi? n A\* t0h<:n EildcSrand gelegen hätten. Sie wies aus die UUgelspnren air ihrmi urassiven Steiuhaicke kleine LöMer einem ?'vhr« verursacht. "(Sine Granate war durck)k Ä ieiate EÄicherweis« ein Ausbläser. Sie
LKttch! <MtauZfm% ' Än *"** Schlitz, sei»«
„s 0 " ^ ^r ff n ^ Maissin ciuschlägt Und dann linkerhand m,t aas das Hauptgräberfeld der 116er. Hier, weit verstreut, schlummern die Tapferen dm elvi am (Srfvfrtf öwtreidefeld birgt ein Grab, dessm inän erst beim Davor- anftchtrg wird. De wogenden Hälrne rauschen und raunen! em gleichmäßiges, ergreftendes Trauerlied. Niir ein suMmmdev MMldes Heupferdchen stören die hdmn-, Ä c. Edacht. Andere Gräber rühren durch ihre Schlichtheit: AM Fuße des Kreuzes llegt ein welker Kranz von Heidekraut, und Kiefern ^sw" Hel den. Oft hat man auf den Gräbern junge
Interessant ist ein hohes Tannenviereck, das ein größeres, quadratisches Ackerseld Umfaßt. Granaten haben diese Bäume in allen Höhen abgebrochen, daß Splitter und StUMpfe von 1, 3- o yJöeter usf. übrig blieben.
L JPl ^ %! b r Mt eine Einbuchtung, von einem Rinnsal!
bild^t^ in semer harmönischm Ruhe
^'Nedl-of 'für sich. Unter den hier der Erde Uebergcbmen befindet sich HaUptmann Mattel von der 7. Kontpagnie (stutßS! v orf> über den Gräbern der schlafendm Helden dep Schlack'tmdonner Nicht verstunmim. Schwach, fern zittert und
Ä; S;f Öt0C ^¥^ rrmn ftch un-sÄÄe schwüle Rollen als ein Rusen deutm. Hort, ihr Beiider, hört, die Bahn, die ihr gebrochen, wir schvertm sicher darauf lveiter! '
Purpurrot ist der HiMmel im Westm übermalt, als wäre es der Bäderschern des Blutes, das Taiisende,
und müssei^^b bem Wtar des Vaterlandes opfern Mußtenl
Line mathematische Nutz.
In Nr. 109 nuse^s Familienblattes brachten wir eine Be- wonach gefunden werden kann, auf welchen Wochentag e n bestimniter Tag, z. B. die Schlacht bei Sedan, gefallen ist. Aus unserer Leserschaft wird uns mitgeteilt, daß für Schaltjahre eine andere Berechnung angesetzt werden muß:
Beachtuu ' bCr bd ber Vision bleibende Rest erfordert
^ 8. Für g e w ö h n l i ch e I a h r e entsprechen die Reste 1 bis 6
^n^Wochentagen Sonntag bis Freitag; 0, also kein Rest, bedeutet
an 2 ) J üv Schaltjahr r entsprechen die Reste 1 bis 6 den Freitag ^gen ^anistag bis Donnerstag; 0, also kein Rest, bedeutet
Es gilt also das Sche»na:
Gewöhnliches Jahr:
Rest: 1 Sonntag, u 2 Montag,
„ 3 Dienstag,
. 4 Dtittwoch,
„ 5 Donnerstag,
» 6 Freitag,
, 0 Samstag.
Schaltjahr: Rest: 1 Samstag,
* 2 Sonntag,
» 3 Montag,
„ 4 Dienstag,
u 5 Mittwoch,
* 6 Donnerstag,
* 0 Freitag.
vüchertisch.
® i 5 ma rck s 100. Geburtstag wird infolge des Krieges am 1. April ohne große äußere Kundgebungen geleiert werden. Um so mehr dllrste jeder gute Deutsche das Bedürfnis ÜW stch und seine Kinder sozusagen ein ^onderdenknml des größten Deutschen m seinem Hause zu errichten. „Das Bismarck- Buch des deutschen Volkes" von Dr. Alfred Funke ist dazu besonders gcelgnet. In ungcinein fesselnder Weise schildert Dr. Alfred ' Funke, das Leben und Schaffen des „Eisernen Kanzler" itub zeigt un§ die Gestalt Bismarcks, wie sie dauernd iin deutschen Volke fortleben wird. Zahlreiche Originalzeichnungen und Bilder, die tellwelie ganz unbekaynt finb, schmücken den Text, ferner sind farbenprächtige Kunstbcilagen, soivie origtnaltreue Nachbildungen wichtiger Briefe und Dokumente beigefügt. Das „BiZmarck-Buch ori Volkes" wird etwa 1200 Textseiten mit ,nebr als
800 UbbitdlNigeli unb über 40 Kunstbeilagen enthalteii. Die be- quenre Beziigsrveise iu 32 vierzehntägigen Lieferungen zu je 50 Pfg.


