Ausgabe 
4.9.1916
 
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und breit bekannte Grab des Hacke Bätke. Das Kirchenbuch bs- richtet über ihn nur: 1616, den 27. Oktober, ist Hacke Bätkc auf dein Lesuiner Felde, als er aus dem Braunschweigischen zuin Vieh- handel gekommen, ermordet. Pas Volk aber erzählt sich dazu noch folgende Geschichte, die durch in Paar auf dem Grabstein gemeißelte Tauben zugleich bestätigt und immer wieder aufgefrischt wird: Kurze Zeit nach der Ermordung des Bätke fand in Dedes­dorf Jahrmarkt statt, zu dein auch die drei noch unbekannten Mörder Freese, Hilliken und Rinsel kamen. Plötzlich flog ein Schwarm Tauben aus und einer der Mörder brach in die Worte aus: .Seht, da sünd Hacke Bätke sine Duden!* »Hacke Bätke*, fragte man von allen Seiten, »was wißt Ihr denn von Hacke Bätke?" Trotz ihres Leugnens wurden die Drei festgenommen, und schließlich gestanden sie auch. Dabei erzählten sie: als sie eben den Bätke in den Sand gestreckt, sei ein Taubenschwarm auf­geflogen, und brechenden Auges habe der Sterbende gerufen: »Ji Duden, ji Düben, bringt jit an den Dag!" So sei eS denn auch gekommen.

Das älteste Holzhaus der Welt. Den besten Be­weis für die außerordentlich hohe Dauerhaftigkeit des HolzeS bietet ein Holzhaus in der kleinen japanischen Villenstadt Nara, das als das älteste Haus Japans und wohl auch als der älteste Holzbau der ganzen Welt bezeichnet werden kann. Wie RegierungSbau- meister Franz WoaS in der »Holzwelt* berichtet, besteht dieses Gebäude so lange, als es in Japan Mikado- gibt. ES dient den Beherrschern Japans als Schahhaus und ähnelt in seiner Anlage den üblichen Schatzhäusern der japanischen Tempel, nur ist sein Grundriß nicht quadratisch, sondern länglich und etwas größer, als es bei den gewöhnlichen japanischen Schatzhäusern der Fall ist. In diesem Haus werden sämtliche wertvollen Heiligtümer und Kunftschähe des jeweiligen Mikados aufbewahrt. Die Konstruktion des nach Art von Blockhäusern aus Balken zusammengefügten und durch Seitenstreben gestützten Hauses besteht vor allem darin, daß weder Eisen- noch Holznägel verwendet wurden. Trotzdem ver­mochte der Bau seit 1200 Jahren Wind und Wetter zu wider­stehen, und diese beispiellose Festigkeit ist lediglich auf den ge­schickten Verband und die außerordentlich genaue Zusammenfügung der einzelnen Holzteile zurückzuführen. Es ist ein Musterbeispiel der japanischen Holzbaukunst, die es bekanntlich versteht, Holz­flächen so genau aufeinander zu verarbeiten, daß z. B. Kasten aus Holz durch die aufgesetzten oder eingeschobenen Deckel fast völlig luftdicht werden. Trotzdem der Bau mindestens 1200 Jahre alt ist, wurde niemals eine Erneuerung der Holzteile vorgenommen, nur vor 1000 Jahren wurde ein neues Dach aufgesetzt. Als Ma­terial diente das sog. Keyak-Holz, das ungemein feinfaserig und widerstandsfähig ist. Da die Holzteile weder durch Anstrich noch mit Hobeln bearbeitet wurden, ist hier zu ersehen, daß die natür­liche Dauerhaftigkeit des Holzes auch ohne Anwendung von Kunst­mitteln außerordentlich groß ist.

* EdisonS Wunderhaus. Der »Corriere d'Jtalia* widmet der neuesten Erfindung EdisonS, die freilich bisher nicht zur AuSführmrg kam, dem zusammenlegbaren Wunderhaus, eine bewundernde Betrachtung, Aus Eisenplatten wird, für einen be­stimmten Haustypus, eine leicht zusammensetzbare Form hergestellt, die ohne Mühe von Ort zu Ort transportiert werden kann. Nun wird diese Form aufgestellt, und von einem höher gelegenen Haus läßt inan eine Mischung von Zement und Saud darauf rieseln. Wenn diese Mischung getrocknet ist, so steht das Haus gebrauchs­fertig da. DieHaussorm* wiegt nur ein paar Tonnen und kann in wenigen Tagen von einem Dutzend Arbeiter aufgebaut werden, der Bewurf wird in 23 Tagen fertig, und feine Erhärtung dauert etwa eine Woche. In weniger als einem Monat soll so das Wunderhaus bewohnbar sein. »Ich will," so sagte Edison zu einem seiner Besucher, »vor allein, daß meine Erfindung von Nutzen für die Armen werde. Ein Haus mit sieben Zimmern darf nicht mehr als 1500 Dollar kosten. Mtt dem Abzahlungs- system ist es möglich, es zu besitzen, ,venn man in den ersten zHn Jahren je 105 Dollar und in den folgenden Jahren je 45 Dollar zahlt/ »Ich habe," so fügt Edison ohne Selbstunterschätzung hinzu, »immer für die weniger bemittelten Klassen gearbeitet, und alle meine Erfindungen gehen dahin, das Leben zu erleichtern. Meine elektrischen Lampen haben für billiges Geld Licht gegeben; mein Phonograph hat mit wenig Kosten Musik in die Häuser gebracht, das Kino hat jedem Geldbeutel den Besuch des Theaters ermög­licht, die elektrische Bahn bietet eine schnelle, billige Beförderung. Und jetzt biele ich für wenige Pfennige ein fertiges schönes Haus. . /

"Amerikanischer Humor. Alte Jungfrau:O, Sie halten mich wahrscheinlich für älter, als ich bin/ Der höfliche Herr; »Keineswegs; Sie sind sicher jünger, als Sie aussehen/ - Schutzmann, zu einem Vagabunden: »Warum stehen Sie hier be­wegungslos und sperren den Weg? Suchen Sie etwas?* Der Vagabund: »Nein." Der Schutzmann:Nun, dann gehen Sie weiter. Wenn jedermann stehen bliebe, wie könnten dann die anderen Vorbeigehen?* Bittsteller: »Haben Sie einen Augen­blick Zeit, mein Herr?* Der Kapitalist: »Junger Mann, meine Zeit rst 100 Dollar die Stunde wert, aber ich will Ihnen 10 Mi­nuten schenken/ Bittsteller:Besten Dank; aber könnte ich sie in bar haben?*

^ - vüchertisch. . »

- Englische Staatsmänner von Sll«Dara. Diese Galerie von Bildnissen englischer Minister, englischer Partethäupter, englischer Heerführer, englischer Agitatoren führt alle die Wand- lungen vor, die seit den letzten Jahren der glorreichen Königin Viktoria das öffentliche Leben Großbritanniens durchgemacht hat. Die Regierung Eduards VII. vergegenwärtigt sie und die Zeit Georgs V., die Zeit des europäischen Krieges. Von Josef Chamber- lain ist die Rede, dem kalten Verkünder des Imperialismus, der über die Panik der Burensiege die Massen hinwegrtß, und von Lord Kitchener, dem grausamen Schlächter Indien- und Südafrika-. Parnell wird charakterisiert, der ungekrönte König von Irland, der elefant-müde Balfour, der harmlose und in seiner Harmlosigkeit so gefährliche Sir Edward Grey, der zähe Stockbrite Asquith, der hochmütige Curzon, der dilettantische Rosebery, der rechtschaffene John BurnS. Und zu den Nan.rn von gestern treten die Namen von heute, bis auf Carfon, den Bürgergeneral von Ulster, und Northcliffe, den Heitungsdiktator. Mit Feinheit und Schärfe, bald mtt witziger Satire, bald mit großer Wucht hat Sil-Dara seine Modelle festgebalten. Bis in die Herzkammern des britischen Welt­reichs lassen die Studien diese- kleinen Buches blicken, das die Er­fahrungen und Beobachtungen vieler in London verbrachter Jahre ^fammenfaßt. Männer und Völker 1 Mark. Ullstein &. Eo.,

Der Kunst freund. Zeitschrift der Vereinigung der Kunstfreunde. Ad. O. Troitzsch, Berlin-Schöneberg. Inhalt: F. Salomon Grelling: Die griechische Göttin. Prof. Dr. Willy Stöwer: Ueber den Niederwald. Theodor Gurtz: Aus meinem Kriegs-Tagebuch. Edda Wiese: Bulgarische Stickereien. Paul Wahlberg: Die Erscheinung moderner Großbauten im Rheinland. Else Grüttel: Vom Kinderkleid.

Griebens Reiseführer: Band 171,Der Taunus* 1910. (Mk. 1,50.) Verlag von Albert Goldschmidt, Berlin W. 35. Die neue Auflage ist um die Stärke eines Bogens erweitert worden. Insbesondere haben die Badeorte eine ausführlichere Be­handlung erfahren. Alles Wissenswerte über Einrichtung, Ver­kehrs- und Wohnungsverhältnisse, Kurtaxe, Unterhaltungen und Sehenswürdigkeiten, über Heilsaktoren und -erfolge machen den Führer zu einem zuverlässigen Berater. Zahlreiche Vorschläge für Spaziergänge und Ausflüge in die Umgebung der Orte laffen die Anschaffung eines SpezialführerS als überflüssig erscheinen.

Heft 69 und 90 der Zeitschrift »Der Völkerkrieg* (Herausgegeben von Dr. C. H. Baer, Verlag von Julius Hoff- mann, Stuttgart). Tie Fortsetzung der Darstellung der inneren Verhältnisse Oesterreichs bringt einen Ueberblick über dessen Wirt­schaftsleben von Erich Dombrowski, zuverlässig, vollständig, knapp und fest in der Form. »Ter Seekrieg von Mitte Mai bis August 1915* bietet eine Zusammenfassung, die besonders dankens­wert ist.

' Eine lebendige Vorstellung von der Maaslandschaft, ihren Schönheiten uno Eigenti'nnlichkeiten werden in Deutschland nur wenige haben. Umsomehr ist es zu begrüßen, daß die »Leipziger I l l u st r i e r t e Z e i t u n g* (Verlag I. I. Weber, Leipzig) in ihrer neuesten Nummer 3317 (Kriegsnummer 108) dein Maastal einen 16seitigen Beitrag widmet. Im übrigen bringt die Nummer noch mancherlei anderes Interessante. So eine Zeichnung des Erz­herzog-Thronfolgers Karl Franz Joseph von Fritz Gärtner, den Abendempfang des Reichskanzlers v. Bethmann-Hollweg bei dem deutschen Botschafter in Wien nach einer Zeichnung von L. TuSzynski, Zeichnungen von der Jsonzofront von Richard Aßmann, einen Torpedoboots-Durchbruch nach einem Aquarell von Marinemaler R. Schmidt - Hamburg, einen Artikel über Oesterreich-Ungarn- Kriegswirtschaft von Dr. Viktor Krakauer, eine sozialpolitische Kunst­betrachtung »Der Kriegszeichner als Voltserzieher* von Geheimrat Profeffor Dr. Berthold Haendcke (Königsberg i. Pr.), eine Abhand- lung über »Erdkunde und Krieg* von Geheiinrat Profeffor Dr. Siegmund Günther (München), eine amüsante Plauderei »Auf Rehböcke in Feindesland* von demWilden Jäger* (W. L. Fournier) und noch vieles andere mehr.

Rätsel.

Häng' einen! Gewürz ein Fürwort an Entsteht daraus ein ReiterSmann. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: (Abkürzungen: tr Treff, p Pique, c Coeur, car --- Carrea«. trB ---- Treff-Bube, pA Pique-, cD = Coeur-Dame u, s. f.)

Mittelhand besaß: trA, tr8 tr?, cZ, c9, c8, c7, carK, car9, car8, Hinterhand den Rest. J»n Skat lagen pZ und carZ. Das Spiel verlief folgendermaßen:

1. V. pB M. tr? £>. trB = 4 Augen,

2. H. pA V. trZ M. trA »

5. M. tr8 H. p7 V. trK

4. V. cD M. cZ H. carA 24 »

Sa.: ----- Ö0 Augen.

Schriitleitung: Fr. Zenz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.