Ausgabe 
4.9.1916
 
Einzelbild herunterladen

438

t

Laie könnte sie gar nicht auseinander Hallen. Der Komman­dant mit den notwendigen Offizieren befindet sich im Kom- mandoturm, um hier vor Sprengsplittern geschützt zn sein.

Das gemeldete Schiff ist mit dem bloßen Auge noch nicht ,u sehen. In rasender Fahrt geht es weiter. Bald müssen ich beide Schisse treffen. Alles ist gespannt.

Jetzt wird das Erkennungssignal in Form eines mehr­fachen Lichtes gegeben. Viele Augen, beinahe fiebernd, er­warten das Gegensignal.

Doch nichts konnntz zurück; also doch der Feind.

Passiergefecht an Backbord," ruft der Kommandant. In der nächsten Sekunde ist der Befehl an allen Geschützen. Die Backbord-Geschütze werden eisern besetzt. Schon be­ginnen die einzelnen Artilleriebefehle, die von den Sprach­rohrposten wahrgenommen und an die Geschütze gerufen werden.

Richtung 335 Grad Schieber links 14 zwoundachzig- hnndertmeter."

Beide Scheinwerfer leuchten Richtung 335 Grad," hört man zu gleicher Zeit auf der Brücke.

Im Ml fliegen zwei mächtige weiße Lichtstrahlenbündel in der befohlenen Richtung hinaus in die Nacht und lassen das feindliche Schifs deutlich erkennen. Die Geschützführer nehmen sofort Haltepunkt und im nächster Moment rufen schoil die Sprachrohrposten:

Salve-senern."

Das Schiff erhält einen Ruck llach Steuerbord. Ein unbeschreibliches Getöse rollt dem Feinde entgegen.

Salve-feuern" tönt es wieder dell Geschützführern ent gegen. Alle wenigen Sekunden fliegen die schweren Gra naten mit pfeifendem Gebrüll durch die lebendig gewor dene Nacht.

Feindliche Scheinwerfer leuchten auf und versuchen das eigene Licht abzuschwächen. Mehrere Feuergarben blitzen drüben auf urld das sirenenartige Pfeifen feindlicher Gra- naten ist die Antwort auf unsere Salven.

Vtehr links sünfundsiebzighundert Meter Salve- feuern," brüllen die Sprachrohrstosteu durch ein Chaos von Schüssen und scharfiiechenden Pülverdampf den Geschütz­führern zu. Mit gutgeübter Sicherheit fliegen die Grailaten rn die warm gewordenen Rohre, um mit den anderen ihren verderblichen Lauf zu nehmen.

Die feindlichen Salven waren zu kurz. Der Komman­dant läßt das Schiff etwas nach Backbord drehen, um dem Feinde möglichst wenig Breitseite zu geben.

Dieser versucht dasselbe Und ein Pasjiergefecht an Back­bord beginnt von neuem. Mit unverminderter Heftigkeit

S b Granate auf Granate durch die dampfende Luft ge­ordert.

Drüben blitzt auf dem Vorderschiff eine gewaltige FeUer- garbe auf. Eine dumpfe, weithinschallende Detonation folgt. Anscheinend eine der Munitronskammeru getroffen, werdu^ i^vdlichen Salven fangen jetzt an, gefährlich zu

^Volltreffer im Achterschiff," hört man im Turm rufen, fahrend die Lecksuch- und Sicherungsgruppe dort ein- zudrrngeu versucht, läuft über die Vorgänge in der ge­troffenen Abteilung Meldung auf Meldung im Kommando­turm und in der Zentrale ein.

Abteilung zwei läuft voll Wasser"

Rauchgefahr in Abteilung drei."

In diesen Räumen wird wahnsinnig gearbeitet. Geistes- gegenwart paart sich mit kalter Entschlossenheit, um das Schiff bis zum letzten Augenblick gefechtstüchtig zu halten. Leck in Abteilung zwo gesichert."

Von der Zentrale geht der Befehl nach der Maschine: Abteilung zwo lenzen! Die Lenzpumpen ächzen um die ^^^JEstellte Abteilung zu entleeren. Dazwischen das Getöse der Salven, die immer wieder von neuem das ganze Schiff erschüttern lassen. y 6

Backbvrd drittes Geschütz ausgefallen."

SJtn Jl bk Bedienung vom Steuerbord dritten Ge- zu^arüren ^ Unb ^^cht, das ausgefallene Geschütz'

Achtere Sprachrohrleitung ausgefallen."

Rauchgefahr in Abteilung drei beseitigt"

. Trotz aller dieser Meldungen, auf die sofort reagiert wird, fliegt Salve aus Salve dem feindlichen Kreuzer^ent- Segen, dessen P».g schon reichlich Vitim ÄfÄ

die ©tarnten immer besser Kaltblütig wird jede neue Salve erwartet. '

Der Kommandant versucht das Schiff näher heranzu­bringen, um einen Torpedoschuß möglich zu machen.

260 Grad Schieber rechts acht sünfundsechzighundert Meter Haltepunkt Kimm ans das feindliche Achterschiff!"

Die Geschütze werden auf das neue Ziel gerichtet und nach wenigen Sekunden fliegen schon die Gvcmaten salven­weise ihrem Bestimmungsort entgegen. Dort kann man deutlich Treffer beobachten. Feuergarben blitzen auf. Dichte Rauchwolken hüllen das feindliche Achterschiff ein. Die Ma- növerierunfähigkeit scheint erreicht zu sein. Nun heißt es, auf kurze Entfernung Herangehen, um einen Torpedo los zu werden.

Vorderer Mast gebrochen."

Im selben Augenblick legt sich dieser nach Steuerbord auf die Seite, Signalleinen und Fuuken-Telegvapchcu Ge­stänge mit sich fortreißend.

Funkentelegraphen-Station ausgefallen."

Nach dem Torpedoraum geht der Befehl: Klar zum Torpedoschuß!

Immer mehr nähert sich das Schiff dem Feinde.

Unten im Schiffsrumpf wahnsinnig arbeitende Men­schen, die den nötigen Danlpf zu halten haben. Sie sehen nichts als Kessel und Feuer, hören nur die ununter­brochene Arbeit der Geschütze wie aüs weiter Ferne und denken nicht daran, daß eine feindliche Granate ihnen schon im nächsten Augenblick einen entsetzlichen Tod bringen kann.

Funkentelegrapheu-SLatiott wieder klar."

Eine Notantenne, in wenigen Minuten gehißt, ist der Ersatz für die vom vorderen Mast heruntergeholte.

Torpedolaufbahn an Backbord/'

Beide Maschinen stopp!"

Beide Maschinen äußerste Kraft zurück!"

Ruder hart Steuerbord!"

Es galt, im letzten Augenblick einem Terpedo aUs'z'U-» Weichen, den der Feind in einem günstigen Mornant abgc- schossen hat.

Das Schiff hat int Nu gestoppt Und geht jetzt zurück. Hart vor dem Bug saust der Torpedo vorüber. Der Kom­mandant. atmet auf; das war ein schwerer Augenblick. Mit äußerster Kraft geht es nun wieder dem Feinde entgegen.

Torpedos sind klar."

Achterer Scheinwerfer ausgefallen."

Dieser ist von einer Granate über Bord gerrffeu worden. Mit ihm die ganze Bedienungsmannschaft. Ein Mann vom Steuerbord achteren Geschütz wirft Bojen und Schwimm­westen hinterher. Das alles in der Zeit weniger Augenblicke

Jetzt eine heftige Explosion im Mittelschiff.

Heizraum zwo ausgefallen."

Eine feindliche Granate hat ihren Weg durch die Außew- bordswand in einen der Kessel gefunden. Die Hauptdampf- rohrleituug ist zerrissen. Das Seewassee stürzt sich durch das^ große Leck in den mit Dampf augesüllteu Raum und wiro dort zum Kochen gebracht. Die Hauptventite sind von Oberdeck aus geschlossen, daiuit die übrigen Kessel Nar bleiben und der Hauptmaschine noch den nötigen Dampf zuführen können. Die Niedergänge sind bereits wasserdicht abgeschlossen. Die Menschen, die sich unten be­fanden, sind verbrüht, erstickt und ertrunken. Seemcmns- tod!

Weiter gehts.

c Derselben Geschwindigkeit wie zu Beginn des Ge­ldes fliegen die Granaten aus den heißen Rohren, ^..verschiedene Munitionsmänner sind, durch Sprena- stucke verletzt, ausgefallen unb in der nächsten Minute M die Reserven ersetzt. Darauf die Meldung: Achtere E-Mascyiue ausgefallen 1

//Vordere elektrische Maschine Unstellen!" Nach wenigen Sekunden ist auch dieser Schaden wieder geheilt unb mit gancj bloßerer Heftigkeit nimmt das Gefecht seinen Fort-

Dazwischen werden Verwundete von den Krankenträ- ^B^vdsplatz, der Osfiziersmesse, geschasst, dort verbunden und dann in die einzelnen Offizierskam-' mern untergebracht. 3

Vordere Artillerieleitung ausgefallen."

Leitung von achtern Salve-feueru!"

jP ouf Torpedoschußweite herangekommen. Noch eimge Ruderkommandos, daun eine Handbetvdguna des Torpedooffiziers und düs verderbenbringende Geschoß saust mit Schnellzugsgeschwindigkeit durch die peitschende