Ausgabe 
2.9.1916
 
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Horden vion Tscherkessen und Kosaken, gehen m den Distrikten an der Olonetz-Mrtimkni-Eisenbahn und im Gouvernement Wjatka Tausende von deutschen und österreichischen Kriegs- und Zivil- gefangenen unter so grauenhaften Umständen dem sicheren Tode entgegen, daß der nrenschliche Geist sich ftrcmbt, voll diesem Elend sich eine Vorstellung yii Machen. In der Tat, wem: es eine Hölle vus Erden gibt: dort ist die Hölle? Ein kurzer Auszug aus den Umfangreichen Berichten wird dies bestätigen:

An der Olonetz-Murmänbahn arbeiten Tausende ariner Men­schen, die als Helden für ihr Vaterljand gekämpft haben, halb nackt, bet Tag und bei Nacht, im Winter bei einer Kälte voni Vst mehr als vierzig.Grad Reanmur unbarniherzig zur Arbeit getrieben, bis sie unter qualvollen Schnckrzen zusammenbrechen, UM ihr Leben unter den Streichen der entmenschten Peiniger auszuhauchen.

Durch Urwald und tiefen Smiiipf wird die Bahn gebaut. Die Gefangenen, die dorthin geschleppt wurden, sind in Hütten odev Baracken, untergebracht, die so niedrig sind, daß ein Anfrichtenj auf der Holzpritsche, auf der sie ohne Stroh oder Decke liegen Essen, nicht möglich ist. Fenster sind nicht vorhanden, eine Lüf- tim<T der Räume wird lediglich durch! das schadhafte Dach ermög-? licht, durch das der Regen eindringt. Alles wird durchnäßt uich die frierenden Leute sindZ>en schwersten Erkrankungen preisgegeben. Kleidung, Wäsche und Lchnhe erhalten die Gefangenen nicht, so daß alle in Lumpen inrd Fetzen gehilllt sind, durch die man den bloßen Körper sieht, oft barsüß, im Winter bei strengster Kälte, Müssen sie in Sümpfen arbeiten, die Frühjahr und Sommer tod- briugende Dünste ansströmen. Die schlechte und gänzlich unge­nügende Ernährimg hat schwere Krairkheiten zu.r Folge. Bon den ersten fünfzehntansend Mann, die dorthin ge'ckmfft wurden, starben Tausende im Laufe, des Sommers. Die noch lebenden sind infolge ihrer Krankheiten kaum noch wandelnde Leich«en zu nennen. Die neu hin Ankommenden Gefangenen werden durch die Kranken air­gesteckt; kaum eine einzige Baracke , ist vvrhanden, in der nicht Lungenkranke langsam dahinfiechen oder in der durch schrecklich blutende und eiternde Skorbutlvnnden errtstellte Menschen das Entsetzen und Mitleid heransfordern. Ein eigentliches Kranken-, haris ist auf dem ganzen ausgedehnten Gebiet nickt vorhanden« Alle hundert Kilometer wohnt ein Aut; dieser soll Tausende von Menschen behandeln! So liegen die an schwerem Rheumatismus! und Lungenschnundsncht leidenden und Mit Wunden bedeckten Menschen monatelang auf nackten Brettern, ohne Hilfe! Mensck)en, dererr Lippen und Gaumen geplatzt sind und bluten bei manchen tomicn sogar die gesunden Zähne mit den Fingern leicht he rau s- aenomnwn werden erhalten keine andere Kost als hartes! Schwarzbrot nnd Kohlsuppe, bis sie der Tod ans ihrer schreck­lichen Lage erlöst.

~ie ^ kerbt uh keit unter diesen elendesten aller Menschen ist un- 6 -bheuer groß. Die Toten werden, oft erst nach Tagen, im Winter nach Monden, natt mie Holz auf einen Wagen geladen und in den Wald gefahreil, nio sie namenlos verscharrt werden.

Die Arbeitszeit dauert, auch an Sonn- imd Feiertagen, voN morgens vUwemhalb bis acht Uhr abends, ohne Ruhepause. Wehe dem Armen, der nur einen Augenblick ausruhen will! Unbarm- herzrg sausen die Peitschen der T scher kessen und der entincnschten Anbeitgeber auf den tknglücklichen nieder, bis er ohnmächtig, oft tot liegen blerbt.Man wird buchstäblich zu Tode geprügelt!" sagt ein Zeuge.

- r CT Arbeitgeber Auapolski hat verschiedene derartige Morde ans dein Gewissen. Mit Geschwüren bedeckte und kranke Gefangene werden unter seiner Aufsicht mit Peitschenhieben zier Arbeit getrieben und dazu noch von den Juden Winnik und Friedmann mn ihren Lohn betrogen. Beinahe noch schlimmer als diese treibt es der Arbeitgeber Bondarenko, von dein wir später noch höreir werden. In Janiiirpol ist, der Wärter Kiste berüchtigt. Einer der Landesvorsteher bat den ^.scherkesscn befohlen, die Kriegsgefangenen soviel als möglich zii prügeln; er drohte den Aufseherm mit den Worten:Weuu Ihr die Gefangenen nicht schlagt, werde ick Euch Prügeln!

Zn den mit Peitschenhieben zur Arbeit getriebenen, schwer- kranken Gefangenen sagte der Arbeitsvorsteher Gustin:Ich werbe Euch hier alle gesund machen, bis Ihr krepiert" m .,f nt L c ^/stu iii Menschengestalt ist der Arbeitgeber Musikow Nicht nkir, daß er die armen Menschen zu Krüpmstn prügeln läßt, er fte zu fernem Vorteil rwch ulin ihr kärgliches Essen, ^ii KaniMa werden dre Gesangeneii fast nackt zur Arbeit gc- ^bben, so daß Arme und Mine erfrieren und schwarz imrden.

D Lylte dann starben, sagte der Arbeitgeber Bogdanow

M den^KnegSgefangeiren:Es ist ftkr Euch besser, wenii Ihr bei der Aibeit krepiert als tu den Paracken." Gleich gräßlich sind ^stände Und Belmndllmg der Kriegsgefangenen ans allen anderen ArbeitssteNen: mcht weniger grauenhaft wird Masselnaia, Mcdweie-Gora, Sorcka m Kein und auf der Strecke nach Schuja

. _ ?'och schlimmere Zustande hcrrscheri auf den zu bei, Jschew cüeb^reiiden Förstereien, die der Leitung des General; ^ unterstell. Ms diesen l^ibei

Waslauntsch und Michael Feodorowitsck Babnschkm mit ihren Gehilfen lurd Kreatiiren, Leutnant Alepandei 'E UNd ?klexander Platonoüchtsch Grnschkow, so toll g^ tnel*en, daß sich sogar russische Sold,iten geivefgert hoben, ioeiter

hin dort Dieiist zu tun, weil sie die Scheußlichkeiten nicht mehr mit ansehen konnten.

5 ^ Gefangenen haben. auch hier aus dem ganzen Körper ichreckliche Wunden, die voll Ungeziefer wimMeln. Wasser gibt es nicht, waschen^ müssen sich die Leute mit schmutzigem Schnee. Dysenterie und Hungertyphus wüten hier in schrecklicher Weise. Ohne ärztliche Behandlung aus Pritschen ohne Decken, ohne Wäscl>e liegeii hier zunr Teil mit eiternden und ausgeflossenen Augen, ab- gefrorenen uiid abgefalleiren Gliedern, mit gebrochenen Rippert, dazwischen Geistesgestörte, im ganzen zweihnndertvierzig Kriegs­gefangene in einem Rauni, der nur für fünfzig oder sechzig Mann Platz bietet.

Me grundlos verhängten . Strafen sind so barbarisch, daß ielbst die, russischen Landsturmleute es eher vorziehen, an die Front geschickt zu lverden, als die Henkersknechte dieser Scheu­sale zu spielen. Namen und Wohnort dieser Soldaten sind be- rannt.

So ließ Babuschkin einmal 250 Gefangene mit Peitschen in, einen Raum hineinprügeln, der kaum hundert Menschen faßte Türen und Fenster wurden mit Brettern vernagelt. In dieser Lage inußten dre Aermsten bei schrecklicher Hitze 26 Stunden ohne Nahrung oder Wasser aushalten. Der größte Teil der schon vorher kranken Menschen wir beiin Oefsnen der Baracke bewußtlos Die anderen urend win unmenschlichster Weise verprügelt. Eine andere Strafe ist das Einsperren in einer tiefen nassen Erdgrube, in der ohne jedes Lickst mehrere Tage mit einem Strick Brot urrd Wasser aushalten müssen. Gorschkow selbst hat Leute rnit Eiien- stangen rrrs Gesicht geschlagen. Eine ganze Reihe von Namen und Adressen vorr Zeugen ist bekannt, die bestätigen könnerr, irr ivelch fcheußlrll)er mrd gemeiner Weise die Kriegsgefangerrerr dort behandelt werden., Drese Leute bestätigen sogar, daß die Gefangenen sich ge- notrgt wherr, das Fleisch krepierter.Hunde zu essen, wenir sie rrrcht errrfach verhungern wollten'. Hier Abhilfe zu schassen, ist General Dubnrtzkr weder fähig,, noch hat er hierzu beit guten Willen. Int Gegenteck, Leirte, die sich über diese unmenschliche Behandlung zu bejchtoeren ivagen, werden einfach ermordet odrr verschwinden spurlos.

Sammelort ftrr alle jene Unglücklichen, die ivegen voll- standrger Arbettsnnfähigkeit an den Arbeitsstellen an der Murman- rttcftraui?ortiert sind, bildet Kotelnitsch im Gouvernement A^kotra Hunderte von schwerkranken Menschen liegen dort in einem furchterna>en, zustande in den drei sogenannten Hospitälern. Zu Krüppeln geschlagene Menschen mit abgesrorenen Händen, Füßen, Sr 1 und Nasen tvartcn ohne jede ärztliche Hilfe auf den Tod. An Stelle der Hände lmbcn manche,nur noch schwarze Knockienstüiiipfe. ^u solchem Zustand wurden diese Ärmsten von den Arbeitsstellen geschickt.

In diese Hospitäler, in denen die Gefangenen noch hilfs- und rechtloser smd als auf >den Arbeitsstellen, irerden auf unendlich langem Bahntransport nur die allerunqlücklichsten gebracht. In ungeheizte Viehwagen werden Sckstoerkranke ohste Stroh nnd Teckerl hmeingestopft, so daß es vorgekommen ist, daß der grösste Teil dieser im Sterben liegenden Menschen das Ziel überhaupt nie er- reicht hat. Die Leichen wurden drirch die Wachnranlischasteii einfach ^lm Wagen hmausgoworfen. Aiidere Gefangene werden ans dem Transport wie Holz^sner über einen Wagen gelegt und herangefah- ren. Wenn gar die schlitten oder Wagen bei den äußerst schlechten Wegeverhältiiisscn nmkippcn, danil loilb die stWiende und ichreieiide ^ist von den eil t ii len schien Wächterir ohne jede Rücksicht in roher Weise wieder aufgepackt. Nach den Aussageil des Arztes hat kaum einer dieser unglücklick-en Menschen die Aussicht, mit dein Leben davonzukommen.- denn Flecktvphus, Dysenterie nnd aridere Jnfek- twnskrankheiteli iiehmen so schnell überhand, daß nach dem eigenen elnsspruch dieses Arztes neunzig Prozent der Belegstärke eines sol­chen Lazarettes in klirzester Zeit snrbt.

Solanae einer dieser sch,verkranken Menschen überhaupt noch bewegnngsfahig ist, wird er selbst hier noch mit Kolbeiischlägeii und Peitschenhieben unbarmherzig zur Arbeit getrieben. Auch in andc- teii Ortet des Gouvernements Wjatka herrscheil empörende Zu- !^nde. Im Orlowscken Kieise ist sogar der frühere Geistliche und teßige Polizeibeamte Miljiltin für die grausame Behandlung, die er den Kriegsgefangenen angedeihen läßt, alssehr tüchtiger Be amter ausgezeichnet worden. Ein ganz fürchterliches Regiiuent herrscht auch bei den Arbeitgebern Bondarcliko und Mnsinkoso. die nsb't ihren Gehilfen Kostrakoiv nnd Sv ko low als wahre Bestien in Menschengestalt Hansen und die rohen uub unbarmherzigen Tsther- kes'en zu iinstler größeren Grausamkeiten antreiben.

Nur den unerhörten Quälereien dieser Kreaturen ist es zu- zst schreib en, das; doi't täglich bis zu 30 Mäirn unter Knuten hieben sterbem In der <^>tadt Iaransk ioutet der Hauptinauu Brrdu- itM'tvski. Die ihm unterstellten kriegsgefaugeiren Offiziere sind rn ernem engen, jeder Beschreibung spottenden Raum eiugesperrt, den fte nur morgens m der Zeit von 910 Uhr verlassen'dürfen. Dte Fenster müssen bei Mrdrohnng strengster Strafen im Uebe> trelnngsfalle stets geschlossen, bleiben. Auch dort peinigt die Wach- Mannschaft me Leute durch sortivälnendeS Schlagen und Peitschen bis aufs Blut. In Urgum siiid infolge der fürchterlichen hbgieui- scheu Zustande und rnaiIgels ärztlickier Fürsorge im Lause zlostet Monate 3000 Gefangene an Tvpbns gestorben

t .^ür Verbannte l>cffunnitcu Snurvsgegend pcu

Siobotzk sind etiva uiertnufeub Kiiegsgefaugene unter ben nugland-