Ausgabe 
2.9.1916
 
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der Zwischenwand zu, iim in dem Nebenkell-er nnterzu- tauchen; hatte dabei instinktiv den Revolver uns d-er Tasche gerissen.

Ein Schritt noch trennte ihn Von der rettenden Zwischen­wand als in der Dnrch'bruchsöffnunq ein Mann au st tauchte jener Mann, den er <rm wenigsten hier vermutet 'jener Mann, deni seit Wochen seine Dotfeindschaft galt . . der Doktor Paul Darragon.

Stand da bas Haar wirr und strähnig über den Kopf zurückgestrichen; klein, untersetzt, finster, entschlossen.

Und ehe der Eberhard Brünnow sich noch ans seiner Erstarrung zu lösen, ehe er noch dem Fliehenden nachizusetzen vermochte . . . dröhnte das Kellergewölbe wider vom Hall zweier Schüsse.

Dann nur noch dumpfes Röcheln, das Hin und Her- werfen eines sich bäumenden Körpers.

Wielange der Eberhard Brünnow reglos gestanden er hat sich später nie darüber Rechenschaft zu geben vermocht.

Es dauerte lange, bis er sich niederbeugte, die Zündl- schnüre aus dein Licht herausriß, dies emporhob, mit ihm zu der Dnrchbruchsstelle der Zwischenrvanb trat.

Der Doktor Darragon mußte sofort tot gewesen sein. Die Kugel des ehemaligen Freundes und Kumpanen hatte ihn mitten in die Stirn getroffen Alphonse de Marsiltar- aues lag in den letzten Zügen; unter dem Herzen quoll durch die Kleidung feines hellrotes Blutgerinnsel. Sekunden nur konnte es noch dauern dann war auch das vorüber.

Ob der kleine Doktor von dem Treiben Alphonse de Marsillargues etwas gewußt, ob nur der Zufall ihn den SteinbruchBon espoir" und den geheimen Gang hat ent­decken lassen, ob ein blindes Walten des Zufalls ihn gerade in dieser verhängnisvollen Stunde hierherführte es ist unaufgeklärt geblieben; er hat sein Geheimnis mit ins Grab genommen.

Ani nächsten Vormittag stand der Rittmeister Brünnow vor der jungen Marquise von St. Chamant.

Sie hatte ihn herübergebeten, um aus seinem eigenen Munde zu hören, was ihlr als wildes Gerücht von dem alten Frederic, von Marguerite Varrel zugetragen.

Sie war leichenblaß, aber völlig gefaßt.

Sie duldete, daß er ihr die Hand küßte, sie bot ihm ' inen Sessel an, ließ sich Bericht erstatten. Nicht die kleinste Einzelheit durfte der Rittmeister ihr vorenthalten.

Mcht mit einer Silbe unterbrach sie ihü. Nur als er mit seinem Rapport zuende, legte sie die Stirn in die Hand, so.ß minutenlang in dnnipfes Sinnen versunken.

Langsam, fast zögernd hob sie wieder den Kopf

Das ist alles, Herr Rittmeister? "

Alles, gnädigste Marquise."

Was müssen Sie von mir halten!"

Ich verstehe nicht."

OY Sie b,,g wie gequält den Kopf ein wenig zur Seiten Ihre Stimme schwankte etwas.

Daß solch ein Mensch mein Vetter war! Daß er in meinem Han,e ans und eingehen durfte! Daß er an meinem ^l,che saß. zu memen Räumen Zutritt hatte!"

, r , Da rann t seltsamer Ausdruck über die männlich festen Zuge dev Bayern fast ein verstecktes Lächeln.

Rehmen Sie immerhin an, gnädigste Marquise er handelte unter der suggestiven Geivalt eines Vater- landsgesuhler.'. Und wenn dieser Patriotismus etwas* 1 e, Formen annahm, dann liegt die Er- ' ul der überhitzten leidenschaftlichen

Utinosphare dieses ganzen Landes begründet. Sie, anädiaste Marquise, in ^hrem unbestechlichen Rechtsgefühl neunen seine Dat vielleicht ein Verbrechen - ich aber und wte E drüben tm Kavalierhause denken ruhiger darüber Auch Alphonse de Marsillargues war ein Patriot - zumindest ein ^MwiNist. Diese Illusion ivenigstens inöcht ich Ihnen 7r" halteii. Außerdem, gnädigste Marquise wissen ja de

S°Ii en l! Mögen seine Absichten nun loyal oder mcht genannt werden - er besaß Mut genug, sie in die ifX ^lvznsetzen. Er besaß Geschmack genug, als Mann zu

Arides meine, gerade in der heutigen Zeit steh» Mete

^ Dodes am höchsten int Kurse'" ^

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Und er darauf ohne Besinnen:

Weil ich Sie davor bewahren will, gnädigste Marquise, daß Sie von St. Chamant häßliche Erinnerungen mit­nehmen. Weil ich möchte, daß Sie sich reinen Herzens Ihrer Rückkehr in die deutsche Heimat freuen."

Und !als sie nur eine unruhige Bewegung machte/ fuhr er eindringlicher fort:

Jetzt, da Mademoiselle Varrel genesen ist, steht dem baldigen Verlassen St. Chamants ja nichts mehr int Wege. Auch ich! werde mir noch wenige Tage hier bleiben; ich! habe meine Versetzung an die Ostfront unter Beförderung zum Major erhalten und darf hoffentlich den Sturm auf Warschau mitmachen.

Ich werde Frankreich dankbar Eriunerungen bewahren. Es ist ein Land von bizarrer Eigenarten und mancher Reize

nur muß man diese Eigenarten nicht imtner unter der starren deutschen Perspektive betrachten."

Sie hatte sich müd erhoben. Sie mochte seiner letzten Worte nicht mehr geachtet haben; sie stieß rasch und un­bedacht hervor:

Schon nächster Tage verlassen Sie St. Chamant, .Herr

Major?"

Auch der bayerische Reiter war aufgesianden. Er stand vor ihr in respektvoller Distanz. Seine Linke umklammerte den Säbelgrisf. Seine Stimme war beherrscht und ruhig.

Vielleicht übernächste Woche, gnädigste Marauise vielleicht auch schon eher."

Sie wußte nichts von der schmerzhaften Spaniinng!, die über ihren Zügen lag. Sie wußte nicht, daß es bang und verstört klang, als sie flüsterte;

Wir werden dann bald Abschied voneinander nehmen müssen, Herr Major."

Und es soll ein Abschied werden ohne' die Hoffnung aus ein Wiedersehen?"

Er sah zu Boden. Lange Zeit. Endlich Hiob ei> wieder' den Kopf. Seine Augen suchten klar und fest die ihrigen.

Gnädigste Marquise der Winter steht vor der Tür und ich gehe nach dem Osten. Ich werde in den russischen Schnecfeldern oft an das sonnige Franteeich inich erinnern. Geben Sic mir die Erlaubnis, bann auch an Sie zu denken "

Sre vermochte nicht seinen Augen standzuhalten. Sie wandte sich ab halb dem Fenster zw Der Major Brünnow jah die edelgeschnittene, vornehUre Brofillinie ihres Ge­sichts; sah spielende Lichter, die durch «ihv lockiges Haar irrten, sich im Nacken verloren; sah, ivie ihire Schultern in mühsam beherrschter Erregung zuckten. Das riß ihn zusammen. Er gab sich nicht Rechenschaft über das, lvas er tat. Es war da ein Zwang, eine Gewalt, ein Bann.

Er folgte ihr; er stand dicht an ihrer Seite; er bog sich vor und murmelte zwischen den Zähnen:

Jutta Sie antworten mir nicht; Sie schweigen. OT aber will noch mehr als nur Ihre Erlaubnis ' ich will ein Recht darauf haben, an Sie zu denken. Wollen Sie mir dieses Recht geben? Wollen Sie einen Mann sehr glücklich machen? Wollen Sie ihm den Weg zeigen, auf dem er zu des Lebens tiefstem Weisheitsschluß gelangt?"

Da wandte sie sich zurück. Wie in wachen taumelseligen Halb träumen irrte ein Lächeln um ihren Mund. Und hob beide Hände gegen ihn: wehrend, gewährend.

Da riß er sie an sich.

Sie hatte den Kops an seiner Brust vergraben Sie atmete ganz leise.

Und in der großen Stille, die um sie beide war, hörte er den Schlag ihres Herzens - dieses Herzens, das fortan nur für ihn leben würde.

Dantes Hölle in Rußland.,

Unter dieser Ueberschnft schreibt dieMrdd. Allg Ztg"l

o ®l U Jchrccken, alle schauderhaften Schilderungen über di« Lage der Krugs gesäusenen nt Rußland werben ü&ertroffm durch einwandfreie Berichte, die von wenigen, glücklich den Orten des Grauens entflohenen Gefangenen erstattet m\b erst unlängst zur Kemitnis der deutschen Regierung gelangt sind

In den ungeheuren Gebieten Rußlands gibt es iveitc 'Eirend des Krieges' 2er

, ? r l ^M^^rische Rücksichten" bildet den Riegel

um diese Welt abz-uMietzen von jsber Kontrolle durch Neutral'/ von reder LiebestätiMt, von reder Wssicht *'

^ schändlichei: Blutsaugern von Unternehmew mcht bewacht, sondern vne Dtlaven gekniet von unkultiviertes