Schicksale.

Olomon von Heinrich Kornfeld.

(Nachdruck verboten.) tAmerlkanrsches Lop>nxkt by (Earl Duncker 1914 >

(Schluß.)

Und so verging der Tag: und so sank die Nacht - nnd dann kam dre Stunde, da der Monsieur de Mar- Margnes dem Monsieur Bonrdin erklärte, nach der scharfen Sitzung hinterm Wein muffe er sich iroch eine Stunde in der wundervollen Abendbuft ergehen. Wollte dabei noch ein­mal die Angelegenheit wegen Ankauf des Stei.chruches c'r, 0, k - Pf' OXV " ^ durchdenken, einen endgültigen Ent- mitteilen m ° rnen ^ bcm Wirt seine Entscheidung

. Monsieur Bonrdin dienerte hinter ihm k-er Alphonse de Marsillargues reicht eihm - lvas noch nie geschehen dre Hand zuni Abschied; schleuderte durch die Hauptstraße von Vatry: verlor sich nach links, wo der Feldlveq gegen St. Ehmnant zu lief. o u n

Als er aus Sichtweite der Stadt, als er sicher war, das; niemand ihn beobachten konnte, fiel die Maske ab In fernen Zügen eingegraden zitterte jetzt die Gier nach der nahenden Katastrophe, die er selbst heraufbeschwören wollte. Säiarfer griff er- ans, hastete zuletzt den Weg entlang.

Tief ilnd schwer schattete der Albend über dein Lande. Eni scharfer Wind hatte sich aufgemacht, ruschelte in den sich entblätternden Baumkronen, schlich wie ein schnüren- der Fuchs durch das Wiesengras am Wegrain. Irgendwo schrie ein Käuzchen seine Liebessehnsncht in die' Nacht hinaus gräßlich der Schrei: wie wenn ein Kind unter würgenden-Mörderhänden verendet... Mphvnse de Mar- sillargues lächelte dazu. Ihm dünkte es die passende Musik zu diesem Abend. Da vor ihm... der Steinbruch Wie ein gähnendes schwarzes Ungeheuer dunkelte er ihm ent gegen. Mphonse de Marsiltargues zierte keine Sekuude.- sein Weg verlor sich zwiscl>en den zersprengten. Felsblöcken' Er kannte hier jede Schrittbreite, bedurfte keines Lichts unk sich zurechtzufinden.

Der geheime Gang nahm ihn auf. Schritt um Schritt tastete er sich vvrlvärts durch die rabenschlvarz^Finfternis Fast eine Stunde verging so, bis er den Seitenkeller betrat

Der lvar leer.

Standen doch die achtzig geöffneten Dynumitkisten bereits an den Wänden des Hanptkellers nebeneinander aufgereiht. Jetzt galt es nur nock), das Werk zn vollenden, sie einzeln durch Rapidschnüre miteinarrder in Verbindung zu bringen eine Arbeit weniger Minuten, die er bei der hellbvennendeii Kerze ausführte.

Nun lvaren alle Vorbereitungen getroffen Er steckte die Kerze in einen .Holzblock, bohrte etwa in der Mitte derselben ein Loch quer hindurch, das direkt am Docht vorbeiging. Durch dies Loch zog er das Ende des ^üntz.

schnurbnndels, stellte die Kerze mit ihrem Holzklotz auf den Kellerboden. ° v '

9hm gab es nichts mehr für ihn zN tun, als sich selbst ui Sicherheit zn briugeli. Hinreichende Zeit stand ihm zur Verfügung. Etlva zwei Stunden würde es dauern, bis die D-rze solveit heruntergebrannt war, daß sie das Zünd- fchilUEbündel erreichte. Dann allerdings bedurfte es nur noch des Bruchteils eül-er Sekunde . . ein Fünckchen sprang an den Zündschnüren auf, huschte sie entlang und wenn flch der ohrenbetäubende Donner der Explosion verzogen, ^nn Qualm und Rauch verweht war . .. . danrl mußte das Kavalierhaus von St. Chiamant mit allem, was in ihln lebte und atmete, vonl Erdboden lvegrasiert sein.

@r stand die Arme übereinan.vergeschlagen mld starrte ans die Kerze hinab: hell und ruhig brannte sie, tauchte das riesige düstere Viereck des Kellers in weiches ver­söhnendes Licht.

Seltsam prickelnd das Bewußtsein der grauenhaften Gefahr, die ihn umlauerte. Er brauchte jetzt nur eine un- vorslchtlge Bewegung zu machen, mit dem Fuß gegen den yolzblock zu stoßen dann dann .... aber er'lächelte nur Er dachte: wenn es solveit ist, dann sitz ich schon »vreder mit Molisieur Bonrdin hinter einer Flasche Bur­gunder: und mitten in unser belsagltches Gespräch hinein kommt dann lvohl irgendlvoher ans der Nacht dumpf­dröhnender Donner, den niemand zu erklären vermag. So wird es fein Und der behäbige Bourvin lvird mir mit seiner weinseligsten Stimme klarznmachen silchen, daß die Deut­schen wieder einmal einen nächtlichen Massenvorstoß am Rlfein-Marne-Eanal ilnterlieh'men. Und ich werde diese Theorie bestätigen nnd werde lächeln und an das Kavatier­haus von St. Ehamant denken.

So arbeitete sein Gehirn und das Lächln stund schon jetzt tn seinen Zügeil eingegräbeir. Und mit diesem Lächeln wandte er sich ab, langsam den Keller zu verlassen.

Und tat ein, zwei Sritt... da riß es ihn -herum Eiue Stimme lvar hinter ihn: aufgesprungen kalt, knapp, Herr sich:

Halt!"

Hinter dem Gerümpel von verblichenen Dekvralions- sbossen und alten Möbeln hatte sich eine Gestalt erhoben, lvar in kühnem Satz über eine Dvnamitkiste gesprungen Auf Armeslänge standen sie sich gegenüber der Rittmeister Eberhard Brünnolv nnd Alphonse de Mar- ällargues.

Angen, die sich stahlhurt, gierig ineinander verankerten Nerven, die tut Gewirr der Schlüfenadern, in den Fäusten zitterten sagender Atem, der durcheiuauder flackerte . .. zwischen ihnen brannte das Licht lyell nnd ruhig

Eine Sekunde lvar das so, daß Alphonse de Marsillargnes dem bayerischen Reiter wie in lvillenloser Lähmung gegenüberstand . . dann eine blitzschnelle Mck-

wärtslvendung des Körpers, ein katzenartiges Zusammen- ducken in langen Sätzen stürmte er der Dnrchbrnchsftelte