Ausgabe 
30.8.1916
 
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t lochen" m den bekannten Hausknecht aus demSchwarzen Wal­ch" verwandeln und mich bei Mutter Grün einquartieren würde, innerck lag ich alfo am Snakeriver und starrte bald auf einen mächtigen Baum, der seine Aeste einige hundert Fuß: gen Himmel reckte, bald auf meine Manschetten, denen ich in Ermangelung von Schreibpapier mein Schwaneillied cmvert raute. Meine Gedanken flogen heimwärts. Aber die Kürperschwere leistete einem wirkliche,: Flug heftigen und erfolgreick-en Widerstand. Ich wußte nicht, wie ich es anfarrgen sollte, voM Snaketown ivejgl in den Oster: zu kom­men, wo ich einen Verleger zu ftrcken hoffte, der meine Fälligkeiten besser zu würdigen verstand, als Mister Blackpen vomSnaketown Herald". Da half nun alles Reimen nichts. Es mußte gehan­delt werden. Schön. Mer womit handeln?

Und plötzlich kam mir die Erleuchtung. Eine Idee! E:ne Idee: Heureka! ' ' , ^

In dieser Nacht konnte ich, ebenfalls wie in den vorhergehenden, nicht schlafen, diesmal aber vor innerer Aufregilng nicht.

Fmhnwrgens suchte ich den Herausgeber derSnaketown Ge­rald" wieder auf. Mister Blackpen empfing mich mit einem sehr mißtrauischen Blick und einem raschen Griff nach seinem Revolver, der chm -yeit meinem letzten Besuch als Briefbeschwerer diente. Zum Zeichen meiner ^friedlichen Gesinnung trat ich mitHands u{>' ** Stellung näher. Als ich nach zwei Stunden die Geschäftsräume des Herald wieder verließ, hatte sich Blackpcns Betragen mir gegenüber sehr geändert.Das ist dantned smart, Sir!" sagte er, und streckte mir seine biedere Rechte hin.. Dann bot er mir einen Priem ai: und entließ, mich mtt einem kräftigen Shakehands. Unser Bund- war geschlossen. *

Schon in der Abendausgabe desSnaketown Herald" war zu lesen: 'Das Geheimnis von Snaketown". In letzter Stunde erreickst uns eine sensationelle Mtteilung. Wir können lie iM Augenblick Nickst aus ihre Richtigkeit nachprüfen, haben aber, unfern findigster: Reporter rnit den Nachforschungen beauftragt. Lest die nächste Nummer! Und die guten Snaketowner laser: die nächste Nummer. Eine Wagenladung frischer Semmeln kar:n in Hungerszeiten nicht schneller vergriffen sein als es unsere Morgen­ausgabe rv<rr. Wir mußten sogar eine Zweit an flage von 75 Exem­plaren drucken, worüber sich der Herausgeber des Konkurrenzuuter-- nehmens, Mister H. Umbrig, vomSnaketown Advertiser" die (Gelbsucht m: den Hals ärgerte. Aber auch diese stdummer brachte die Aufklärung :wch nicht. Unter dem gleichen TitelDas Ge­heimnis von Snaketown" in Fettschrift stand zu lesen, daß, es unserin findigste»» Reporter Wohl gelungen sei, der rätsel­haften Angelegenheit auf die Spur zu komuien, daß aber alles noch nickst genügend aufgeklärt sei, um veröffentlicht wecken zu können." Äas ging mit genügen Aendernngen einige Tage so Ivetter. Dann hatten die Mtrger mit der allen Kleinstädten: eigenen Findigkeit heraus gefunden, wer der ftndigste Reporter war. Die Folge davon war, daß derMagere Knochen" vom frühen Morgen an geradezu belagert wurde. Jeder Manu uud noch mehr jede Frau versuchte, sich mir angenehu: zu Machen, um dergestalt vor den andern etwas über dasGeheimms von Snaketown" zu erfahren. Alle Betei­ligten Waren zuftieden: Mister Blackpen, weil er seine ständige Auf- tage um moh»r als 100 Exemplare vergrößert hatte, der Wirt vom Mageren Knochen", weil er -genügend Fett abschöpfen konnte, ich selbst, weil ich die Hälfte des Erlöses der hundert Exemplare oder 50 Cents täglich erhielt und außerdem mehr zu essen und ttinkens hatte, als ich jemals zu beanspruchen gewagt hatte.

stttrr einer war unzufrieden, und das war Mister H. Umbug vomSnaketown Advertiser". Zwar hatte er sich von seinem Gelbsuchtsanfall toieder erholt, der: Aerger aber über unsere er­höhte Auflage konnte er nicht so schnell verwinden und machte ihm tt: täglichen hämischen Angriffen gegen den Herald Lust, die er erst einstellte, nachdem ihn: unser Nigger im Auftrag von Black­pen drei Vorderzähne ansgehoxt hatte. Seitdem hatte derHe­rald" Ruhe.

Eines Tages aber benutzte er einer: Augenblick, in den: ich allein in der Redaktion war, und drang ein.Steckt das Schieß­eisen ein, Old Boy!" rief er mir zu, als er meinen schnellen Griff sah,Ich komme als guter Freund!" Ich bot ihm den einzigen Stuhl an und setzte mich selbst auf die Tischkante.Was wollen Sic von mir, Sir?" eröfsuete ich die Verhandlungen.Well sagen Sie nur offen: Gibt cs ein Geheimnis von Snaketown?" Zweifeln Sie daran?^ lautetereine Gegenfrage, die ich mit einem vielsagenden Lächeln begleitete.No, Sir!" eittgegnolej mein Besucher und spuckte ist die Ecke, in der der Spucknapf nicht stand.Ich halte zrvar Blackpen fttt einen großen Idioten: so smmnt wird er aber nicht sein, daß er Sie für nichts und wieder nichts bezahlt." Ich begnügte mich mit einem itununeu Ztzopf- nicken.Was bezahlt Ihnen bau: Mackpen eigentlich?", nahm U:ndi:g endlich die diretten Verhaichlnügen aus.

Zehn Dollars die .Woche," log ich.

Ich zahle zwölf."No, Sir!"Dreizehn!"No, Sir!"Goddam, fünfzehn!" .No, Sir!"Well, sage:: wir siebzehnein halb!"No, Sir st'By Jove, zwanzig!" Never mind, Sir!"

Dann blieb er vor mir stehe::.Goddcun, ich muß Sie kriegen!" zischte er- durch seine Zahrllück«:,und wenn ich fünfu:ü>zuuurzig zahle!"Sie sagten fünfundzwanzig, Sir?"So sagte ich my Bsvy!"Dankber kann mau reden."Also schlagen Sie

ein!" Er hielt mir seine Rechte hin. Ich kramte in meinen Laschen und brachte meinen Vertrag mtt Blackpen zum Vorschein

Well, Mister Unckug," sagte ich,für fünfundzwanzig könnt Ihr mich haben. Doch müßt Ihr die Konventtonalstrafe von 75 Dollars zahlen, die fällig find, wenn ich den Herald vor Lösung des Rätsels von Snaketown verlasse." Ta brach Mister Umbug im heller: Zorn los:So ein Gauner', so ein Halsabschneider!" schrie er und spuckte zur Abwechslung in das Tintenfaß,so ein gnrner Affe! Nun aber gerade! Ich werde diesem Kerl sthon zeigen, nrit wem er >es zu tun hat! Heute nftttag zahle ich die Strafe, ur:d heute abend schon tteten Sie bei mir ein!" Ein Haichschlag, dann verab­schiedete sich Mister Umbug. Ich blieb schmnnzelrü» zurück. Das ttnir ja besser und schneller gegangen, als ich erwartet hatte. _

Das Spiel begann nun in umgekehrter Folge. Die Auflage des Advertiser" schnellte um einige Dutzend Exemplare in die Höhe, die des Herald sank aus ihren alten Stand. Auch ärgerte sich Mister Blackpen nicht die Gelbsucht an den Häks (er wußte ja, wer das bessere Geschäft genmckst hattest und im gegebene:: Augenblick er­wies sich der Nigger desHerald" als stärker wie der desAdver- ttser". Das Publikum hielt sich neuttal, nur darauf bedacht, leine Sensationslust zu befriedigen.

So 'verging«: wieder zwei Wochen. Tann hiett ich es doch für angemessen, das Spiel zu beeichen, namentlich da Ilmbug selbst anfing, ungeduldig zu werden. Fair den nächsten Tag nahm ich nrtt also dieendgültige Untersuchung" vor, zu der ich einen längeren Ritt ins Gebirge unternehmen zu müssen vorgab. Ter Sheriff, der. w'e:m möglich, noch neugieriger war als seine Frau, stellte mir, als er davon hörte, sofort zwe: Werde und einen Boy zur Verftk- gung. So zog ich denn am frühen Morgen der steigenden Sonne entgegen in der Richtung auf die nächste Bahnstation. Und wäh­rend der Boy am Nachmittag mit de:: Pferden und einem Brief von mir zurückritt, trug mich der Pacifieexpreß mit hundert Kilo­meter GesckMindigkett nach Osten. In n: ein er Brieftasche steckten zwei Woch«:honorare von Umbug und die Hälft:' derKonventionab« strafe", die mir Blackpen verabredungsgemäß ansgchä:ü>igt hatte...

Gebet in höchster Not.

Von Ricarda Huch.

Herrgott, ich bin allein zu schwach,

Hilf mir in diesem Slreite,

Sei du durch dieses Ungemach

Des schivaukeu Schritts Geleite. ^

Die Hände dein sind voller Gut,

Voll eitel Krast uud Lebe.:. i

Mein Herz erstirbt; gib ne:,en Mut,

Der Hölle zu entschwebe»:.

Herrgott, es steigt der trübe Schwall Zum Hals nur mit Ersticke»»,

Laß deiner Stimme Frühlingsschall Mich hören uud erquicke»:.

Mach', daß die Flut mich nicht verschlingt,

Daß unter deinen: Schirme Ich a»»s de»: Weller: starkbeschwingt Wie eine Schivalbe [türme.

Hier lacht kein Frenndesangesicht,

Der Sterblichen Gebete Vergingen »vie ein qualmend Licht,

Wenn »»icht dein Ha»»ch hier wehte.

Herrgott, mein töricht Wunsch und Wahn Weiß »»icht, »vos Nutz »mb Schade;

Was nur von dir »vird angeta»:,

Sieg oder Tod, das :»eh»n ich an.

Das stießt vorn Onell der Gnade.

(Aus der Feldzeit»u:g der 3. Armee ,Der Eharupaane Kaurerad^.)

p«r,nischte».

* Ter Lohn eines Erfinders. Der amerikanische Humorist Mark Tivnir» erzählt in einer feiner lustigen Skizzen die u»:qla»»blich klirrgende Geschichte von deingroße»» Rindfleisch» kontrakte", in der die Erben des Heereslteseranten John Wilson Mackenzie aus der Zeit des Bürgerkrieges durchaus nicht von der Regierung die ihnen zustebende Bezahlung für den: General Sherman geliefertes Rindfleisch veitreiben könne»:. Was dort scherzhaft erzkihlt ist, ha: sich in de,: Bereinigten Staaten abgespielt und spielt sich noch ab : die Witwe des Erfinders Markus P. Norton, eine Frau, die die achtzig schon überschritten hat, »vartct seit n:ehr als eiuern halben Jahrhr»»:dert darauf, daß die anierikanische Re- gierung ihr die Bezahlung für eine Erfindung ihres Gatten an«, händigt, die seit de»»: Jahre 1853 benutzt wird. Sie »ordert eine volle Million Dollars, und diese Forderung ist mäßig zu ueruren. Es handelt sich uäurlich um die Norton'fche Stempelmaschine, die au: den Briefumschlägen über die Marke eine Reihe gleichlaufender Striche neben den: Datum zeichnet. Als Markus B. Norton. er»: Pateutrechtsauwalt, dessen Geschäft sehr aut ging, ii»'. Jahre lsr>S die durch Paten: geschützte Ersirrdllirg der Post übergab und üc so­gleich angenonnnen und ei»:gesührt wurde, glaubte er. nun ein machter Mann zu sein, »»nd er hatte ollen Gr»»nd zn dreier 3ln- uahrne. denn schon nach kurzer Zeit wurde amtlich mitgeteilt, die