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Als 1814 die verbündeten deutsch-österrelchisch-russischen Heere auf Paris marschierten; als Napoleon, der Empereur, in verzw ei selten Gewaltmärschen bald hier bald dort einer feindlichen Armee den Weg zu verlegen strebte; als der alte Blücher schon zum zweiten Male binnen weniger Wochen die auf 40000 Mann Zusammengeschrumpfte kaiftr- lichs Armee.aufs Haupt geschlagen damals hatte es sich ereignet, daß Blücher für einige Tage auf einem franzoft- schen Schlosse sein Hauptquartier aufschlng. Wie ein Para­dies düulten ihm und! seiner! Offizieren nach den monate- * laugen unbeschreiblichen Strapazen des Winterfeldzuges

die prunkvoll koketten Räume dieses Schlosses. Hatte sich's behaglich gemacht, der alte Marschall Vorwärts, hatte sein gichtisches Bein gepflegt, hatte die alten lahmen Knochen geruht... und nichts davon geahrrt, daß er auf einem Vulkan lebte, daß unter ihm der Tod lauertet, daß ein fanatischer.Diener des Schlosses die Absicht gefaßt, durch Sprengmittel, die er im Keller des Schlosses aufgehäuft, den Alten und seinen Stab in die Duft zu sprengen. Fast in zwölfter Stunde erst war der Anschlag entdeckt worden. Der Verbrecher starb den verdienten Tod unter den preußi­schen Kugeln, der alte Leberecht Blücher aber klemmte sich wieder den Gaul zwischen die Beine. War da doch ein sicheres Leben als in den weibischen Prunkgemächern dieses verfluchten französischen Chateau.*)

Diese Geschichte hatte der Eberhard Brünnow irgendwo irgendwann mal in den goldnen Zeiten der Flegeljahre ge­lesen; hatte sie über allerlei theoretischem und praktischein Studienkrmu vergessen; hatte weiß Gott Wichtigeres zu tun gehabt, als diese kleine Historie im Gedächtnis zu be­halten ... jetzt fiel sie ihm wieder ein.

Jetzt stand sie gewissermaßen verkörpert und zum Greisen deutlich vor ihm, als säße er im Parkett eines Theaters und oben auf der Bichne mimten sie diese Szene.

Was Wunder, daß seine Gedanken da wieder zurück- wanderten zu dem Licht, das' ihm durch die Nacht entgegen- geblinzelt.

So rastlos, wie er auf- und niederschritt, so auto­matisch gleichmäßig, wie das Klirren seiner Sporen die Stille des Zimmers stillte... so rastlos', so gleichmäßig * arbeitete auch sein Gehirn.

Der Eberhard Brüunow huldigte in seinen Zivilen Mußestunden dem Schachspiel, hatte es darin zu einiger Meisterschaft gebracht, hatte an den tausendfachen .Kom­binationen und Möglichkeiten dieses königlichen Spiels den Verstand geschärft.

Nun war die Stunde gekommen, diesen Verstand zu­sammenzureißen, mit eherner Willenskraft auf einen Punkt zu konzentrieren auf den Punkt, von dem der Weg aus­lief, der ihn zur Lösung des Problems führen mühte.

Und schließlich ineinte er die Lösung gefunden zu haben. So einfach war sie, so naheliegend, so gewissermaßen mit den Händen zu greifen daß er unwillkürlich sie zuerst mit einem Lächeln aotat, dann fast gegen seinen Willen zu ihr zurückkehrte, ihr nähertrat, sie auf der Wage des mhlen Verstandes erwog itrib schließlich als Wahrscheinlichkeit akzeptierte. Diese Lösung lautete: unter dem Kavalier­hause gibt es außer den von uns durchsuchten Hauptkell» reien noch einen Nebenkeller verschwiegen; versteckt; vielleicht den Wenigsten selbst im Schloß nur noch bekannt. Bon dorther kam das Licht; dort arbeitet heimlich des Nachts ein Mensch, dessen Tun das Tageslicht schient.

Die offene Frage: was bezweckt dieses Tun? Gegen wen richtet es sich? Sicherlich nicht gegen die Schloßt bewohner; sonst hätte der große Unbekannte, der sich hinter dein Dunkel der Nacht verbirgt, einen andern Zeitpunkt gewählt. Einen besseren. Zumindest nicht die jetzige Zeit, wo wir deutschen Offiziere im Kavalierhaus Quartier genonu- smen haben.

Auf diese Frage gibt es nur eine logische Antwort: der geheimnisvolle Mann da nuten arbeitet gegen uns Deutsche! Wchrt etwas gegen uns im Schilde!

Und als der Eberhard Birünnow soweit gekoinmen war, da stand wieder die Geschichte vom alten Leberecht Blücher Vor ihm. Das war der Abschluß seiner Kette von Kombi­nationen da§ war vielleicht die Erklärungi das war Zumindest eine Möglichkeit ulw auf jeden Fall ein Ver- oacht . schwerwiegend und bedeutungsvoll genug, ihm nachzusvrschen.

*) Historische Tatsache,

Der Rittineister Brünnow War gewöhnt, Entschliisse, die er ohne Zutun eines andern faßte, auch ohne fremde Hilfe zu verwirklichen. So erwog er keine Sekunde den Gedanken, irgend jemanden in das Geheimnis zu ziehen.

Die Entscheidung mußte schnell fällen; binnen vier­undzwanzig Stunden. Er würde Manns genug sein, dieser Entscheidung ins Auge zu sehen; wenn nötig sie sogar zu e^wingen.

Er brauchte nicht mehr zu grübeln; er war zu einem Entschluß gekommen zu dem Entschluß einer Tat.

Er straffte sich zusammen; ein kaltes Lächeln grub tiefe Linieu um seine Lippen.

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Alphonse de Marsillargnes stand am Errde seiner Vor­bereitungen; hatte die Entscheidung bis auf ein Geringes vorbereitet. Die beiden solgenden Nächte waren damit ver­gangen, daß er mit Meißel, Hammer und Drahtschere die dünne Zwischenwand in Mannshöhe ausbrach, Kiste um Kiste in den Hauptkeller hiuüberschasste. Was sich dort an altem Gerümpel vorgefunden, hatte er. in die Mitte des Kellers zusammeugetragen, damit er die Wände frei bekam. An dies^ Wände setzte er Kiste neben Kiste, verband sie einzeln durch Zündschnüre. Fast hatte er bereits in der zweiten Nacht sein Werk vollendet, als ihn das durch die vergitterten Fenster hereiubrecheude Tageslicht vertrieb.

Abernials vierundzwanzig Stunden hinausgeschobeuer Entscheidung, die er oer Unruhe seiner Nerven abringen mußte.

Monsieur Bourdin, der Wirt des Zentralhotels in Vatry, wunderte sich, roeshalb sein sonst so liebenswürdiger Gast heut so zerstreut Und unwirsch wär. Er wußte nichts davon, daß in Lllphonse de Marsillargnes das Fieber der Erwartung raste, daß jede Stunde des Tages ihm grenzeu- lose Qualen der Ungeduld schaffte.

Er versuchte zu schlafen er sprang nach Minuten schon wieder auf. Er versuchte hinter einer Flasche besten Bordeaux Ruhe zu finden er ließ sie halbgeleert stehen und begann einen Spaziergang in die Umgebung von Vatry zu unternehmen, um schon bei den letzten Häusern der Stadt wieder umzukehren, ruhelos durch die Straßen zu schlendern. Cr rauchte wie wahnwitzig eine Zigarette nach 'der andern, trank schließlich doch eine Flasche Wein, ließ ihr eine zweite, eine dritte folgen, bat Monsieur Bonc- bin an seinen Tisch; merkte gar nicht, iuie seine anfängliche unerträgliche Nervosität in Jovialität, in Ausgelassenheit umschlug.

Er erzählte tolle Pariser Geschichten, besprach mit dem Wirt ganz ernsthaft die Idee eines Villenbaues, erzählte tausend Einzelheiten einer Weltreise, die er nie je unter­nommen.

In ihm raste ein Fieber, riß zuckend an seinen Mus­keln, peitschte ihm die Nerven ans, funkelte ihm aus den Augen, sprang ihm in grellem Lachen über die Lippen.

Monsieur Bourdin war von seinem Pariser Gast yin^ gerissen, überwältigt, bezaubert. Ein Weltmann, wie Vatry ihn noch nie gesehen, ein Kavalier, ein Lebemann des ancien regime.

Alphonse de Marsillargnes ahnte nichts davon, welch faszinierende Wirkung er auf feinen Wirt aus übte.

Alles in ihm zitterte vor der Entscheidung.

Heut nacht!" ... schrie es in ihm ...Heut nacht voll- kühr' nh es! Hent nacht spreng ich das Oberkommando der XI. deutschen Armee in die Luft!"

(Schluß folgt.) ^

Das Geheimnis von Snakeiown.

Humoreske aus dem amerikanischen, Neporterleben.

Von Bruno B ü ch e n b a ch e r.

(Nachdruck verboten.)

Aus Gründen, die ich vielleicht einmäl später erzählen werde, war es also nichts mit meiner Anstellung beimSnaketown Herald". Der Herausgeber dieses Mattes hatte es leicht, nach auf kommende Gelegenheitei! zu vertrösten. Versprechen ist ja eteufo leicht, wke Halten schwer. Einstweilen nun saß ich trauernd ary Ufer Snakeriver, wie weiland die (Kinder Israel an denen des Jordans. Genau geirommen muß aber deren Trauer, an der Meinen gemessen, der reine' Freudentaumel gewesen sein, denn wenn sie auch ihren Moses nicht mehr hattönt so hatten sie doch noch ichire Propheten. Bei mir aber fehlten Moses und die Propheten. Immer näher sah rch den Xoq herankommen, an dem sich der Mtt zumMagern