winkte, und zwei Mannen ergriffen die Kurvckk der Stauanlage, des sogenannten „Schützens", am Wilddach. Da fuhr blitzartig! bie (SMenntnid in Mirzls Seele, daß mü Vernichtung der Welichett aid) ihr friedlicher Weltwinkel, ihr und ihrer Talgenossen &etm und.vjorftiüt zugrunde gehen müßten.
Mit einem Wehschvei siel sie ohnmächtig nieder.
..Dirn, was ficht dich an!" fuhr der Offizier ans.
„Das Tal verschlammt, und all unsere Hab geht hin!
,/>etzt ist Krieg. Kind, — und was zugrunde geht, ersetz euch gern der Kaiser." llnd der breite Hol sich ätzen wandte nch ächzend empor. Da verhielt das Wasser für Augenblicke Welle und Schaunr. und dann gurgelte es in seinen tiefsten Gründen auf, zwirbelte toll im Kreise — und dann — dann schoß es wie em entfesselter junge Riese zu Tal. Die ersten Wasser sprudelten rechts und links und geradeaus unb bahnten den Weg, und der ttefe Fclskessel gebar immer neue Fluten, und dann tobte ein tvühlender wilder, wogender Schwall iwer den Hang. Da ward zuerst ein Grdkloben abgerissen und (dann dort ein Felsbrocken gerüttelt, der sich schon Jahrhunderte besonnen, ob er stehen oder fallen solle, und an der steilen Wpnjd riß das rauschende Wasser dem! klrnv- menden Baumwerk das Land von den Füßen, und zuletzt zwirbelte alles durcheinaiider, türmte sich und barst und krachte und sperrte sich und wehrte sich und mutzte doch fort zu Grunde, lind die Wzut des entfeffetet Elements scheuchte der Berge Wild und Gevögel, und im Tale selbst wurden die welschen Eindringlinge durch nassen Gruß geweckt. r .
Wie ein Mörsergeschoß schwersten Kalibers krachte das erste Felsstück in das Lager der Alprni. Schreckensbleich rasten die ausgestellten Poftsn die Stmße entlang. „Rettet euch, me Berge stürzen ein!" Schon eilten die Welschen rückwärts; aber ein Bagagewageu sperrte quer den Weg. Hui, griffen zwanzig Hände zu und schwupp! lagen der Wagen und die Pgerde im Grobem. Djaun raste man! weiter Die ersten kamcrn zur Enge; aber noch ehe sie vorüber, sauste der Riesenbrocken, der sich am längsten den Anstürmen der Wildwasser gestemmt, über den Hang, und krachend und berstend klemntte er sich massig und breit tn die steinerne Pforte. Der Weg war verlegt. Da machten sie schreiend kehrt und stürmten wieder int Tale aufwärts und rissen die anderen mit, und bald wurde der eine oder andere von den gelben, erdversetzten Fluten ersaßt, und gar manchen schlua ein niedergehendes Felssouck oder ein Stück Holz zu Boden. Uno immer neue Wasser, neue Erdinassen, Geröll und Geäst stürzte auf die Feinde.
Endlich, endlich waren die nreisten Italiener oberhalb des Wassersturzes. Sorgend, daß fte auch hier noch Gefahren umlauern, kömtten, stürmten sie blindlüras weiter.
Tack—tack—tack—tack — Maschinengewehrfeuer . . .
Da schrien sie auf, die Welschen, die Untreuen, die Bruder- Verräter k! —
Rückwärts kalte, gurgelnde Wasser und malmendes Gestein, und vor Men heißer, schneller Tod!!
Und sie ergaben sich- 270 Mann ergaben sich.
Mirzl war weder zu sich gekommen; aber wie sie gesehen, daß ihre Heimat, die sie geliebt mit ihrer ganzen jungen reinen Seele, ein elender Schutt- und Trümmerhaufen wrrrde, da ward ihr <Sntn verzagt, und sie wandte sich ab und weinte bitterlich, und klagte sich an, daß sie das Elend selbst verschuldet hätte.
Dann war sie entflohen und jammernd der Höhle zugeeill, wo der Großvater sein mußte.
Der Landschützenoffizier hatte zwei seiner Leute nachgeschickt.
In der Ho^e lag der Greis still und sanft. Als ob er schllimwerte. Sem mildes, gütiges Antlitz zeigte ein verklärtes Lächeln.
Ern freundliches Geschick hatte ihm das Weh erspart, sein«! Heimat, sein Tal, seinen Hof und sein Mes verwüstet zu sehen. Die gute Mirzl aber, mcknend. der Großvater schliefe noch, satz vor der grünumsponnenen Höhle und hielt getreue Wacht.
Da kommen die beiden Landschiitzen und wollten das Mädcl-en zurückgeleiten: doch es zeigte nach dem hohlen Felsen und gebot, »u schioeigen. — Bedächtig traten die Männer ein und, aewöhnt, den Tod zu felgen und zu erkennen, sahen fte sofort, baß der Schlummer des Greises ein ewiger ivar. Sie erfaßten behütsam den Da hin geschiedenen und trugen ihn schweigend in das Leuchten! der Frühsonne. Und jetzt erkannte auch Mirzl, was geschehen war. Sie schrie nicht aus, sie Hub kern Magen an, niur ein inneres! Schlucken machte ihren jungen Körper erbeben. Gin schnelles Verstehen, datz dem Greise durch so sanften Tod viel Bitteres erspart geblieben war, gab ihrer Seele Trost. „Wir nehmen den Großvater aber io gleich Mit," sagte sie leise. Die Land- schützen nickten rarr mit dem Kopfe, und dann bald ging Mir^t ttnt’ r ihnen, die den Großvater auf einer schnell hergerichteten, Bahre trugen.
Der Friedhof in Schluderbach hat des Greises swrbliche Reste in seine aeweihte Gide ausgenommen. Für das junge Mirzl fand sich ein Plätzchen in einem frommen Sttfte. Ist der Krieg aus, will es wieder heim tn die Berge bei Schluderbach.
vermischter.
* Eine m c u! to ü r b i g e Paßeintragung. Die durch den Krieg begründeten außerordentlichen Schwierigkeiten deS gegenwärtigen Reiseverkehrs haben eine Hochflut von Pässeu und anderen amtlichen Dokmnenten gezeitigt, ohne die eS in Europa heute kaum möglich ist, aus einem Lande in das andere zu gelangen. Ueber eine Paßeintragung, die aber alles bisher Dagewefene an Originalität übertreten dürste, weiß daS Pariser „L'Oeuvre* in seiner jüngsten Ausgabe zu berichten. ist allgemein bekannt," sagt das Blatt, ,daß zur Erlangung einer Reiseerlaubnis von Frankreich nach England nicht nur ein ganzer Koffer voll amtlicher Papiere notwendig ist, sondern daß man auch den ernstlichen Zweck der Reise einwandfrei beweisen muß. So wurde auch ein junges Mädchen, daß dieser Tage zwecks Reiseerlaubni« nach England auf einem französischen Paßamt erschien, nach dem Grund dieser Reise befragt. Als sie geantwortet hatte, daß sie Englisch lernen wolle, erklärte der Beamte, daß er die Retseerlaubnis nur ausstellen könne, wenn sie sich die Notwendigkeit, in England selbst die englische Sprache zu erlernen, auf ihrem Paß bestätigen laffe. Am nächsten Tage erschien denn auch die reiselustige junge Dame wieder aus dem Amt und wies den Paß vor, der die folgende höchst sonderbare Eintraaimg enthielt: „Ich Unterzeichnete, staatlich geprüfte Lehrerin bestätige, Fräulein T.. . englische Stunden gegeben zu haben. Ich vexmag auf Ehre und Gewiffen zu versichern, daß Fräulein T. . . sich als eine beklagenswert unbegabte Schülerin erwies und daß ste trotz der zahlreichen Stunden noch heute so wenig Ahnung vom Englischen hat, daß allein ein längerer Aufenthalt tn London dieser Unwissenheit abhelfen könnte/ Nun erst erklärte sich der gestrenge Paßbeamte befriedigt nnd das talentlose Fräulein T. durste ohne weitere Belästigung über den Kanal reifen."
* Soldaten, die nicht lebenswahr genug sterben. ÄlS jüngst die Amerikaner die mexikanische Grenze überschritten hatten und die ersten Scharmützel mit den mexikanischen Truppen stattfanden, gelang es einem mutigen Ainerikaner (der nicht den Truppen angehörte), ins Kampfgebiet vorzudriugen und einen wirklichen Kampf au? allernächster Nähe kinemato- araphisch aufzunehmen, ohne daß er oder sein kinematographischer Apparat dabei beschädigt wurden. Er glaubte, mit diesem echten Kriegssilm. auf dem u. a. zu sehen ist, wie amerikanische und mexi- nische Soldaten, von einer Kugel getroffen, plötzlich zusammenbrechen, ein gutes Geschäft zu machen, und schickte seine Aufnahmen einem großen Filmhause. ES dauerte aber garrncht lange, so bekam er seine mühsam hergestellten Allsnahmen mit einem Ziemlich kühlen Briese zurück: es sei eine schlechtgestellte Bühnenaufnahme, vor allem aber stürben die Soldaten nicht lebenswahr genug. Die Kinofirma lvar allen Belehrungen darüber, daß es sich um echte Kriegsaufnahmen handele, unzugänglich; ihre Fachleute und ebenso die Filmtheaterbesucher — so bemerkt das amerikanische Fachblatt -Jllustrated World" — sind nUil einmal daran gewöhnt, daß der Kinoschauspieler beim Sterben zunächst anfängt zu stolpern, 51t keuchen und Gesichter zu schneiden unb dann die Arme in die Höhe wirft, ehe er zusammenbrichl. Dabei verbraucht er ein paar Meter
E tlm, während der Tod des wirklich von einer Kugel getroffenen oldaten iin Falle einer sogleich tötenden Verletzung meistens so rasch eintritt, daß an der Altsnahnle nicht viel zu sehen ist.
' Spätes © I fi cf. Im Jahre 1876 ereignete sich der gewiß außerordentliche Fall, daß ein 83jähriger Invalide des Berliner Invalidenhauses — er hieß W. Rabe — von einem Geschoß durch Operation befreit wurde, das er 63 Jahre lang iln Körper getragen hatte. Er war in der Schlacht bei Lützen am 2. Mai 1813 durch eine Kugel verivundet worden, die ihm unter dem linken Auge in den Kopf gedrungen war. Alle bamals angestellten Versuche, die Kugel zu entfernen, blieben erfolglos. Zm Lause der Fahre senkte sich dann die Kugel und verwuchs zwei Finger breit unter dem Ohre. Ohne daß der Invalide Schmerzen hatte, wurde er doch dadurch gehindert, den Kopf frei zu bewegen. Da, nach 66 Jahren, stellten sich an der Stelle, wo die Kugel saß, Schmerzen ein, und der Greis ließ sich vom Oberstabsarzt des JnvalidenhauseS die Kugel Herausschneiden. DaS gelang vollkommen, und der glücklich Operierte hatte in seinen alten Tagen noch die Freude. seinen Kopf wie in längst verschwundenen jungen Jahren nach hüvschen Mädchen umdrehen zu können.
Logogriph.
Mein Wort nennt einen Lobgesang,
Der einst zu Gottes Ruhm erklang. Nimmst du hinweg das erste Zeichen.
So siehst du 's durch die Fluten streichen, Gar eine hochgeschätzte Beute;
Doch ist eS nichts für arme Leute.
Wenn nun der Kops des Tieres fällt,
So ist 'S ein Schmuck der Alpenwelt. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nummerr Adolf (X Adda = Ad, X Golf = olf).
Echrrstlettung: Aug Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der DrÜhl'scheu ÜniversitälS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen


