Ausgabe 
28.8.1916
 
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men Hauch dos welschen Landes. Auf den höchsteil Gipfeln des GebirgSwallas glänzte der Firn unberührter Grswelten im Grell der Mittagsglut, und wehe dem Auge, das sich zu lange von so reinem, hehrem Leuchter: bann er: ließ! Schmerzvoll mußte es sich senken, frevelgestraft, weil menschlicher Blick gewagt, so reine Berg- kchiönheit zu lange nnt erdgeivohntem Staunen zu umfassen. AmLurng pfiff ein Murmel, witb über den Grat strich ein Gamstiec, Wörnraß mit llligem Auge die Spanne Wegs bis zur schwanken Platte dicht unter ihnr und sprang,i dann äste es den frischen Bergklee.

Ein Mld des Friedens seligsten Mittagsfriedens ringsum. Selbst die paar Hüttlein drunten am Steig verrieten nicht, daß Menschen hier Hausen mochten; denn sie waren still und zugeschlos- sen. sttur die letzte der Wohnstätten, die dicht mu Wildbach stand, hrte an geklebt an eine jache Wand, stieß einen Nebel ans ihrem Nauchfarlg, und jetzt tat sich die Mir ans und eine junge Tirolerin trat^us der Hütte. Sie stützte einen Greis!, der nur mühsam rroch am Stocke ging, und ließ, den Großvater sorglich auf die Steinbank nieder.

-.'Gelt, Großivaterl, bleibst hier am Bank! und sitzt fei ftat. Und i schlupf zum Herd eini und rühr dir an Schmarrn, weißt, so an ganz, feinen, gelt, beit magst?"

Der Alte nickte und strich dem Kinde über das Haar. ,,Geb doch Mirzl, geh z'rnck zu den anderen. i bitt di doch allweil gar so sehr, ntei gut's Madki, geh z'ruck! Menu sie kommen ^bib.die Welschen, dann ift's um di geschehen, Madli geh z'ruck! Geh! geh!" .

Redst schon wieder so schiechie Sach umuand, Großvaterl! Warm d m: t gehen mögst, will ich's Zauserl verlassen, ohne dich net!"

Liebli, weißt doch i geh net von der Stell, die mei Heimat g wesen ist an o tc siebzig Jahr, Und wenn mi die Ivel scheu Hatunk spießen taten, i geh net vom &of!"

om^ r5 cvv blutjunge Mädchen, ging betrübt ins Haus.

Alle Nanwarn und Leute vpm kleinen Bergdörfchen hatten in ^ßsr Angst vor den anstürmenden Italienischen ihre Hütten und ^ose Verlassen und waren nach Schluderbach oder noch weiter nord- warts gelsgeueu Orten gezüchtet; nur der fteinalte Gschbachr ließ s>u> nicht bewegtm, der Gefahr zu entrinnen und die Hütte, die ihn nahezu em Dreivierteljahrhundert Hehler bergt, und seine Hofftelle zu verlassen. 4

So hausten seit vier Tagen die beiden, das brechende Mtev und die erblühende Jugend, ganz allein inr verlassenen Bergneste ^ce begnügten sich am MW im Kasten und den Kartoffeln, tu der Scheuer und der Gäl>en ihrer drei Ziegen. Sie harrten der tominenren Not. Ter Greis ipartete mit gottergebener Geduld, bas filnfzehnmhrigie Dirndl mit Bangen Und Zagen im Herzen- denn man l-atte Schauer diu ge, von den tvelfchen Truppen be­gangen, geiulg gehört.

^vhl ^hnmal am Tage kletterte Mirzl über die Kesselwand, hinte^ der der ^eildbach blödelte, aus die Plätzwiese, von der aps

is schau nach dem

man meilenweit zu Tale blicken könne, um

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Mt der Wind vgn Süden wehte, war ein dumpfes

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' Uud Bnmlimjen Uber das Tal gezogen, just wie im Früh E mn ^ mntmC - Uli> Lawinen von den Berger

, Sf. Ehristallo Moittert's, Großvaterl!" sagte Mir-!

mit besorgter Miene und hob lauschend das feine Köpfen.

,> 'Aw, es gelv.-ttert!" sagte der Greis bedeutungsvoll und wiegt! ernst das schwelgte Harwt. Gr wußte, daß schweres Geschütz so tiefe L fcr- nc \ n - Derge sandte. Und in folgender Nacht wart J?» Magdlem Plötzlich wach. MännersllmUren, laut uiid unwirsch tauten vor Haus und Hof, dann wurde an die Tür geschlagkur und Ungestiun Einlaß l^gehrt. Und jetzt krachte es draußen hell Fenster Ürrwte; Und zäscheird sauste etiväs in die Stube und prallte an den KttMiU mrd fiel klatschend zurück. ,.Ste Und da. fneß MrrKl hervor. Und nterlwürdig, all die letzten atemlähmendcr Angst, war ste im' Augenblick der 9^1 und Gefahr gewichen und eine fast weihevolle Rübe über sie ge- ^uÜEN. Mirzl nwckte den Großvater, ohne Licht zu macbeü. Großvaterl, ste siird da! Mr Mlllfen fort?" sagte sic leise und MM einmal ihre Stimme zitterte. Da verließ den alten Eschbacher -n Starrsznn, als er draußen das wüste Schreien und I^pcL r>re IL? VW* MP L seinetwillen gab 'er nach

*** . t>or Hu, düs gute DlirrHl, tat ihm leid. Und Mirzl

JlWfiLTÄ '/P« Slum Merpförtl hinaus

Und fluchten m d',e Berg'! PH tverß eme Steinhöhl' droben am Z^Mberae, öa finden, sie uns net, da net!" Und sie raffte nachdem ste der: Großvater schnell anpekleidet, eche Decke unö etnen Korb mir Eßbareiw und bann stiegen sie in den Keller ?olben und Axt gegen Tür und Fenster laden, schon splitterte Holz und Gebalk, da schloß sich hinter dei

beiden die Falltür des

-f- Sie standen im finsteren, c die Milch, die sie früher na<

SchllidÄachdi dn «ro&n Gafthchster lieferten. Vom K>Äler führt, ^entreppe hoch dre m chl steinzerklüstetes. vüschumsü'unit«

SSPVS* ^ ^ die Nacht, eine wunder,

milde, sternenklare, friedensselige Nacht. Linder Mld trug würzig

Bergkräuterdüfte zu Tal, im Heck fuutnlte ein Heimchen sein traute- Lied und drunten das Brüuackein sang anr Steril.

Aber vom Talioeg ging ein Klirreii wrd Klappern, ein wirres Hasteii der Soldaten, ein dninpfverwiorrcnes Dröhnen stahlrippiger Näder, die eisenschlündige Hölleirrohre trugen.

Eineii Augenblick standen die Flüchlinge droben am Buschsaum, und ihre Seelen ächzten unter dem Schauer dieser seltsamen Nacht. Tann zog Mirzl den Gireis fort; sie stützte ihn mit schirr mv geheuerlicher Kraft und war doch noch ein halbes Kend; sie schob, hob, zerrte und zog ihn Wer Fels, Würzel und Geröll und end- W waren sie weit iveg von Hütte Und Tal und glücklich geborgen. Das Magdlem bog wirres Gezweig beiseite und fithrte den Groß­vater wie durch ein festlich beranktes Tor in eine Felshöhle. Dort breitete sie die Decke aus uild ließ den zu Tode Ermatteteii nicder- glerten. Daun nahm sie seinen Stecken, her ihm zur Stütze gedient hatte und wollte ihir seitwärts stellen; aber da erschrak sie bis ans Herz - der hermeinlliche Stecken war ein Schießeisen.

'^fwßvatcrl, du,. dös war ja, du, dös wär ja dei Stutzen!

c ^ ,,oreiu rs er s! -t-oer moanst. i verlaß mei Haus und Hof und soll sonder Wehr uiid Wafs durch die Oed tappen, wo i sy an^jung's, Ding nnt halt, als du mis wär>t!" Und er richtete sich auf und sagte nnt vor Erregung zitternder (Stimme:Liebli du, der Erst, der dich au,affen tat, der Erst kriegt an Blei vors Hirn, daß ihm nrmmer Zeit zum Beten bleibt!" Tann sank er entkräftet zurück und öimete ,chwer.

Mirzl kni:te bei ihm nieder. Angst urrd furchtbare Sorge packte Ire, der gute Großvater könnte ihr über der Anstrengung und Auf- rMmg sterben. Aber bamt stieg in ihre Seebe ein gekanntes Ge- chhl aUf: Nickt ungestraft sollte der Frevel der Welschen bleiben. Die Fernde die fte aus ihrer Hütte vertriebm hatten, die Männer,

p Großvater frier frerausgehietzt in die Felsöde und jetzt dniitterr rn ihrer Wohnung hausen rnochten sie sollten es büßen .

Bon der Anstrengung ermüdet, war der Großvater bald sanft emgeschlummert.

Mirzl blieb wach und trat vor die Höhle. Das Mädchen blickte rn die Feme lieber des Monte Mans Zinne schob sich des Mönbes goldenes Halb und warf linden Schein über Berg und Alm und Tal. Uur von der Schlucht her klang Vettvorren und verklingend Dröhnen llnd Tosen und Lärmen, nicht laut: und das wären fte, die sie jetzt haßte alle, alle und der Wüuschf sie zu vernichten, wurde so mächtig, dasti sie die eigene Gefahr und des Großvaters Sicherhett vergaß Nordwärts, vier Stunden Wegs, tag Schluderbach, da waren die ^taudschützen, Tiroler Leut, und hielten Grenzwacht öte wollte ste holen. Ha, vier Gtunveii W'e.K im Tale: aber sie, die berageioohrite Maid, ivußte ettien Stech einen Wildpsad, der brachte sie rn zwei Stunden zunl Schluderbacher Zollhause. Und sie Nog davon, kletterte über Schutt und Ge-röll, durchwatete eiskalte Metjcherrrnmale, bahnte sich drirch niedriges Gebüsch mühsam den Sr öI ^ S k Turnruhr zu Schluderbach Mitternackft kündete, lOF , CT $ e dosten sie an. Ihr Gewand war zerrissen, ihr Mldigblojndes Haar flog wirr um Haupt und Schulter, und die Brust wollte schtör zetsprttigM. uns drmißen sind sie,

und wenn ihr net glei' kömmon tat, ist altes hie!" stieß sie hervor

. lMrer preg eine Kette wetterbrauner. bergt-

gewohnter Männer erlist den Jägerpfad an.

Keines Fr strauckxlte, keines Sinn zagte. Und da sie zu der Stelle kamen, wo der Wildbach sich am Schützen sder Wehr) staut uiid ,eme Flut recht fern ntanierlich seitwärts lenkt, um den Oel- muhlen rm Grunde Kraft und Trieb zu spenden, verhielt Mirzl den schritt und wandte sich an den Zugstihrer Beck, der der Schar vorxineilte Wenn wir dieseir Schlitzen ziehen, Herr, dann treibt's

po-ffer zu Dal? sagte sie erschauernd;uUd dann-"

wüadchen schwieg plötzlich. Es war vor ihren eigenen Worten erschrocken.

Der Offizier fragte:Und was geschieht dann?"

. " das Wässer jagt zu Tal, reißt Erd und Fels mit fort

und schüttet drunten beti Ausgang zu, der abwärts ftthrt."

die Wellchm?^ Ausgang, den die Watzelmachr hcranfgekonimeu!,

Ja den."

"Und es gibt keinen andcreir Ausgang da inr Grund?"

Nur aufivärtst nach Schluderbach r , . "Vnbcu wollen wir ihnen schon verckegen!" sagt« Beck, und snne Leute stiegen über Wand und Zack grundwär^, - leise, lette, daß rein falleiider Stein sie verriete, und drunten sperrten ske xn schnalen, Hohllvieg und stellten links^ der Sttaße auf eiikLr Felselikalizel ern Maschneirgewehr mis, und rechts wurde ein UiU'iW Mst einer uralteli Zirbel in Stellung gebracht, und die 'shieA niannen verteilten sich. Eiir Uhuschrei, der sich zioettnal wiederhoM. gab demgi droben Bescheid, daß man am Talausgang zum heißen Empsang der Welschen bereit sei.

oaono unv Sternenglanz waren längst erstorbeil. Airs den Griinden wallten Nebel aii den Wändeii des Hockwebn^es auf Ter Morgen brach an.

ltand, den Mantelkragen eiires Laltt>scbüo. r über den Schillern, dennoch zitternd, am chrodelndeu Wasserkenel des Wild - baches. Em drestacher Tvppelrus durch den Tann. Der Zugführer