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"-Dann denken Sie vielleicht ein bißchen darüber nach; wit der Zeit wird's Ihnen schon einfallen. Und un übrigen, Verehrtester . . . bleiben Sie mal liier stehen urrd gucken Sie nach rechts mit einem Winkel von ziemlich genau 45 .Grad.

'Was soll ich tun?"

Aber der Rittmeister Brünnow hatte den langen Ober­stabsarzt schon am Arm zurückgehalteii, legte chm beschwich­tigend die Hand auf den Oberarm.

l Sie waren im Gespräch, ohne es recht zu merken, rn einen Seitenweg eingebogen, hatkeil sich von rückwärts dem Kavalierhause genähert, vor dem sie jetzt standen.

Scharf sprangen die Umrisse des Gebäudes aus dem helleren Hintergründe der Bosqnets und Rosenanlagen her­aus, standen wie eine schwarze drohende Masse gegen den wolkenlosen Horizont der Herbstnacht.

Unten aber, lyo stillbluhende Clematis sich an der Hanswand au.fra.nM stand mitten Wischen dein grünen Gesträuch ein schmaler- senkrechter Lichtsaden; wie e,n zentimeterbreiter Strich

Die beiden Männer starrten daraus hin; wandten fast zur selben Sekunde einander die Gesichter zu.

Ihre Stimmen tasteten sich in verhaltenem Flüstern hinüber und herüber.

,Was ist das für ein Licht, Brünnow?"

' ,Darauf eben mache ich Sie ja austnerksanr."

,Das Licht kommt doch aus einem Keller."

Das ist nicht möglich, Doktor. Erstens gibt es unter dem Kavalierhaus nur einen einzigen Hauptkeller. Dieser wurde damals, als wir hier unser Quartier nahmen, genau dtrrckssncht und von mtr persönlich abgeschlossen, da sich in ihm llichts vorfand, als wertloses altes Gerümpel."

. ,Wo haben Sie denn den Schlüssel?"

In meinem Zimmer, in einer verschlossenen Staht- kassette, wo meine privaten Wertsack-en liegen."

Und Sie sind sicher, Brünnow, daß Ihnen der Schlüssel nicht entwendet wurde."

Bevor wir vorhin zum Abendessen ins Schloß hinüber­gingen, habe ich aus der Kassette etwas entnommen; und La lag der Schlüssel noch drin." i 7 ,Es gibt vielleicht noch einen zweiten?!"

Artsgeschlossen: die Marquise hat mir persönlich ver­sichert, daß dieser Schlüssel kein Duplikat besitzt."

,.,Das Licht da unten k o m m t doch aber aus einem Keller!"

7 ,Das verstehe ich eben nicht, Doktor. Wer sollte ein Jüteresse daran haben, sich gewaltsam dort unten Eingang zu verschaffen? lind wenn schon jemand vom Schloß etwas ztoischen dem alten Gerümpel sucht dann doch nicht des Nachts und so heimlich, ohne mich zu benachrichtigen."

Jetzt seh ich's ganz genau, Bri'nrnvw das da vor uns muß eine Nebvntür zu dem Keller sein; eine Bohlen­tür und zwischen zwei Bohlen ist ein schmaler Spalt, dtrrch den der Schein sich hindurchdrängt. "

Rätselhafte Sache!"

Ob wir sofort die Geschichte untersuchen, Brünnow?"

Daraus erwiderte der Rittmeister nichts. Er stand etwas Uorgebeugt, die Hände aus dem Micken übereinander gelegt, beobachtete unverwandt den Lichtfaden; schien zu lauschen, angestrengt zu überlegen. Ruckhaft hob er den Kopf; seine I Augen bohrten sich scharf in die des Oberstabsarztes. Nur zioei Worte huschten durch die Nacht:

Doktor Tarragon! "

Was ist's mit dem, Brünnow?"

Wir zerbrechen uns doch alle seit drei Wochen den Kops, !vas ihn hier auf St. Chamant sesthält. Wir haben ihn bis heut vergebens beobachtet. Vielleicht wenn wir jetzt in den Keller hinunterstiegen vielleicht träfen wir ihn dort."

SDann wollen wir es doch sofort tun, Brünnow."

Der schüttelte kurz, fast unwillig den Kopf.

Nicht vorzeitig Lärm schlagen. Abwarten. Erst ein­mal stachgeseben, ob er nicht friedlich in seinein Bett scWäst!"

Seit! Zimmer liegt doch bei uns im Giebel des Kava lierhanses, Brünnow."

Dann wollen wir uns sosort persönlich überzeugen.'

Und wenn wir naclKer znrückkommen, dann hat der Kerl inzwischen Lunte gerochen und ist uns durch die Lappeil gegangen."

Die ganze Geschichte dauert ja höchstens fünf Minuten; cl£o los, Doktor" kommen Sie."

Schleicheiid entfernten sie sich, iimschlnge,i das Kavalier-, lMs, betraten es durch den Hanpteingang; eilten die Treppe zum (Giebel hinauf.

Während der Oberstabsarzt auf erilem Treppenabsatz zurückblieb, verschwand der Rittmeister nach oben, kehrte bereits zwei Minuten später zurück.

Er ist in seinem Zimmer. Er hatte nicht abgeriegelk, sodaß ich die Tür öffnen konnte. Er schlief so tres und fest^ daß er mich sicher nicht bemerkte."

Vielleicht schauspielerte er Ihnen ivas vor, Brünnow.^ Möglich. Aber das ist ja für den Augenblick Verdenwelt gleichgültig. Auf jeden Fall haben wir den Beweis, daß der Kerl ha unten tu dem Keller unter keiner Bedingung dev Doktor Darragon sein kann. Im übrigen werden wir sofort feststellen, wer uns da diese unerbetene nächtliche Visite ab­stattet. Eine Sekunde noch, Doktor ich hole bloß denj Sck)likssel und nehme für alle Fälle gleich meinen Re­volver mit." t .

Der Oberstabsarzt war mittlerweile ans dem Portal ins Freie getreten, bedeutete dem Posten eindringlich, auf jedes verdächtige Geräusch zN achten. Unterdessen erschien! dev Rittmeister Brünnow wieder. Und dann eilten die beiden Deutscheit um das Haus herum.

Da war die seitliche Bohlentür, aus der ihnen vorhin der helle Schein entgegengeglänzt.

Jetz't suchten ihre Angen ihn vergebens. Das Licht war erloschen. .

Sie standen wie vom Donner gerührt. Sie suchten ut der Dunkelheit jeder das Gesicht des andern zu erkennen.

Aber der Rittnreister Brünnow dachte nicht daran, sich auf langes zweckloses Par lamentieren einzulassen.

Kurz entschlossen und gefolgt t>ou dem Doktor Hart­mann stürmte er abermals um das Haus herum, ösfnete mit denr Schlüssel die Tür des Hauptkellers.

Den Revolver in der Rechten, die eingeschaltete elek­trische Taschenlaterne in der Linken stieg er in Begleitung des Oberstabsarztes die wenigen Stufen herunter.

Schwarz, leer gähnten ihnen die Kellerwände an. Dumpfe Moderluft schlug ihnen entgegen. Gräulich ge­spenstische Halblichter ließ der scharfe elektrische Strahl der Laterne in Ecken und Winkeln anfwachen.

Hier war seit langem kein Mensch gewesen. Totsicher nicht. Was da an altem Gerümpel, an zerbrochenen Sesseln, ausgeblichenen Lambrequins, zertretenen Teppichen stand und lag war von einer dicken Staubschicht überzogen, an die seit Wochen kein Mensch gerührt haben konnte.

Die beiden Herren standen mitten im Raum, ließen das Licht der Laterne überall Hinspielen, sahen sich vergebens um'.

Einmal zuckten sie Unwillkürlich zusammen: ein leises scharfes Geräusch war da drüben in der äußersten Ecke anf- gewacht. Dann aber lächelten sie: eine Maus oder eine Ratte, die unter den: alten Gerümpel knisperte.

So totenstill war es um sie her, daß sie klar und scharf das schnelle Schlagen ihrer beiden .Herzen hörten.

Und seltsam tief hallte von der Wölbung die halblaute Stimme des Doktor Hartmann wider, als er erklärte:

Wir haben uns vorhin narren lassen, Brünnow! Irgend eine Angentäuschung oder Autosuggestion oder ähit- liches! Hier wenigstens ist kein Mensch und !var kein Mensch."

Worauf sich der Rittmeister der 4. schweren bayerischen Reiter umwand te und die Kellertreppe wieder hinaufstieg. Ein seltsamer Unterton klang mit, als er halb bestätigend erwiderte:

Hier nicht! Und jetzt gehen Sie man schlafen, Doktor Sie haben sich's redlich verdient!"

(Fortsetzung folgt.) , /

yoffmann von Zallersleben als vaterländischer Dichter.

(Zum 26. AngUst.)

Daß der ehemalige gelehrte Professor für deutsche Sprache Und Literatur an der Breslauer Universität, Hoffmicmn von Fal­lersleben, dessen unsterbliches NationalliedDeutschland, Deutsch­land über alles" am 26. August seinen 75. Geburtstag feiert- «auch durch viele andere von glüheirder Vaterlandsliebe getragenen! Gesänge sich den Anspruch aus beit Namen eines der besten unserer vaterländischen Dichter erworben hat, ist immer noch nicht allgemein gekannt. Es sei hier das Lied erwähntWie könnt' ich Denr ver­gessen, ich weiß. was Du mir bist", bessert Grundtort in dem Be­kenntnis miede rrliugt:Mein Vaterland ist meine Braut!", ferner! ..Treue Liebe bis zum Grabe schwör' ich Dir mit Herz Und Hand. I