Ausgabe 
21.8.1916
 
Einzelbild herunterladen

416

Schifi wäre tmt Windeseile in den Hafen eingelausen, aber kam nur ganz allmählich heran, und als die Zuschauer schon auf- atmeten und glaubten. Las Korn mit ihren Händen fassen können, da stieß das Schiff auf einen Felsen und ging im Ange­sicht der verzweifelten Menschen unter Nun kannte der Jammer kerne Grenzen mehr. Zwar gelang es nach vieler das

Schiff wieder zu heben, aber das Getreide tvar naß. Doch Not bricht Eisen. Was inan an Tüchern und Laken lrur auftrerben! tbimie, wurde 'herbeigebracht, mit Getreide gefüllt und auf Strafen und Plagen zum Trockner! ausgebreitet. Wie ein un­geheurer Kornspeicher muß die Stadt ausgesehen haben, aber das Korn wurde trocken, konnte gemahlen werden, und die erste Not war gestillt. Friedrich II., der damals rwch jung war und noch nichtder Große" hieß, sann aus Mhilfe. Zwei Jahre später ließ der NLagistrat der Stadt durch Trommelschlag bekannt machen, daß ieder Gartenbesitzer sich vor dem Rathaus einzufinden habe, da Friedrich II. ihnen eine besondere Gnade erweisen wolle. Neu­gierig strömte alles herbei, was der König ihnen wohl schenken würde. Aus dem Rathaus gingen merkwürdige Knollen von Hand zu Hand, während eine umständliche - Anweisung verlesen wurde, die aber in dem Getümmel völlig verloren ging. Eine solche Frucht hatte man noch nie gesehen. Man brach sie aus­einander, beroch und beleckte sie und gav sie kopfschüttelnd an den Nachbar weiter. Die Hunde, denen man das neue Gewächs vor­hielt, schnüffelten daran herum, wollten aber auch nichts davcnzj wissen.Die Dinger riechen nicht und schmecken nicht; imb nicht einmal die Hunde mögen sie fressen," hieß es. Die allgemeine Enttäuschung war groß. Und in ihrem Zorn warfen viele das Gnadengeschenk ihres sorgenden Königs kurzerhand auf den Mist. Einige, darunter auch die Großmutter des Chronisten, hielten es für gut, die Knollen auf einen Hausen zu schütten und mit ein! wenig Erde zuzüdecken. Es wuchs ein schöner Filz heraus, und sie batten geglaubt, es würde Bäume geben, von denen man dann! nachher die Kartoffeln heruitterschütteln könne. Andere hatten! die Knollen einzeln in die Erde gesteckt, sich dann aber nicht weiter darum gekümmert. In den Somnrernronaten gab es dann eins strenge Kartoffelschau, denn schon der junge Fritz ließ nicht mit sich spaßen, und wer das königliche Geschenk mißachtet hatte, wurde mit einer kleinen Geldbuße belegt, nwrüber der Jammer von neuem losbrach. Im Jahre darauf wiederholte der zähe König dennoch seine Sendung, schickte aber jetzt sachverständige Seute mit, die den Anbau leiteten. Nun ging es gleich besser, aber der Erzähler dieser kleinen Begebenl)eit hat doch erst im Jahre 1785 Kartoffeln im freien Felde gefunden.

*Die Gurke. Die Urheimat der Gurke n^ist auf Nordindien hin, wo die gemeine Gurke noch jetzt wild wächst. In Indien dürste auch die Gnrkenzucht schon auf ein paar Jahrtausende zurückführen. Die Chinesen lernten die Gurke erst ungefähr 200 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung kennen, dagegen war ihr Anbau schon lange vorher in Aegypten bekannt, wie durch Gräberfunde als erwiesen angesehen werden kann. Nach Griechenland kam diese Frucht un­gefähr 600 Jahre vor unserer Zeitrechnung, und zwar aus den Ge­bieten von Kleinasten. In einigen Gegenden Griechenlands scheint sogar die Gurke ziemlich stark angebaut worden zu sein, wie daraus

K olossen werdär kann, daß die Stadt Mekone, Wohnstadt, ihren en verlor und dafür Sikyon oder Gurkenstadt genannt wurde. Von den Griechen kam dann die Gurke nach Rom. Ein großer Gurkenliebhaber war dort der Kaiser Tiberius. Er ließ diese Frucht aus beweglichen Behältern aufziehen, dre in Stunden des Sonnen­scheins draußen standen, und die in kalten Stunden wieder in ge­schützten Räumlichkeiten untergebracht werden konnten. In Deutsch­land war die Gurkenaufzucht schon von Karl dem Großen ein geführt worden, aber eine große Ausbreitung gewann die Gurke doch erst durch Vermittlung ber slawischen Völkerschaften So ist auch die 'saure Gurke eine Erfindung der Slmven. In Deutschland finden wir in der Gegenwart die Gurkenzucht am stärksten verbreitet im Spreewald und in der Umgebung von Ulm, Erfurt, Quedlinburg und Naumburg.

* Bleigewinnung bei Indianern. Auf deut- scken Ländereien in Guatemala, das als einziges Erz­lager Bleiminen besitzt, hat sich durch ganz besondere wirtschaftliche und geographische Verhältnisse eine wohl einzigartige Methode der Bleigewinnung erhalten, deren .Kenntnis für uns um so wertvoller ist, als nur ganz selten, wie hier, die Möglichkeit besteht, ein ur­altes technisches Verfahren heute noch in voller Wirksamkeit beob­achten zu können. Der ganze Betrieb von der Förderung der blei­haltigen Erde bis zu ihrer Verhüttung ist vollkommen eingeborenen Jndianerstämmen überlassen worden, die fern von menschlichen Siedlungen am Abhang der Hochgebirgskette desAltos Cuchu- matanes" ihrer schweren Arbeit nachgehen. Die eigentlichen Blei- ntinen befinden sich sonderbarerweise im Urwald: sie fügen sich, mel.v als ein technischer Betrieb erivarten ließe, in die geheimnis­voll schattige Sülle ein, die unter den ungeheuren Eichen, Lorbeer­bäumen, Kiefern und Fickten herrscht Es sind schwarz gähnende, flatterweite, kreisrunde Höhlungen, die oft von dem gewaltig aus­ladenden Wurzelgeflecht der Bäume umschlungen werden. Einige sino bis über 40 Meter Tiefe ausgegraben. AlsFahrkunst" und zugleich zur Förderung der gewonnenen Massen dienen ausqekerbte Baumstämme, also nicht einmal regelrechte Leitern sind vorhanden.

Die seitlichen Stollen, dürsen, da sie nicht au^geziminert iverden,

1 nicht mehr als höchstens einen Quadratmeter Querschnitt besitzen. 9cur die Zähigkeit des' Lehmbodens bürgt dafür, daß der Stollen mcht einstürzen wird. In Ledersäcken, die aus dem Rücken getragen werden müssen, wird die mit der Hacke gewonnene Erde weggs- schafft. Von diesem Maülwurfsbau nicht allzuweit entfernt, in einem engen Flußtal am Ufer eineÄ Baches, wird diese Erde in emer Reihe stufenförmig hintereinander ungeordneter Hvlztröge ge­waschen, wobei die leichteren Erdpartikelchen von der Strömung diilweggespült werden: zurück bleibt ein sandiger, lockerer, sehr erz- halttger Bodensatz. Besonders sinnreich ist aber, wie Dr. fr Goebdl tntPrometheus" zeigt, der Schmelzofen^ ein winziger Hochofen vom 2 Meter Höhe mit y 3 Meter dicken Seitenwänden, neben dien zur Erzeugung hoher Temperaturen ein 6 Mjeter hoherGebläse- türm", oder besser einGebläseoohr" gestellt ist. m beruht aus dem gleichen Prinzip, wie eine moderne Wasserstrahl-Lustpumpe, wenn auch seine > Wirkung hier gegenteilig verwandt wird. Ein Dell des. Baches ist nämlich in eine Hvlzrinne abgeleitet, aus der das Wasser durch ein senkrechtes Holzrvhr in einen gemauerten halb- kugelförmigen Hohlraum stürzt, beim Anprall oben durch Kuh­hörnerv fnmngen mitaerissene Luft wieder abstößt und seitlich durch em Tonrohr zum Schmelzofen preßt, wo auf diese Weise eine starke Sttchflamme zustande kommt. Nur dieses sehr sinnreiche Gebläse ermöglicht ech m einem mit Holzkohle angeschürten Ofen das Metall rejllos zum Schmelzen zu bringen, so daß es in Lehnrformen vor dem Ofen ausgefcmgen iverden kann.

..*rr^ euc5 d i e Fischerei im Kriege. Durch

die Absperrung des Meeres durch Minen und Kriegsfahrzeuge wurde die Fischerei in den europäischen Gewässern begreiflicher- weste sehr fühlbar geschädigt. Ganz besonders hat England in dieser Beziehung zu leiden, dessen Fischerbevölkerung an der Süd- und Ostkuste vielfach der Not anSgesetzt ist, und auch die neutrale Flscherel wird durch die englische Willkür zur See immer mehr m Mltleldenschast gezogen. Bekannt wurde in letzter Zeit vor allem die englische Bedrohung der Fischerei Norivegens und Hollands. Auch unsere deutschen Seefische find, wie in einer Be­sprechung der diesbezüglichen Verhältnisse in der bei der Deustchen BerlagS-Anstalt in Stuttgart erscheinendenDeutschen Revue* aus- geführt wird, naturgemäß selten geworden. In der Ostsee können Gegenwart lg die besten Fischgründe nicht befischt werden, und der sang ln der Nordsee muß infolge des Krieges gänzlich ruhen, me von den Nordseefischereien bekanntlich auch in' der Kriegszeit gezahlten gute»! Renten find auf die Berpachtuug ihrer Fahrzeuge oie. Regierung zurückzuführen Günstiger liegen die Berhält- msse für die deutsche Binnenfischerei. Hier sei nochmals betont, öa | ® le schleunige Benutzung nicht regelmäßig besetzter oder ab­gefischter Teiche, wie Dorf-, HauS-, Park- und Ziegelteiche, höchst wertvolle Resultate zu ergeben vermag. In vielen solchen Teichen find die eingesetzten Besatzfische, vor allem Karpfen und Schleie, im Herbst zu Speisefischen herangereift. In den Forellenbächen wurde ourch die von den Behörden rege unterstützten Bereinigungen schnellwüchsiger Besatz geschafft, der ebenfalls un Herbst genügend herangewachsen sein wird. Zur weiteren Besserung der Fischerei­erträge werden eine Anzahl behördlicher Verfügungen für die Winterzeit vorgeschlagen, wobei auch eine Beurlaubung der Mann­schaften in den Fang- und Abfischzeiten wünschenswert erschiene. Auch könnten die Mindestmaße der Schonzeit, unbeschadet des Fortbestandes unserer Fische, für die Kriegszeit noch wesentlich herabgesetzt, manchmal sogar ganz ausgehoben werden.

* Beim Film ist nichts unmöglich! Das folgende Geschlchtchen, welches beweist, daß die modernen Filmunternehmer - wenigstens in Amerika sich durch nichts verblüffen lassen und in lhrer Entschlossenheit, die Güeratur der Flimmerleinwand zu erobern, selbst die kühnsten Erwartungen übertreffen, weiß .Paris midi* zu berichten. Vor kurzem, so erfährt das Blatt, erhielt Anatole France von einer New Yorker Filiugesellschast die telegraphische Anfrage, ob er die Erlaubms zur Verfilmung seines' Romans ^Thais geben wolle. France, der bisher noch nichts mit der Kmokunst zu tun gehabt hatte, wollte diese unerwartete Anfrage mit einem Scherz erwidern, indem er zurücktelegraphierte, daß er für die Erlaubnis 75 000 Mk. verlange, lltrt so größer war sein Erstaunen, als er die lakonische Antwort erhielt, daß sein Vorschlag angenommen und das Geschäft als abgeschlossen zu betrachten sei. Jedenfalls eme Ueberraschung, die man sich gefallen lassen kann!

Magisches Aua-rat.

In die Felder nebenstehenden Quadrats find die Buchstaben

BEEHHNN00OOORRRR derart einzutragen, daß die wagerechten und senk, rechten Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:

1. Ein BlechblaSinstrument.

2. Ein Holzblasinstrument.

3. Eine Pstanzengattung.

4. Römischen Kaiser.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Gleichklangrätsels in voriger Nummer: Granate.

bchujtlettuaa: Aua- Goetz. - Rotationsdruck und Aerl»g der Brühlljchen UniversitätS-Buch- mld Steindruckerei, R. Lange, Gießen.