Ausgabe 
22.7.1916
 
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. Vermischtes.

* Der Besen deS Tl d m i r a l s I e l l i c o e. Dem Befehls- Haber der englischen Seeslreitkräste in der Seeschlacht von Jütland begegnete vor etwa einem halben Jahre eine merkwürdige Sache, die durch feine Niederlage bei HornSriff tragi-komische Bedeutung gewinnt. Gegen Weihnachten wurden ihm mt5 besonderem Anlaß allerhand Ehrungen erwiesen, darunter auch au- Südafrika, wo man in europäischer Geschichte nicht eben taktfest zu sein pflegt. Die treuen Südafrikaner hatten Sir John Jellicoe, um ihn ganz besonders zu erfreuen, einen Besen gesandt, den sie auf einem Schiffe .Inflexible" in der Nähe der Treppe zu den Admirals- räumen befestigen ließen, worüber er sich sehr erfreut zeigte. Der Besen sollte an einen alten Spott erinnern, den ein Seevolk dem anderen in den Kämpfen de? 17. Jahrhunderts angetan hatte: ein Admiral des einen Volke? fuhr mit einem Besen am Mast durch den Kanal, um dein Admiral und den SchiffSbesatzungen des anderen höhnisch zu zeigen: so rein von ihnen »volle er den Kanal fegen. Da? Pech der guten Südafrikaner war nur da?, daß jener Admiral, der mit dem Besen am Mast nach einer siegreichen See­schlacht durch ben Kanal fuhr, keineswegs Engländer gewesen war. Vielmehr war eS der Holländer Tramp. Es geschah in den Kümpfen der Mederlande und Englands im Jahre 1652, in denen eS Tramp gelang, die Engländer unter Blake am 10. Dezember 1652 bei den Down- ftu schlagen. Ilm den Spott zurückzugeben, befestigte der englische Admiral Blake auf den: Hauptmast seines Admiralsschiffes eine Peitsche. In der Tat eignet sie sich für Eng­land besonders gut, da sie ans den englischen Sklavenschiffen, auf den britischen Sklavenpflanznugen und in Heer und Flotte Eng­lands eine übergroße Rolle gespielt hat. Noch heute werden be­kanntlich die englischen Matrosen von ihren Vorgesetzten verprügelt, und im Oberhaus konnte diese Gewohnheit noch vor wenigen Wochen von dem Admiral Beressord mit Begeisterung verteidigt werden. Sir John Jellicoe aber wird heute an den Besen, den ihm die Südafrikaner, nichtsahnend von seiner wirklichen Be­deutung, senden ließen, mit gemischten Gefühlen zurückdenken.

* Barbarenkost. Es war September 1914, als Väterchens KEurbrinzer vorübergehend Insterburg besetzt hatten. Einer von Rennenkampfs Soldaten gönnte eines Abends einer dortigen Bicr Halle die Ehre feines Besuches. Er verlangt ein großes Glas Bler, das ihm auch gebracht »vird. Es scheint gut zu schmecken, nur mit dem Bierunterlatz weiß er nicht« anzufangen. (In Ruß­land erhalten die Gäste zum Glase Bier eine Scheibe Brot.) Nach­denklich betrachtet er den Bieruntersah längere Zeit von allen Seiten, bis er ihn plötzlich entfchloffen in mehrere Teile zerbricht und zum Erstaunen aller Anwesenden anfLngt, diese Stücke der Reche nach auszueffen, »vas ihm unter vielem Würgen und Trinken auch gelingt. Bald daraus bestellt er ein zweites Glas Bier, »nacht dem Kellner aber mit Zuhilfenahme vieler russischer Worte begreiflich, daß er dieses ohne Beilage wünsche. denn das deutsche Brot schmecke abscheulich! Infanterist Hugo Biester (Zeltuug der 10 . Armee).

^ - - vüchertlsch. -y

r r* resftoni - mus von Hermann Bahr. Mit 19 Tafeln Uheftet Mk. V-, in Halbpergament Mk. 4,50. VorzugsauSaabe (ylc. 1-60,) auf Butten in Ganzpergament Mk. 16,. Umfcblag- zelchnung von Prof. H. F. «hmke. 170 Seiten. Delphm-Verlag, München, Gifetastr. 25. .Alle Geschichte der Malerei ist immer Gesuchte des Sehens. Die Technik verändert sich erst, wenn sich das Sehen verändert hat. Sie verändert sich, um den Vorä'nde- riutflen des Sehens nachzukommen. Das Sehen aber verändert LV der Beziehung des Menschen juc Welt. Wie der Mensch Welt sl^ht, so sieht er sie. Alle Geschichte der Malerei ist de5- halb auch Geschichte der Philosophie, besonders der ungeschriebenen.

, 1 cP 1 ? t ,üör "'"Zeit von solchen» Entsetzen geschüttelt, von solchem Todesgrauen. Niemals war die Welt so grabeSstuinnr. Niemals war der Mensch so klein. Nie»,»als war ihn» so bang. NlenmlS war Freude so fern und Freiheit so tot. Da schreit die Not fetzt auf. Der Mensch schreit nach seiner Seele, die ganze ^eit »mrd em einziger Notschrei. Auch die Kunst schreit urit, m die tiefe ä w P*S M v lchreit um Hilfe, sie schreit nach den» Geist:

. £ ec .^ i, reifumi§ , miS .... Der Expressionismus ist noch »nchrs als eine Gebärde. Auf bei» einzelnen Expressionisten kommt ,1 Sf . «armcht öit, noch weniger gar auf irgend ein e, izelneS Werk .... Uns soll die Kunst nicht bloß das Leben »verlchonern- und das.Häßliche verbergen und «»»»deuten", sondern Kun,t muß selber Leben bringen, Leben schaffen ans sich selbst ßUMr Q inf Menschen ureigenste Tat tun. .Die Malerei" sagt ^?he "stellt au? waS der Mensch sehen mochte und sollte, nicht gewöhnlich steht." Wenn man schon durchaus ein Pro- gramni de? ExpressionlSmuS will, dies ist es." Diese wenigen ?"vahre,i einen Einblick in den Geist dieses Buches vom ExpresponiSmuS^ das emmal die modernste Kunst, ihre Proble- anspruchslos und populär darstellt. Auch k"" brettere OeffentlichkeU hat daS Recht, ja die Pflicht, sich mit

® «Kjw® | ber gn eMe N <11 . imb jüngsten Kunst anSeiuanderzu setzen. Hier ist ent Weg zu diesent Ziel. Daß dieser Weg nicht

ode Landstraße »vurde, dafür sorgte BahrS bunte- Teinperainent» Ja, tute Herinann Bahr in diese ihm ursprünglich so ferne Wett .ich elnzusühlen und sie mit seiner persönlichen Wärme und Lieben»« »vurdrgkeit zu erfüllen vermag, das wird mit großein Genuß wahr» genommen. Alls 19 Bildertaseln, die in Tiefdruck hergestellt sind, »verden typische Beispiele nit§ der allerneuesten, aber auch auS dök exotischen, ägyptischen und romantisch-gotischen Kunst vorgeführt, r* Wiking-Bücher. Bd. 20: Olga Wohl brück, De« Ratsherr,» L e i u i u S T o ch t e r. (Verlag der Wiking- Bücher, Leipzig.) In Leinen 1 Mk. .Es ist eine Geschichte noch zus .Urgroßnittttertagen - aus der Zeit der Postchaisen und Musselmkleider, der Vatermörder und der Romantik. Sie ist mir von ineiner Großmutter erzählt »vorde»», und ich habe lange ge­glaubt, sie sei ihr selbst passiert, oder noch eher ihrer Mutter, dem resoluten Ratsherrntöchterlein an3 dem Badischen". Mit diesen govten führt uns Olga Wohlbrück in .Des Ratsherrn Leinius Tochter weit fort von den» Schlachtgetüniinel unserer Zeit, in jene fernen ^.age, da ein Wort, ein Ausruf, ein Gedanke Schauer mier Die öaut jagte, weil die Empsindsanikeit weder durch grause Geschehiuße, noch durch zersetzende Betrachtungen abgestiimpst war. II Bd. 21: Robert Fuchs-Liska, Des Mitleids Liebe, -bkit Sorgfalt ninimt der Verfasser sich der Käinpfe uin Sein oder -inchlsem einer verlassenen jungen Frau an. Warinherzig begründet er ihrer Seele Not und ihres Leidens Schmerzen, als sie, in ver­schämter Arürut ihren eigentlichen Staiid verleugnend, eines edlen Reichen Herz gewonnen, durch die anfänglich harmlose, notdiktierte Luge ihr Gluck zertrüntmert sieht. Wie sich der daraus entstehende Kolifutt, verschärft durch Jutriguen, zum scheinbar nimmer zu lofenoen Knoten schürzt, wie ein schwanksamer Charakter zum Kanrps unis Glück die Kraft gewinn» intb eS sich zurückerobert, >vird spannungsreich in gutgewählter Form erzählt.

D i e BundeSratsverordniliig über die Be- »v i rrtQ ii ng von Z ach lungSfristen n tt KriegSteil - n e c vom 8. Jmii 1916 nebst den Verordiinngen über die gerichtliche Bewilligung von Zahlungsfristen und über die Folge»', der n»cht rechtzeitigen Zahlung einer Geldforderung. Mit gemein« verständlichen Erläuterungen. Verlag von Franz Bahlen irr Berlin W 9, Linkstr. 16. Preis 30 Pfg.

Gictzener tzausfrauen-Bereirr.

Wachen-Küchenzettel.

^ « Sonntag: Pilzstchipe*), Schiveinefleisch. Blumenkohl, Ka»^ tosselstocken, gezuckerte Johannisbeeren.

Montag: Grüne Erbsensilppe, Gemüse von Pfifferlingen"), Salzkartofftln.

Dienstag: Kartoffelsuppe, Nudeln, gekochte Heidelbeeren ^ Mrttwoch: Skchelsuppe, Kochfleisch, grüne Aräutertunfe, Salzkarloffeln.

Donnerstag: Grüne Bohnensuppe, Karboffelbällchen, StohU fatal.

^ r f U ? ö : Rhabarbersuppe, gekochter Schellfisch, Rettichtunk- m»t Karboffetn.

r , ^ a tag: Buttermilchsuppe, Bohnenbratlinge, Kartoffel-, salat mit Gurkensalat gemischt.

*) i l z s u p p e: Pilze müssen möglichst frisch verbraucht »vcr-« de»», alle madigen Te»le werden entfernt, die Pilze klein geschnitdm. ln Fett gedämpft, etivas Mehl darüber gestreut, aufgefüllt, qe» salzen und mit Petersrlrc gewürzt.

, **) Gemüse von Pfifferlingen: Dieselben »verden »vre oben bemerkt vorbereitet, sehr oft geivasck^en und uir-erschnittenl »n Butter gar gedämpft, mit »venig Rahn, oder Milch und Peter» s»l»e fertig gemacht. _

ttreuzrätsel.

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In die Felder nebenstehender Figur sind die Diichstaben

Ra b bc e o e eeeffhhhh

hhiiiikkklllltin oop

rrssttüttyy derart einzutragen, daß di« senkrechten und 'vagerechten Reihe,» gleichlautend folgendes ergeben:

1. Diiflende Zierpflanze.

2. El»»e Krankheit.

3. Heilige Handlung.

Auflösung in Nächster Nummer

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Ailftösung des Silbenrätsels in voriger Nummer t , ^vstannisbaa Ulme Lnuater - Isaschar Urania Socai Wittiti Orang-Utang: Literatur I-'ata Morgan» -r- Faaftöff;

3 u t ( u 8 Wolfs, Der Raubgras.

Echrtllleilun«: Aug. - Rotation,dvuck und Verlas bet Brüdl'Ichkn UniverfllLlS-Buch- und Slkmdruck.ni. 3t tonst, Ai-b-I