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Illühle und den Holzhandel und bin wieder der alte Gottfried, der ich ehemals war, vielleicht mit dem einzigen Unterschied, daß die Politur etwas gebohnerter ist. Und nun bitte ich dick) herzlich, laß allen Widerspruch und gib auch du die Heirat in Gottes Namen zu. Ich lege heute nacht deine Photographie mit dem kleinen Testament unter mein Kopfkissen und hoffe, daß du mir im Traume erscheinen und freundlich zunicken wirst. Tust du es nicht, dann nicht. An deinen ewigen Trotzkopf habe ich mich nachgerade gewöhnt; ich will meine Meinung aber auch einmal durchsetzen und lasse mir nicht immer dazwischenreden — das kannst du dir merken — Amen! . . Worauf Reschke wütend die Mütze über den weißen Schädel stülpte und mit großen Schritten davonglng. Er unterhielt sich viel mit seiner Lotet: Frau und sagte ihr auch manche Wahrheit. Er war etwas wunderlich geworden seit ihrem Hingang, und wenn sie einmal in einer Traumnacht ausblieb, brummte er viel und war arger Laune. —
(Fortsetzung folgt.)
Die Uhr.
Von Friedrich Kipp (Nachdruck verboten.)
der Lölveschen Strophen soll in diesen Zeilen nicht die Rede sein, sondern von dem Geschick einer wirklichen, goldenen Uhr, das sich wahrheitsgetreu im großen, heiligen Rußland zugetragen hat und von dem mir der sächsische Rittmeister Georg von Hanstem berichtete.
Herr von Hanstem stand zu Beginn des Krieges bei einem Ulanenreglment. das anfänglich zum westlichen Kriegsschauplatz ausruckte. Aw Dann der langwierige Schützengrabenkrieg in Frank- rerch begann und man darum für hie Kavallerie weniger Verwcn düng hatte, wurde Hausteins Regiment nach Rußland verladen Vrer ereilte den Rittmeister ein böses Geschick. '
Auf einem Patronillenritt wurde er von den Kosaken, die sich kleinen Trupp nahten abgeschnitten und umzingelt, so daß es ern Tmg der Unmöglichkett war, sich durchzuhanen. Was
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... Mtt meister von Haustein war aber ein schneidiger Kerl und voll fUrf™*. f r 0Jnmt-eS und Tollkühnheit. Es gelang .ihn:, aus der ^mrne^utreffen" €Tltfommen uni> wieder mit den Deutschen zu-,
^ «-’S? 1 % ihm der Umstand zugute gekommen, daß er die
rnlsilche Sprache beherrschte und über einiges Geld verfügte
daher mit Mut gnd Klugheit alle Wirrnisse und Tahrlrchkeuen, dw fern gewagtes Unternehmen mit sich brachten,
Zwilkleidern, die UM ein alter Händler gegen gute llingende Münze besorgt hatte war er wieder wohlbehalten znrückgeke'hrt um nun aufs neue das Schwert gegen Deutschlands Feinde ^zn Lachend gedachte er oft der Gefangenschaft b^i den
^inc wundervolle Begebenheit mub ich Ihnen doch einmal Gläsk B'i« ÄmwLaL “ tS 1Wt gütlich bei einem
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mit leuchtenden Äugen musterte rhn eme Wonne, euren wirklichen, leibhaftigen. Ulanenoffizier in Gefangenschaft zu haben. J
Vor den Ulanen hatte er nämlich großen Respekt. —
hatte eine schlechte Behandlung erwartet, aber es kam ansnahmswepe anders als ich dachte. Der General behandle nach Mi ar.sge,achter Liebenswürdigkeit und lud mich sogar zur DÄteÄ,. 1 !" aIIe ' E durch dm Dienst v«hLd«rU
^Natürlich war ich der Gegenstand der allgemeinen Beachtung Wd da der General mich mit äußerster Zuvorkommenheit und Güte überhäufte, Sollte keiner seiner Offiziere ihn, nachstehen und ich srotztm Schmeicheleien und Artigkeiten zu hören! .san) Tlsch konnte ich mich frei und ungeniert, wie die anderen bewegen und ich rauchte daher in Seelenruhe meine kleine Sinai wtle, bte ich jlttS 6et mir führte, mich dabei in russischer Sprache mit dcni entzückenden General unterhaltend — 1
,Mcm, diese Russen!" dachte ich. „Wer hätte cs geglaubt? NVr«v mit ehren Gefangenen, wie mit Ihresgleichen!" - Das hatte ich nur doch anders vor ge stellt!
Wie iclchso im stillei: Behagen an meiner Zigarette sog, faßte A) NlLchanisch nach der Uhr, um zu sehen, ivie spät esAei fu hr? ^ beschreibt meinen Schrecken, der mich da plötzlich durch-
Tie Uhr Wr verschlvunden! —
.. . Ich .VUkßte wohl kem allzu geistreiches Gesicht bei der Entdeckung dieses Umstandes gemacht haben, denn de7 General sah mich auf
einmal fragend an: „Fehlt Ihnen etwa-. Herr Kamerad?
Sre ',ehen ia plötzlich ganz blaß aus!" —
„Es ist nichts, Exzellenz," erwiderte ich, indem ich nach Fassung rang.
Ich konnte mir die Geschichte unmöglich erklären, daß hier, .im Kreise der liebenswürdigen russischen Offtzi-ere, meine Uhr, v:e doch durch eine stabile goldene Kette befestigt, verschwunden -rar, aber ich vermochte mich genau zu entsinnen, daß ich sie vor einer halben Stunde noch gehabt hatte. Ein Irrtum war also gänzlich ausgeschlossen.
Der General, der an meinem Verhalten, das reservierter geworden war, wohl merken mußte, daß etwas Besonderes mit mir ws sei, ruckte mir daher mit eindringlichen Fragen jetzt näher aus den Leib, so daß ich endlich mit der Tatsache herausplatzte.
„Herr General, soeben ist mir meine goldene Uhr abhanden gekommen, sagte ich darum, ein wenig erregt.
w x.'-'® 0 ' Hw, Hm!" machte dieser. „Und Sie hatten sie vorhin noch?"
zx. "^6wohl, Uhr und Kette! .Beide Gegenstände sind verschwunden."
„Ja, ja! Glaubs schon! — Verstehe!" lächelte jetzt der Russe. „^ie iahen doch während de§ Soupers neben Oberst Ordnnow. Daher kann rch mir alles erklären! Ist ein schlauer Fuchs! Geneben und klug! Kem Offizier tut es ihm gleich. — Tüchtiger Soldat und ausgezeichneter Stratege! Bcvechttgt zu den schönsten Hoffnungen."
Ich konnte mir nicht erklären, was diese Lobhhmne auf den Oberst Mit meiner Uhr zu tün hatte, kam aber bald dahinter, denn der General fuhr fort: „Natürlich hat Ordynow Ihre Uhr! Ich feititc ihn! Wer, seien Sie beruhigt, in zehn Minuten haben 'Lie ne wieder."
Mes war mir nun mehr zuwider, als jetzt die gute Stimmung unter den Offizieren zu verderben und daher bat ich: „Aber, Exzellenz, es ist ja weiter iiicht schlimm. Mir ist die Sache furchtbar pemlich und ich inöchte teilt Aufsehen erregen. Vermeiden Sie daher cmen Affront!"
"Seien Sie mir nicht aufgeregt, mein lieber Rittmeister! Ich werde schon alles zn Ihrer größten Zuffnchenhert regeln."
4-aber klopfte er nur liebenswürdig auf die Schulter und mischte sich Mim unauffällig unter die hernmstehenden und sitzenden Offtzicrc. —
Ich verlor ihn aus dcni Auge. —
Nach kurzer Zeit aber schob kam er freudestrahlend zurück und überreichte mir d:e Uhr nebst Kette.
Ich war frappiert mW stammelte: „Wahrhaftig, das ist sie! Herzlichen Dank, Exzellenz! Wer, wie haben Sie sie so rasch bekommen? Was hat der Oberst gesagt?"
Da sah ,nich der Alte belustigt an, neigte sich ganz nahe zu Mir und indem er das eine Auge zumiff, sagte er in selbstbewusstem Ton: „Ganz ohne Sorge, mein bester Rittmeister! Oberst Oropnow ist nicht im geringsten kompromittiert! — Ha, ha, ha!
— Wird der nachher Angen machen!-Er hat nämlich nichts
gemerkt."
ZeldhemrhcmSschrtften.
Im einem soeben erschienenen Büchlein (Sammlung Ans Natiir und Gepteswett, Band 514, B. G. Teubner, Lcipziah „D ie Ha ud- scyrNtenbe urteil u ng von Dr. G. Sm neiden, übt, Profcstor der vergleichenden Pathologie an der Universität Kiel, wrvd darauf Angewiesen, wie nüchtig es sei, vor der Bern^ivahl den in der Handschrift zutage tretenden Anlagen gebührende Beachtung zu -schenken. Bon besonderem Interesse wird heute sein, wie me Aufstellung ^des Verfassers sich an Feldi-errnhandschriften bewahren: H.r der Hand,chri.t eines Offiziers, der die wichtigsten Eigenschaften für feinen Beruf besitzt, rvjrd man vor altem die Merkmale der Festigkeit, Entschlossenheit, Klarheit, Spannlraft, Einfachheit und Zuruckbaltuug neben mehr oder Nnmiger vorhandenem verbindlichen Wesen seststellen. Wo diese Eigenschin'tt.k bei einem jungen Manne, der sich dieser Laufbahn tvidmen will, in der ^^BAü)rstt erkennbar sind, wird man auch ein entsprechendes Urteil über reuto Befähigung abgeben können. Musterbeispiele für das Vorhanveusem diefcr Eigenschaften bieten die Handschriften hervorragender Feldherren aus dem Weltkriege. Man betrachte nur emmal aus dieie Eigenschaften hin die Handschriften von Hin- d°« b u r g L u d c n b o i- f i • Ü Inck. B ii (o w. M a ck c - n. Km.m.'ch. Linsin.ic,,. Eichhorn. Auch die" atibfcbvit de« Reea,Kanzlers v. B e t hma n n H o ll weg ist in dieser Bcziehnnq charakterlstifch. Die feste, klare, schmucklose Schrift ist alten ge- nenisam.- Man vergleiche mjt diesen Ha.idschritten die 'eine, druck- u) wache des Generals I off re und man wird uns chicer den Unter,clued erkennen können. Recht häufig kann man heim Studium der Handschriften von Abiturienten, die später tüchtige Offiziere geworden sind, die Merkmale obigez- Clwraktercigen'chgstea in'der Handschrift lejcht feststellen.
Man sieht also dnß die Beziehungen zwiscken tzandkel-ti't und Charakter incht bloß ein Produkt der (h„l),lhmu>}tVait sind o„d-ni
'.'chcrcm cr,abru»g§wisseni»as»liche„ Grunde ruhe» Sävn un Altertum fot man dlcseB-hanPtnng ans.iestcllt und u, dearii». ^n «sncküt bedeutende Männer der traten ^ahrhnndeur nie Goethe, L-cibmz, La Vater, Alexander von Stouafeüt, Alexander Tu-


