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Farnkräuter.
Als> nach den ersten Schöpsungsta-gen das grobe, lebenspendende Licht die Nebelhülle durchbrach, schloeblen lÄigel, beladen nftt Blumen, ai[$ eiltet anderen Welt herab auf die junge, von frischem Grün geschmückte Erde. Jeder Baum und Strauch, ein jedes Kräutchen und Grashälmchen empfing als Patengeschenk einen Mütenschmuck mit auf den Weg zum neuen Erdendasein. Die auf den hohen Bergen wohnten, wurden, weil sie dein Himmel am nächsten waren, zuerst beschenkr. Vielleicht sind darum die Bergblumen heute noch so unendlich frisch und rein in der Farbe. Ueber Matten und Täler, Wiesen und Wälder schwebten die G-ottesboten und streuten ihre Gaben mit vollen Händen aus. Der Kirschbaum erhielt ein weißes Gewand, der Kastanienbaum seine Blütenrerzen. Dem Tausendschön ward ein Kränzchen auf das goldige Köpfchen gescßt und das Wunder Veilchen bekam außer seinem hellblauen FrühlingMeide noch ein grünes Sommerkostüm. Ja die Wiesen- rannel durfte sich rühmen, deren vier zu besitzen, ein iveißeS, rotes, violettes und blaues. Aber immer noch ivaren die Korbe fast randvoll. Da griffen die Engelsbände tiefer in die duftigen Gaben und streuten Purpurglöckchen über die Heide, bis sie in der Farbe des Abendrotes erglühte. Nachdem Mich der letzte Vorrat an die Herbstfluren verteilt worden war, wandten die Engel sich wieder der himmlischen Heimat Zu.
Als sie aber nach der blumengeschnückten Erde zurückblickten, zerflossen im hellen Sonnenschein die Reste der Nebelschleier, die bisl-er noch im tiefen Dunkel der Wälder und in den feuchiten Schluchten und Schrunden der Berge hängen geblieben waren und eine große Menge taufrischer Pflanzen mft zierlich geschlitzten, zum Teil schneckenförmig eingerollten Wedeln kam zum Vorschein, die bei der Blumenspende übergangen worden war. Erschrocken über ihre Unachtsamkeit traten die Engel weinend vor den Thron des Allmächtigen. Er aber sprach tröstend zu ihnen: Jene Krauter, die ich oor eueren Augen verborgen hielt, bedürfen des Blüten-« schmuckes nicht Ich habe ihren Zweigen die Anmut der zarten Blüte, ihrem Wuchs die Schönheft der Palme gegeben. Wenn ich den Menschen schaffen werde, wird er mein Werk auch an diesen Gewächsen erkennen und preisen. F. Rehnelt.
Vüchertisch.
— Unter dem L 11 e l „D i e Fünfzig Bücher- erscheint im Berlage Ullstein & Eo., Berlin, eine neue Bücherreihe, zierliche Bändchen, mit künstlerisch abgestimmtem, farbigem Umschlag, der ein nach dein Inhalt wechselndes Bftdmotiv trägt und die Freude jedes Bücherliebhabers erwecken soll. (Preis je 50 Pfg.) Sechs bis sieben Bogen Text haben die Werke, die hier geboten werden. Versprochen wird eine Auswahl dichterischer Prosa, Neudruck von Briefen, Tagebüchern, Memoiren, eine Bibliothek des Schönen und Denkwürdigen aller Zeiten. Neben dem Ernst des welthistorischen Geschehens will die Sammlung den Humor betonen, neben den großen Angelegenheiten des Staates das rein Menschliche der Einzelpersönlichkeiten und des gesellschaftlich-kulturellen Lebens. Deutschland und Deutsch-Oesterreich mit der Vielfältigkeit seiner Sonderarten und der nahe Orient werden bevorzugt sein. Den Anfang macht ein Bändchen „Paris 1 3 70/71", das, in den Tagen des Weltkrieges reizvoll aktuell, Stimmen aus der von den Deutschen belagerten Hauptstadt Frankreichs wiedergibt. Es enthält die Berichte der vornehmsten Geister, wie Victor Hugo, Zola, Goneourt, über die nationale Katastrophe, und es läßt erkennen, wie sehr das Geschlecht von 1870 in seiner Fähigkeit, durch trügerische Illusionen der gallischen Eitelkeit zu schmeicheln, den Franzosen von heute verwandt ist. Zwei Herrscherbildniste schließen sich an : „Der junge Fritz in Rheinsberg", eine entzückende, aus den originalen Briefen an Voltaire, Grumbkow, die Markgräsin Wilhelmine u. a. zusammengesetzte Darstellung der glücklichen Welt, die der Kronprinz Friedrich von Preußen in seinem Rheinsberg sich schuf, und
aria Theresia", geschildert durch den Abdruck ihrer zärtlich sorgenden Familienkorresvondenz, ihrer Briese namentlich an Marie Antoinette und den Kaiser Joseph, mit kleinen Szenen vom Wiener Hof und auS Schönbrunn als Hintergrund. In dem Bande „Berliner Novelle n" sind drei der berühmtesten Erzählungen von E. T. A. Hoffmann vereinigt; sie zeigen das phantastische Dichtertum des preußischen Romantikers und das von seiner schrullenhaften Laune heraufbeschworene, altväterisch-philiströse Berlin zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Band „Oesterreich i s ch e Novelle n" enthält vier Meisterwerke, Grillparzers „Armen Spielmann", Friedrich Halms „Marzipänlise", Stifters „Bergmilch" und Kürnbergers „Braut des Gelehrten"; gemeinsam ist ihnen die poetische Stimmung, die österreichische Landschaft, gemeinsam die hohe Kultur der sprachlichenForm. Aus dem H e r o d ot stammen die „Orientalischen Königsgeschichten, die ewig jungen Sagen aus dem Kindesalter der Völker, in denen Märchen und geschichtliche Wahrheit rätselvoll zusammenfließt. Jeder Band hat eine Einleitung; die Vorworte zu diesen sechs ersten sind versaßt von Karl Scheff'ler, Walter von Molo, Stefan Großmann, Franz Leppmann, Felix Salten und Paul Erust.
— Waldemar BonselS: Die Heimat des Todes. Empfindsame Kriegsberichte. Verlag Walter Schmidknnz, München, 1916. In Umschlag von Paul Neu. Mk. 1.—.
- Deutscher Wille (K u n st w a r t). Erstes Juniheft 1916. (Kriegsausgabe zu ermäßigtem Preis. Vierteljährlich 3 Mk- Verlag von Georg D. W. Eallwey, München.) Das Heft wird mit einem Pfingstanfsatz von Professor D. Friedrich Niebergall über daS uralte Thelna „Wiedergeburt" eingeleitet. Der zweite Aufsatz „Und immer wieder: Wucher" von Dr. Wilhelm Stapel untersucht, wo eigentlich die Triebkräfte des Wuchergeistes stecken. — Wolsgang Schumann nimmt in einem Aufsatz „Inm Kampf uni das Gymnasium" Stellung zu der viel umstrittenen Bedeutung der alten Sprachen für unsere allgemeine Bildung. Den Schluß des vorderen Teiles des Heftes bildet eine Auseinanderseßung von Bonus mit der Deutschen Christlichen Studeuteuvereinigung und von Stapel mit dem Evangelischen Preßverband, beider unter dem Titel: Christliches und „Christliches".
- Die Weltliteratur, die jeden SamStag einen der besten Romane und Novellen aller Zeiten und Völker für 10 Pfg. in guter Ausstattung bringt, hat zu ihrer letzten Veröffentlichung Nr. 25 die für Adalbert' Stifters Kunst besonders bezeichnende Novelle „Der Waldsteig" geivählt. Die Weltliteratur, die ün Verlage der Weltliteratur, München, Färbergraben 7, erscheint, ist jedermann zu empfehlen.
- Der siegreichen Seeschlacht gegen die englische Flotte vor dem Skagerrak ist die neueste Nummer 3807 (Kriegsnummer 99) der Leipziger „I l l »l st r i e r t e n Z e i t u n g" (Verlag I. I. Weber) gewidinet. Claus Bergen zeigt Matrosen eines deutschen Großkampsschiffes beim Sammeln von Granatsplittern während der Gefechtspanse, ferner Offtziere eines deutschen Großkampsschiffes aus der Kommandobrücke bei der Beobachtung des Unterganges englischer Schiffe. Eine bemerkensiverte Schöpfung hat derselbe Künstler mit der doppelseitig wiedergegebenen Zeichnung geliefert: „Die deutschen Großkanipfschiffe gehen während der Tagesschlacht am 31. Mai bei HornSriff in Kiellinie znm Angriff vor." Professor W i l l y Stö w er ist mit zwei wirkmigsvollen Blättern „Deutsche Panzerkreuzer im Kamps mft englischen Schlachtkreuzern" und „Der deutsche Torpedoangriff aus das Gros der englischen Schlachtschiffe am Abend des 31. Mai" vertreten. R. Schmidt-Hamburg zeigt deutsche Kleinkreuzer zu Beginn der Seeschlacht beim Verfolgen englischer Kreuzer der „Calliope"-Klasse, Felix Sch worin st ädt das Lecksegelziehen aus einem havc^ rierten deutschen Torpedobootzerstörer, sowie die Rettung von Mannschaften eines untergegangenen englischen Schiffes durch ein deutsches Torpedoboot. Kurt H a s s e n k a in p führt in Streubildern unsere blauen Jungens an Bord mährend des Gefechts vor. Des allgemeinen Interesses sicher ist auch eine Zeichnung, aus der die Ausstellung der deutschen und der englischen Streitkräfte am Nachmittag des 31. Mai ersichtlich ist. — In der Nummer finden wir »veiter ein Porträt des Kaisers als Schöpfer der deutschen Flotte in Tiefdruck, die Porträts von Admiral Scheer (neueste Ausnahme) und der Großadmirale von Tirpitz und von Köster, Abbildungen der vernichteten englischen Schiffe, Aufnahmen von der Beerdigung der Gefallenen in Wilhelmshaven und vom Empfang der Skagerraksieger dilrch den Hamburger Senat. Aus der Höhe des bildlichen Teils der Nummer sieht auch der textliche. „Englands Prestigeeinbußen während des Weltkriegs" behandelt Gras E. Reventlow. „Die Schlacht vor dem Skagerrak" schildert Kontreadnilral z. D. Schlieper. Einen interessanten Vergleich zwischen „Trafalgar, Tsuschima und der Maienschlacht vor dem Skagerrak" bietet Kapitän zur See z. D. v. Kühlwetter. Ueber „Die Seeschlacht von heute" plaudert Kapitän H. Mcftdeyer.
LogogrLph.
Umwandlung, Werden und Entsteh'«, Verderben oder Untergeh'n,
Kurz, was auch immer sich ereignet, Man diwch ein Wort mit „g" bezeichnet.
Wirddrin^l „r" zu finden sein,
So ÄH“ ou’S wohl den Damen ein; Und soll ich dir Thalia zeigen,
So muß mit „h" es aufwärts steigen.
(Auflösung in nächster Nummer)
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer i
Im Hause, wo die Gattin sicher ivaltet,
Da wohnt allein der Friede, den vergebens Im Weiten du da draußen suchen »nagst,
Unruh'ge Mißgunst, grimmige Verleumdung, Verhöhnendes, parteiisches Bestreben,
Nicht wirken sie auf diesen heil'gen Kreis.
Vernunft und Liebe hegen jedes Glück,
Und jeden Unfall mildert ihre Hand. Goethe.
Schrlstleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lanae. Gießen.


