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LrnShrMg5§orgen und fleischloser Tag in - England.
Einer Londoner Drahttnetdnng zufolge teilte kürzlich ein hoher Regiernngsbeamter, d-essen Namen dos Blatt nicht nennt, der „Times" mit, es würde eine Einschränkung im Nahrungsmittelverbrauch in Großbritannien sich nicht länger mehr hinausziehen lassen, um der riesigen Preissteigerung einen Damm zu setzen und um zu verhindern, daß die Nese'rvevorräte angegriffen werden müssen. Man müsse mit der Beschränkung in der Zufuhr der Lebensmittel rechnen: denn das britische Reich verfüge für bie Einfuhr von Nahrungsmitteln und Rohstoffen nur noch über 3 A der Handelsflotte vor dein Kriege. Der betreffende Negierungsbeamtc besprach auch die Vorteile, die die Einführung fleischloser Tage in England mit sich bringen würde.
In ähnlicher Weise brachte auch vor einigen Tagen die „Times" ein „Eingesandt", das deutlich und mehr als alle bisher aus England vernommenen Nachrichten die Bedrängnisse und Lebensmittel- nöte erkennen und darauf schließen läßt, wie England die uns«zu- gedachte Aushungerung immer mehr am eigenen Leibe verspüren muß. Das Schreiben, das von einer dlnzahl hervorragender Persönlichkeiteil, wie den Bischöfen von London, Birmingham und Burnham, dein Minister McKcnna und dem Schriftsteller H. G. Wells unterzeichnet ist, verlangt, daß in England wöchentlich je ein fleisch- mnd alkoholloser Tag eingeführt werde. Die „Times", die sich zu diesem Vorschläge stellt, als ob er bereits Gesetz geworden lväre. stellt eilfertig ein ganzes Muster v«u Speisekarten für den fleisch- und alkohollosen Tag zusammen und setzt in nicht zu verkennender Absicht auseinander, daß der Genuß von zu vielem Fleisch und Alkohol höchst gesundheitsschädlich sei, und daß jeder Bürger für eine derartige liebevolle Vorsorge dankerfüllt sein müßte.
Die ernährungspolitische Anregung für einen fleischlosen Wochentag war schon am Ende des vorigen Jahres zum erste,t Male in der „Daily Mail" aufgctaucht und für wünschenswert erachtet, einmal aus dem Grunde, um das Preisniveau der wichttg- sten Lebensmittel h-erabzudrücken, außerdem und hauptsächlich, um Zahlungsbilanz und Wechselkurse zu bessern. Daß inzwischen die Lebensmittelverhältnisse Englands infolge der erheblichen Schiffsverluste und des vermehrten Frachtranmmangels nicht besser geworden, find, könnte durch zahlreiche, in der letzten Zeit in der englischen Presse erschienene Artikel belegt werden, die samt und sonders denselben Notschrei, die Warn,mg vor der Gefahr der sich sichtbar nähernden Hungersnot enthalten. Alle können nicht umhin, ihrer Angst, wenn auch vorsichtig gewunden, Ansdruck zu geben. „Daily Mail" sieht d,e Gefahr schon vor der Türe; Milch koste 50 Pfennig pro Liter und n>erde bald teurer sein. Leinöl sei um 130 v. H. gestiegen, und Butterfässer, die früher 22 Mark kosteten, kosten jetzt 40. Das Blatt weist immer wieder lobpreisend aus die deutschen Na h r u n cz s ka r t en hin und möchte am liebsten für England sofort wenigstens die Milchkarte eingesührt sehen, von denen sie ein Exemplar aus Schöneberg wiedergibt.
Wenn nian bei diesen Veröffentlichungen bedentt, daß diese eigentlich gegen den Preßerlaß verstoßen, der Mitteilungen oder Besprechnngen^von Nahrnngsmittelstcigerung strengstens verbietet, und daß die Schriftleiter riskieren, dafür verhaftet zu werden, so kann daraus geschlossen werden, wie groß die Gefahr und die Angst um eine bald nicht mehr genügende Versorgung der Bevölkerung mit den wichtigsten Lebensmitteln für England tatsächlich sein muß
vermischtes.
* F r a „ z ö si s ch e s M e „ e t e k e l i n - Spandau! Seit
Kriegsbeginn gefällt sich die französische Phantasie immer wieder in, Ausgraben inehr oder minder alter Prophezeiungen, die mit untrüglicher Sicherheit dein französischen Volke den endgültigen Sieg der großen Nation und den Untergang des Hanfes' Hohen- zollcrn verkünden. Co macht jetzt auch der „Merenre de Avance* seine Leser ans ein kleines Sammelwcrkchen aufmerksam, in dem solche wichtigen Voraussagen ausgezeichnet sind. Nachdem der Verfasser dieses Büchleins aus die bekannte Straßburger Prophe- zeiung hmgedeutet hat. nach der Kaiser Wilhelm II. der letzte König von Preußen sein wird, erzählt er, daß die Weiße Frau im Berliner Schlosse im Juni und Juli des Jahres 1914 sich nicht weniger als drein,al sehen ließ, gewiß ein Zeichen dafür, daß eö mit dem Hause Hohenzollern zu Ende geht. Noch viel Schlnnmeres aber begegnete dem Kaiser in, Juni 1914 bei seinein Besuch in Spandau. Gerade besichtigte er das Cchatzgewölbe des Juliusturn,eS, da erschien plötzlich, von unsichtbarer- Hand geschrieben, in französischer Sprache die drohende Inschrift: „Es wird nicht lange dauern, dann wirb über die Festung das gleiche Los hereinbrechen. wie im Jahre 1806 !* Totenblässe überzog das Gesicht des deutschen Jm- vcrators und mit eilenden Schritten verließ er mit seinen zitternden Begleitern den unheilschwangeren Ort!.
* DaL läutende Wrack a u k d e m M e e r e s g r u n d' Das Anssindcn gesunkener Schiffe ist selbst bei scharfer Eingrenzung de§ in Betracht kommenden Meeresgebietes wie jedes ergebnisvolle Suchen größtsnteils Glückssache. Trotzdem läßt sich durch ein systematisches und geduldiges Abtasten des Meeresgrundes in diesem Gebiete die Wahrscheinlichkeit mch ctuclj die Schnelligkeit der
Auffindung sehr erhöhen. Meist läßt man von Schleppdampfern ein möglichst großes Netz über den Grund schleifen, dessen Verhallen und Widerstand den gesuchten Schiffskörper von anderen Hindernissen noch sehr wohl unterscheiden läßt. Tann bleibt aber noch immer die genauere Fixierung des Ortes übrig, an dein die Hebearbeiten begonnen werden sollen. Gerade diese Arbeit erfordert viel Geduld und Zeit, da jetzt mit wenigen in das Wasser gelassenen Tauen für einen engeren Bezirk dasselbe Hin- und Herkreuzen vor- zunehrnen ist, das Austreffen der Drahtseile aus den Schiffskörper aber einen weniger auffälligen Widerstand hervorruft. Von der amerikanischen Marine wurde für diesen Teil der Bergungsarbeit eines bei Honolulu gesunkenen Tauchbootes, das in 90 Meter Tiefe lag, ein sehr praktisches Verfahren benutzt, das auch zur Bergung aller unter Zuhilfenahme von Metall hergestellten Gegenstände, wie Drahtseilkabeln usw., anwendbar ist. Man ließ, nach einer Mitteilung der „Technischen Rundschau", zivei Sonden, an deren Bleigewichte noch lange metallische Nadeln befestigt waren, über die fragliche Stelle gleiten. Die beiden Nadeln waren die offenen 'Ausläufer einer elektrischen Leitung aus dem Schiffe, in die eine Klingelanlage geschaltet war. Berührten nun beide Nadeln den Panzerkörper des Wracks, so wurde der Stromkreis geschlossen und die in Tätigkeit gesetzte Klingel gab den Erfolg der Ansfindungs- benn'ihungen laut kund.
'Was im Kriege wertvoller ist als Gold. Dem Herzog von Braunschweig, einem der hervorragendsten Feldherren Friedrichs des Großen im Siebenjährigen Kriege, bot einst ein Alchimist, der behauptete, er habe den Stein der Weisen gesunden, ein Mittel an, um Gold aus Eisen zu aewinnen. „Gold habe ich genug/ erwiderte der Herzog, „und Eisen brauche ich, um gegen die Franzosen kämpfen zu können. Wenn Sie aber Ratten und Mäuse in Ochsen und Schweine verwandeln können, so sind Sie mein Mann, denn jenes Ungeziefer verursacht mir in meinem Getreidemagazin großen Schaden, Schlachtvieh aber habe ich nie im Ueberstuß/
* D i e Katze in der Munitionsfabrik. „In de" Kriegs,verken von Puteaux an der Seine", schreibt der „Gaulois", „herrscht, wie man weiß, Tag und Nacht eine fieberhafte Tätigkeit- In endlosen Hallen werden unzählige Waffen und Geschoffe her- gestellt, und es gibt keine Viertelstunde, in der auch nur ein Teil der Arbeit ruht. Doch in einer der letzten Nächte, es war bereits nach Mitternacht, gingen plötzlich in allen Werkstätten von Puteaux ohne erkennbaren Grund die Lichter auS. In sämtlichen Abteilungen herrschte tiefstes Dunkel und man geriet begreiflicherweise in keine geringe Aufregung. Was konnte der Grund dieser unvermuteten Lichtlosigkeit sein? Handelte es sich um eine einfache Betriebsstörung, um einen feindlichen Akt oder war ein Zeppelinangriff gemeldet worden? Man äußert die verschiedensten Besorgnisse, man telephoniert von einer Abteilung zur anderen, die Arbeiter harren untätig in der Dunkelheit, und so verstreicht eine volle Stunde. Die Ingenieure untersuchen die Leitungen und können keinen Fehler sinden. Plötzlich aber entdeckt ,nan neben dem Haupt- schaltapparat auf der Erde den Körper einer toten Katze. So fand eine höchst dramatische Begebenheit eine fast lächerliche Erklärung: die Katze war in unglückseliger Weise auf den Schaltapparat gesprungen und hatte einen Kurzschluß hervorgerufen, der sie selbst "das Leben kostete, die französischen Kriegswerke aber zwang, fast zwei Stunden lang die Anfertigung von Geschossen zu unterbrechen. Immerhin wollen wir uns diesinal in unseren, Argwohn nicht zu der Behauptung versteigen, daß es sich um eine deutsche Katze handeln müsse I"
* Au s den Flugschriften jur Volksernährung: Wie konserviert ntan am beften Gemüse? M o r- che ln: Das äußere Eude des Stieles wird abgeschnitten, die möglichst 'sandfreien Morcheln werden ungewaschen durchgestochen, aus starken Faden gezogen und die Morchelkette in der Sonne ganz ausgetrocknet. ,Alle kleineren Pilze können in gleicher Weise getrocknet werden. Steinpilze: Die Pilze werden in Scheiben geschnitten, damit sie schneller austrocknen, und aus locißem Papier unter Umwenden in der Sonne getrocknet. Auch die anderen fleischigen Eßpilze ,verden frisch gepflückt, sauber geputzt, aber nicht ge,naschen, in mäßig dünne Scheiben geschnitten, auf starkem Papier ansgebreitet und möglichst an der sonne, sonst bei trübem Wetter in der lauwarmen Ofenröhre oder ans der Hürde getrocknet, in Papiersäcke gefüllt und an einem kühlen, trockenen Orte auf- bewahrt oder in Steintöpfe gelegt, die mit Pergament Papier zu gebunden werden. Ans „Unsere eßbaren Pilze in natürlicher Größe". Zum Trocknen eignen sich besonders der Steinpilz, Eierpilz, Champignon, die Morchel und Lorchel, aber auch der Stockpilz, Kapuziner, Ring Pilz, die Ziegenlippe, der Parasol und der Ziegenbart, in Ermangelung dieser auch die übrigen eßbaren Pilze. Zur Anfbewahnmg über den Winter hinaus wähle man am besten Steinpilze und Eierpilze. Die zum Trocknen bestimmten Pilze wäscht man mit Ausnahme der Mor cheln und Lorcheln nicht, sondern reibt sie, wenn möglich mit Zitronensaft ab. Dann schneidet man sie in Scheiben und reiht diese an Fäden auf, oder inan legt sie ans Packpapier oder aus Holzgeflechte ,md trocknet sie an lustigen sonnigen Orten, oder am mäßig warmen, nicht heißen Ofen, oder an, Herd.


