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Sur Laubheuberellung.
Man begegnet hin und wieder noch Zweifeln, ob Laubheu ober Reisigsutter, wie man es nemten will, wirklich als ein Ersatzmittel für Wiesenhen dienen kann. . ^ „
Gutes Wiesenbeu enthält an verdaulichen Nährstoffen 5,4 Prozent Rohprotern, davon 3,8 Prozent verdauliches Eiweiß, 1 Prozent Rohfett und 25,7 Prozent stickstofsreie Extraktstoffe.
Gutes L a u b h e u enthält im Mittel 6,2 Prozent Rohprolein, davon 3,7 Prozent verdanlick)es Eüveiß. 2,4 Prozent Rohsett und 32,5 Prozent stickstosfreie Cxtraktstofse. Das Ulmenlaub enthält sogar 11,6 Prozent Rohprotein, davon 8,5 Prozent verdauliches Eiweiß. p „
Das Laubheu oder Reisigfutter steht also dem Mesenheu an Nährstoffgehalt nicht nach und bietet auch ein Futter, welches von Ziegen unb Sckxrfen wie auch von Rindvieh gern gefressen wird, vorausgesetzt, daß es zur richtigen Zeit und sorgfältig gewonnen wird.
Mit Entwicklung der jungen Knospen und Triebe an Bäumen und Sträuchern wird neben anderen Nährstoffen Eiweiß erzeugt und Eiweiß ist gerate der in den Futtermitteln so wichtige und wertvolle Nährstoff.
Das Gras der Wiesen ivird zu Heu, der grüne Klee wird getrocknet. Weshalb sollen sich die grünen Teile von Bäumen und Sträuchern nicht trocknen und getrocknet verfüttern lassen? Die Gewinnung dieses Reisigfutters' ist vielfach unbekannt, sie ist aber gar nicht so schwierig, und man soll deshalb dieses Futter nicht gedankenlos verwerfen. Am gehaltvollsten ist Reisigsutter oder Laubheu, ivenn es im Frühjahr sogleich nach der Blattentwicklnng in den Monaten Mai und Junr gewonnen wird.
Schneidet man nur die diesjährigen grünen jungen Triebe mit dem Blattwerk ab, so muß das Trocknen sorgfältig, das Wenden mit einer Gabel vorsichtig geschehen, ähnlich wie man jungen Klee oder Luzerne trocknet und wendet, damit das Blattwerk nicht abfällt und beim Trocknen verloren geht.
Sobald das Laubbeil genügend abgetrockuet, das Blattwerk welk ist, legt man es am Abend rechtzeitig, vor der Taubildung, oder, wenn Regen droht, in kleine Haufen, in gleicher Weise ivie jungen Mee oder Luzerne, die ja auch, genügend äbgetrocknet in Haufen gesetzt, in den Haufen später nachtrockneu. Sobald solches Laubheu genügend durchgettocknet ist, wird es Unter Dach gebracht. Hat man luftigen Haus- oder Scheunenboden, wo es lose und locker gelagert werden kann, so kann man es schon dorthin bringeil, wenn es auch noch nicht so vollständig durchgetrocknet ist. Es ivird dann der Einwirkung des Wetters entzogen. Es ist sogar gut, wenn es lairgsam Ulld an nicht zu sonniger Stelle trocknet. Es darf dann aber aus den: Boden nicht sogleich hoch und fest gelagert, sondern es muß dünn, leicht und locker auseinander gelegt und auf den Boden mit einer Gabel nochmal geivcntet werden, damit es dort noch weiter nachtrocknet. Alsdann kann man es auf dem Boden locker höher aufschütten. Es empfiehlt sich nicht, das' aus diese Weise gewonnene Laubheu im Bunde zu binden, weil es dann leicht MUfffg oder schimmelig wird. Djas so gut gewonnene Laubheu ist ein ganz vorzügliches Ziegenfutter. Zu Häcksel fein zerschnitten und mit niederen Stoffeil aus Küche und Garten, wie z. B. Kartoffelschalen, Runkeln oder Rüben usw. gekocht oder gedämpft, wird es auch von Schweinen gern geftessen.
Eine weitere Art der L a u b h e u g e w i n n u n g. Eine andere Art der Gewinnung von Laubheu ist die, daß man nicht nur die diesjährigen jungen, grüneil Triebe, sondern die kleinen Zweige mit den vorjährigen Trieben abschnetdet. Diese Zweige dürfen aber höchstens V 2 Zentimeter stark sein. Danil nennt mail das Futter „Reisigfutter".
Die abgeschnittenen kleinen Reiser werden 1 bis 2 Tage ans- einandergelegt, damit die grünen Triebe uub das Blattwerk etwas abtrockneil und welk werten. Dann bindet män sie in ll^ine 30 bis höchstens 40 Zentimeter starke Bündel, ähnlich wie Getreide- garben, oder ivie ntrnt den ersten Schnitt Luzerne in Heine Bündel bindet, die Reiser mit dem Mschnitt nach der einen Seite, das Blattwerk nach der andereil Seite. Tie Bündel dürfen beim Binden nicht zu fest zusammen gedrückt werden. Zum Binden kann man kleine Buchen , Birkero- oder Weidennilen benutzen. Die Reisigbündel werten in kleine Stiegen, ähillich ivie Getreidestiegen, zu 6 bis 8 Bündel auftecht gegeneinandergestellt oder auch alllehnend an Baiirnstämme um diese herumgestellt. Das Anffsellen der Reisig- stiegen soll nicht an sehr sonnigen Stellen, möglichst unter Halb>- schatteu geschehen, damit das Blattwerk nicht zu grell trocknet. In scharfer Sonne getrocknet, verliert es an würzigem Geruch, die Blätter fallen leicht ab und die Tiere fressen es dann nicht so gern. Je nach dem Wetter wird man die Stiegen einmal umstellen nnffsen, dainit die Bündel gleichmäßig gut austrocknen. Sind sie gellügend auSgetrockner, ivas bei günitigem Wetter in 6 bis 8 Tagen geschehen sein Faun, so bringt man das Reisigsutter in troefene l listige Schuppen oder Scheu neu unter Dach, am besten ans lustigem Haus- oder ischennenbaden. wo es nachtrocknen Faun. Wie Wiesen- imb Kleeheu nach dem Einernten nachschivitzt, so ist es auch beim Futterreisig unk Laubheu. Die Reisigbülldel dürfen deshalb beim Einernten in Schilpten oder auf denl Boden nicht zu dicht und fest anfeinaitdergcpackt, sondern sollen ntoalichst locker und luftig gelagert werten, damit das Futter sich nicht erwärmt Upd nicht st ockig pnd schimmelig ivird^
Für ten Futterwert des Lanbheus spielt die Jahres- und Tageszeit eine Rotte. Das im Mai und Imri geschnitteire Lmtbheil ist nährstoffreicher wie das im Juli nrrd ?(ngust geschnittenr, utLb das am Abend geschnittene ist gehaltvoller wie das am Morgens geschnittene.
In den Blättern der Bänine und Sttäncher wird mit Hilfe des Sonnenlichtes Stärke gebildet, und die Blätter sind am stärke- reichsten in den Abendstunden. Währerrd der Nachtzeit ivird die Stärke in ten Blättern in Zrrcker umgewandelt und im Sast!- strome nach dem Stamme und ten Wurzeln hingeführt. Äm> Morgen sind daher die Blätter am nährstoffärmsten. Mit dein weiteren Wachstum verholzen die jungen, grlinen Triebe nno, verlieren dadurch an Nährwert.
Die zu beachtenden Hauptgesichtsplinkte bei der Gewinnung von Laubheu oder Neisigftitter sind teinnach:
1. rechtzeitiges Schneiten, im Frühjahr, Mai und JUui,
2. vorsichtiges Trocknen im Freien,
3. sorgfältige, trockene, luftige Lagerung unter Dach.
vermischt«».
’ Sjnmadjen von Kürbisse 11 . Uns ivird geschrieben : ,Jch mache in meiller Obst-- uild Gemnse-Einkochtliche viel die verachtetste deutsche Frucht, den Kürbis ein. Die Erfolge waren gilt. Es wäre aiich noch nicht 51 t spät, wenn jetzt gleich alle Landratsämter eine diesbezügliche Weisung erhielten. Der Kürbis, dem jeder Sehnmtzhailfen zum Allbail genügt, nimmt ja keiner Feld- und Gartenfrneht einen Zoll Boden fort. Collie das Obst in diesem Jahre wider Erioarten mißglücken, so wäre er Goldes rvert, aber and) im günstigen Falle ist es wohl iür die nliilderbenlittelte Bevölkerttng möglich, sich eher Kürbis für Marmelade zu Faulen — als Obst. Am besten lmd härtesten im Fleische ist der längliche Melonerlkürbis. Er eignet sich vor allein au Gemüsezwecken (z. Volksküchen usiv.f hervorragend, dann zri Mus.' Auf 1 Zentner Kürbis rechnete ich 10 Psiind Süßäpsel — also die wertlosesteii, 10 Pfund geriebene Möhreii. Zucker ist nicht nötig. Dieses Mus kocht 12 Stunden. Der Kürbis hält sich in frischem Zustaiide bis Anfang Februar. Ich glaitbe, Kürbis ivürds sich, gerieben, vorzüglich zur Streckung von Weißbrot, und Kuchen eignen. Doch daS müßte man ansprobierenck
* Ein machen ohne Zucker. Das Berderbeu ter Früchte wird hauptsächlich durch Pilze verursacht, deren Keime überall in der .Lust herumfliegen. Mlan kann die Früchte dadurch vor dem! Verderben schützen, daß man Salizylsäure zu fügt, ditrch die die Pilze vergiftet werden. Der Mensch ist nun zivar widerstandsfähiger gegen Salizylsäure, als ter Pilz, aber schließlich ist auch für ihn der dauernde Genuß salizylsäurehaltiger Früchte nicht unbedenklich. Auch dadurch kann man die Früchte vor dem Ber-terben schützen, daß man sie sehr stark einznckert, teuu auch in starkev Zuckerlöfpng gedeiheir die Pilze nicht. Wenig oder garnicht verzuckerte Früchte kann man erhallen, wenn nian die darin befindlichen Pilze tötet und dann durch einen keimsicheren Verschluß das! Hinzutreten neuer Pilzkeime verhindert. Aus diese Weise arbeiten die Konservenfabriken und die sogenannten Frischhaltungsverfahren Rex, Weck usw. Den Minterbenvittelten sind diese Verfahren zu teuer wegen ter dazu nötigen Spezialgiäser und der Gummiringe. Der hohe K'riegspreis des Gnnimis läßt jetzt auch den Bemittelten nach einem billigeren Ersatz ausschauen. Es gibt ein einfaches, billiges und gut ansprobiertes Verfahren, Früchte ohne Zucker einzumachen, es ist nur noch zu tvenig bekannt. Nötig sind dazu weder teure Spezialgläser noch Gummiringe. Ein gewöhnlictes billiges Glas, ein Stück iveißes Papier, etwas Kleister, Verstand und Sorgfalt: weiter ist nichts nötig dazu. Wer darüber verengt, kann sein Obst im eigenen Hanse und mit ten Mitteln, die sich in jedetti Hanse finden, ausnntzen. Man kocht die Früchte als ganze Frucht, als Mus, Marmelade mit oder ohne Zucker, ganz nach Belieben, füllt sie kochend heiß in die ganz remen Gläser, taucht eine Papierscheibe (2 Zentimeter größer als die Glasmiindnng) in dünnen Stärkekleister, der mit einer Spur Salicylsäure vermischt ist, und klebt damit das Glas zu. Wenn alles tadellos sauber qebandhabt wird, so ist die Frucht haltbar. Die Gläser dürfen ater nie an feuchten Orten anfberoahrt werden. Wer Einmachgläser nach dem System W!eck, Rex nsw. hat. den alten Gummiringen aber nicht mehr trank, ter mag ten Verschluß sichern durch lleberkleben mit Papier auf die oben beschriebene Art.
* 2 B i e Benjamin Franklin d i e Sommeqnt e n t- Zeckte. Anläßlich bcr nun auch für England akmellen Sommer- Zeit wird in den englischeti Blattern daran erinnert, wie schon Benjamin Franklin sich für die wahre Würdigung des Tageslichts einsetzte. Da er sich hierbei aber über dte datnalige Unsitte des langen Morgenschlates der Pariserinnen luftig machte, iand er viele Widersacher. Er versieberte ben Pariser Damen ironisch, er babe die bedeutsame Entdeckung gemacht, »daß die Sono.e Licht svcndet, sobald sie ansgegangen ist. tvovon ich ntick, selbst durch Anziehen der Fettslervorhättge nl erzeugt habe!" Diese Ironie aber vnrds dadurch bestraft, daß man crividerte, auch der große Franklin icnne sich irren: er habe beim Oeffnen der Vorhänge näntlicb nur da4 Dnnkjl hinattDgelassen! . . ,


