Ausgabe 
13.5.1916
 
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Rfcfyunb bezahlt. Nun frcffoi ihn die MLuse; er ist gar nicht ausgepackt worden, es tour Teilt Platz da. Cs sollte angebaut werden, das steht auch tu den Alten; der Bailplan liegt da, aber der Fürst l-at darunter geschriebctt:viel zu teuer"..

MengelSdvrff," sagte Jost sinnend:Belten, oas kann doch nicht..." doch Velten lies; ihn nicht auSsprechcn.

Jost, mein Junge," ries er,mein Prinz, mein Sohn, wir roerden beatitrageti, das; uns heule ntn'iiD eine Flasck)e Champagner zur Verfügung gestellt wird, denn darauf müssen wir trinken, gib acht woraus. Dieser Mengelsdorss ist der rl-einische uassationsrdt, der berühmte Germanist, Luther und Fischansorsck)er, dessen Bibliothek von Pätzoldt für verschollen erklärt wurde, er glaubt, sie sei ttach bcu Freiheitskriegen in England versteigert worden, llttd mm finden lvir sie in deinem väterlichen Schlosse wieder, über ein Menfchenalter hindurch stand sie hier tmausgepackt, und Gras Arteru sagt, die Mäuse hätten sich satt au ihr ge­fressen. Da soll doch das Schockschtver"

Sck>ockschwernot!" schrie auch Jost. Sonst tvar das Fluchen nicht seine Sache, aber jetzt mußte er. Er hatte einen roten Kopf bekommen vor Eifer; die Passion packte ihn mit Leidenschaft. Auf der Stelle ging es hinaus aus den obersten Boden. Es umr bitter kalt, hie und da hatte der Schnee durch das Dachgebälk und die Fensterritzen gestäubt, der Wind pfiff um den Giebel. Das war gleichgültig« Lakaien mnszten kommen und zwei der Kisten erbrechen. Dann knieten Jost und Velten nieder utib wühlten in den -ätzcn. Moderdnnst stieg ans, der Staub wirbelte.

Die Herren werdet» sich gehörig erkälten," sagte Graf Ariern, dessen Bück-erlicbe beschränkt war. Die beiden hörten nicht. Von Zeit zu Zeit riefen sie sich einzelne Betnerknw gen zu.

Der ganze Fischart," schrie Jost,alles in den Ori­ginalausgaben! Vom Glückhasst Schiss die Ausgabe ohne Ort und Jahr! Die achtzehn Biographien von 1536!..."

Hier ist's noch seiner!" schrie Vellen zurück;ich wühle iit alten Volksliedern. AnShelms Türkeitermahnung von 1500! Weihes König Karel! Wessels Klaglieder! Sickingen lieber, Türkenlieder, Bauern!jeder zu Haus! Die fränkische Reimchronik von 1571! F rein he ins Tugendspiegel! O Gotte- doch!..

HanS Sachs!" schrie Jost,drei Spiele! Gerengels Historie von Johannes dem Täufer! Eine Comöüi von. Sck-rvartzenbach, Nürnberg 1550!..."

Ein Aesop!" schrie Velten;deutsche Ausgabe 1475! Rabanns Maurus! Ein Turrecremata!..."

Arteru begann Freiübungen zu machen, um sich die Kälte ztl vertreiben. Die beiden Bücherwürmer wühlten weiter. Sie froren nicht, sie glühten; sie knieten iu Staub und Schmutz, ihre Hände wurden schwarz, sie spürtet; es gar nicht. Da erlaubte sich Arteru eine Bemerkung: man ver­gletschere hier oben, es herrsche Alpenklima; er stelle drei heizbare Fremdenzimmer zur Verfügung. Das tvurde ange­nommen. Die nächsten Tage gehörten der Bibliothek Men- gelsdorss. Jost und Velten zogen sich Stalljacken au, die Madame lieferte dazu große blatte Schürzen. So packtet; die beiden die Bück)er ans und deponierten sie vorläufig in den Fremdenzimmern. Das Herz ging ihnen ans, sie fandet; er­lesene Herrlichkeiten: außer schön erhaltenen Raritäten wie den Apuleius von 1469, das Catholicou, die 1462er Bibel Füst-Sck)ösfers, den Durandns, den Rostocker Ovid von 1476 und zwanzig verschiedene Ausgaben von Rolevincks Fasci- culus temporum, zahlreiche alte deutsche Volksbücher: die Ge­schichten von der Magelone, vom Ritter, von; Turm, vom Sultan Saladin, von Pontns und Sidonia und den weisen Meistern, alles in den ersten oder seltensten Ausgaben; fanden d;e Chronisten Koelhoffs, Schedels, Steinhmoels und Bothos und waren gliickfelig, tvenn ihnen jedes neue Puch eine neue Ueberraschung brachte.

Otto half ihnen zuweilen. Er hatte seinen Doktor ge­wacht, seine Dissertatiot; hatte Aussehen erregt: er tvar auch etwas ernster geivvrden, politisierte gern und gab Grete noch immer gute Lehren. Grete und Annemarie zürnten, daß s;ch Brüder und Freund recht wenig um sie kümmerten. Dafür saßen sie täglich beieinander uird fyatteu sich u;o- gernessen viel zu erzählen. Daun und wann fuhr Graf Arteru m;t ihnen spazieren, in einen; alten Schnitten in Schwarten sonn, der etwas Gespcnsterhastes an sich \yxt te. Sie fuhren den Godet; hinauf und lärntteu »wischen der; Ruine;; und fuhren in der; Wrntertvald, der sie mit glitzernder Pracht Entrauschte und ihner; den frischer; Schnee in die blühenden

Gesichter wehte. Sie besuchten sich auch gegenseitig in feier­licherer Form: einmal mußte die Änschütz Plinsen backe;;, dazu rvurde die Burgmühle geladen, und dann gab es wieder in der Burgmühle einen festlichen Kaffee mit Speckkuchen, da war altes von; alten Hause drüben in; Dorfe. Man beehrte auch Beyfuß, ging in det; Feiertagen in die Kirche, wo als Ersatz für Fresenius ein fremder Pastor predigte, und inachte den; spartanischen Fürbringer seine Aufwartung, der vor Artsregung wie ein Jrwisch umyerfegte, daß die Rockschöße flogen.

Einmal wurde eine Partie nach Dombach zum alten Herzog geplant. Arteru ließ zwei Schlitten auspannen, den Schwär; und noch ein ähnliches Ungeheuer, das rnan in einem Winkel der große;; Remise faub: eine Art Drachen, rot ge­strichen und mit Kufen, die während der Fahrt beständig ächzten r;;;d stöhnten, als heule das Drachentier. Alles fuhr mit: Annemarie, Grete, Jost, Otto, Velten und Ariern; so hatte der Herzog es gewünscht, bei dem man vorsichtshalber vorher angefragt hatte, ob auch der Besuch genehm sei.

Und als mar; nach Dombach Font, staunte man. Eit; paar Diener sprangen an die Schlitten heran; Bozenhardt, dev Vokabellutscher, war nicht mehr der einzige Tontest;k in; Schlosse. Herzog Rübezahl trat den Gäste;; in; Frack ent­gegen, es erregte allgemeines Aussehen.Onkel," schrie Annc- ittarie,loas ist dir? Du befremdest mich, wo ist deine Wald- litib Wiese njoppe, wo die gestrikte Weste mit den Horu- knöpfen? Onkel im Fr.ack was ist denn los?" ... Es klärte sich alles auf. Am srühcrr Morgen war ein Kurier aus Emslirch dagewesen: die Erbprinz essin war in der Nacht vor; einen; gesunden Mädelchen entbunden worden. Prinz Emil hatte sich zu seinen; einzigen Jungen immer'ein Töch- terchen gewünscht: nun war das Glück groß. Ter Herzog wollte es feiern, er feierte e-s 'auf seine Weise durch eilig große Ueberraschung. Er imponierte in; Frack, hatte die schwarzer; Schnurrbartspitzer; tvie Lauzen emporgedreht und den weißen Vollbart sorgfältig geglättet, hatte die gesantte Dienerschaft seiner Besitzungen zusammeutrornmeln lasset; und eit; Diner gerüstet, wie es feit langen Zeiten int Dom­bach schlosse nicht serviert »vorder; tvar.

Zum Weihnachtsfeste tvar auch seit; zweiter Sohn, Graf Harro, von London herübergekornmen und wohnte bei dem Vater in Dombach. Mat; sah ihr; nur selten daheim. Er war zuerst der Gesandtschaft in Athen attachiert, war dann kurze Zeit in Konstaütinopel gewesen und lebte nun seit Jahren in der britischen Hauptstadt. Er hatte sich in feinem Aeutzern und seinem Sichgeben etwas Englisches angewöhnt, das dem Vater nicht gefiel; der Alte hatte für die Stammes­verwandtschaft jenseits des Kanals tvenig übrig. Graf Harro war ein großer schlanker Mensch mit feinem, bis auf ein kleines Lippenbärtchen glatt rasierten; Gesicht, von gemesse­nen Bewegungen imb einer gewisser; kühlen Reserviertheit. Nichtsdestoweniger war er sehr herzlich zu Jost und Anne- ntarie und von großer Liebenswürdigkeit gegen die übrigen Gäste.

Es ging fröhlich zu bei dem Diner; der Herzog war fast ausgelassen, er freute sich über das prächtige Ausseher; Josts, erzählte Studeutenstreiche aus seiner eigenen Jugend, würbe sehr neugierig, als man ihm von der Entdeckung des großen Bücherschatzes in Gotternegg berichtete, und begann dann mtt Ariern über den Wert der mannigfacher; Meliorationen ans der Herrschaft zu plaudert;. Er sprach mit sichtlichem Respekt von der Fürstin; die Errichtung der Töpferei und der Brttettfabrik hielt er für sehr verständig, lobte auch mit warmen Worten die Tätigkeit Arterns und freute sich, als Annemarie vor; Lilian zr; schwärmen begann.

(Fortsetzung folgt.)

Vas Licht am Wege.

Eine Kriegserinnerung.

Herr Leutnant von Estiorff!"

r Ter Regimentskommandeur trat aus seinen; Unterstand und brüllte es mtt erregter Stimme, lieber ihm war die Nacht und das Heulet; der Granaten. Seit dem Mittag trommelten die Fraw zosen auf die vvrg-esclDbene Stellung, und die Unterstände fülltet; sich mtt Verwundeter; Und Toter;, mW die Laufgräben. Urü> immer Werter sckwsser; die da drüben. Und immer wieder sang es und pfiff, knallte schrill ut;d barst. . . Eisenfetzer;, Steine und Erdschollen! spritzten, (tuf taten sich mannstiefe Löcher in dein kreidig weißet; Champagneboden.

des Obersten ging unter im Lärm der Geschütze, im Wwcrhallenden Knall der platzenden Granaten. Erde und .Himmel bebte, die ganze Stellung schien zu wanken.