Ausgabe 
29.4.1916
 
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Kannte. Als icki in eine Mulde kam, zog ich rasch tvieder meinen 5xlmbczng aui den Kops und lief, hast du, was kannst du. aus die deutschen Gräben zu. So iam ich her, und nun bin ich da und bleib ich da. denn meine Uhr Hab ich ja wieder und die Batterie dazu. Beehr kann man an einem Tag nicht verlangen."

Ein paar Tage später, die französische Batterie war schon weg- geblasen, wurde Malldors mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Er hieß von diesem Tage an aber nicht mehr bel ami, sondern Ta-obeu-hängt-sie" . . . und bald nur noch Hängt-sie.

Inzwischen hat Hängt-sie auch die Hessische Tapferkeitsmedaille erhallen, durch einen ähnlichen Streich. Wie das zugegangen ist, werde ick, ein andermal erzählen.

Ocririiscbtes.

* D i e französische Zensur als ^cv bereits traditionell gewordene und durch

O ste r g e s ch e n k' den gegenwärtigen

Krieg nur verstärkte Zorn aller Kreise der französischen Beoölke rung gegen die französische Zensur faab selbst tvähretld der Oster­tage keine Ruhe. Die Pariser Zeitungen ltesten es sich nicht nehmen, iir ihren mehr oder weniger voetischcn Osterbetrachlungen höchst nnvoetischeAngripe auf die Zensur einztlstechlen, und selbst die verschiedenartigen Ostergeschenkartikel in den Läden ans beu Bottle­va rds blieben von spöttischen Andenlnngen, deren Opfer die Zensur ist, nicht frei. Eia regelrechtes Osterzcnslirgeschenk aber stellte, wie das »Journal des DäbatS" ooll kaum verhehlter Schadenfreude belichtet, eme Pariser Schokoladensirma ans. Es bestand ans rarem mit Süsti ffecken 511 füllenden Karton, der die Form eines storentinischen Brunnens hatte. Auf dem Brunnenrcknde sah eine alte, fftrchlbar häßliche und voll Hinterlist wütend drein blickende Iran, die natürlich niemand anders als die Zensur versinnbild­lichte. Sie hielt in der einen Hand einen Korb, aus dein die Zettnngsnachrichten in Form kleiner Ostereirten entflatterten; in der anderen Hand aber schwang sic eine mächtige Schere, mit der sie einem ,einzigen Enlleiir, das die Aufschrift »Die Wahrheit* irrig, derr Hals durcdschnitt. Weint die französische Zerrsur, ihrer bisher geübten Gewohnheit getreu, dein Temperament ihres Rache' gestihls die Zügel schienen läßt, so rvird der Schokoladettiabrikant, der als so kühner Streiter für die Wahrheit auftrat, bald auch die Schaufenster seines Geschäftes jedesmal den Zensurbeamten vor- »vetfen rnüssen, bevor er sie enthüllen darf.

'Die mechanischen Dienstboten - ein engli­scher Traum. Der Mangel nn dienstbaren Geistern in Eng­land, der in ummterbrochener Zitnahme nunmehr bereits alles Dagewesene überschritten hat, veranlasst die Briten, und nam.ent- lich die Hausfrauen, zu sehnsüchtigen Betrachtungen über eine neue Methode, die diesem unhaltbaren Zustand abznhelfen vermöchte. Auch die Fratten, die früher dank i ner finanziellen Stellttng über die alltäglichen Sorgen des Haushaltes erhaben waren, merken henke von dem Alp dieses Gespenstes bedruckt. Run sucht die »Daily Mail* die hoffnungslose Trauer der männlichen unb weib­lichen Gemüter zu erhellen, indem sie ans den sog. mechanischen Haushalt, wie er in Amerika üblich ist, hinweist und ihn zur Nach­ahmung empfiehlt. Ztt diesem Zwecke wird das» Bild eines modernen Haushaltes ans der anderen Seite des Ozeans entworfen. Nlles wird hier mtf mechanischetn Wege getan, die Arbeit des Koche,»s und Reinigens besorgt die Elektrizität. Der elektrische Strom bereitet die Speisen, hält die Milch der Kinder wann, heizt die Stuben und reinigt das Hans vom Boden bis zum Keller. Schon das Frühstück am Morgen wird ohne Bemühung einer Köchm durch einen elektrischen Heizapparat zubercitet. Ein eigener Eierkocher steht auf dem Tisch, zu dem eine Anzahl elektrischer LeltungSdrahte führt. Mittag- imö Abendbrot werden auf b-e gleiche Weise hergerichtet. Ebenso gibt cs elektrische 'Apparate, die das Teppichreinigcn und Staubwischen auf das gründlichste be­sorgen.Auf diese Weise,' ruft die phantasiereiche »Daily Mail' voll Begeisterung atis,vermag inan Mühe, Sorge und auch Geld zn spare:,. Was aberdrüben" möglich ist, must auch in England dlirchführbar sein. Darmn tue jeder schleunigst das Seine, um den Haushalt mechanisch einznrichten. Auf diese Weise ist das Problem des kiilischen Dienstbotenmangels am bester, und bequemsten aus der Welt geschafft. . . So schön und verlockend die,er mechanisch-wirtschaftliche Traun, den Ohren der bekümmerken engltjchcn Hausfrauen auch klingen inag, so nnansiiihrbar erscheint er gerade unter den gegemvärtlg in England obwaltenden Um­standen. Dein, erstens haben die englischen Arbeiter mit der Her­stellung der notdürftigsten Munition und dringendst gebrauchten Waffe 1 übergenug z,t tun, um sich nicht noch mit der Erzeugung von mehr oder weniger koinplizierten Koch- und Reinigungs- apparalen zn beschäftigen; und zweiter,s wird niar, sich in England, wo ni':, aus sehr triftigen Gründen jedes kleinste Quäntcheis elett'ijchen Stromes zu sparen sucht, wohlweislich davor hüten, durch e neu so gesteigerten Stromverbrauch die ohnedies schon hohen Elektrizitätskosten noch zn vern,ehren. Darum lägt auch dieses so wohlgemeinte Traumbild des Londoner Blattes die Tienst- boleickrage ungelöst und die Engländerinnen in ihren häuslichen Sorgen nnqetröstet.

vüchertisch.

Unser Seelenleben in, Kriege. Psychologisch« Betrachtungen eines Nervenarztes. Von Dr. ,ed. Wilh. Stekei. Preis 2 Mk. Verlag von Otto Salle in Berlin \V. 57.

91 e ii e B a h u e n zur Heilung nervöser Zu­stand e. Von Dr. n,ed. I. M a r c t n 0 ,v s k i. Preis 1 Mk. 50 Pfg. Verlag von Otto Salle ii, Berlin äV. 57.

Gießener Hausfrauett-Berein.

W 0 ch e n - K ü che u z e t t e l.

Sonntag: Grünkernsuppe, Schmorbraten. mit Kartoffeln und Salat.

_ ..Montag: Hafersuppe. Kartosftlbällcheu mit Obst eventuell Fle,,chresie.

Dienstag: Sarwrampfersuppe, Spinatpudding mit tvsfeln.

Mittwoch: Reissuppe mit Kartoffeln un- Quarknudeln.*)

Kari

Donnerstag: Rhabarbersnppe *»

Fleischflösie, Kartoffeln.

), Schwarzwurzel mit

Ire i tag: Mehlsuppe, geschmorter Seefisch mit Senftunke*). Samstag: Bohnensuppe, Sparäpftlspeise

_ Kochamveisungc».

qnnr] G VljV 1 b ? 1 n ' " bcr Form: Mott FixTt 250 bis 600 Gramm sekbstbcrcttete oder gekaufte Nudeln in Tctcf't qesolzEm fer gar, aber ,a nicht zn weich, gießt das Wasser ab und labt die Nudeln abtwpfen. E-ne feuerfeste Auflar,ffvrni streicht man mit Butter ans, legt eine Schicht Nudeln hinein, darauf streicht """eine schickt Quarttä,e, wieder Nudeln, wieder Quark, «beit- aus Rudeln. Wenn man es haben tan», beträufelt man jcda Quark,chickrt mit etinaS Butter, Tie »berste Nndelschicht wird mit genebener Semmel bestreut, dann läßt man die Speise V» 6» lin , ' Im Ostn zu gelber Farbe backen unz^üreut beim An- richten etwas geriebenen Schweizerkäse darauf.^^

fl ,fl &ßr& e rf i| *De: Ein paar schöne Stiele junger Mürber werdA m «e».c Würfel geschnitten, die man mit un- gescihr _ Liter Waffer, etwas Zitronenschale und ein paar alt­backenen SemmelAnrtten weich kochen läßt und dann durch ein Sreo rMt. Dte Suppe muß nach Bedarf gesüßt und noch einmal ausgekocht werden.

, *) Geschmorter Seefisch mit Scnftunke: Ter sehr gut gereinigte, ausgenontmenc, gehäutete, entgrätete und in Stücke zerlegte, leicht gesalzene Seefisch jvird in wenig Wasser mit einer zersck'mttenen Zwiebel, einem halben Lorbeerblatt, etwas Geivürz ', nkrkvrnern weich gedämpft, dann in einer erwärmten -L-chüslel warm gelirlten, bis die Däiwpsbrüh.' durch ein Sieb gerührt, nnt gelblicher Mehlembrcnue und ein paar Löffeln Suff ver­focht und nut etwas Zucker oder Zitronensaft gewürzt ist. Diese Tunke wnd über die Fstmststcke gefüllt, sie soll gut seimig sein, bannt sie aus den rNstystuckeu hasten bleibt und nicht gleich wieder davon herunterläuft Mau kann an paar einfache Scmmelklöße in ctneni Teck der Frschbriche gar kochen lassen und mit den Fisch- ltuckeu milchen. Das Gericht wird dadurch etwas ausgiebiger w Spar-Apfel speise: Man schält eine Anzahl guter Aepscl, schneidet ,,e in Sckxuben und feine Stückchen, wobei'man das Kernhaus entfernt und stellt sie, mit Zucker bestreut, und mit etwas Rum oder Weißwein besprengt, für eine Stunde beiseite, ^uzwitcheu hat man eine beliebige Anzahl altbackener Zwiebacke lau gestoßen und liut etwas feinen, Zimt und Zucker vermischt. Erue feuer.este Schüssel oder eine einfache, runde Auflausform von -oica; wird mit etwas Butter oder Kuttstbu.ter ausgestrichen, dann legt mrur eine Schicht Zwieback hinein, daraus eine Schicht Aevfel und einige Korinthen, lvieder Zloieback. nochmals Aepfel und obenauf Zwieback. Tie oberste Zwiebackschicht wird mit 1 bis 2 Lös- rel flüssig gemachter Butter (Kunstbutter, beträufelt, daun läßt man die Speise eine gute Stunde im Ofen backen Wenn es keine frische Aepfel mehr gibt, tauu man auch eiugeweichte Ringäpfel nehmen Die Speise wird itt der Form aufgetragen. Man kann natürlich keine glattat Stücke abstechen, sie bröckelt etwas, da alle Binden'ittel, Milch, Ei und Butter, fehlen.

Greichkialig-Rätsei.

Ein Federvieh, ein Heist' Gefecht,

Ein finniges Geschenk für Tauten,

Ein Tonfetzrneister rate recht,

Du nennst sie alt' mit einent Namen. (Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer:

B

| L | B

L

Y | 0

**

B

0|R|

N

A

N j N

A

h

Echnstleitung: Aug. Goctz. - RoicttiouSdrucl und Berlag dir Brübi'schen Univ-r-sllätS-Buch. und Sremdruct«ri>, R. Lange, «legen.