Ausgabe 
26.4.1916
 
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Die arme Prinzessin.

Sioman von Fedor von Zobellißl (Nachdruck verboten.^

(Fortsetzung.)

Ariern konnte zufrieden fein. Es ging altes mic am Schnürchen. Der Trauung folgte die Gratulationskur in logenannten Galerie und dann das Diner in drei f vermählte Paar zwischen der Fa-

u l.e Herrfurlh und gegenüber saßen die Brautjungfern -mit ^".pbrreu: Anneruarie mir dein Fürsten Kala, und zwei amerikanische ßadvs mit einem alten General und deni Re Botkos.- die Ladys hatten vorstehende ..>ah e und zu kurze Oberlippen: die Offiziere radebrechten ^^^rzwerseltes Englisch und verfluchten heimlich ihre Nur".. ^ltteu Saale speiste neben allerhand jirngem unter dem sich auch Belten befand, die FamilieReschke. Der Bi.rgmuller war gut gelaiint, ließ keine Schüssel vor- ubergeheil und trank voll jedwedenr Wein, den mau ihm reichte, nach dem vierten Gange rutschte seine weiße Weste hoher, ohne daß er sich Mühe gab, sie wieder in die gehörige Ordnung zu bringen: nach dem-fünften Gange begann er selner Tischdame, der Madame B.alfour, hagebüchene Schmei- chelnn, zu sagen. Um diese Zeit Hörle die Madami derlei gerne. Ihre Sängclöckchen waren in aiimiitS- volU> Bewegung nnd deuteten auf anhaltend schönes Wetter- ^rb^meckte der Crvmant rosöe. den die Diener unauf- hotüch in d,c Spitzglaser der Damen füllten, ohne das Aus-

Sr 0 ^ 11 ? 1 Achiz wie bei Hofe. Dann und wann, l ickte s,e Grete freundlich zu, die ihr schräg gegenüber saß und einen blutiungen Ulanenleutnant als Nachbar hatte Sic amüsierte sich königlich; sie dachte nicht an die He?nihucker-

£ tf? r L ' el ' genoß den Augenblick.

Neiu, was machre ihr Nachbar für Witze! Was !var sur eru famoser Kerl! Was wuAe der alles zu er- ^ahlmi. Er lvar mit Auekdoten geladen, er hatte eine lose Bu.lge, seine charmante Bosheit verschonte niemand. Aber c-iiimal kam er doch in Verlegenheit.

Seheil Sie 'mal, gnä' Fräulein," wisperte er, die fmifte, dre sechste Dame von unten, was £?£* E den Hals? Erbarmen, ist das eine Sktaven- rerre, ist das eine nicht uiehr benutzbare Sardinenbüchse ist die-. Geboinmel nicht fidschiinsulanerhaft?.

np.-r» fnflt £ ® rete und errötete,das ist ein sehr altes

die Dame ist meine jjtntfcei. . . Baff! Der Leutnant erschrak Mid stammelte und IN Grete erwachte plötzlich ein edler Trotz.Sia

tr iKÄ et ' wiederholte sie,und da sitzt mein Vater.

Er ist der Burgmüller. Die Burgmühle ist schon seit 1308 in uitferm Besitz" die Zahl fiel ihr gerade ein unb

Sn regieren, so lange regieren wir

oruven. Deshalb duze ich mich auch mit der Prinzeß Anne-

trüber Otto duzt sich mit dem Prinzen Die Gotterneggs und die Reschkes gehören sozusagen zusammen," schloß sie mit Aplomb. ' 4 ' 9

n . [ln ,f r sagteAha", wurde ein wenig verlegen.

lnt?' ann J > [ r ueigte sich zu Grete herüber und

äußerte^Cs lebe die Vurgmuhle! Auf das Wohl Fhrev Frau Mutter! ^eien Sie mir nicht böse. Ich sehe jetzt? das Geschmeide ist uralt, ich bin ein törichter Spottvogel, es ist sicher ein Erbstück von 1402 bis 4 . . ."

Daiiu schwieg er. Man vernahui: iin großen Saale hielt ^'uand eme Rede, alte Herzog hatte auf das Braut- bcrnr geioaftet, gur-ft Jazrk sprach auf die Prinzessin Anue- 2}®*?*' noch einmal nahm auch Pastor Fresenius, der bei Beginn der Tafel das Gebet gesprochen, das Wort, um seine kleinen Konfirmandinnen zu feiern. Hurras und Hochs brausten durch die Räume: es war ein großes Rauschen

Gra/ Arte^i| 1! | e / llf ^ !I , Gläserklingen. Unaufhörlich empfing hp/Ä?. Telegrannne. Er gönnte sich wenig vom Genuß ^ e ^V ec ^ ar bakd hier, bald dort, und immer sah man neben ihm, etn getreuer Schatten, die Gestalt des Herrn Schloßmteiidanten auftauchen: natürlich en grand tenu die Urform war nagelneil, die alte hatte zu lange im Schranke gehangen, sie paßte nicht mehr. Es tarnen Telegramme von C m r -l ^>en Herrschaften, vorn Prinzen Karl Eduard, vom Prinzen Joachim und Ernst Joseph: aber die Freil^ war groß als auch ein Drahtglückwnnsch aus dem neuen Palars emtraf : Kaiserliche Majestät gratulierten demLeut- nant Bollo . Für den schneidigen .Herrenreiter mib sehr tucl;tigcu Fron tos fixier hatte der Kaiser, der im Ofsiziers- türp- der vierten Gardeulanen jeden einzelnen persönlich Saunte, viel übrig: den liederlichen Leutnant hatte er ge­legentlich gehörig gerüffelt. Man erzählte, der hohe Herr habe bei der Nachricht von der Verlobung Bolkos zustimmend geäußert:Sehr vernünftig, da rangiert er sich wieder- der giwßte Strick hat das größte Glück. . . ." John Francis Simpson Evgu. ließ das kaiserliche Telegramm unbemerkt in feme Taschen wandern: das wollte er mit über daö Wasser nehmen: das lvoltte er Bill Watson unter die Rase halten und auch dem laugen Egerton Thumb: das sollte sie ärgern bis )\c grün wurden, diese großschnäuzigen Old Fellows, die sich wunder was embildeten, tveil der eine einen italienischen ^olUb nnd der andere einen französischen Edetmanil mtfc zweiselhaftenide zum Schlviegersohn hatte. John Francis schinnnzelte: er war rasiert, er sah miiider struppig aus als l 0TI »V b.r trug auch ein farbiges Bündchen im Knopfloch, und fragte ihn dieser und jener:Wo haben der Herr Obers- gedient? so antwortete er kopfnickend:Unter General ~ ee ~ yes -" Auf Einzelheiten ließ er sich nicht ein.

Es wurde rasch serviert. Lennox, der erste Kammer- oiener, ersetzte den noch fehteiiden Haushofmeister, und auch er machte seine Sache gut. Er kommandierte mit den Augen und winkte mit dem kleinen Finger: die Lakaien flogen. Aber er war nicht zufrieden mit beit Anordnungen des Hof- chesv. Durchlaucht hatteri zwar Wünsche laut rverdeu lassen.