Ausgabe 
19.4.1916
 
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Sründonnerrtagr-Lrinnenlngen.

Der Gründonnerstag, der Anfall der Osterfeier, ist im Jahre 692 vom Papst Leo II., zur Erinnerung an die Einsetzung des Wendmahles, als dies coenae Tomini, in den christlichen Fest­kalender eingeführt worden und an das Abendmahl gemahnt auch hie weihevolle Zeremonie, die noch heute im^ Mittelpunkte des katholischen Gründonnerstags-Gottesdienstes steht: dre Fuß­waschung. Es ist ein Brauch aus dem Morgenlande, der ftch damit in das christliche Osterfest hinübergerettet hat; denn rm Oriente war es uralte Sitte, einkehrenden Gästen vor Beginn der Mahlzeit durch Sklaven die Füße waschen zu lassen. Tie Fuß­waschung, die nach der schönen Erzählung des Evangelisten Jo­hannes Christus an seinen Jüngern vornahm, hatte bekanntlich eine symbolische Bedeutung;Wenn ich dich nicht netze, hast du keinen Teil an mir"; so antwortet ja der Herr der Weigerung des Petrus» sich von ihm derr Fuß waschen zu lassen. Es ist wohl aus diese symbolische Bedeutung des Vorganges zuruckzmuhren, daß die griechische Kirche die Fußwaschung sogar zum Lakramente ge­stempelt hat. Als sinnbildlicher Brauch hatte sich dre Fußwaschung auch bei den Frühchristen gehalten, die sich nicht allein zum Zei­chen ihrer Demut gegenseittg die Füße wuschen, sondern diese Zeremonie auch an Fremden, vor allem aber an den Neugetauften, zu vollziehen pflegten. Nicht leicht aber hat der Brauch Eingang in die katholische Kirche gesunden. Nachweislich ist die Litte der Fußwaschung jahrhundertelang ganz außer Pflege gekommen, bis sie Ende des 12. Jahrhunderts wieder erneuert wurde. Seit da­mals pflegt der Papst regelmäßig nach der Messe am Gründonners­tage die Fußwaschung vorzunehmen, und zwar an dreizehn Armen, an deren Stelle in neuerer Zeit dreizehn weißgekleidete Priester getteten sind. Wenn aus der ursprünglichen Zahl zwölf im Lause der Zeit dreizehn geworden sind, so hat dies vielleicht seinen Grund in der frommen Legende, die erzählt, daß zur.Zett Gre­gors I., der täglich zwölf Arme speiste, sich diesen Zwölfen eines Tages ein Engel als Dreizehnter beigesellte. Tie Fußwaschung, die früher in der Clementinischen Kapelle der Peterskirche vollzogen wurde, findet feit 1870 in den inneren Gemächern des Vatikans statt und entzieht sich so dem öffentlichen Anblicke. Wer aber ie im Chore einer altehrwürdigen Kathedrale am Gründonnerstag den Bischof bei der Zeremonie der Fußwaschung sah, während leise Orgelklänge durch die hohen Hallen dahinschweben: der wird dies tveihevoll-schöne Bild nie vergessen. . . . _

Wie in allen Osterüberlieferungen, so spielt auch in den Er­innerungen des Gründonnerstags der Verräter Judas eine be­deutende, wenn auch nicht gerade schöne Rolle. Viele Jahrhunderte lang hat die Kunst bei der Schilderung der Einsetzung des Abend­mahls den Verräter schon dadurch an den Pranger gestellt, daß sie ihn von der Gesellschaft der anderen Jünaer absonderte. Auch heut noch muß der Erzschelm in mancherlei Gründonnerstagserm- nerungen seinen schwarzen Verrat körperlich büßen. So z. B. bei den Gründonnerstagsprozessionen, die in Südspanien statt­finden und bei denen Wagen mit lebendigen Bildern durch, die Straßen geführt werden. Das eine davon stellt dann regelmäßig das letzte Abendmahl dar und dabei muß ein ganz besonders häß­licher Kerl den Jirdas Jschariot spielen. Gut hals der arme Teufel nicht; denn während des Umzuges erfährt er zahlreiche Beweise der allgemeinen Verachtung, und nach seinem Abschluß tut er gut, sich in aller Sttlle zu drücken, da er bei der frommen Erregung dieser temperamentvollen Bevölkerung sonst seines Lebens und seiner Wohlfahrt nicht ganz sicher ist. Auch in P o l e n pflegt sich der Haß der Bevölkerung gegen den Verräter des Herrn tn einem erinnerungsreichen Brauche Lust zu machen. Das ist dasGil­das gericht". Es nimmt seinen Anfang, sobald das Glocken­geläut nach bekanntem Brauch auf drei Tage abgestellt ist. Beim Orts Vorsteher findet die Bevölkerung eine ausgestopfte Figur, die den Judas darstellt und über die alsbald alle mit Peitschen und Stöcken hersallen. Schon in mitgenommenem Zustande wird sie dann auf eine Fahne gesteckt und zum Friedhofe getragen, wobei ein Bursche dem Zuge voran eine Katze trägt. Wahrscheinlich soll die Katze die Falschheit des Erzschelms versinnbildlichen. Wer dem Zuge begegnet, ruft der Puppe Schimpfworte nach und bewirft sie mit Schmutz und mit Schiiee. Endlich wird der Kirchturm er­klettert und die Puppe sowohl wie die Katze werden von seinem, höchsten Stockwerke zur Erde geworfen. Tiesergestalt erleidet Judas jedes Jahr im Polenlande von neuem die verdiente Strafe.

Modejammer und politische Reise.

(Nachdruck verboten.)

Aus dem 1. Aprithest desDeutschen Willens" (KunstwartN

Deutsche Mode? Nein, davon reden nur noch unverbessm- licke Ideologen. Es gibt nur eine Mode: die internattonale. Es fragt sich! nur, wo sie entsteht. Ihr Bcunnquell war bisher Paris. Mir wiinschen, daß er in Zukunft in Deutschland oder weurgstms in Mitteleuropa sprudeln möge. Berlin, Wien, Frankfurt be^ arbeiten daher eifrig ihre Böden mit der Wünschelrute. ,

Wir stellen an diese internationale Mode deutscher Fabrr kttion keine Anforderungen der Vernunft der Hygiene, des reinen Geschmacks. Das Sck)eusal Mode wird geistigeren Mfpruchen alle­zeit unzugänglich- bleiben. Es kann wohl edle uiid vernünftige Kleidung, nie aber edle und vernünftige Mode geben. Jene wird

stets Sache selbständiger und vorutteilsfreier Frauen bleiben, bii Mode aber wird stets das Herdenglück der Hunoerttau sende bilden.

Hiermit glauben wir den Modemachern alles zugestanden zu haben, was sie nur wünschen können. Wir fordern weder Hygiene noch Sitllichkeit noch Geschmack von ihnen. Und doch inten wir die Mode, die sie jetzt eben gemacht haben, skandalös.

Nicht weil sie häßlich ist man gewöhnt sich bekanntlich an alles. Nicht weil sie mit hohen Hacken und hohen Halskragenj unhygienisch ist es ist selbstverständlich, daß man sich den Hals, nachdem man ihn eine Weile bloßgetragen, wieder einpackt. Wir wollen niemanden mit unserer persönlichen Vernunft und unserm besonderen Geschmack behelligen. Aber die neue Mode ist volks­wirtschaftlich unverantwortlich.

Wir leben nämlich, meine Damen, wie Ihnen eigentlich bekannt ein sollte, in einem Abschnitt der Weltgeschichte, dessen Haupt­kennzeichen nicht nur der Krieg, sondern der Wirtschafts­krieg ist. Wir müssen sogar mit der Möglichkeit rechnen, daß der Krieg garnicht auf dem üblichen militärischen, sondern aus wirtschaftlichem Weg entschieden wird. Engländer und Deutsche müssen nicht nur um die Wette Granaten fabrizieren und Schisse bauen, sie müssen auch um die Wette sparen. Geld sparen und Material sparen. Ter Staat, der Kaiser, jeder Bürger, jeder Ar­beiter muß sparen. Auch jede Frau. Mimi, die holdselige Ver- käufettn aus dem Warenhaus, Fanny, dassüße Mädel", dem sie verkauft, und sogar Frau Kommerzienrat, ihre Mutter, nicht ausgeschlossen. Also verlangt das volkswirtschaftliche Gewissen, daß man eine Mode cinbürgere, die erstens, möglichst an Stoffen spart, vor allem an knapp werdenden Stoffen, und die zweitens den ärmeren Volksschichten, die sich trotz ihrer Dürftigkeit doch derMode" nicht entziehen können, nicht unnütz Geld aus den Taschen lockt. Wenigstens wäre das als Ziel anzustreben.

In Wirklichkeit hat man das Entgegengesetzte angestrebt. Mau hat uns eine ausgesprochen verschveriderische Mode beschett. Jedes weibliche Wesen soll zu einem wandelnden Zeugballen gemacht werden. Nur die Füße läßt man srtt. Warum? Damit die Frauen gezwungen sind, elegante Stiefel zu zeigen. In der Zeit der Wolleteuerung stopft man in jedes Kleid Stoff für drei, in der Zeit der Lederteuerung sucht man die Frauen zu zwingen, hohe Lederstiesel zu tragen. Man muß denen, die für die Mode verant­wortlich sind, den schweren Vorwurf machen, daß sie sich keineni Deut um die Gesamtlage und das Gesamtnwhl gekümmert, sondern: daß sie nur an ihre Geschäfte gedacht haben. Aus der Fratze dieser Mode bleckt uns der 'freche, kalte Mammonismus an, dem alles gleichgültig ist, außer der Unternehmer-Kassce. Darum ist diese Mode nicht bloß häßlich wie die meisten früheren Moden auch waren, sondern im innersten gemein und niederttächtig.

Kein Wunder, daß hier und da ein Generalft)mmcmdo, zunächst väterlich warnend, gegen die neue Mode auftritt.>er wird es in der Ordnung finden, ivenn baldmöglichst durch militärischen Machtspruch der Stoff- und Lederverschwendung ein plötzliches Ende bereitet wird. Es scheint, anders tun wirs nicht. Es scheint, das volkswirtschaftliche Verantwortungsgefühl der Frauenwelt selbst setzt sich nicht durch. UnsereFrmienbewegung" will unsere Frauen zu verantwortungsbewußten Gliedern der Staats- und. Volksge­meinschaft erziehen. Von Mfklärung und Protest von dieser Seite haben wir aber bis jetzt noch nichts gehört. Und doch hätte schott die politische Klugheit die Frauen, die das Stimmrecht erstreben, zu energischer erzieherischer Arbeit unter ihren Geschlechts-; genossinnen auch in Modesachen bringen sollen. Tenn wenn es zur Entscheidung iiber ihre politischen Forderungen kommt, wird man sie ja vor allem fragen: was habt ihr getan, das eure Reifq als Mitverantwortliche im Volksganzen beweist?

vermischtes.

* Wie Bismarck s ü r e i n S t ü ck B u t t e r und Käse verkauft wurde. Auch im Jahre 1870 litten die Belagerer von Paris an Buttermangel, und derjenige, der damals Bismarck für Butter und Käse verkaufte, wenn auch nicht in persona, so doch die Gelegenheit, den großen Mann zu sehen, war der bekannte Geheime Regierungsrat Tr. Stieber, der Leiter der deutschen Feld­polizei in Versailles. Er erzählte das drollige Vorkommnis m einem Briese an seine Gattin:Eine feine Dame wollte nu Ge­walt den Comle Bismarck sehen, ich spielte wieder den Schlauen und sagte:Sie sollen Bismarck sehen, Cie sollen sogar dicht ber ihm stehen, aber schaffen Sie mir eni Stiick irische Butter und Käse." Nichtig, sie ging mit uns (b. h. mit Stieber und einem Stabe in ein unscheinbares, verschlossenes Haus, und wir erhielten aus einem kleinen Hose vier Stühle unb einen Tisch, L uttcr, Käse und Wein. Brote hatten wir >nit. Nach Wochen war dies die erste frische Butter und Käse. Wir haben herrlich gesruhstnckt und unseren Bismarck leben lassen. Ein Stück Butter und Käse war er schon wert. Ich habe mein Wort redlich gehalten., die Dame hat sich den Bisinarck ganz genau angesehen. Uebngens kann ich versichern, die Dame war nicht mehr ,jung. Ware sie selbst jilng gewesen, ich hätte frische Butter und Käse jeder anderen

Münze 0 * . I , c , b ,, * e ft « t o Vielleicht

bringt dieser Sommer einen Entschluß im Kanton Graubunden zustande, der sich mit dcni modernen Geist eher vereinigen lavt als der frühere Zustand. Tenn bis heute darf kem Automobil den