Ausgabe 
10.4.1916
 
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yessenkraft.

f u dem Tagesbefehl des deutschen Kronprinzen as 18. Armeekorps:Tenn wo die Hessen Schlagen, da hält kein Franzmann stund!"

Umringt von Banzerfeften,

Geschirmt von Stein imt> Stahl,

Gespickt mit schweren Mörsern Und Truppen ohne Zahl,

So droht in diesen Tagen Verdun in welschem Land,

Doch io» die Hessen schlacken,

Da hält kein Franzmann stand.

Deutsche Haubitzen brüllen Und speien Not und Tod,

Das Tal der Maas verhüllen Jetzt Nebel blutigrot.

Die Panzerlverke brachen.

Versenkt in Schutt und Brand,

Denn ivv die Hessen schlagen,

Da hält kein Franzinann stand.

Und über Minenfelder Durch Stacheldraht, Verhau,

Dg naht's in langen Wellen Gespenstig, rasch und grau,

Und schäumt in kühnen! Wagen Bis an des Waldes Rand,

Denn ivo die Hessen schlagen.

Da hält kein Franzmann stand.

Der Hessen Mut und Treue Ist allen längst bekannt,

Um ihre Stirn auf's Neue,

Sich Siegeslorbeer nxrud.

Sei ruhig au diesen Tagen,

Mein teures Vaterland.

Denn wo die Hessen schlagen,

Ta hält kein Franzmann stand.

R. Lang ermann.

vermischres.

* London i in Sturm. Tie Londoner iverden seit einiger Zeit nicht nur von den Zevpelinen, sondern anch vom Wetter heim­gesucht, das einen Krieg mit Wind imb Schnee führt, wie man ihn cm der Themse seit Jahren nicht erlebte. Ga»,z außerordentlich aber scheint der letzte (Sturm gewesen zu sein, der in der ver­gangenen Woche über London dahinbrauste. Sämtliche Blätter betonen, daß man sich in England kaum einer ähnlichen Wetter­katastrophe zu entsinnen vermöge. Besonders arg nnirden die von, den reicheren Klassen bewohnten Straßen des Westend mitgenommen. In der belebten, geschäftsreichen Regenstreet wurden zahlreiche Leute buchstäblich von der Gewalt des Sturmes zu Boden geschleudert. Die Windstärke nahm bei Sonnenuntergang noch zu, und in den Abendstunden wütete ein wahrer Orkan. Bäume wurden mn- aeworfen, Parkgitter ans dein Boden gerissen, Radfahrer und leichte Gefährte vermochten nicht mehr vorwärts zu konnnen. In der verkehrsreichen Kensmgton Road ivnrde ein hoher Baumstamm quer über die Straße geschleiidert, und währeiid zivei Stiinden ivar der Wagenverkehr gesperrt. Selbst die schweren Autobusse iuu vben hin und her geschleudert. Zwischendurch siel Schnee, so daß es unmög- lich ivar, geradeaus zu blicken. Schaufenster ivnrden eingedrückt nub eine große Zahl der Beleuchtungskörper in der City ivnrde zerstört. Zahlreiche Unfälle mit lödlichem Ausgang und die ver- schiedenartkgüen Verletzungen ivnrden der Polizei gemeldet. Ans vielen Häusern stürzten die flnuunc ein. Am nächsten Morgen ivaren ganze Stadtteile von London mehr oder weniger mit Trüm­mern bedeckt. Die Stürme in England, die sich in letzter Zeit mit außerordentlicher Heftigkeit und ungewöhnlich starkem Schneetreiben wiederholten, bilden auch für die britische Laiidivirtschast den Gegen­stand zlinehmender Sorge. Bei dein großen Mangel an Arbeits- kräiten fürchtet man eine Katastlophe für den englischen Ackerbali, dncn Bedentnng durch die Höhe der Einfuhr-Frachtraten i»och be­denklich gesteigert ivtrd.

..Wie eine Ordonnanz i u st rniert w i r d. Ein Kap'.nn.ileutnant, Kommandant eines Kanonenbootes, berichtet, daß Ci einmal das folgende Gespräch, das dicht vor seiner Kabinentür gcsnhrt wurde, mit angehört habe. Seine bisherige Ordonnanz unterweist den zu ihrer Ablösung kommandierten Matrosen über etile Obliegenheiten: .De Sack i? just nich gefährlich, paß np he ,vard nu gliecks ropen: Ordonnanz! Denn gehst du herin und seggsl- Ich melde mir zur Stelle? Tenn seggt he: Rusen Sie mir mal in einen Bi-rschen ! Zn Befehlt seggst d», magst kort Kehrt ,in marschecrst ivedder af. Wenn du denn so en gode Tid lang htr buli.it vor de Töhr tänivt Heft, denn geist dn ivedder herin uit stellst - nielde, daß er uar,ne,ls (nirgends) zu finden ist! Denn

knurrt he älver den Burschen, to di äioers seggt he: Ich danke Ihnen. Nu denn geihft bn ganz vergnäugt ivedder as. Snh, dat is bat ganze!

vücherttsch.

_ »Der Wille zum Sie g." Schauspiel in drei Akten von

Jakob Linck. Verlegt bei W. Härtel & Eo. Nachf. in Leipzig. Daß historische Drama scheint einer neuen dynamischen Verschiebung zu nnterliegen. Das Heldendrama eines Fitger, Bnllhaupt, Wil- braiidt ivnrde abgelöst von dein Historiendramn des NatnraliS,nus, das den Helden in die Masse zmückdrangte (HaiiptmannsFlorian Geyer"). In der solgenden Eiitivicklnng bildete die Historie nur den stimmungsvollen Hintergrund, ans den seelische Zerrissenheiten projiziert wurden (Maeterlink, Ernst Hardt) und jetzt scheint sich der Kleis wieder dahin zu schließen, daß der Held und sein Gegen­spieler die Träger einer Weltanschauung iverden. Ein typisches Beispiel hierfür ist das neuefte Schauspiel von Jakob LinckDer Wille zmn Lieg". In diesem dramatisch ungeheuer lebendigen Werk, das in nun,eher Hilisicht an Victor Hiigos Eroinwell ge­mahnt, steht der Hohenstcmsenkaiser Friedrich II. als Vertreter der in einer starken Persönlichkeit gipfelnden Monarchie. In seiner Hand sind die widerstrebenden Reichsglieder geeiistgt, und um dieser Einheit einen festen Rückhalt zu verleihen, schafft er mit seinem Kanzler Peter von Binea das Gesetz der Hohenstaufen. Das Gesetz muß hart sein lind erheischt Härte in seiner Aussührnng. Unter den Unbotmäßigen schürt die päpstliche Macht, die den verirrten Traum der Hohenstaufen zu nichte machen inöchte. Als Welt­anschauung steht aber noch eine andere Macht gegen de» Kaiser alif: die gottergebene Entsagung, die Loslösung von Besitz und Gesetz, die aus der vailtbelstischen Gotteslehre des rührenden Heiligen Franz von Assisi hergeleitet ivnrde. Der Schöpfer des Hohenstansen Rechtes, Peter von Vinea, ivendet sich als Erster von ihm ab und tritt an die Spitze der ih>n gegensätzlichen Be- ivegnng, um ein Reich Gottes auf der Erde z»l errichte»,, beffeu Statt- balter er sein ivill. Alle- fällt vorn Kaiser ab, der nur mehr einen Narren imb einen stelzfüßigen Krieger zu feinem Gefolge zählt, vlber ihm lebt ein Hohenstansensproß, Manfred, dessen Znknnft ge­sichert iverden muß. Der Wille zum Siege reißt den verlassenen Kaiser wieder empor, und seine gewaltige Persöulichkeit führt ihn zmn Siege. Mit dieser apologetischen Berherrlichnug der Monarchie greift das Werk in unsere Zeit über, die iviedcrmn diese StaatS- forin als die gesündeste nub stärkste erwiesen hat. Spricht anS

dein Schauspiel auch noch kein ansgereifter Dichter, so ist es doch eine starke Versprechung. Ein edler, sittlicher Gehalt und die un­geheure Fülle drainatischen Lebens, die allerdings einen ziemlichen Apparat beansprucht, iverden dem Werke eine gute Bühnenwirksam- keit sichern. Eine weise Regie der Massen wird allerdings erfordcr- lieh sein, damit die schärfer charakterisierten Personen von ihr nicht verschlungen werden. Unter den mit ivenig Mitteln klar geprägten Gestalten nimmt ein Narr eine Sonderstellnng cin. Diese neue Variante des Narren ist vielleicht die bedeutungsvollste Neu- schöpfmig dieses Werkes, tu dem sich der Willen zmn Siege einer starken dramatischen Begabung kundgibt. Zz.

Friedrich Nietzsche. Also sprach Zarathustra. Kriegs aus gäbe. Alfred Kröners Verlag. Preis geheftet 2 Mk., gebunden 3 Alk. Wie dringend das Bedürfnis nach einer Kriegsausgabe von Nietzsches .Also sprach Zarathustra" ivar, läßt sich durch die statistisch festgelegte Tatsache beweisen, daß die bei Kriegsausbruch ins Feld Zieheudeu neben dem Testamente und Faust dieses Werk am häufigsteu mitführten. ES gibt ,vohl kein Buch, das in gleicher Weise berufen ist, die Seele des Mannes zmn Kampfe zu stärken, unb man wird vielen da dralißen keinen besseren dienst eriveisen können, als ivenn man ihnen Nietzsches Hammerphilo- tosophie m die Hand gibt. Die KrieaSansgabe, 120.-130. Tausend, der bekannten Taschenausgabe istiu blaue stei'e Pappe gebunden und stellt ein ebenso handliches, inte vornehm wirkendes Bändchen dar Eingeteitet ist sie durch Nieysche-Wo»te für Krieg und Frieden, kraftvolle Worte, von denen ivir eines ansühren wollen : Ehrwürdig und heilbringend wird der Deutsche erst dann den anderen Nationen erscheinen, ,venn er gezeigt hat, daß er fnrchlbar ist und es doch durch Ailipaunung seiner höchsten und edelsten Kunst- und Kullnr- krafte vergessen machen ivikl, daß er furchtbar ivar.

Scherzrätsej.

Süß war mein Liebchen mitb", da hatt' ich einmal niich verschrieben Malt' in der Eile einV brr! wie das garstig jetzt schmeckt. Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummer:

Ein schönes Akter ist des Lebens Krone;

Nur den,, der sie verdient, wird sie zmn Lohne!

Wer lange trug des Daseins schivere Bürde Und alt sei», Hanpt noch aufrecht hält mit Würde,

Gibt dadurch Zeugnis, daß er seinem Leben Von Jugend ans den rechten Hall gegeben.

Badenstedt.

Sch,. Weitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univevsitäts-Buch- imb Steindrnckerei, R. Lange, Gießen.

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