Ausgabe 
30.3.1916
 
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gegen jegliches Wild; der Auftauf wiederum gefiel der fürst­lichen Durchlaucht nicht. Es kam aber zu einer Einigung; Enten und Mustorte (eine Spezialität der Anschütz wie der berühmte Speckeierkuchen- schlugen die versöhnende Brücke zu allgemeiner Zufriedenheit. Nun mußte Beyfnß antreten. Bolko wollte dem Majoratskeller einen Besuch abstatten; Rheinwein solle die Tafel zieren, ein feiner Bordeaux und als Würze der Feier ein gut gekühlter Champagner. Bef diesem Befehl wurden Annemaries Augen sehr blank, und sie spitzte die Lippen.Mie, sei nicht so namenlos materiell/' ries Bolko;wenn man von Essen und Trinken spricht, kommt es wie Verklärung über dich. Das ist äußerst unl- fein. . . ."

Ach Hab' dich man nicht," erwiderte die kleine Prin­zessin, seinen Gefühlen Zwang antun, ist Heuchelei und nod) schlimmer. Man sollte dich einmal bloß ein halbes Jahr lang hier einsperren, dann würdest du auch ein ver- klartes Gesicht machen, wenn Mustorte und Champagner in Aussicht stehen. . . Daraufhin sprach die Madame ein ernst mahnendes Wort, und der Programmentwurf wurde fortgesetzt. Bolko wünscht« für den Nachmittag eine große

' Revision: Spaziergang durch den Park, Besuch des Schlosses,

Fahrt nach dem Gotzenberg und dann durch die Felder bis zum Vorwerk Himmelsleiter; dies war der Sitz der Admini­stration, und Bolko gedachte sich dort einmal zu zeigen. Es schwebte ihm das als nötig vor oder wenigstens als an-- gemessen; der Rentmeister pflegte sich seinen Telegrammen um Geld stets außerordentlich unzugänglich zu erweisen, und tm hatte der Fürst ein Lächeln für ihn in Vorbereitung.

< 1 lrmr ^ent Programm allseitig einverstanden; auch ^ost traute sich die Spazierfahrt nach dem Götzen zu, UA Otto sollte anr Nachmittag GnL des Hauses bleiben. Versteht ftch, antwortete Bolko leutselig, und Annemarie schrie: ,,^zch hol' mir die Grete! Bolko, darf ich die Grete holen? . . ."

_ f entgegnete der Fürst abermals mit

großem Wohlwollen, und nicht nur das, ich werde dem Burgmuller^ ich werde Ihrem Vater, Herr Reschke, einen feierlichen Besuch abstatten. . .

primKiS! 1eilte §^ße Freude sein, Durchlaucht," erwiderte Otto ehrlichund wenn ich einen Vorschlag hinzu­fügen dars: sprechen Euer Durchlaucht bei dieser Gelegenheit doch auch gleich bei Pastor und Kantor vor ich glaube die^ beiden alten Herren würden sehr glücklich darüber

^ .,^?brsteht sich/' sagte Bolko zum dritten Male, und heimlich dach.e er:daß dich das Donnerwetter. . . vied-

Karte ÄgebenO^ ^ en Nusgedingeweibern meine

bcr er blieb heute populär. Nach deni zweiteri Frühstück ging er nut Annemarie nach dem Schlosse hinüber. Die i^'^^ssln lvar glücklich. Sie setzte einen weißroten Helgo-

ivtts Rrük,?? Kopf und hiUji sich NN den Arm

1ÄV . § ' ^"brend ne »nt ihm die grohe Platnnenallee chm'i,^ als sei ein Geheimnis zwischen

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über,nÄe!/"E^k' i. DC 'Ä e l* s ift We Hauptschwierigkeit

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jotueii. x >o|t ist nur das Echo dieses großen Mannes Wkis

Velten lagt, sagt Jost auch. Nun müssen wir d m König

WffÄfW 1 ich denke das wi>-d m?t

Hilfe -^ukel Herrfurthv nicht allzu schwer werden"

Und wann heiratest du dann?"

Vielleicht mt Winter, vielleicht erst im Frübiabr Mbe eine Imtge Brautzeit wenig schön. Aber da sprechen Wechergeschichten mit: der Trousseau Lilians muß erst fertig

l,t beine Lilian schön! Laß mich doch mal nach Berlin kommen, damit ich sie kennen lerne!"

wann'istO^ine Konfirmation?'"^^'' kleine. Sage mal.

ftift ^^rn, und dann soll ich gleich in das Elisabeth-. |]LfÄ ann Onkel Herrfurlh ja die Idee mit der

uns B^ol?o H?kdame haben möchte. Unter

«ra paßt mir wenig. Denke mal, wie ich mich als Hofdame ansnehmen werde. Ich werde keine alärnende Roiel spielen. Ich vermute, ich werde da ungefähr unserm U^ahuenund überall Falten schlagen, auch im GeL >)ch weiß auch gar Nicht, wo ich das Geld dazu herkriegen

soll; als Hofdame hat man doch allerhand Feste mitzrü- machen und Pracht und Herrlichkeit zu entwickeln."

Das wird sich schon finden," sagte Bolko, dessen Blicke rastlos umherschweiften.Weißt du, Maus, unser Park ist doch herrlich. Der wird Lili-an gefallen. Mer erst niutz Ordnung geschafft werden. Das! sieht Mer toll aus. Na, wartet man. Ich fahre dazwischen. Habt ihr denn gar feinen Gärtner?"

Wir hatten drei, aber der Rentmeister hat sie ent­lassen. Der Gemüsegarten ist verpachtet, wir kriegen immer nur ein Deputat, aber wenn du denkst, Artischocken und sonst was Feines, irrst du dich. Salat zu Hausen und grüne Bohnen und sehr viel Kvhlrüben. Damit rann man mich lagen."

Und der Obstgarten?"

Ist auch verpachtet. Wes, was Geld abwirst, ist ver­pachtet. Der Rentmeister ist ein Ungeheuer. Ich habe ein­mal eine Melone entführt, die ess' ich so gern. Gleich kam eine Beschwerde und gleich ein Schreiben vom Rentamt: die Pachtungen müßten respektiert werden. Das Ende war eine Rede von Madame. O ihr Götter! Dabei war schließlich die Melone noch madig."

Na," sagte Bolko und hieb mit seinem Spazierstock eine ^erz durch die Luft. Weiter sagte er nichts, aber es lag viel rn dem Ausruf. Der Rentmeister war ein überaus pflicht- getreuer Mensch. Aber Bolko haßte ihn, er haßte besonders fernen kurzen, knappen, despektierlichen Stil und- am meisten ferne brevi manu*&enterfttngen:zurück mit der gehorsamsten Meldung, daß die Kassen leer sind" odergehorsamst zurück mrt dem Bedauern, daß über die ein gelaufenen Gelder be­reits verfugt wurde". Der Rentmeister hatte eine kleine zrerlrche Handschrift, und in jedem Buchstaben sah Bolko bte verkniffenen Augen 'des alten Rechenknechts und in sedem. Haarstrich eine boshafte Falte und in jedem Komma den grinsenden Mund. . . . Aber nun kamen ja andre Zeiten Gotternegg war zweifellos ein schöner Som- mersch. Bolko baute schimmernde Lustschlösser. Aus dem Park war mit geringer Mühe ein Paradies zu schaffen. Ein

Putzend fleißiger Gärtnerhände konnten hier Wunder vollbringen. Auch der viereckige Schloßkasten hatte ziveifel- loy etwas Imponierendes. Er war durchaus nicht schön aber nicht ohne eine gewisse eckige Würde, die steife Gram dezza der Zopfzeit. Einen Augenblick blieb Bolko zu Füßen der großen Freitreppe stehen. Die Sandsteinlöwen rechts nnd lims sahen freilich arg mitgenommpn aus; Zeit und Regen hatten ihnen jedwede Majestät geraubt, in den weit aufgerl,jenen Maulern wucherte Unkraut, die verwaschenen Zuge erinnerten an Oberländersche Karikaturen in den Fliegenden Blattern". Und auf der mittelsten Stufe der Treppe trieb lustig ein junger Ahorn zwischen den Steinen hervor und sprengte auseinander, was sich seiner kräftigen fügend wldersetzen wollte. Annemarie war behende die Stufen hinaufgesprungen, ihre Stieselchen raschelten im noch regenfeuchten Laube, das der Sturm über die ganze Treppe verstreut hatte, und auf einmal ries sie und deutete nach oben:Sieh, Bolko, wie häßlich! Sieh diesen Sprung!"

(Fortsetzung folgt.)

Modeschau - Wohnungsschau.

Von Paula Messer-Platz.

Paß wir Deutsche es fertig bringen, nahe amZerschmettert"-, em, beinaheausg h mgert" noch eine Modewvche nut Au st l nna Vorträgen und praknAen Hebungen zu veranstalten,*) wird unfern Feinden em neuer Beweis unserer Barbarei"

oM ^Modehäuser werden mit tiefstem Mißbehagen

°uf dies völkerrechtswidrige Treiben blicken, denn es ist dock offensichtlich r h rRecht", den Geschmack! und die Kleidung der wutschen Frau zu beherrschen. Wir aber freuen uns, wie man ich über die ersten Gehversuche seines Lieblmas rmit unb wir fühlens: wo so viel Eifer, da steckt auch eine Krait da- ^ tc äUT1 / ^kommen wird. Immer weiteren Kreisen ist ?° rben ' biner selbständigen Mode aus

^ - Politischen, ästhetischen und ethischen Gründen

nrcichm Een'' ^ ° ^butschc dics Ziel auch zu.

Haben wir unsere Kleidernwde bis jetzt aus Paris entlelmt I^^o-^^u^Eunst aus^ England. Und damit Mbt sich? zweites Ziel hnaus, tvert, fester ins Mrge gefaßt zu werden. Ter Wille^nach Selbständigkeit auch ans diesem Gebiete ist nicht erst

*) In Frankfurt a. M. 2.-9. Februar 1916.