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Die arme Prinzessin.

Roman von Fedor von Zobeltitz.

(Nachdruck verboten.^

(Fortsetzung.)

Ich bedaure, Jost, daß ich dich herbemühen mußte," sagte der Herzog.Aber die Verhandlung hat endgültig gar kckinen Zweck, wenn deine Entscheidung aussteht. Um was es sich handelt, weißt du. Das Hausgesetz ist nur durch einen Aillensakt des Kaisers zu andern. Da ihr keine Blutsverwandten besitzt, deren Erbberechtigung mitsprechen könnte, so sind juristische Bedenken ausgeschlossen. Ich bin bereit, ein Immediatgesuch an Majestät zu unterstützen, wenn du dich damit eiuverstarchen erklärst. Das abev mutz ich wissen. Ich könnte, da du noch minorenn bist, als dein Vormund meine Stimme in die Wagschale werfen. Das tu' ich absichtlich nicht. Du bist reis genug, selbst zu überlegen,

was du in diesem Falle für gut und richtig hältst-"

Jost stand am Tische dem Herzog gegenüber. Nur ein rascher Blick streifte Bolko, der totenbleich war und mechanisch eine Zigarette zerkrümelte. Blaß war auch Jost: aber in seinen Zügen stand doch ein fester Entschluß. Er schob seinen Arm unter den Veltens uird zog diesen naher an sich heran.

Ich habe eine Bitte au dich, Onkel," sagte er.Bin ich der, der ich bin, und wurde kein anderer unter dem Druck der Verhältnisse, so verdanke ich das diesem allein. Velten ist nicht nur mein Lehrer, mein Arzt, mein Freund: er ist-ein Stück von mir. Ich bitte dich, laß ihn zuerst sprechen...."-

Velten atmete schwer ans und senkte die Angen. Er er­widerte nichts; aber Jost spürte, daß sein Arm mit leisem Druck fester umfaßt iourde. Es war wie ein stummer Dank.

Kinderei!" rief Bolko; sein Blick blitzte zu Jost herüber. Mußt du einen Vormund haben, Jost da steht der Onkel! Ich protestiere gegen jede Beeinflussung."

Pardon, Bolko . . ." und der Herzog rückte an seine,n Muhl und setzte sich fester; er lehnte den Oberkörper zurück; die buschigen Brauen hingen tief über die Augen; er kaute an seinen: Schnurrbart...Pardon, Bolko: von einer Be­einflussung kann keine Rede sein. Ich sehe auch nicht ein, warum wir der Bitte Josts nicht nachgeben sollew"

Onkel, ich habe wahrlich iiichts gegen Herrn Velten. Aber ich habe seineil Aeußerungen von vorhin entnehmen können, daß seine Ansichten im Prinzip den meinen widersprechen. Und Jost ist noch zu jung"

Um sich ein selbständiges Urteil bilden zu können," siel dieser ein.Das wolltest du doch sagen, Bolko? Du bist unüberlegt. Dil kannst dir denken, daß nur, Velten und ich, oft genug miteinaiider über deine Angelegenheit gesprochen haben. Wenn ich Beeinflussungen zugänglich wäre, hätten sie mich längst bestimmen instssew"

Mach, was du lvillst," entgegnete Bolko grollend. Er

warf sich in einen Sessel, schlug die Beine übereinander und winkte mit der Hand zu Velten hinüber.Bitte, Herr Velten, halten Sie die gewünschte Rede! Sie haben mir zwar schon zu beweisen versucht, daß ich im Unrecht sei aber es soll mir auf eine Wiederholung nicht ankommerr...."

Der Kandidat neigte ein wenig den blonden Kopf auf die Brust; er antwortete nicht sogleich. Noch immer stand er Arm in Arm mit Jost; er überragte ihn sichtlich; die beiden hätten Vater und Sohn sein können. Dann schaute Velten auf, und ein frostiger Blick traf Bolko.

Es ist richtig, Durchlaucht: ich habe versucht, Ihnen klar zu machen, daß Sie durch Ihre Heirat unbedingt Ihre Erbberechtigung verlieren müssen, Uvenn Prinz Jost nicht einer Einigung zustimmt. Aber ich habe keineswegs gesagt, was Durchlaucht zu glauben scheinen: daß ich eine solche Einigung für nicht wünschenswert halte. . . wenigstens Ihnen gegenüber, Durchlaucht, habe ich mich in diesem Sinne nicht ausgesprochen- "

Bolko fuhr mit hastiger Bewegung einpor, und ein dunkles Rot quoll in seinen Wangen aus. Das war ja eine neue Hosfnung! <Wie soll ich das verstehen, Herr Velten?" stieß er erregt hervor.Sind Sie der Ansicht, daß Jost gut täte, wenn er sein Agnatenrecht aufgäbe?..."

Der Herzog hatte seinen Stuhl abermals gewendet, so daß er Velten unmittelbar vor sich hatte; ein unverhehltesl Erstaunen lag aus seinem durcharbeiteten Gesicht. Und auch über die weichen Züge Josts ging etwas wie ein leichtes Staunen; sein Arni zuckte in dem Veltens das sah der Herzog. Der Alte stützte den Kops in die Hand und seuszte. Aber keiner von deneü um ihn hätte dies Äufseuszen deuten können.

Ja, Durchlaucht," erwiderte Velten ruhig,ich bin der Ansicht, daß man alles tun müßte, Ihnen nach Ihrer Verheiratung die volle Erbberechtigung zu erhalten."

Nun sprang Bolko auf.Herr Velten, rief er,ich ich kann Ihnen nur aufrichtig dankbar sein für Ihr offenes Wort! Ich gestehe zu, daß ich Sie vorhin total mißverstanden

habe_ Jost und nnn du! Du hast gehört, wie sich

dein Lehrer und Freund geäilßert hat! Sag deine Meinung! Ich bin auf deinen Widerstand gefaßt aber klar werden müssen wir uns, sonst sonst brech' ich zusammen! Herr­gott, ich fiebre vor Nervosität ich will endlich wissen,, woran ich bin!.. ."

Ich bin durchaus der Ansicht Veltens," sagte Jost mit sanfter Stimme,und werde deiner Heirat keine Schwierig­keiten in den Weg legen...

Mit einem Ruck stand der Herzog auf. Ntau sah es ihm an: er wollte sprechen. Aber er schwieg, als Bolko plötzlich im Sessel zusammenbrach und, die Hände vor dem Antlitz, laut schluchzte. Er schwieg. Er biß die Lippen zusammen und schritt an Bolko vorüber zun: Fenster. Er lehnte sich weit hinaus. Ein weißer Wolkenkranz h-atte sich um die Sonne /geschart, lrot verbrämt und wie golden gekraust. .Dunk­lere Wolken rückten näher. Der Wind war stärker geworden