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„Empress of Britain.“
Skizze aus dein Seekrieg twn Hermann Treßler.
(Nachdruck verboten.)
Tie „Empreß of Britain" jagte durch die grünscküllernden Fluten des Ozeans. LLus drei Schornsteinen spie sie dicken Qualm, der in phantastischen Figuren träge am windstillen Himmel hängen blieb. Tie Pumpen stießen brüchiges Kühlwasser aus den Maschinenräumen. Ihr dumpfes Schluchzen /lang wie das Stöhnen eines Riesen durch die Wassenvüste.
Ter Kapitän, Mister Valtly, stand in Pelz und Kovffckal eingehüllt auf der Kommandobrücke. Er hatte die einsame Fahrt satt Und freute sich auf ein paar Tage in Brest. Vorgestern hatte er: einen englischen Grönlandfährer auf hoher See angerufen. Der war in Brest angelaufen und hatte ihm versichert, daß es jetzt trotz der Kriegszeit dort lustiger sei denn je. Zum mindester: würde ec viel leichtsinnige Nnterhaltung finden, mit der er sich die Zeit vertreiben könnte. Das glaubte er gern, überhaupt waren die Amerikaner noch nie so entgegenkommend von den Franzosen behandelt worden wie jetzt. Die Frachten von jenseits des Ozeans waren ihnen ja auch besonders wichtig. Die Empreß of Britain von der Canadian-Pacific-Bahn brachte kostbare Ladung. Zweihundertfünfzigtausend Gewehre, mehrere Millionen Patronen und einhundertsechzigtausend Granaten waren an Bord verstaut, und diese Kriegsladung war unantastbar. Amerika war ja ein neutraler Staat und vor seiner Flagge mußten die deutschen N-Boote kehrt machen.-
Je tiefer die Sonne sank, desto dicker wurde der Nebel, der vom Meere aufstieg. Erst flatterte er in leichten weißen Fetzen wie aufgescheuchte Vögel vom Wasserspiegel empor, dann wob er einen losen Schleier, der den Gesichtskreis enger umzirkelte, und schließlich stand er wie eine dichte, undurchdringliche Mauer um den amerikanischen Vtunitionsdampfer her und schlug seine nassen Tücher dem Kapitän vor die Augen.
„Goddam!" fluchte Mister Valtly. Aber er tröstete sich sogleich wieder. In einer Stunde mußte man ja eines der Feuerschiffe erreichen, die vor dem Minenfelde der Bucht vor: Brest verankert waren. Dann übernahm der Lotse die Führung.
Er freute sich im Stillen schon auf den kleinen quecksilbrigen Mann, der ihn iit seinen hastigen Bewegungen immer an einen Affen erinnerte. Und erzählen konnte er! Vom Krieg! Wie sich die Deutschen immer weiter jenseits des Rheines zurückziehen mußten! Ueberm großen Wasser erfuhr man ja rern gar nichts! Und dieser Krieg war doch sehr interessant! Ein Nervenkitzel, diese Massakres, von denen der französische Lotse immer zu berichten wußte! Und diese interessanten U-Boot-Abentei:er! — —
Wenn Mister Valtly gewußt hätte, daß ihm ein solches deutsches U-Boot schon lange folgte, er hätte gern auf jeden Nervenkitzel verzichtet und tväre lieber schleimigst wieder umgekehrt! —
Ter Kommandant des deutschen Tauchbootes hatte schon seit geraumer Zeit den Amerikaner gesichtet. Tie Empreß of Britain war ein Vierzehntausend-Tonnen-Dampser! Weiß Gott, wie viel deutsche Kameraden für diese Fracht wieder mit ihrem Blute zahlen mußten!
v Er knirschte mit dm Zähnen. Diese «merikanischen Fabriken des Todes! Man wußte ja nunmehr, daß jeder Amerikaner, der nnt Kurs auf Brest fuhr, Kriegsladung an Bord führte. Wenn nian wenigstens das Recht gehabt hätte, diese goldgierigen Bankers auf den Grund zu schickm! Es war wirklich eine harte Prüfung, solche Dinge geschehen zu lassen!
Der Kommandant behielt den Munitionsdampser in: Auge. Sem Gehirn arbeitete über einem Plane, die Empreß of Britain unschädlich zu machen, ohne die Weisungen seiner Regierung zu übertretm.
Endlich hellte sich seine Miene auf.
Er ließ alle Lichter an Bord löschen, gab Befehl, mit voller Kraft zu fahren und jagte seinen stählernen Haifisch durch das Nebelmeer, m:t Kurs auf Brest. Der Nebel war ihm heute ein be- wnders lieber Verbündeter. Er ersparte es ihm, mit großer Kursänderung die Empreß of Britain zu überholen. Das war wichtig. Er durfte keine Zeit verlieren, und wirklich ließ er den Amerikaner bald weit hinter sich. Die Stempel der Maschinen hämmerte:: ihren stählernen Rhythums. Am Kiel sprühten bei der saiarfen Fahrt die Wogen hoch auf und überfluteten das flache Deck Ter Kapitantcutnant stand hinter der Brustwehr des Turmluks. Er spähte scharf m der: wogenden Nebel, der einem andern als chm schreckhafte Rresmgebilde vorgetäuscht hätte.
„...sollte denn noch nirgends das Licht irgmd eines der französischen Feuerschiffe auftauchen! So dicht auch der Nebel war, — diesen sprühende:: Flammengarben Fresnelscher Linsensätze mußte er auf einige Kilometer weichen.
Kdt 77 da! — da glomm es durch den Nebel, ein schwimmen- * v 2 11 * roten ' gelb auslaufenden Rändern. Weg war
es, doch sofort kehrte es wieder! Blinkfeuer!
.. r,n“ 1) ! ,lt stellte die Zeitdauer der Unterbrechungen ^ der Uhr fest und wußte nun, daß er eines der Feuerschiffe der Brest-Minensperre vor sich habe.
diirfte er sich nicht heranwaaen. Oft lagen vorgeschobene
LchKonLLn^ichK'"' ^ ^bst waren
ließ stoppe:: und gab Befehl, beit verlängerten Antennen^ mast auszuholen.
Tann verließ er das Deck und ging mit dem Telegraphisten an den Apparat.-—-
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Bon Bord des Feuerschiffes glühte unterdeß der Scheinwerfer gegen die dicke Nebelluft an.
Seit mehreren Monaten waren in dieser Gegend der französischen Küste keine feindlichen Unternehmungen mehr erfolgt. Man fühlte sich deshalb ziemlich sicher. Ter Dienst war nicht schwer und ungefährlich. Freilich, auf dem Posten sein mußte man immer, Landurlaub gab es fast nie.
Ten anstrengendste:: Dienst hatte eigentlich der Telegraphist, wenigstens mußte er stets bei seinem ßlpparat sein.
Alle zwei Stunden mußte Meldung an die Hafenkommandan- tur gegeben werden. Oft liefen auch Funksprüche ein mit der Meldung, dieselben weiter an geben. Dany wieder einmal meldete sich ein auf hoher See liegendes Patrouillenboot mit irgend einer Nachricht.
Hoch über den .Hauptmast streckte der Apparat Tag und Nacht seine lauscheiiden Llntennen aus, vielgliedrig und fein wie die empfindlichen Tastorgane des Sesamkäfers.
Eben wieder knisterten die leisen, speichenden Funken in den Drähten herab. Die Fritterspäne vibrierten, und der Stift tupfte in geheimnisvollen Zuckungen.
Sofort lag der Telegraphist über den Apparat gebeugt.
„Tick-tack, tick-tack!" machte der und brachte Meldung. Eine Depesche in der: ftanzösischen Geheünchisfres.
„Sofort — alle — Lichter — löschen — feindliche — Schiff« — in — Sicht — mit — Kurs! — auf »— Brest — Befehl — weitergeben -— Kommandeur!"-
Ter Apparat blieb stumm.
Ter Telegraphist wartete noch einen Augenblick. Vergebens! Ter Empfäuger schwebte wieder regimgslos über dem Elektro-, Magneten.
Er sprang die Treppe hinauf zur Kajüte deS Kommandanten uird überbrachte der: Befehl.
„Es ist gut! Geben Sie sofort die Weisung Wetter!"
Er setzte die Mütze auf, stieg an Teck und gab Befehl, sofort das Leuchtfeuer zu löschen. i
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Als der U-Boot-Kommandant wieder Mi Deck stieg, sah er zu seiner Freude, daß die List bisher geglückt war. Wo vor! wenig Miniiten noch das flimmernde Auge da aus der See auf-, geleuchtet hatte, war jetzt Nacht.
Er wendete seinen Kurs und steuerte wieder in die See hinaus.
Die „Empreß of Britain" jagte unterdeß ostwärts. Der Kapitän war fröhlicher Laune. Verdiente er doch an der Ladung ebenfalls ein hübsches Sttick Geld!
Wie lange dauerte es denn diesmal, ehe man die Seezeichen der Feuerschiffe wahrnah:::?! Nach seiner Berechnung mußte er sie schon längst passiert haben!
„Goddam! Ter Nebel!" Freilich, da konnte man schon fast mit der Nase anstoßen, ehe man das Blinklicht sah! Es half aber nichts, diese nasse Packung mußte man mtt in Kauf nehmen. Bald war ja die Fahrt zu Ende. Und dann — dann! — —i
An Bord der Feuerschiffe standen die Offiziere mit dem Hörrohr an der Reeling und lauschten in die heimtückische Finsternis! der Nebelnacht hinaus.
Jetzt! Klang es da nicht wie das Schlagen einer Schiffs-, schraube?! Nein, es war wohl Täuschung gewesen! Ter Nebel packte alles in seine dicke, dänrpfende Wolle.
Aber jetzt war das Geräusch doch wieder da! Ganz deutlich! Tie Gesichter nahmen einen gespannten Ausdruck an.
Das war der Feind!
Tollkühnheit! Verrücktheit! In die Hafenbucht von Brest ettrdringen zu wollen! Ganz unmöglich! Das kostete Schiffe! Ganz gewiß?
Ein dumpfer, langhinrollender Donner grollte auf. Durch die Nebelschwaden schien ferne eine schivefelgclbe Flamme zu sprühen, in deren Hölle schwarz und schemenhaft der Riesenrumpf eines Schiffes einen Augenblick lang sichtbar wurde. Kleinere! Detonationen folgten.
Tie französischen Seeoffiziere schüttelten sich die Hände. „Viver la France!"
Ein Funkspruch gab die Meldrmg an Land: „Feindlicher! Dampfer auf Miue geraten mid gefunken!" Die Zeittmgen brach- ten noch ein Extrablatt heraus, das der: Franzosen in fetten Lettern das Ereignis verkündigte. — --
Als der Morgen die Nebel zerstreute, trieben Schiffstrümmer an die Küste. Auch einige Rett::ngsringe waren darunter-, uitbl diese trugen den Namen eines längst erwarteten amerikanischen! Munitionsdampfers: „Empreß of Britain". —
Meine Verschickung nach Sibirien.
* r Aus dem schon angezeigten Buche „Erinnerungen und Erlebnisse emes Rigaschen Buchhändlers" von G. Jvnck, I. F. luanns Verlag München, bringen wir folgenden Auszrig. Zur


