Die arme Prinzessin.

Kontan von Fedor von Zobettitz.

(Nachdruck verboten.^

^Fortsetzung.)

Prinz Jost Halte ein paar Tage krank gelegen. Das Herbstfieber war wieder einmal seiner Herr geworden, ein merlwürdiges nervöses Leiden, das mit einem leichten Frie­selausschlag begann und sich nur durch absolute Ruhe be­kämpfen liest. Aber es ging heute wesentlich besser, und Jost durfte wieder an die Luft. Er war glücklich darüber. Er stand in de^ Haustür und breitete die Arme aus und at­mete tief, und in seinen hübschen braunen Augen lachte die Morgensonue.

Acln Velten, wie glücklich bin ich!" rief er.Ich bin wieder gesund, ich fühle es. Der Anfall ist vorüber, und nach­mittags können wir in den Wald. Wir müssen einnral einen langen Spaziergang machen; ich habe Luschunger und möchte den Herbstwald sehen."

Wir wollen radeln", sagte Annemarie fröhlich.Wir stecken uns Butterbrote ein und soupieren draußen im Freien. Wir lagern im Walde, ich weist eine Stelle, die kennt ihr rwch nicht. Dicht bei der Oberförsterei, unten am See, da stehen hohe HaselstrLucher, die bilden so eine Art Laube; das iff 8an© famos."

Velten hals der Madame beim Arran.gement der Blu­menvase. Er brachte ein paar Astern herbei.Prinzessin, schneiden Sie uns noch eine Georgine ab," bat er;sie soll dies Werk krönen helfen; sie kommt in die Mitte und wird die Farbe «Harmonie vollenden. Und dann bewundert gefäl­ligst das dekorative Geschick von Madame! Aber radeln nein. Heute noch nicht. Erstens ist Jost noch immer Patient, zweitens warten wir Besuch und drittens: faitn Fürst Bolko überhaupt radeln und wo fänden wir ein Rad für ihn?"

Er kann nicht radeln," sagte Annemarie ärgerlich,er meint/sogar, es fällt mir ein, wer Reiter fei, für den sei das Stahlrost eine Kläglichkeit. Jost, ich muß dich sprechen. Kann ich nicht einmal unter vier Augen mit dir reden? Es ist etwas Wichtiges."

Nein," antwortete Jost,ich rede nicht unter vier Augen mit dir. Da hast du eine Dummheit vor, wie damals mit dem jungen Hasen, den du Frau Beyfuß mitten in den Kohl binden wolltest."

Oh," sagte die Madame,das hör' ich jetzt erst! Anne­marie, wo kam beim der junge Hase her?"

Annemarie wurde rot.August Jannasch hatte ihn mir gefangen, Madame. Es war auch nur ein junges Karnickel. Es war auch nur so eine Idee mit dem Anbinden. Jost tut immer so, als wenn er mich miterziehen müßte; ich wollte einmal eine Predigt von ihm hören. Wenn er mir eine Pre­digt hält, das ist zum Totschießen."

..Annemarie, wo ist dein Ohrzipsel?" rief Jost. Er ver­

suchte seine Schwester zu sangen. Die lies lachend davon. Jost stürmte hinterher. Sie jagten sich um die Rabatten^ bis Velten mahnend rief:Genug, Jost! Seien Sie vor­sichtig. Sie haben acht Tage gelegen. . .

Keuchend blieb der Prinz steh.em Es war zmn Ver­zweifeln. Er rang nach Atem. Er konnte sich nichts bieten. Er war ein schmächtiger, feingliedriger Bursche von nenn- zehn Jahren, er sah wie ein Knabe >aus. Auf dem solche blassen Gesicht lag seht die Rote der Erregmlg; dies Gesicht war von zartester Sckwrcheit, belebt durch wundervolle tiefte braune, wie Samt glänzende Augen.

Da kam der Fürst, sehr elegant, in grauem Zivil mit roten Stieseln, farbigem Oxsordhemd und den: Monokel in der Slugenhühle.Morsen!" rief er und streckte nach rechts und lirtkS die Leinde aus.Morjen, Velten morjen, brüderliche Liebe meine Reverenz, Madame! Herrschaften, das ist ein Idyll! Ich wittre Heimatluft. Es ist hübsch hier. Die Sonneichlume mit dem Vollmondsgesicht erinnert mich an irgend eine Tante. Ach, und diese Friedensstim­mung! Ihr seid viel glücklicher dran als ich in Berlin. . . . Aha, das ist der bereits angeknndigte Streuselkuchen! Morjen, gediegene alte Anschütz! Zum Mendbrot bitte ich um Speckeiertuchen mit Specksalat; recht knusprig der Speck. Lllte gute An schütz, ich gebe dir nrein Wort, daß mir deüre Kochkunst lieber ist als oie im Kasino und bei Uhl und bei Drossel. . .

Er hatte etwas sehr Liebenswürdiges in seiner ganzen Art. Nur zuweilen nahm der leicht burschikose Ton, den er liebte, einen gezwungenen Beigeschmack an, zumal wenn er irgend eine sentimentale Wendung dazwisckjen setzte.^Er tat das gern, er posierte dann und wann, besonders Franerr gegenüber, für die er auch einen sehr hübschen Angenauf- schlag übrig batte, der seine langen dunklen Wimpern gut zur Geltung brachte.

Die Anschütz war glücklich über die ihr gewordene An­rede. Sie knixte tief m\b wurde rot und freute sich übev das ganze Gesicht. Bolko hatte für jeden ein nettes Wort; er scherzte mit Velten und der Madcnne, faßte Annemarie an den blonden Zopf und nahm Jost um die Taille und rief schließlich:Aber nun Frühstück! Mie ist ausgehungert; ich auch. Was gibt es? Kaffee Gott sei Dank! Das Tee- gelabber ist mir zuwider. Setzen wir uns, Kinder! Ick kann euch gar nicht sagen, wie glücklich ich mich hier fühle! Das ist der Reiz des Gegensätzlichen. In Berlin haste ich mein Frühstück herunter; da wartet draußen schon der Reitknecht mit dem Gaule. Und dann die Land Luft ttnfc das Grün ringsum und die feisten Sonnenblumen, und dniben der Denkstein für die Höchsts elige Diana! Es ist gar zu hübsch. Madame, geben Sie mir ein bißchen .Honig, wemr ich bitten darf. Ob ich Wohl ein Glas Wasser gekommen kann? In Berlin verachte ich das Wasser: von wegen der- Bazillen und auch überhaupt. Aber das Wasser in Gotternegg schätze ich."

Max!" rief die Madame und winkte mit ihren ^öckcheu. Nun wurde auch der Fürst ans den neuen Donrestiken aus-