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seinem Bier glas; den trank er ans und rief:Dies leere ich ans die alte Ritterlichkeit!"

Prost!" schrie Mirbringer aufgeregt und sprang empor. Wo ist mein Glas? Otto, ich habe nichts mehr, ich nehme deins. Du hast auch nichts mehr; Burgmüller, geben Sie mir Ihr Glas, ich muß Beysuß Nachkommen! Behfuß, alles was Ritter ist und ritterlich denkt, das lebe! Otto, schrei mit! Grete, schrei mit! Das Lebe! Die Gotterneggs hoch! Donnerwetter!"

Grete brüllte- und auch Otto riefhoch". Frau Tilde nahm ihren Strumpf auf und ging mit.starken Schritten aus dein Zimmer.Ihr seid allesamt verdreht," sagte der Burg­müller lachend. Auch Otto lachte. Aber es zuckte dabei um seine Lippen. Diese beiden närrischen Vertreter der Ritter­lichkeit, die sich die Hände schüttelten, das war !v-ie ein-Bild aus einem Satyrspiel.

Nun ging die Tür auf, und Mau skr, der Bogt trat ein: ein riesig großer Mann mit einer fernen Kinderstimme. Der brachte Reschke-den Schlüsselbund und meldete, es sei alles in Ordnung.

(Fortsetzung folgt.)

Der Herr Zchinkenbiilder.

Bon Louise Schulze-Brück (Nachdruck verboten.)

Wenn die Mädchen aus dem Torf jeden zwettnr Sonntag Liebesgaben fiir die Lazarette sammeln gehen, dann ist es immer halb ein Pläsir und halb ein An gang, wenn sie am Hause vom! Herrn Bülder schellen. Da wird ihnen zuerst einmal gar nicht ausgemacht, so heiser sich auch die alte Flurklingel schreien will. Es ist so still im Hause, daß cs ganz leer zu sein scheint. Aber sie haben ja Zeit und können warten. Sie wissen auch. ganK genau, daß hinter dem einen der schlossen eil Laden der Herr Bülder «llslugt, die Pfeife im Mund, die Samt kappe auf dem Kopf, und hinter dem andern das Fräulein Bülder mit einem Seelenwärmer um den mageren Oberkörper und einem großen Häkeltnch um den Kops.

Die zwei unverheirateteil alten Geschwister hausen zusammen. Sie haben arg viel Geld und sind berühnlt wegen ihres Geizes. Sie heißen Biller. Aber ihr Spitzname ist Herr und Fräulein Bülder, weil dae' alte Mädchen einnial vor Gericht in einer Zeugnissache, in der sie beide vernommen wurden, dem fragen­den Richter nüt einem vornehmen Mund spitzen hochdeutsch ge­antwortet hat:Wir heißen Herr Bülder und Fräulein Bülder." Nun müssen sie den Spitznamen tragen bis an ihr seliges Ende, das ihnen ein paar entfernte Verwandte recht christlich gönnen, damit das viele schöne Geld doch endlich einmal in Hände kommt, die es nicht verschimmeln lassen. Endlich, wenn schon auf allen Türen ringsum Leute stehen, die sich das Schauspiel, >oas jetzt kommt, nicht entgehen lassen wollen, läßt sich ein schlürfender Schritt hören, ein Schlüssel wird dreimal im Schloß herum gedreht, ein Riegel zurückgeschoben, die Tür vorsichtig geöffnet. Fräulein Bülder steht aus der Schwelle, schlüge die Hände überm Kopf zusammen und schreit mit der lauten Stimme der Schwer­hörigen:Ach du liebes Herrgöttchen, da ist das Bcttelvolk schon wieder. Hört das denn gar nicht auf? Wo man selber kaum genug zu leben hat, sott man auch noch immer und immer lvas wegschenken. Und wofür? Da in beu Lazaretten, da werden sie ja ohnehin schon verpflegt wie die Prinzen."

Dann guckt sie in den Korb, sieht die Stücke Schinken und Spccl und Dürrsleisch, die Butterklumpen und die Eier, und fängt von neuem an zu zetern:Heinrich, Heinrich, nu kuck doch cmal. Was die Lem' all zuviel han!"

Der Heinrich ist schon da. Mit höchster Mißbilligung be­trachtet er den Korb voll guter Gaben:All' müssen se in den. Steuern gehuckt (erhöht) werden," brummt er ärgerlich.Butter, als ob se nix^kost, und 'Eier, als ob se geregnet wären, und Schinken und Speck, als ob's Dreck wäre."

Ich Han nix, ich Han nix," jammert Fräulein Milder. Mein Rauchkammer is als ganz leer! Und mein Hühner legen nit, und Butter kriegt mer auch kein, Ivo mer kein Futter hat ltir's Vieh."

Geht weiter, ihr Mädcher," jagt der Herr Bülder weh­leidig.Geht bei Leut', die ihr Sach zum Fenster rausschmeißen, da kriegt ihr mehr." ^

Run werden die Sammlerinnen ärgerlich:Lossen mer giehn, stellen mer uns hier net hin zum Spott," sagt eine, und eine vorlaute schreit bcnt_ Fräulein Bülder so laut ins Ohr, daß es die ganze Nachbarschaft hört:Mer Han ja auch so viel Sach, mer könne Ihnen noch was schenken, daß Sie nit verhungern."

Jetzt schlägt die Stimmung um:Mach', daß du selber nit verhungerst, du frech Dingen," sagt das alte Mädchen gereizt. No viel wie die annern können mer auch noch, gell Heinrich."

Dann schlürft sie zurück und kommt nach einer langen Weile wieder:Matt hat der Vorsteher geben?" schreit sie.

Zwölf Eier, und da den Klump Butter, und da den schweren Knubben Schinken."

Heu is ganz und gar verdreht," jammert Fräulein Bülder.

Und dann bringt sie auch zwölf Eier, auch einen Klumpen Butler und außerdem auch noch einen Topf Zwctschenmus. ^Schin­ken hann ich keinen^mehr, ich kaim Euch keinen geben, sonst ver­hungern wir im Sommer." Und zögernd und ungern trennt sie sich von ihren Schätzen, von denen sie nichts hergäbe, weun's nicht darum ginge, daß sie gerade so viel geben könnte als die anderst.

Und am Abend im Wirtshaus poltert der Herr Bülder eine halbe Stunde lang über die Bettelei- und die teuren Zeiten nnd schwürt einen Eid/ daß er nix- ans seiner Räucherkammer geben kann, weil sie sonst elendiglich verhungern.

Wieviel Schinken haste denn noch drin," fragt schließlich ärgerlich ein Altersgenosse, dem das ewige Gespräch nun zuwider wird.

Ter Herr Bülder zögert. Wenn er sagt, daß er noch sieben hat, ohne das Dörrfleisch nnd die vielen Speckseiten, dünn ver­höhnen sie ihn, und er muß das nächste Mal doch damit her- ansrücken, und wenn er liegt, daß äs nur zwei oder drei ftnS, bei stellt er sich so arm, was er auch nicht will/ Er' brummte etwas Unverständliches.

Aber der andere laßt nicht locker. Schließlich findet - der Herr Bülder einen Mittelweg.Vier Hann ich noch, und das ist doch grad knapp für's Auskommen," seufzt er betrübt.

Vier? Ich wollt'-, ich hätte die, die es mehr sind," sagt der andere.

Kein einen mehr!" sagt der Herr Bülder.

Nu sei awer still, du Bedenrlichduer (Bedauerlichtuer)."

Sie haben mittlerweile schon ein paar Schoppen getrunken. Und der Herr Bülder kann nicht viel vertragen. Seine Zunge wird schon schwerer. Genau weiß er auch nicht mehr, was er sagt, sonst ivürde er nicht auf einmal lospoltern:Vier sind es und keiner mehr. Was mehr is, das gab ich für die Bettelmädcher, wenn sie's holen können."

Is das cu Wort?"

Ja, das is en Wort!"

Halt Jhr's gehört, Ihr annern? Bier Schinken hat der Herr Büld der Biller in der Räucherkammer. Was mehr is, können sich die Mädchen holen."

Wenn se dran können," ruft der Herr Milder, dem es bei der Sache etwas unheimlich ivird.

Ja, natürlich, wenn se dran kommen."

Na ja, dann Ijat das gute Weg. Die Dühr dreimal zu­geschlossen und den Riegel vorgeschob!"

Sein Haus muß mer behüten," sagt der Herr Bülder.Mit Gcivalt darf nix gemacht werden, natürlich nit..."

, na, natürlich nit. No, drauf trinken wir noch en Schoppen, wat, Biller?"

^Noch einen, ja. Awer dann muß ich heim... bei mein Schinken. .sagt der .Herr Bülder.

DieZRekrnten von 1915 stupsen sich vor Pläsier am andern Tisch. Stecken die. Köpfe zusammen nnd tuscheln hinterm Rücken vom Herrn Bülder. Eine ganze Zeitlang. Dann steht einer auf und geht fort.

Ein paar Minuten drauf klopst's an einem Fenster im Dorfe. Dahinter ist noch Licht nnd Geschwätz. Da sind noch dieBettel­mädcher" zusammen, nnd cs wird ausgemacht.

Und nicht fünf Minuten drauf kpinmen zwei von ihnen nüt einem großen Waschkorb heraus nnd gehen durch die dunkle Dorf- ftraße zu Bilters Hans.

Tic Schelle bimmelt, der Spitz bellt wie rasend. Das Fräulein Biller kommt erstaunt heraus. Just hat sie schlafen gehen wollen.Was is denn nu da wieder los?"Ei, en schönen Gruß vom Herr Biller, und das Fräulein Schwester soll so gut sein nnd gleich mal nauf in denOchsen" kommen. Und sollt die Schinken mitbringen, die über vier in der Räucherkammer wären."

Was? Was soll sie?"

In denOchsen" kommen und die Schinken mitbringen, die über vier da wären. Aber schnell, es tat pressieren."

Ja, aber..."

Es tat arg pressieren!"

Wie is das mit den Schinken?"

Ei, vier sollen da bleiben, die andern sollen vorauf in den Ochsen" gebracht werden."

Das Fräulein Biller wundert sich ein bißchen. Aber viel­leicht hat der Bruder einen guten Handel gemacht. Wo der Schinken jetzt so teuer ist. Also zündete sie ein Licht an nnd steigt hinauf auf die Räucherkammer. Die Mädchen hinterdrein. Sie lachen, daß sie fast ersticken ... So ein Spaß ist noch nicht dagewesen. Die Jungen, die haben's gleich weggehabt, daß der nur gerät, wenn er gleich ins Werk gesetzt wird, im Hand­umdrehen gleich. Denn wenn der Biller erst daheim ist und aus­geschlafen hat, und zur Ueberlegung kommt, dann ist's natürlich aus mit dem Pläsier. Und das ivird jetzt ein Hauptpläsier,- wenn sie mit den Schinken kommen und das Fräulein Bülder auch noch gleich mitbringen. Ja, der Hannessen Hannes, der heckt all so Sachen aus, das der Richtige für so was.