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Dröhmer war tatsächlich, ein langsamer Reiter; mit Sporn Uitb Schenkel einen Gaul heranbringen, wir nicht seine Sache, aber es gab keinen besseren Pferdepfkeger. Darum bekam er auch immer die kaputtgerittenen Pferde, um sie zu schonen und wieder aufzufüttern. Auch der große Marbod, den er ritt, war sehr her­unter und darum ihm anvertrant worden.

Na, mal die Sporen, zum Donnerwetter!" rief der Ge­freite Ballhorn, der Dröhmer ausgebildet hatte.Ein alter Nussel- peter, der Dröhmer, zum Kuhfütterer besser zu brauchen als zum Leibkürassier. Mann, wann wirst du eigentlich deinen ersten Gefangenen ablicfern? Jeder aus nnserm Beritt hat schon einen Gefangenen gemacht, bloß der Dröhmer nicht. Bei dir muß man aber froh sein, wenn sie dich nicht fangen."

Die andern lachten, aber Dröhmer, der ebenso langsam mit der Zunge war, wie zu Pserde, antwortete:Ich, werde meinen Gefangenen schon noch bringen. Wartet's nur ab, ihr Klug­schnäbel!"

Nana," meinte Ballhorn.Wenigstens aber hat Dröhmer die Hoffnung noch nicht aufgegeben." Und die andern lachten nur noch mehr.

Zwei Verbindungsleute Zurückbleiben!" befahl der Leutnant Und winkte, wie selbstverständlich, dabei dem Kürassier Dröhmer zu.

Diesem war der Auftrag mehr als recht. Er konnte so recht stillvergnügt für sich allein dahinreiten und brauchte nicht daS Gehänsel der andern .hören. Er verhielt sein Pferd, um den nötigen Abstand zu gewinnen.

Ter Marbod erholte sich bei der gemäßigten Gangart: Drvh- mer zog die Zügel immer kürzer an, und an einer kleinen Steigung ließ er ihn Schritt gehen.So schön!" Er klopfte dem Braunen den Hals und freute sich seines leichter klingendes Schnaubens.

Tie Steigung zog sich doch länger hiii; Dröhmer wurde etwas unruhig, aber er scheute sich, sein ausgepumptes Pferd hier an­traben AN lassen. Er würde die andern schon wieder eirtfrkgat!

So erreichte er die Höhe uiid sah sich um: drüben eine ver­einzelte Baum gruppe, sonst verschneites Unterholz, - doch von seiner Patrouille nichts zii entdecken.

Dröhmer richtete sich im' Sattel auf, um besser ausspühen zu können. Doch der Wind wehte so scharf, daß üym jdie Augen tränten, und zugleich verwandelte sich das leichte Schneegeriefel in einen dichten Sehneefall, der auch die letzte Aussicht nahm.

Na, was machen wir nun, Marbod?" redete Dröhmer seinen Braunen an, der mit gespitzten Ohren und geblähten Nüstern die Lust einsog.Aber wo der Mensch nicht mehr weiter weiß, soll erL ruhig seinem Pferd überlassen. Geh, Marbod, wirst die andern schon wiederfinden." Damit gab er dem Braunen die Zügel frei, und mit langen Schritten stampfte der durch den Schnee, immer in der Richtung, die aiich nach Dröhmers Ansicht sein Leutnant eingeschlageu haben mußte.

Eine gaiize Weile ging so dahin: der Abend sank, und die zunehmende Dunkelheit erschwerte! dasi.Neiten wie das Zurcchtfiuden.

Der Braune hatte sich indes durch das lange Schrittgeben' erholt, unb als Dröhmer ihm! jetzt Leicht die Scheitel gab, schlug er eineu langgestreckten Trab an, der in kurzem nur eine Meile förderte. Rechts zog sich ein Sumpf hin, inan sah die blanken Eisaugen der leicht überfrorenen offenen Stellen zwischen dein verschneiten Krüppelholz und der trügerischen Schneedecke des Sumpfes, sonst nichts als stäubende Flocken und die Umrisse der wenigen, vom Winde schief gewehren Kiefern, die vereinzelt die Snmpffläche überragten. Sonst nichts, kein Haus, keine N'.eusch- liche Siedlung.

Vorwärts gings im langen Trab. Ta wieherte der Braune leise auf; ein Licht blitzte auf und noch eins: ein Torf tauchte aus, eines jener unregelmäßig gebauten Haufendörfer, bestehend aiis elenden Blockhütten, die sich ohne feste Straßenordnung oder festen Plan hier in einer Gruppe hoher Rüstern versteckten, dort hinter einen: zerfallenen Plankenzaun verborgen. Tie spitzen. Weiß verschneiten Dächer, der treibend? Schnee, dazwischen der glostende Schein der elenden Lichtstümpfchen, die in den Stuben der Gehöfte brannten, gaben ein eigenartig malerisches Bild.

Die Nähe von Menschen gibt sonst Mut und Ruhe. In diesem Falle nicht. Es waren feindliche Menschen, die hier hauste,:. Und er, der deutsche Kürassier, war allein! Dröhmer prüfte die Kammer seines geladenen Karabiners und lockerte die Lanze am Riemen.

Sv ritt er in den Ort hinein. Hinter dein Plankenzaun des ersten Gehöftes stand in seinem landesüblichen Schafpelz der Bauersmann, die Pudelmütze auf dem bis aus die Schultern fal­lenden, ungekämmten Haar, und inlnsterte den deutschen Reiter- halb neugierig, halb mißtrauisch.

iDröynrer batte sein Pferd in Schiritt satten lassen.Sind Feurde hrcr?" fragte er, und als der Bauersmann Nur die Achseln ruckte, setzte er, mit einer bezeichnenden Gebärde auf die Gehöfte beuteiid, hinzu:Rußkis?"

Der Dauer hatte demütig seine Pudelmütze abgenommen Und schüttelte nur den sttuvpiaen Kops, indem er, aus sein eigenes! Haus deutend, beteuernd die Hände hob.

Dröhmer nickte und ritt weiter. Unweit an einer Ecke lag .Kr etwas größere Anwesen. Aus dem Fenster der Rückseite fiel Lichtschein, und es klang ein lauter Gesang aus rauhen Kehlen in die Nacht. 2lha, dachte Dröhmer, das Gasthaus! Da wollen'

wir mal einen auf die Lampe gießen und zugleich! nach dem Weg' fragen. Weiß der Teufel, er war durchgefroren, und die Zunge klebte ihm am Gaumen von der Aufregung, hier als Versprengter Au reiten. Er bog um die Ecke. Aus der angelehnten Haustür siel Lichtschein, draußen stand ein halbes Dutzend gesattelter Pserde, abgezäumt, einige Bündel Heu fressend, dabei eine dunkle, lehmgraue Gestalt, und drin in der Wirtsftube saßen vor dem großen, russischen Ofen man sah sie genau durch das Fenster 5. Kosaken, die Mützen schief auf dem Kopfe, Branntweinflaschen vor sich. Dröhmer wollte sein Pferd wenden, viele Hunde sind des Hasen Tod. und sein armes Pferd hielt am Ende die wilde Jagd nicht ans. Zu spät! Ter Posten stieß schon einen schrillen Anruf aus. Dröhmer war kein Mann des schnellen Entschlusses, aber Not leht beten. Sv gings auch ihm. Die Pferde waren ab­gezäumt, so schnell kamen sie nicht in die Sättel, denen mußte er eins aufbrennen. Er riß den Karabiner, den er aufs Knie gestemmt getragen, an die Backe, ein KUall, und der Posten bei den Pferden stürzte mit dumpfem Laut zusammen.

Drin ein lautes Gebrüll. Die Kosaken sprangen auf, stürzten heraus und-etwas Unerwartetes geschah-griffen nicht

den an den Sätteln hängenden Karabinern oder Lanzen, son- dern^erhoben die Hände, um sich zu ergeben.

Donnerwetter! dachte Dröhmer, der schon sein Pferd herum­gerissen, die mußt du mitnehmlen! Aber wie sollte er allein fünf Mann entwaffnen und abführen? So langsam Dröhmer auch war, er war im Grunde ein pfiffiger Kerl, der sich nicht leicht iir Verlegenheit bringen ließ.

Alle Mann dort in die Scheune!" gebot er, indem er dro­hend die Lanze erhob und auf ein offenes Scheunentor deutete. Tie Kosaken verstanden bie^ Bewegung. Einer bat um Brot. Dröhmer überlegte, dann warf er ihnen sein Kommißbrot zu. Die Russen nahmen es gierig auf und trotteten mit einem gl eichg ästig gemur­meltenNitschewo" in die Scheune, die der Wirt, wieder durch die.vorgehaltene Lanze freundlich aufgefordert, bereitwilligst hin­ter ihnen abspcrrte.

Na, die Kerls werden mir ja am Ende ausrücken," brummte Dröhmer durch die Zähne.Das hilft nun nichts. Aber ich habe die Pferde und die Waffen." Er bedeutete dem Wirt, wieder mit der Lanze, die Pferde zu zäumen uird zu koppeln. Auch dies tat der Wirt bereitwilligst und erteilte durch Winke Auskunft über den Weg. Dröhlner nahm das erste Pferd am Zügel uird trabte so rasch als möglich mit seiner Koppel lediger Pferde zum' Dorfe hinaus.

Klipp, klapp, ttipp klapp klang der Hufschlag. Wie ein Ritt­meister. der mit seiner Schwadron ausritt, so fühlte sich Dröhmer. Aber die Richtung? Hatte ihm der Wirt auch den rechten Weg gewiesen? Immer nach Osten, denr aufgehenden Mvnd, der eben das schnell ziehende Gewölk durchbrach, entgegen. Es mußte schon stimmen.

Da klang .Hufschlag aus einem Seitenwege. Dröhmer schlug das .Herz. Er verhielt sein Pferd, aber der Marbod griff mit schärfer aus und wieherte freudig, - er hatte seine Regiments­kameraden gewittert. Es war die Kürassierpatrouitte, die aus dem Dunkel des Waldes auf die vom Monde hell bestrahlte Lich­tung die Dröhmer eben erreichte, ritt.

Melde mich mit sechs Beutepferden zur Stelle!'' sagte Dröhmer, auf seinen Leutnant zureitend.Die Kerls sitzen da­hinten im nächsten Tprf. Ich habe sie so lange in die Scheune gesperrt."

Donnerwetter!" lachte der Leutnant,das nenne ich einen Fang. .Hoffentlich sind Ihre Gefangenen aber noch da?"

Ich habe ihnen mein Kommißbrot gegeben," antwortete Dröhimer mit einem psissigen Lächeln.Na^ und wenn ein Rußti zu fressen hat, rückt er so leicht nicht aus."

Sie sind in ein Mordskerl, Dröhmer!" lachte der Leutnant, ein verkanntes Genie. Also los! Holen Sie Jhte Gefangenen."

Im leichten Galopp jagte die Patrouille den Weg zurück, den Dröhmer gekonkmen. Stolz ritt dieser an der Spitze, neben dem Herrn Leutnant und zeigte den Weg.- Bald war das Dorf erreicht: vor dem Wirtshaus machten sie halt. Die Kosaken waren noch da! Ebeii hatten sie die letzte Krume Kommißbrot vertilgt.

Im gemäßigten Tempo, ihre Gefangenen in der Mitte, ritten unsere Kürassiere dann zurück. Dröhmer zum Schluß.

Still und stolz saß er ans seinem Braunen. Sechs Gefangene! Das war noch keinem gelungen.

vermischter.

* Die Kind er und die B üvcn. Was die Märchen er­zählen, das geschieht manchmal noch heut im vollen Lichte der Wirk lichkeit. Ein solches echtes und rechtes Märchenabentener berichtet die Zeitschrift des schwedischen Jägerbundes. Schauplatz dieses Abenteuers bildete ein Saeter (Alm) in der schwedischen Provinz Darlekarlieu. Diese Alm bewirtschaften zwei erwachsene Frauen mit vier Kindern, von denen das älteste gegen zehn, das jüngste aber erst zwei Jahre alt war. Währe ich die eine Frau das Vieh hütete, besorgte die andere die Arbeit in der Älmyütte uzrd hatte zugleich die Aufsicht über die Kinder. Diese waren aber nach Kittderart nicht im Hause zu hatten, sondern sprangen ins Freie und spielten da auf eigene Hand. Plötzlich sielen ihnen außerhalb