Ausgabe 
8.3.1916
 
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gleich nein imb nodKirnten da kommt einer gelaufen und sagt, der $>m Leutnant liegen drunten im Korridor. Gottlob baden sich die andern Herrn auch noch in Sicherheit bringen können denn die Kerls toten richtig das Schl oh in Brand geschossen das tot loieder ein so sauln-rer Patrvn im Dorf angezettelt na die Bande tot's buhen müssenDer Leutnant schloß die Augen und sagte:Ich möchte schlafen." Der Bursch« schlick auf den Zehenspitzen Innung, sein $>erT aber totfjtc dem Gehörten nach. Wie war das gewesen? Sein Zimmer? Das mit der blangoldenen Prockt? Warum hatte er es verlassen? War da nicht eine Fryu? Tie Frau aus dem Bild? Das konnte wohl nur ein Traum ge­wesen sein. Eines war Wirkliästrit! Man hatte ihn draußen auf tem Korridor gefunden. Lag nicht ein rätselhafter Schimmer über dem Geschehnis? Ach «ein er luotltc nicht grübeln er wollte nur dankbar sein innig dankbar für sein Leben, tos mm wie ein köstliches Geschenk in seinen Händen lag. Jede Stunde war er bereit, es für Kaiser und Vaterland hinzugeben durch schmäh­lichen Verrat sällt keiner gerne! Nur dankbar sein und schlafen schlafe».

Er wurde zur Erholung für ein paar Tage in die Heimat ge­sagt. Mit leim« Zagen stieg er in einer stillen Stunde hinauf zur Shinujelfamnu'r. Da hing tos Bild, kaum erkennbar unter dem verstaubten Glas in der trüben Dämuierung des Wintertages. Er nahm es von der Wand, um es beim Fenster zu besehn. Da löste sich die Rückvand tos Rahmens und ftel polternd zu Boden. Aus der Rückseite des Bildes al'er, die nun frei geworden, stand in verblaßten Lettern:

Anne Marie von Zossow, geb. am 20 . dRai 1720 Ehrenfräulein der Großterzochn von Mecklenburg am 12. Juni 1742 vermählt dem Bicomte von Mvntperlö aus Schloß M-mttperlö in der Champagne.

Vc rmifcbtc*.

* Theater, Fußball uub Krieg in England. John Bnlls Geldsorqen sind allmählich so groß geworden, daß er sich leibst dort mit dem Gedanken der Besteuerung teireuuden muß. wo alle Schichten des engliscben Volkstums sich au» empfindlichsten getrosten fühlen. Denn Theater. Varietös, Zirkus lind Singspiel- ballen waren deui D»trchschnmsengländer bisher ebenso heilig und teuer >vie der Sport, vor allein das vergötterte Fußballspiel. Run sollen auch die Theater und dre sportlichen Veranstaltungen besteuert inerden, »md wenn der Chronicle* fernem Publikum diese

Dlaßnahine als äußerst empiehlenswerl rururdgerecht zu niachen sucht, so erhellt hieraus mit aroßer Deutlichkeit, wie arg die Geld- rieiiime ist, in der die Knegsleistung jenseits des Kanals stch be­findet. ^Gegen die Besteuerung der Tl>eater. Smgspielhallen. V-erdereunen, Fnßballkämpie und ähnlicher Vergnüglingeu*, sagt das Londoner Blatt, .ist nichts weiter einzitwenden, als daß man vielleicht hierzu einen neuen Beamtenapparat be,iönqt, der um­ständlich und kostspielig ist. Wenn dies vermieden wird, ist die genannte Besteuerung nur zu empfehle,i Denn es unterliegt keinem Zweiiel, daß man d»,rch eine derartige Verringerung der Ver­gnügungen und sportlichen Veranstaltungen viel Geld für dringendere Zwecke sparen würde. Wer heute Theater und Kinos besucht, soll t-lchig mehr dafür zahlen. ,ind wenn er dies nicht will oder kann, darauf verzichleii. In beiden Fällen wird Geld gewonnen. Denn nicht nur das für die Vergnügungen ausgegebeiie Geld kon,mt in Betracht, sondert, man muß auch die Kosten in Erwägung ziehen, die zur Unterhaltung der Veranstaltungen und Unternehmungen erforderlich sind. Wemr die Halite der Theater geschlossen würde, könnte inan die Kohlen iür ihre Heizung, den elektr,sck)en Strom für ihre Beleuchtung ersparen und d,e Arbeitskräfte der An­gestellten den Krieqsarbetten dienstbar niachen. In dielen Zeiten, da die überflüssige Ailsgade jedes Schillings ein Vertu echen ,st, rst es sündhait, so viel inS Theater zu lausen nnd Geld für Kinos anszugeben, das wahrhastiq nötiger gebraucht wird. Darum er­scheint es wünschenswert, daß eme Zahl VerqnügungsetablissementS, Tbeater und Kln-bS dtirch Besteuerung zun. Schließen gezioungen ,verden. und daß n,an das für Fußball- und Gols-Wettkampse an­gewandte Geld durch strenge Maßregeln zu ersparen trachtet" . . . Der »Daily Chronicle* führt eine gewagte Rede. Denn wer Eng­land kennt, we,ß, daß inan dort nicht an Belustigungen und Sport- vergnügen tasten darf, ohne von den schwerwiegendsten Gründen geleitet zu sein. Wo sind der Stolz und der Reichtum Albions, wenn mm, Klubs schließt und den Fußball boykottiert! . . . . Hier haben wir ein englisches Baroiueter. das nicht trügt, und man kanu wohl sagen, daß es mir .schlechtes Wetter* steht.

* Reitende Tiere. Daß cs auch in der Tierwelt Kavalle­risten gibt, daß em Tier tos andere zum Rieften benützt, ist kerne zoologische Fabel, sondern eine naturwissenschaftlich nrehrfach festgestellte Erscheinung. Auch dichterich wurde ein Tierritt bereits to'-gestellt und zwar in Freiligraths bekanntem GedichtDer Loweurttt". Es wurde seinerzeit viel darüber gestritten, ob die Geichichte von dem Löwen, der die Giraffe zu Xobe reitet, lvirklich mtoilMlj oder aber bloß der Phantasie des Dicksters zuzuschreiten ]£} !£ incr der besten .SBeitner der a fr ika küßten Tierwelt, der Forscher Schrlluigs, löste die Frage toten, tost Freiligraths Bild uatur- gescknchtftch durchaus denkbar sei. Tatsächlich gibt es besonders

tn der kleineren Tierwelt eine ganze Anzahl reitender Geschöpfe, wie aus anschauliche Weise auS einer naturwisschensctof11ichen Plauderei von Prof. Willielm Bölsche einem Heft der oct der Teutsckien Verlags ?ln statt in Stuttgart erschein enden Zeit­schrift über Land und Meer entnommen ist. So $ü>t es eine Art von Beutelratten in Tlmerika, bei der tos Muttertter seine Jtmgen in ©tunten der Gefahr aus seinem Rücken daoonträgt. Nach der Sage von Aeneas, der seinen Vater Anchises auf dem Rücken'aus den, brennenden Troja trug, tverten diese Ratten als AeneaSrattsr. bezeichnet. Gewiffe tropische Ameisen benützen gegenseitig ihre Rücken, um so irnttels einer Art lebendiger Leiter von eitler Blatt- kantc auf eine entferntere zu gelangen. In langer Reihe hebt je eine Ameise eitle zweite cmzwr, an diesen beiten klettern andere hoch und so weiter, bis die so aufeinander rettenden Ameisen eine lebendige Leiter bilden. Doch die Kunst des Reitens ist in der Tier­welt nod» rveit mehr verfeinert. So laffen sich gewisse Tiere von anderen zu einer weilentfcrnten Beute tragen. Am testet, beobachtet man diesen Vorgang bei dem Polypen. ter als sog. Pstanzentter keine richtigen Beim hat. -Darum setzen sich die in der Forte tewvgung ziemlich hilstosen Polypen aus Kratoen oder tos Schneckenhaus eines Einsiedlerkrebses. Und nun reiten sie ter Beute zu, die Krabben und Krebse auffpüren. Allerdings ist dieses Zweiten insofern unvoll ko imrrcn, als der Reiter an den Träger gebunden ist und nickst auf- oder.absiben kamr, wann es ihm teil*#.

Büchertisch.

Das literarische Echo, Halbmonatsschrift für Lite- ratursreunde. Verlag: Egon Fleischet & Co^ Berlin W. 9. Das 1. Aiärzheft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Friedrich Rosenthat: Der Schauspieler in der Literatur I; Franz Strunz: Kurt Münzers »»euer Roman; Karl von Felneri Zeit und Kunst; Asired Biese: Von Stor»nS Edeleben und Weltgemlst; Ernst Llssauer: Anthologien. - Echo der Bühnen. - Echo der Zettungen. Echo der Zeitschriften. Echo des Auslandes. Kurze Anzeigen.

Ninnmer 3793 (Kriegsnununer 83) der L e i p z i g e r .I l lu- ftr i e r t e n Z ei t u n g* (Vertag I. I. Webers. Dr. v. d. Borqht behandelt in diesem Heit das Problern der UeberlettiMg der Kriegs­wirtschaft in die Friedenswirtschaft. Die mamttchsaltigen juristischen Fragen, die mit der Besetzung feindlichen Gebietes verbunden sind, erörtert von höheren Gesichtspunkten aus Geheimer Justrzrat Pro­fessor Dr. Joses Köhler in einem Artikel »Das Recht des HeereS in Feindesland*. Eine zusamnieniasjende Schilderung der öster­reichisch-ungarischen Offensive gegen Montenegro und Albanien bietet Oberleuttiant a. D. Walter Oertel, der als Kriegsbericht- eruatter den eriolggekrönten Feldzug miige,nacht hat Hervorragend wie immer ist wieder der bildliche Lchrn»,ck der SJuimmec.

»Die Geisha des gelben Teufels* von Karl Mischte. 10Ll. Band von Kürschner« Bücherschatz, der bekannten Roman- nnd Rovellensammlung (Hermann Hlllger Verlag, Berlin und Leipzig). Der Verfasser, der mehrere Jabre in Japan verlebt bat »nid dort schriustellerisch tätig gewesen ist, hat das Volk gründlich kennen gelernt, und er entwlrit uns in diesem Roman, dessen Handlung der Wirklichkeit cntuommeii tst, em sessetn- deS Bild auS dein Lebe,» der Japaner.

Der unsichtbare Tempel. Monatsschrift zur Samm­lung der Geister. Verlag von Ernst Reinhardt ln München. Preis vierteljährlich Mk. 2. Das Märzheft enthält folgende Ausiätze: Glauben und Wissen von Pros. M e s s e r - Gießen. Ueder die Organisation der Kriegsinvalidensürsorge oo>i Dr. Hermann Scholl. Ein iehlendeS Werk der Menjche»illebe von Dr. Ernst Schultze- Großdorstel, Der Krieg fm Lichte großer Denker von Professor Lerweyen-Bonn.

Der rote Pierrot. Don Freiherr« von Schlicht. Prei« 60 Pfennig. Verlag von Otto Janke, Berlin 8W.

Der Kleingarten, seine Anlage, Elnteilung nnd Be- wirtschastung. Von Mar HeSdöi-ffer. Preis 0,60 Mk^ &0 Stück 25 Mk., 100 Stück 46 Mk. Berlin SW. 11, Verlag von Paul Parey. _

Skat-Ausgabt.

Mittelhand spielt Piqne-Solo aus solgeuden Karten:

Das Spiel wird verloren, obgleich noch ein Trumps im Skat liegt. - Wie war die Kartenverteilnng und der Verlauf des Spieles? Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Gleichklangrätsel- in voriger Nummer r Ter .Bock".

Schrrstleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießem