Ausgabe 
6.3.1916
 
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du mußt springen. Mancher ist da schon elend umgekommen. Ge­rade so überschwemmen die Gerüchte das russische Etappenland.

Seit einiger Zeit gibt es hier ja wieder polnische und be* bräischc Blätter unter deutscher Leitung, so daß sich Wahrheit und Lüge nur die Bevölkerung nachprüfen läßt. Aber auch Meie Wer­tungen werden nicht so schnell befördert, als ihr Inhalt voraus-

^ Am zweiten Tag konrmt die Panjekolonne an ihr Ziel. Dann nimmt irgend ein Stapelplatz die Vorräte auf, und wir reiten zurück zu neuen Sammelzügen. , . ..

So geht es hin und her in rastloser Kleinarbeit, dre zwar ungefährlich, aber mindestens so nötig ist wie der Kampf mit der Waffe. Bis auf einmal der Pfiff einer deutschen Lokomotive die Stille der Wälder zerreißt. Nun wissen wir: unsere Arbeit ist getan, was wir mühselig in Wochen heranschlcppen, das bringt fetzt das Stahlroß in ebensoviel Stunden. Die Straßen werden leer, sie ziehen sich wieder zurecht unter Regen, Schnee und Frost, und bald ist die Panjekolonne hier ein Ding der Vergangenheit, fast ein sagenhaftes Gebilde.

vermischter.

* DerKraftfuß*. Halb Krallwagen, halb Rollschuh: so kennzeichnet Dr. A. Gradcnwitz in einer Mitteilung im neuesten Heile der reichhaltigen, bei Gustav Braunbeck in Berlin erscheinenden ZeitschriftMotor" das Zwerganto, dessen Erfindung aus Amerika berichtet wird. Es ist eine Art Siebenmellenstieiel, der seinen älteren und größeren Brüdern kaum ernftlict) Wettbewerb machen dürfte, vielmehr ihnen inr Falle eines Schadens aus der Verlegen­heit Hellen konnte, und sonst, von sportlichen Verwendimgeir ab­gesehen, wohl nur die Tätigkeiten eines Motorrades übernehmen wird. Es ist aber dieser Zwerg unter den Kraftfahrzeugen durch- ails ernst zu neh>nen. Seiner äußeren Gestalt liach zeigt derKrall- fuß" zwei niedrige Räder, die durch eiue Plaltiorm verbuuden sind, aus der der Fahrer steht, die jedoch auch mit emem kleinen Sitze versehen werdeii fami. Diese Plattform liegt nur 10 Ztm. über dem Bodeii. Außerdem zeigt das Geiährtchen noch eine Steiiersäule das ist alles. Dabei ist dieses Zwergaulo sehr kräftig und zweckmäßig geballt. Seiii 2>Lvferdiger Motor ist in das Vorderrad eingebaut und daher gänzlich unauffällig, alle arbeitenden Teile fmb standsicher verkapselt das Fahrzeug besitzt keinerlei Teile, die verbogeii oder verdorben werdeii könnten, iind auch keine Fuß­hebel oder sonstige vorstehende Teile. Durch Betätigung der Steuer- säiile wird die ganze Steueruiig in eiiliachster Weise bewirkt; die Steuersäule ist hohl, kann als Hilss-Benzinbehälter dienen und wird, wenn das fleiue Gewährt außer Gebralich ist, mugelegt uud in wagerechter Lage festqeinacht, wodurch der Benzinbehälter selbtt- tätig verriegelt wird. DerKraftsnß", deu der amerikanische Er­finderAntoped" nennt, iviegt im ganzen 25 Kg. uiid ist daher leicht zu tragen. Sein 'Motor gibt ihm eine Dnrchschnttls- geschwiildigkeit von etwa 30 Km. in der Srunde und hilit ihm auch aus schlechten Straßen und starken Steigungen vorwärts. Wichtig ist auch, daß sich die Gummirellen leicht abnehmen und schnell answechseln lasten. - Der Erfinder dieses kleinsten Kranwagens, Herr I. D. Merkle zil Middletown nn Staate Ohio, beuft sich seine Verwendung etwa folgendermaßen: Zunächi föunte er für Post- bestellungeii auf de,n Laude, sowie für Eilbesretliiugen und Boten­gänge beniltzt werden. Fenier wäre er als Lie'ernnqswagen für die Bestellung kleiner Pakete geeignet. Deii Großstädter könnte er schiiell aus dem Vororte nach der Stadt und den Arbeiter von seiner Wohnung nach der Fabrik briiigen. Auch Handlungs­reisende würden in dem Kraslluß ein begiicmes Beförderungsmittel finden uiid, wie schon angedeutet, könnte er schließlich auch als Notbehelf auf Kraftwagen Verwelidiiuq finden. So scheint die jiinge, aber schon so gewaltig ausgedehnte Krallwagenindustrie in dieser neuesten Erfindung eine Bereicherung voii wirklichem Werte begrüßen zu können.

* ^Times"-Anzeigen. Ein Herr, besten Geschält infolge des Krieges geschlosten werden mußte, möchte gerne Eriverb finden, iiidem er sein Autoinobil veruiietet und dabei selbst als bezahlter Fahrer tätig ist. Junger Offizier wünscht gemütvollen Brief­wechsel mit einer Dame. Helsen Sie Großbritannien, den Krieg gewlniien! Nichts ist ivichtiger als möglichst rasche uiid umfang­reiche Munittonserzeuguiig. Tie unterzeichiiete Firma siicht noch ein Kapital voii 500 Pfund zur Herstellung von Mllnition. Wenn Sie sich beteiligen, machen Sie ein gutes Geschäft imd Helsen der Nation! Die Unterzeichnete Dame ist bereit, einem Offizier der Landarmee oder der Marine durch herzlichen Briefwechsel an- genehine Zerstreuung zii verschaffen. Lungenkranker australischer Soldat sehnt sich nach dem Klima seiner Heimat. Welcher gut­herzige Patriot will die Kosten der Ueberfahrt bezahlen? Soldat wünscht erne kleine Anleihe, um seine dringendsten Schulden zu ordnen, bevor er an die Front geht.

Vüchettisch.

** Handbuch der Kunstwissenschaft. Heraus- gegeben von Univ.^Prof. Dr. Fritz Burger, München. Mit

etwa 5000 Abbildungen. In Lieferungen im Abonnement ü Mk. 1.50 (Akademische Verlagsgesellschaft, Neubabelsberg). Lieferung 21. Graf Vitzthum, Die Malerei und Plastik des Mittelalters. Heft 2. Das Buch ist den Fachgeiwssen und den Laien gewidmet zur Erweiteruiw des Gesichtskreises und zur Schärfung des ästhetisck>en Urteils. Diesen Ziveck erreicht das Haiidbuch eben durch die klare, neuartige Gliederung des An­schauungsmaterials und die Konsequenz seiner zielbewußten AuA« führungen, ohne deslvegen in einen lehrhaften Ton zu verfallen. Wenn Graf Vitzthum in dem eben erschienenen 2. Hefte seiner Ab­handlung über die Malerei und Plastik des Mittelalters von der italienischen Mülerei spricht, so steht seine Arbeitskraft zwar hier im Detail, doch fehlen niemals die Bezüge und Hinweise auf das große Ganze. Das angegebene Quellenmaterial er­leichtert ein tieferes Eindringen in die kunstgeschichllliche Materie- Das Handbuch ist eine ideelle Unternehmung, deren Qualitäten un­möglich übersehen werden können.

D e r T ü r in e r (Krtegsausgabe). Herausgeber : I. E. Frhr. v. Grotthuß. Vierteljährlich »6 Hefte) 4 Mt 50 Pfg., Ernzelheft 80 Vs. Probehell portofrei (Stuttgart, Gremer & Pfeiffers. Aus dem Inhalt des ersten Märzhesles: Friedensbewegung. Don Hans v. Wolzogen. Mutter. Skizze von Olga Pöhlmann. - Natio­nales Verantwortlichketldgefühl. Eine Verteidigung der deutschen Frauen. Von Le>ia Voß. Eiiie ungehaltene Schützengraben- predigt. Vorr Leonhard Schrickel. Kriegswncher. Von Kurd von Strantz. Englaiids Trnmvfe in Ainerika. Volkstümliche Umgestaltungen in der Rechtspflege. Von Pros. Dr. Ed. Heyck. Wie es in Rußland aiissieht. Die wirtschaftliche und soziale Lage unseres Beamtenllandes. Von Dr. für. et pbil. Bovensiepen.

Etn deutscher Nothelfer unserer Zeit. Von St. Tie ent« götterte Welt. (Berliner Theater-Rundschau) Don Hermann Kienzl.

Gustav Falke. Von Karl Storck. Türmers Tagebuch; Der Krieg. - Auf der Warte. Kuustbeilagen. Notenbe«lage.

Verkehrskarte von Deutschland und seinen Grenzgebieten. J>n Maßstab 1:1 öoOCOO gezeichnet von P. Krauß. Zweite, erweiterte Ausgabe mit einer Sonderkarte des Rheinisch-Westfälischen Jndustrtegebietes. Aiti Achtelgröße ge­falzt in Umschlag 1 Alt. 20 Psg. Verlag des Bibliographischen In­stituts in Leipzig und Wien. Die ziveite Ausgabe der beliebten ilnd stark verbreiteten, von P. Kraiiß gezeichneten Verkehrska te hat eine gerade für unsere Zeit sehr willkommene Vergrößerung des Kartenbildes erfahren. Reichte die erste Ailsgabe un Westen bis zu einer Nord-Süd°Linie, die sich diirch die Städte Gent und Reiins bestimiiieii läßt, so ist sie bei der neuen bis nach Boulogne uiid Paris hinausgerückt worden Viel größer ist die Erweiterung des Kartenbildes nach Osten, das jetzt mit einer Linie abschneldet, in die Orte wie Minsk ilnd Rowno und die bestarabische uiid rumänische Grenze iatleu. Bis ans das Rheinisch-Westfälische In­dustriegebiet sind alle früher aufgeiioiiiineiien Soliderkarten fort- gelassen worden, so daß niiinnehr voii den Grenzgebieten Polen, ein Stück des mittleren Rußlands und das nördliche Ungarn etwa bis hinunter nach Klailseiibnrg einerseits, anderseits Holland, Belgien und Nordoslirankretch mit zur Darstellllng kommen koniiten. So gewährt diese eine Fläche von 70X103 Zun. bedeckende Karte zugleich eine klare Ueberstchl über den westlichen und östlichen Kriegsschauplatz, bei letzterem bis hinauf nach Schaulcii, wobei wir besonders hervorheben, daß alle Kampfplätze sorgfältig em- gezeichnet find. __

Gleichklang Rätse!.

Bin ein gar setlsam Tier,

Habe der Beilie vier.

Aber lnein Schweif und Haupt Sind nur geraubt.

Hoch schätzt der Turner mich.

Kräftig und stark bin ich,

Trage die schwerste Last,

Die du nur hast.

Fäster selbst nehm' ich hin.

Bin ja oft selber drin;

Schau nicht zu tief hinein,

Wirst es bereu'n!

Taumelst die Kreuz iind Quer,

Rufst eine Droschke her.

Fährst du nach Hause dann,

Bm ich voran.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer; ADLER DREI LEK E I R

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